So30Apr2017

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Die 04. Schalker Konzernbilanz ist da und Peter Peters betont stolz, man habe mit 206,8 Mio € den zweithöchsten Umsatz der Vereinsgeschichte erzielt und nach dem Verlust des Vorjahrs  einen Überschuss von 0,5 Mio. Euro, bereinigt um „außerordentliche Effekte“ aus der Dachreparatur und der Aufstockung der Anleihe gar von 7 Mio. Euro erreichen können. „Sportlicher und wirtschaftlicher Erfolg gehen Hand in Hand“ und „es ist geglückt, die Balance zwischen wirtschaftlichen und sportlichen Zielen zu finden: Das heißt, ein positives Konzernergebnis zu erzielen und gleichzeitig die Chancen auf zukünftige Erlöse aus sportlichem Erfolg zu maximieren.“  trommelt der mit vielen schönen blauweißen Bildchen und warmen Worten über Mitglieder und Knappenschmiede aufgehübschte Konzerngeschäftsbericht dazu. Eher am Rande wird erwähnt, dass die Finanzverbindlichkeiten „wie angekündigt“ durch die Nachplatzierung der Mittelstandsanleihe zur Zwischenfinanzierung der UEFA-Gelder und die teilweise Fremdfinanzierung der Reparaturen am Dach der VELTINS-Arena „leicht“ auf 178,3 Mio. Euro angestiegen sind. Den Anstieg der Gesamtverbindlichkeiten von 217 auf 230,1 Mio. € sowie das mit 75,2 Mio. nahezu unverändert hohe negative Eigenkapital darf sich der interessierte Leser dann selber zusammensuchen.  An dieser Stelle soll deshalb wie im letzten Jahr der Versuch unternommen werden, die wichtigsten Erkenntnisse aus der Bilanz möglichst ohne viel Buchhalterchinesisch allgemein verständlich zu erläutern und zu hinterfragen, ob wir finanziell rosigen, königsblauen oder doch eher schwarzen Zeiten entgegensehen.

Der Konzernumsatz von 206,8 Mio. € bedeutet im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung von 16,1 Mio. Euro. Der größte Batzen davon entfällt auf die Transfererlöse, gefolgt von den medialen Verwertungsrechten und dem Sponsoring (trotz Viagogo J). In der Deloitte Football Money League, dem Ranking der zwanzig umsatzstärksten  Fußballclubs weltweit, bedeutet das den 13. Platz. Schalke ist wer im Weltfußball! So weit, so erfreulich, auch wenn die Erlöse aus dem Kerngeschäft Spielbetrieb aufgrund des unnötigen Ausscheidens gegen Galatasaray Istanbul und damit weniger internationalen Begegnungen zurückgegangen sind.

2013Der Gewinn beträgt nur eine halbe Million Euro. Wie ist das jetzt zu werten? Soll man sich freuen, dass es immerhin  nicht wie z. B. im Vorjahr ein Verlust ist – oder Sorgen machen, dass trotz der erstmaligen Teilnahme an der Championsleague in zwei aufeinanderfolgenden Saisons und hohem Umsatz nicht mehr „hängenbleibt“? Der Geschäftsbericht möchte das Ergebnis mit Hinweisen auf die Dachreparatur (ohne diese und die Kosten der Aufstockung der Anleihe wäre das Ergebnis der „gewöhnlichen Geschäftstätigkeit“ immerhin ein Gewinn von 9,6 Mio. € gewesen) und das gestiegene EBIT von 19,9 Mio. €  ein bisschen pimpen. Ich hoffe sehr, dass man aus dem Dachdesaster gelernt hat und für solche Fälle Vorsorge trifft, denn außerordentliche Aufwendungen sind immer ein prima Feigenblatt für Finanzverantwortliche, um ein suboptimales Ergebnis zu erklären (nein, wir nehmen nicht die böse Vokabel „schönreden“ in den Mund bzw. auf die Tastatur). Auf Dauer reitet uns eine dermaßen auf Kante genähte Finanzierung – von den 6,6 Mio. €, die das verdammte Dach 2013 noch gekostet hat, mussten 6,3 Mio. € auf Pump, pardon, durch Aufnahme neuer Verbindlichkeiten finanziert werden – aber immer tiefer in den Finanzierungssumpf.

