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Sonntag, 24 Mai 2015 19:03

Licht aus, Licht an

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Mein vierter Abstieg tut weh, verdammt weh. Nie war einer vermeidbarer und perspektivisch unglücklicher. Ganz langsam nur weicht Schockstarre einkehrendem Realitätssinn, dem Frust die Hoffnung,  grenzenlose Enttäuschung neuem Mut. Die Liebe bleibt unangetastet.  Nun, nachdem die Tränen ein wenig versiegen, der Versuch wirre Gefühle zu ordnen.  Irgendwie muss man sich ja abreagieren.

Oja, es war eine merdige Saison, ich  fasse noch so einiges nicht, von verstehen kaum eine Spur. Hat es so sein sollen? Ein Tor mehr und wir würden jetzt anders reden, oder nicht!? „Zweitklassig“. Das hört sich schon bescheiden an. Überall wo es gestern noch strahlte nur noch fahles Licht, vergessen die paar schönen Momente, im Herzen tiefe Leere. Wochenenden werden nicht mehr die gleichen sein, die Gespräche andere, das Leben nimmt einen neuen Verlauf. Hört sich dramatisch an, ist es auf den ersten Blick auch. Nur ist die Geschichte hier ja nicht zu Ende.

Jetzt mal Tacheles unter uns: Nach sechs Jahren am Stück runter zu müssen, ist ein steinhartes Stück Brot, an dem wir, wenn es richtig blöd läuft aachenlike noch eine ganze Weile zu kauen haben werden. Überall ist von notgedrungenem Umbruch die Rede, von Ratten, die das sinkende Schiff verlassen, Katastrophe, usw., blabliblubb. Man kann es auch übertreiben, eine Katastrophe wäre existenzbedrohend, tot sind wir noch lange nicht, allerdings sollte man fragen dürfen welche denn die Gründe sind, dass es saisonübergreifend nicht gereicht hat und was man besser machen muss.  

Mag die Mannschaft ja in ihren Einzelteilen einer der besten der jüngeren SC-Historie gewesen sein, mit Spielern die heulend den Platz verlassen um am nächsten Tag wechselfreudig in die Kameras grinen will ich nix zu tun haben. Ligenunabhängig. Ich möchte einfach nicht verstehen warum man gerade in Freiburg nicht mal zu seinem Verein stehen kann, egal in welcher Liga. Was bedeutet: „Alle Spieler haben Verträge für die zweite Liga“? Streich hat darauf ja schon die passende Antwort gegeben, indem er Treue und Leidenschaft öffentlich vorlebt und nicht nur davon laberdivat.

Dass hat nichts mit romantischer Verklärung zu tun, das ist eine Sache des Charakters und der Einstellung verdammt nochmal. Wenn einige Spieler hier schon so abgehoben ticken und lieber Hoffenheims Groß-Spielerwilderer G.Stipic folgen, der im Übrigen des Öfteren für Unruhe im Freiburger Umfeld sorgt, statt hier erstmal mindestens zwei Spielzeiten am Stück konstant auf hohem Niveau durchzuhalten, bekomm ich Plaque. Und wenn dann noch Hoffenheims Trainer Mitleid mit dem SC heuchelt bekomm ich das ganz, ganz große Kotzen. Da  wundert mich die Entwicklung des Fußballs im Allgemeinen nicht. Mir ist es völlig Latte ob wir nächste Saison in Asien übertragen werden, dafür nerven Montagsspiele auch ohne Freiburger Beteiligung. Gepushter Neuschrott, der im Verdrängungswettbewerb die Haltwertzeit eines Convenience-Burgers hat, und genauso unbefriedigend satt macht, braucht kein Mensch auf Dauer, schon gar nicht täglich.  Ist ungesund.

Fraglich auch, ob man mit diesem Fast-Kick-Schmierentheater überhaupt noch was zu tun haben will. Ja, ich will, und weil ich nicht anders kann, aber auf ehrliche SC-Manier. Um den Granden und Möchtegerns Einhalt zu gebieten und zu zeigen wie es auch geht.