Die Verbindlichkeiten sind denn auch der nächste heikle Punkt der Konzernbilanz: Die Finanzverbindlichkeiten (d. h. die Schulden, für die Schalke Zinsen zahlen muss) sind  um 5,1 Mio. € auf 178,3 Mio. Euro angestiegen, die Gesamtverbindlichkeiten gar von 217 auf 230,1 Mio. €. Peter Peters erklärt dazu, „wie angekündigt“  sei dies durch die Nachplatzierung der Mittelstandsanleihe zur „Zwischenfinanzierung der UEFA-Gelder“ und die „teilweise“ Fremdfinanzierung der Reparaturen am Dach der VELTINS-Arena erfolgt; für 2014 könne aber wieder von einer Reduzierung der Finanzverbindlichkeiten ausgegangen werden. „Angekündigt“ und (richtigerweise) als oberstes Ziel und Erfolg verkauft wurde uns aber seit Jahren der Abbau der immens hohen Verbindlichkeiten (teilweise trotz laufender Verluste). Und ich finde es bedenklich, dass es jetzt wieder zu einem Anstieg gekommen ist und wir nicht einmal mehr die Auszahlung der UEFA-Gelder abwarten können, sondern diese zwischenfinanzieren müssen. Bei 6,3 Mio. € Kredit für 6,6 Mio. € Dachreparatur von „teilweiser“ Fremdfinanzierung zu sprechen ist ebenfalls verniedlichend. Fakt ist, wir leben extrem von der Hand in den Mund und müssen selbst Aufwendungen wie Reparaturen fremdfinanzieren lassen. Das engt leider unsere Spielräume für langfristige Investitionen wie z. B. das seit langem angestrebte Amateur- und Jugendstadion stark ein. Und ich frage mich ernsthaft, wie unser Verein mit einem solchen Korsett die 2016 fällig werdende Fananleihe (10,8 Mio €) und vor allem 2019 die rund 50 Mio. € aus der Mittelstandsanleihe zurückzahlen möchte…? Die erfreuliche Entwicklung der Anleihe wird im Konzernbericht so sehr betont, dass ich fürchte, dass bereits jetzt damit kalkuliert wird, diese Anleihe direkt durch die nächste zu ersetzen.

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Die nächste Kennzahl, über die man sich Sorgen machen kann, ist das negative Eigenkapital von 75,2 Mio. €. Vereinfacht ausgedrückt, gibt diese Kennzahl wieder, dass die Schulden/Verbindlichkeiten um 75,2 Mio. € höher sind als das Vereinsvermögen. Bei vielen Firmen könnte sich der Finanzverantwortliche an dieser Stelle wegen bilanzieller Überschuldung einen Strick nehmen, dies ist bei uns glücklicherweise aufgrund der stillen Reserven insb. bei den Spielerwerten nicht der Fall: Längst nicht alles Vermögen taucht mit zutreffenden Werten in der Bilanz auf, vielmehr werden z. B. Spieler nicht mit ihrem Marktwert, sondern mit den „Anschaffungskosten“, d. h. der von Schalke gezahlten Ablösesumme, eingestellt. Daher stehen Eigengewächse wie Julian Draxler, Max Meyer oder Kaan Ayhan nur mit einem symbolischen Euro in der Bilanz, sind aber natürlich sehr viel mehr wert und könnten im Notfall „versilbert“ werden. Man sollte sich trotzdem nicht darauf verlassen, dass die stillen Reserven einem dauerhaft den Hals retten, da auch diese mit Unwägbarkeiten belastet sind, wenn sich ein Spieler z. B. schwer verletzt oder der Verein aufgrund akuter Finanzprobleme unter Wert verkaufen müsste. Zudem wäre es äußerst wünschenswert, unsere begabtesten Eigengewächse lange am Schalker Markt halten zu können. Dementsprechend gibt auch Peter Peters die Devise aus, die negative Eigenkapitalquote zu verbessern…

…man darf gespannt sein, wie lange dieses Ziel hält. Vor zwei Jahren hieß es, um den Konsolidierungskurs zu fahren müssten die Einnahmenseite „alternativlos“ durch höhere Ticketpreise gesteigert und die Ausgabenseite durch Personalkosteneinsparungen zurückgefahren werden. Im letzten Jahr wurde dann verkündet, oberstes Ziel sei die Senkung der Verbindlichkeiten; die Kaderkosten hingegen müssten auf hohem Niveau verbleiben, um über sportlichen Erfolg weitere Einnahmen wie  UEFA-Gelder, TV-Einnahmen und Sponsorengelder zu requirieren. Tja, und dieses Jahr heißt es, Anstieg der Verbindlichkeiten, shit happens, wir wollen jetzt die negative Eigenkapitalquote bekämpfen.