Es stimmt, dass der Zeitpunkt des Abstiegs unglücklicher nicht sein konnte, jetzt, da beim SC viele Weichen für die Zukunft gestellt wurden. Wenn an den Gleisen aber Pfusch betrieben wird, bringt die beste Stellwerkleistung nichts. Will sagen, dass der SCF viel guten Willen zeigt so aufgestellt zu sein, dass er trotz nachrückenden Pseudovereinen immer eine Chance hat erste Liga zu spielen. Dann sollte man im gleichen Atemzug endlich damit aufhören sich kleiner zu reden als man ist. Ich kann es nicht mehr hören. Sechs Jahre erste Liga sind eben auch sechs Jahre Zeit sich erstklassig zu etablieren. Zu oft ist es zu knapp gewesen. Ja, wir haben ein großes Wesen, vollkommen richtig, das darf man gerne auch zu Schau stellen, nur nicht zur Show verkommen lassen. Wenn gedeckeltes Kleinhaltetum zu einem Wesensmerkmal des Charakters wird, ist es gerade im Sport schwierig mit der Motivation. Genau die ist einigen Spielern abgegangen. Und jetzt erkläre mir mal einer wie du so eine – teils durch mangelnde Perspektive und Gier nach schnellem Geld geprägte Truppe – handeln willst? Christian Streich hat seine Lieblinge hört man. Sicher, dass auch, nur man könnte auch meinen, dass er aus Mangel an wollenden Alternativen (plus Verletzte) viel zu oft gezwungen war unglücklich und vor allem im permanenten Wechsel aufstellen zu müssen. Will hier aber nicht weiter spekulieren, man hat jedoch auf dem Platz gesehen wer sich über die ganze Saison zerrissen hat und wer nicht. Einige konnten einfach nicht. Die Mischung im Team hat offensichtlich nicht gepasst und der bevorstehende Aderlass fällt jetzt sicher nicht groß anders aus, wären wir drin geblieben.

Insofern ist der Um- für mich kein Beinbruch. Schlecht wird mir mit Blick auf die zukünftigen sportlichen Aufgaben. Wenn man sich so umguckt wer da oben (noch) weiterspielen darf und wer da von unten hoch will wird die Tendenz zur Gewissheit, was es uns naturgemäß nicht gerade einfacher machen wird weiter bei den hire and fire-games eine Rolle zu spielen. Es scheint sich in der Spitze alles so zu entwickeln wie wir Kritiker das vorhergesehen haben. Der Profi-Fußball mutiert mit gönnerischer Unterstützung seiner Wertehüter aus Frankfurt endgültig zu einer reinen Gelddruckmaschine digitaler Emotionen und da bin ich doch herzensfroh einem Verein die Treue zu halten, der mir persönlich zwar zu klein denkt, dennoch die Größe hat mit normalen EIGEN-Mittel im Haifischpool gegen den Strom zu schwimmen. Nur sollten er und wir Fans auch mal entscheiden was wir in letzte Konsequenz wollen? Profifußball ok. Was noch? Erste Liga nur wenn es passt oder auf Dauer anstreben? Verdammt vermaledeit schmaler Grat. Tue mich da selber oft schwer, erste Liga ist halt immer erstrebenswert, wenn man schon bei der ganzen Buli-Schoße mitmischen will. Wenn nicht: Alternativen gibt es ja.

Wie immer birgt so ein Abstieg auch Chancen. Die Kurve entschlackt sich, Routinen werden aufgebrochen, man kommt an Orte, die man ohne Grund so nicht zu Gesicht bekommen hätte, oder mit denen man noch offene Rechnungen zu begleichen hat. Das Amt und die Polizei kommen zur Abwechslung vielleicht mal wieder von ihrem hohen Ross runter und der Verein wischt mal ordentlich durch. Denn eins ist klar, umso länger wir zweite Liga spielen, desto schwieriger wird es an allen Fronten. Von Stadion bis Fußballschule. 

Im Team finden sich hoffentlich wieder Jungs zusammen, die nach Höhenflügen auf dem Boden bleiben und mit Leib und Seele für den SCF spielen. Am besten weil sie Bock auf geilen Fußball haben, den CS ab sofort  spielen lässt. Mit einem bissigen, frischen und exklusivem Konzept, einem ganz eigenen Wesen eben. Viel Zeit bleibt nicht um das Profil wieder zu schärfen. Also packen wir es an. In vier Wochen startet der Dauerkartenverkauf und ich freu mich drauf.  

Alles wird nun wieder neuer. Nur die Liebe besteht ewig. Wir kommen wieder und dann richtig!

Forza SCF!

 

Donnerstag, 21 Mai 2015 14:55

Schalke – bin ich BLÖD oder was?!

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Beim HSV gibt es vor Heimspielen regelmäßig das HSV-Volksparkett als „offene Bühne“, wo neben HSV-Fanthemen und -Promis regelmäßig auch Vertreter des Gastvereins eingeladen sind. Ziel dieser vom Fanprojekt des HSV und den HSV-Supporters geförderten Veranstaltung ist ein offener Dialog zu allen Themen rund um die Fankultur im Verein und im Stadion.

Zahlreiche Hamburger Größen waren dort seit 2007 bereits zu Gast, auch beispielsweise  Uli Hoeness und Toni Schumacher gaben als Gästevertreter ihre Visitenkarte ab und nutzten die Gelegenheit, ihre Vereine fannah zu präsentieren.

Nun möchte man meinen, für den FC Schalke 04 e. V. gäbe es keine leichtere Aufgabe, als in diesem Rahmen zu glänzen und einen interessanten Repräsentanten für hunderttausende Schalke-Fans und Mitglieder zu entsenden und die Bedeutung des geilsten Clubs der Welt zu unterstreichen. Schließlich leisten wir uns nicht nur eine mehrköpfige hauptamtliche Fanabteilung, nein, es gibt diverse bestens gepamperte Gremien von Aufsichtsrat bis Ehrenrat, dazu den SFCV und zigtausend Schalke-Fans, die wie zuletzt in Augsburg, gerne bereit sind, die königsblauen Flagge in der Fremde hochzuhalten.

…leider hatte unser Verein nach Aussage des Veranstalters trotz rechtzeitiger Anfrage KEIN Interesse an diesem Auftritt und nun werden wir von – bitte setzt Euch – BILD-Schreiberling Peter Wenzel vertreten.

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Ich finde es ein unfassbares Armutszeugnis, dass der FC Schalke 04 weder einen Vertreter geschickt noch die Anfrage an interessierte Fans weitergegeben hat. Ich möchte mich NICHT von jemandem vertreten lassen, der seine Stellung als Schalker Hausreporter bei Deutschlands größtem Boulevardblatt regelmäßig missbraucht, um Öl ins Feuer zu gießen und tendenziösen Unsinn über Schalke zu verbreiten!!!

Wütende blau-weiße Grüße

Susanne Blondundblau

 

Amateurederby

Das Amateurederby ist vorbei. Die Roten haben mit 1:0 gewonnen, bis zum nächsten Aufeinandertreffen sind die Verhältnisse geklärt. Zumindest sportlich. Was noch nicht geklärt ist sind die Folgen für die Zukunft was den Spielort und das Drumherum angeht.

BuB A Calling 1Vom Geschehen auf dem Rasen der SGL-Arena, dem 0:0 zwischen dem FC Augsburg und Schalke 04 kann man halten, was man will; abseits des Platzes wurde von beiden Fanlagern ganz großer Sport geboten. Die große blau-weiße Choreo im Gästeblock war dabei für alle sichtbar,  zahlreiche Gesten der Gastfreundschaft waren nicht so spektakulär, sorgten aber nachhaltig dafür, dass es unter den mitgereisten Schalke-Fans eine einhellige Meinung gab: Augsburg war eine Reise wert!

Egal, wo der königsblaue Tross in Augsburg Halt machte, er wurde durchweg freundlich begrüßt. Im Informationsbüro am Rathausplatz grüßten Flaggen beider Vereine, in sämtlichen Restaurants wurden farbentragende Gäste herzlich willkommen geheißen, auf dem „Plärrer“-Volksfest gab es eine Gratis-Maß und im Stadion liefen Augsburger Kinder gemeinsam mit Knappenkids vor dem Spiel strahlend  eine „Ehrenrunde“.

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Die treibende Kraft hinter diesen und zahlreichen anderen Aktionen „von Fans für Fans“ war „Augsburg Calling“, ein Fanprojekt, das es sich auf die rot-grün-weiße Fahne geschrieben hat, bei gemeinsamen Events und Unternehmungen Kontakte zwischen FCA- und Gästefans aufzubauen, die abseits der sportlichen Rivalität für einen freundlichen Austausch sorgen.

BuB A Calling 13Das Rezept ging an diesem langen Osterwochenende hervorragend auf; bereits am Freitagabend stürmten zahlreiche Schalker „Bob’s Punkrock Pizzeria und Beerbar“, das ebenso schräge wie liebenswerte Epizentrum von Augsburg Calling. An jedem Tisch fanden sich bald gemischte Gruppen, die schwäbisch-ruhrpöttisch miteinander frotzelten und das eine oder andere Kaltgetränk vernichteten.

Sehr großen Anklang und Andrang fanden auch die von Gitti exzellent organisierten Stadt- und Fanführungen für Schalker: Statt einer geplanten Führung plus Kindertour gab es derer fünf, die trotz des ungemütlichen Wetters alle Teilnehmer begeisterten. Die Komplimente für den kostenlosen Service gab Gitti beim „Fanfrühschoppen“ am Montag gerne zurück: Die Schalker seien nicht nur die größte, sondern auch beste und netteste Gruppe gewesen, sie freue sich bereits aufs nächste Jahr.

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Am Samstagabend gab es auf der „AC Schalke Vernissage“ Streetart von Robbie W. Hoyer und Daniel Andersch zu bewundern, sonntags nach dem Spiel platzte die Punkrock-Pizzeria bei musikalischen Live-Acts fast aus den Nähten. Nicht mehr ganz so voll – einige lagen wohl noch in Essig, andere hatten bereits die staugeplagte Heimreise Richtung Ruhrpott angetreten – war es beim Fanfrühschoppen am Montag, dafür gab AC-Initiator Gerhard „General“ Seckler einen Einblick in die Geschichte von Augsburg Calling: Nach dem Zweitligaaufstieg des FC Augsburg war er bei einem Auswärtsspiel in Unterhaching Zeuge, wie zahlreiche FCA-Fans an einem Bahnhof zwei Mädchen mit ihrem Onkel in Unterhaching-Kluft verbal so attackierten, dass die Kinder zu weinen begannen.  Um solche Situationen künftig so weit wie möglich zu verhindern, rief er Augsburg Calling als Gewaltpräventions- und Integrationsprojekt ins Leben – mittlerweile so erfolgreich, dass neben der Stadt Augsburg und dem FCA auch die DFB-Kulturstiftung und PFiFF, der DFL-Pool zur Förderung innovativer Fußball- und Fankultur, die kosten- und barrierefreien Angebote unterstützen.

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Da leider der Augsburger Fanbeauftragte und Autor der „111 Gründe, den FCA zu lieben“ krankheitsbedingt ausfiel, sprangen mein geschätzter Kollege Walter Schauer und ich als gemeinsame Vertreter der „1904 Geschichten“ gerne in die Bresche und brachten auf der berühmten rotgrünweißen „Augsburg-Calling-Couch“ sechs königsblaue Geschichten an den Mann. Bei den zwischenzeitlichen Talk-Runden geizte man nicht mit gegenseitigen Komplimenten;  manchmal tut es verdammt gut zu hören, dass die Außenwahrnehmung von Schalke – „Ihr seid so ein geiler, riesengroßer Verein!“ – erheblich freundlicher ist als die bisweilen etwas CL-fixierte Stimmung im eigenen Lager… Auch wenn unsere Gastgeber ein wenig tiefstapelten („Europa muss gar nicht unbedingt sein, wir brauchen noch einen Punkt für den Nichtabstieg“): Wir danken für das wunderbare gemeinsame Wochenende und wünschen Euch, dass Ihr in der nächsten Saison auch internationale Gäste empfangen und verwöhnen dürft!  Und ich ganz persönlich wünsche mir, dass das Beispiel von „Augsburg Calling“ in Gelsenkirchen und anderen Städten Schule macht.

Blau-weiße Grüße

Susanne Blondundblau

…und ein fettes Danke geht auch an Jörg und Marisa vom „Bayerischen Haus am Dom“, bei denen sich alle Schalker glatt wie zu Hause fühlen durften! :-)

 

Mittwoch, 25 März 2015 01:11

Ich geb' mein Herz für dich...

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Wenn man nach 19 Jahren Kurve plötzlich auf die Sitzplätze muss ist das hart. Und kaum zu ertragen.

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Turin - der Ausflug in das Piemont geriet zu einer touristisch größeren und sportlich kleineren Enttäuschung. Nun gebe ich zu, dass ich mich im Vorfeld nicht sonderlich mit der Stadt beschäftigt habe - aber dennoch hätte ich von der norditalienischen Metropole mehr erwartet, als sie letztlich zu bieten hatte. Auf dem Weg zum Treffpunkt am Corso Vittorio Emanuele II - die anreisenden Busse wurden vor den Toren der Stadt gesammelt und per Polizei-Eskorte in die Stadt geleitet - präsentierte sich die vorbeiziehende Stadt als eher unschöne Industrie-Siedlung, unterbrochen lediglich von einem kurzen ansehnlichen Stück, das den Eindruck einer historischen Altstadt erweckte.

Turin22Ob diese Impressionen nun Turin tatsächlich gerecht werden - ich vermag es nicht abschließend einzuschätzen, da sich unser Aktionsradius nach der Bus-Ankunft am Dienstagmittag weitgehend um den Corso Vittorio Emanuele II erstreckte. So wenig die Stadt dort touristisch zu bieten hatte, so sehr bot sie jedoch kulinarisch allerfeinste Spezialitäten auf die Gabel. Die Wahl fiel auf das „Masaniello e Turnat“ in der anliegenden Via Ormea, 1/B. Einige mögen behaupten, es habe sich doch lediglich um eine normale Pizza mit ein bisschen Salat gehandelt, ich entgegne dem: Es war der Traum einer Pizza und eines Salates. Entgegenkommen sollte uns zudem, dass die Betreiberin offenbar eine Anhängerin des mit Juve rivalisierenden FC Turin ist, sodass sie direkt zum Schaltausch bat. Die restliche Zeit bis zur Abfahrt der Shuttle-Busse zum Stadion ließ sich im Pub „Texas Ranger“ ganz gut totschlagen.

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Ab 17 Uhr sollten ebendiese Shuttle-Busse in Richtung Stadion rollen. Hier zeigten sich die Turiner aber zunächst weniger geschickt als beispielsweise die Istanbuler. Gab es seinerzeit im Herbst noch ausreichend Busse, sodass alle Borussen in einem einzigen Konvoi zum Stadion geleitet werden konnten, so fanden sich zunächst nur vier mickrige Busse am Treffpunkt ein. Entsprechend groß war das Gedränge. Nach und nach tröpfelte immer mal wieder ein Bus ein, sodass allmählich alle Borussen den Weg zum Juventus Stadium fanden.

Einmal einen Platz im Bus ergattert, so sollte sich auch zeigen, warum die Busse immer nur vereinzelt den Weg zum Fan-Treff fanden. Eskortiert von Moped- und Auto-Streifen bewegten sich die Busse unter Umgehung einer vermutlich auch in Turin geltenden Straßenverkehrsordnung in Richtung Stadion. Abrupte Abbiege-Manöver in letzter Sekunde auf Weisung des vorausfahrenden Moped-Cops gehörten dabei ebenso zur Routine für die Busfahrer wie ruckartiges Anfahren auf eine Kreuzung bei eigenem Rotzeichen. Die Beschreibung GTA-Style trifft die Anreise wohl ganz gut - auch wenn ich mir immer noch nicht sicher bin, ob die Cops zu jeder Zeit überhaupt noch wussten, wo man sich gerade eigentlich befand und wie der richtige Weg zum Stadion aussah.

Nach einer rund 45-minütigen dauernden Abenteuerfahrt durch den Turiner Feierabendverkehr - erstaunlich war übrigens, dass man, wie schon den gesamten Tag über, wesentlich mehr wohlwollende als ablehnende Gesten der Turiner erntete - ragte endlich das Juventus Stadium vor uns empor, das auf dem Grund des alten Stadio delle Alpi errichtet und im Jahr 2011 eröffnet wurde. Man kann nun jedoch wahrlich nicht behaupten, dass man dort mit offenen Armen empfangen worden wäre. Bei der Busankunft bildeten die Cops in voller Montur eine Kette, die einen zum Gästeeingang geleiten sollte. Etwas nervös konnte man im Bus werden, wenn man draußen vor der Ausstiegstür bereits die behelmten Cops betrachtete, wie wiederum sie nervös wirkend mit dem Schlagstock auf ihre Plastik-Schilde eintrommelten. Beim Verlassen des Busses gaben sie auch direkte Anweisungen, ein Warten auf den Rest der Gruppe wurde nicht gestattet, jeder musste sich auf direktem Wege zum Gästeeingang begeben. Hallo, Gastfreundlichkeit!

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Gesteigert werden sollte dies noch durch die Eingangskontrollen. Hier zeigten sich die Italiener von ihrer gründlichen Seite. Abgetastet wurde bis auf den Schlüpper - und leider auch weit darunter hinaus. Nicht alle, aber doch sehr viele Borussen durften zudem auch die Schuhe ausziehen. Der Cop übernahm dann die Aufgabe, den Straßendreck des Tages auf dem Asphalt abzuklopfen. Eine nette Geste.

Turin10Der Aufgang zum Gästeblock ist völlig steril gehalten und durch Metallgitter komplett vom Heimbereich abgegrenzt. Das Stadion selbst - charakteristisch sind die beiden in den Himmel ragenden Dachträger auf beiden Hintertor-Seiten - ist jedoch im Vergleich zu vielen anderen neugebauten Arenen auf dem ganzen Kontinent als eine der lebhafteren und charakteristischeren einzustufen. Die Juve-Anhänger zeigten insbesondere vor und zu Beginn des Spiels, was in dem Stadion für eine beeindruckende Stimmung herrschen kann, sofern alle mitziehen. Der Bedeutung des Spiels angemessen präsentierte der Juve-Anhang auch eine recht ansehnliche Choreo. Im Verlauf der zweiten Halbzeit ebbte der Support der Heimfans jedoch zusehends ab.

Zwischendurch brachte Juves Heimkurve ihre Ablehnung gegenüber dem BVB sowie den mit Teilen der Dortmunder Ultras befreundeten Lagern aus Catania und Napoli zum Ausdruck. Auf den auf Deutsch gehaltenen Transparenten hieß es: „Der Freund meines Feindes ist mein Feind - Dortmund Scheiße - Catania Merda - Napoli Colera“.

Turin7In den direkt angrenzenden Bereichen unseres Gästeblockes auf der „Tribuna Ospiti 1^ Anello“ waren beide denkbaren Reaktionen der Turiner Fans zu beobachten. Einige kamen an die Trennscheibe und signalisierten ihren Willen zum Schaltausch, andere wiederum zogen ihre Daseinsberechtigung an diesem Abend aus penetrant-nervigen Dauer-Provokationen, aus denen sich heraus das eine oder andere amüsante Wortgefecht entwickelte. Die Ordner mussten zudem mehrmals in den angrenzenden Blöcken eingreifen und zumeist dort sitzende Dortmunder Fans sicherheitshalber hinausbegleiten.

Von schwarzgelber Seite entwickelte sich hingegen unterm Strich kein überbordender Support, von dem man noch in einigen Jahren sprechen wird. Als nachteilig entpuppten sich hier insbesondere die fehlenden Trommeln und Megafone, die im Vorfeld bereits verboten worden waren. Zwar versuchte sich der vordere Bereich des Unterranges, der vornehmlich von TU bevölkert wurde, redlich, doch der Funke wollte nie wirklich und dauerhaft auf den Rest überspringen.

Turin8Ein Vorbild an dem Juventus Stadium kann sich übrigens insbesondere Werder Bremen nehmen. Blockiert einem an der Weser die extrem dämlich angebrachte Anzeigetafel nicht nur die Sicht auf das Spielfeld, sondern natürlich auch die Sicht auf die genau gegenüber angebrachte Anzeigetafel, so wurde zumindest der letztgenannte Aspekt in Turin dadurch gelöst, dass auf der Hinterseite der Anzeigetafel eine kleine weitere Leinwand eingebaut wurde, sodass man auch hinter dem Tor einen Blick auf die Spielzeit werfen kann.

 

Nach dem Schlusspfiff garantierte eine doppelte Ordnerreihe sowie die dahinter postierte und sich lässig unterhaltende Polizei die international übliche Blocksperre, die sich nach rund 40 Minuten endlich aufzulösen begann - scheinbar. Die Polizisten zogen plötzlich völlig deeskalierend ihre Helme auf und brachten Schilde und Schlagstöcke in Position - und zogen sich zurück. Zwar konnte man nun den Block verlassen, doch unten vor dem Stadion zogen die Cops nun an den Eingangsdrehkreuzen eine neue Sperre auf, diesmal ohne entspannte Dialoge untereinander, dafür in kompletter Montur und vorne postierten Schutzschilden. Abermals tat sich minutenlang nichts - eine Info, was nun genau weiter passieren wird und wann wir zu unseren Bussen - die zwischenzeitlich aus der Stadt vor das Stadion geleitet wurden - durften, gab es nicht.

Turin9Das Gelände rundherum war weit jenseits der 23-Uhr-Grenze bereits menschenleer - und wenn die Cops einen Angriff seitens italienischer Gruppen befürchtet haben, so waren sie mit ihrer Verteidigungshaltung in unsere Richtung falsch postiert. Seitens des Dortmunder Lagers gab es jedenfalls nicht die geringste Lust auf Aktionen, wie sie beispielsweise Feyenoord Rotterdam in der vergangenen Woche in Rom zeigte, sondern wir wollten einfach nur in die Busse und nach Hause. Irgendwann, aus heiterem Himmel, lösten die Cops ihre Sperre auf und gaben den Weg endlich frei. Die mittlerweile aufgestaute Wut brach sich nun in dem einen oder anderen hitzigen Wortgefecht Bahn und wieder einmal gab es ein Parade-Beispiel dafür, wie eine völlig verfehlte Polizeitaktik bei einer friedlich eingestellten Masse erst zu aufkommenden Emotionen führt.

Das Spiel als solches ging zwar leider verloren, doch mit dem 1:2 kann man wohl dennoch nicht ohne Zuversicht in das Rückspiel am 18. März gehen. Es bleibt also zu hoffen, dass der Ausflug nach Turin auf absehbare Zeit noch nicht der letzte Trip durch Europa gewesen ist. 

 

 

 

Mittwoch, 25 Februar 2015 12:40

Nach der Marinho-Mark der Tönnies-Tausender?

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GeldIm heutigen Handelsblatt und der Sportbild denkt unser Pressespr…, pardon, Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies im Zusammenhang mit einem möglichen Transfer von Sami Khedira auf Schalke laut über alternative Finanzierungsideen nach: "Wir haben 132.000 Mitglieder. Nur mal ein Gedankenspiel: Mitglieder zahlen freiwillig einen einmaligen Betrag von 1000 Euro. Wären es 132.000, könnten wir die Finanzverbindlichkeiten weitgehend tilgen und sparen so rund 25 Millionen an Zins und Tilgung, und das jedes Jahr. Das macht in zehn Jahren insgesamt 250 Millionen mehr…. Dann spielten wir, was die zukünftigen finanziellen Möglichkeiten betrifft, plötzlich in einer ganz anderen Liga. Und das als eingetragener Verein ohne Investoren und Fremdbestimmung."

 

Bei diesem „Gedankenspiel“ – böse Zungen könnten es auch Testballon nennen – weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll:

Kann der das ernst meinen?

Weiß er überhaupt, was 1.000 € pro Vereinsmitglied (immerhin das Zwanzigfache! des Mitgliedsbeitrags für Vollzahler; eine satzungsgemäße Sonderumlage dürfte nicht ohne Grund nur einen Mitgliedsbeitrag betragen) für viele Schalker Familien – nicht wenige der 132.000 sind noch minderjährig – bedeuten würden?

Sollen jetzt wirklich Oppa Pritschikowski und Erna Schibulski den Sparstrumpf plündern, weil auf Schalke jahrelang über die Verhältnisse gewirtschaftet wurde? Damit „Stars“ wie Kevin Prince Boateng künftig nicht mit 8, sondern 9 Millionen Euro in Mailand shoppen gehen können? Damit die Finanzverantwortlichen gar nicht erst in die Versuchung kommen, vernünftig wirtschaften zu lernen und nur Geld auszugeben, das man auch hat?

Meine ganz persönliche Meinung: Dieser Vorschlag ist eine absolute Unverschämtheit! Hier soll auf eine ganz miese Tour die verrückte Liebe vieler Schalker zu ihrem Verein ausgenutzt werden. Egal, ob so doch eine Ausgliederung erpresst werden soll, wir nur schonend darauf vorbereitet werden, dass keine Kohle zur Rückzahlung der Fananleihe da ist oder man uns "nur" künftig entgegenhält „selbst schuld, dass wir nicht oben mitspielen, Ihr wart ja zu geizig“: Den königsblauen Karren sollen bitteschön die aus dem Dreck ziehen, die ihn hineinbefördert haben. Insbesondere, wenn sie auf über 500 Mio € Privatvermögen geschätzt werden.

Als Song für Samstag schlage ich deshalb „Keine Mark für Clemens, denn Clemens soll selbst zahlen…“ vor.

Kopfschüttelnde blau-weiße Grüße

Susanne Blondundblau