GeldDie Personalkosten sind denn auch nahezu unverändert geblieben, 98,3 Mio. € gegenüber 98,5 Mio. € im Vorjahr. Ca. 85 Mio. € davon entfielen auf den Profibereich, ließ Peters dazu in der Bilanzpressekonferenz (von der man bis jetzt erstaunlich wenig liest…?!) verlauten. Und er trommelt sofort weiter, Schalke wolle eine Mannschaft zusammenstellen, die „national eine führende und international eine tragende Rolle einnehmen könne“. Dies ist nicht nur im Gegensatz zum Vorjahr („...Der vollständige Effekt aus der Verringerung des Kaders wird sich aufgrund von Vertragsauflösungen und Abfindungszahlungen aber erst 2013 auf die Ertragslage auswirken….“) eine Kehrtwende um 180 Grad; die Erkenntnis, „dass wir den Aufwand nur tragen können, wenn wir entsprechende Erfolge im sportlichen Bereich haben, am besten in der Champions League, sonst ist er zu hoch.“ beißt sich zudem ein wenig mit der Ansage, „die wirtschaftliche Stabilität des Vereins sowie die Vereinswerte werden im Zuge dessen so geschärft, dass die Abhängigkeit vom sportlichen Erfolg so gering wie möglich ist“ (S. 17 des Konzernberichts). M. E. haben wir genau dies NICHT geschafft, wir sind abhängiger denn je von der CL-Qualifikation, weil wir die Gruppenphase schon brauchen, um wenigstens eine schwarze Null zu schreiben. Und ich frage mich, warum die Kaderkosten trotz des erfreulich hohen Anteils an jungen Eigengewächsen nicht sinken – und ob unser Verein die Versicherungen gegen langfristige Verletzungen der Spieler genauso nachlässig handhabt wie die gegen Dachschäden, da zahlreiche verletzte Stammspieler ansonsten den Etat hätten entlasten müssen.

Auch bei den Untergesellschaften (im Geschäftsjahr 2013 wurde die Schalke Parkstadion Verwaltungsgesellschaft mbH auf die schwächelnde FC Schalke 04 Arena Management GmbH verschmolzen; zudem wurde die im Geschäftsjahr 2014 stattfindende Liquidation der FC Schalke 04–Service GmbH i.L. eingeleitet) und der Finanzierung des SFCV bleiben etliche Fragen offen. Auch die Transparenz des „starken Schalke“ hat halt ihre Grenzen...

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Ich warne daher dringend davor, den Beteuerungen, wie super Schalke doch finanziell aufgestellt sei  und dass man voll auf Financial Fair Play setze, blind Glauben zu schenken. Immerhin lässt die als „konservativ-realistisch“ bezeichnete Planung für die Lizensierung in der Tat mehr Luft nach oben als nach unten: Der Verein setzt auf das Erreichen von Platz 4 in der Bundesliga – da sieht es derzeit richtig gut aus. Für die kommende Saison 2014/2015 wird mit Platz 6 in der Bundesliga, zweite Runde DFB-Pokal und dem Ausscheiden in der Zwischenrunde der Europaleague kalkuliert, was einen Umsatzrückgang um rund 20 Mio. € bedeuten würde. Die Frage, wie sich der bei diesem Szenario eintretende Verlust in zweistelliger Millionenhöhe auf die Verbindlichkeiten und das Eigenkapital auswirken würden, lässt der Konzernlagebericht schamhaft offen. Ich hoffe stark, dass wir nicht im nächsten Jahr an dieser Stelle genau darüber diskutieren müssen – wir sind zum sportlichen Erfolg verdammt, also auf geht’s, liebe Leute!

Blau-weiße Grüße

Susanne Blondundblau

 

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Raus mit Applaus, selten war der Kalauer so zutreffend wie beim Schalker Abgang von der CL-Bühne 2013/14. Und damit ist nicht die Leistung der Mannschaft gemeint, auch wenn diese im Rückspiel im pompösen Fußballtheater von Bernabeu bis zum Doppelschlag besser mithielt als beim 1:6-Hinspieldesaster.

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Was die Schalker – das Fernsehen sprach von 7.000 mitgereisten Fans, ich bin mir sicher, dass es eine fünfstellige Zahl war, die ganze Stadt war blau und weiß – unter spanischer Sonne veranstalteten, war großes Kino und ließ selbst die an internationale Fußballgäste gewohnten Madrilenen anerkennend staunen. Die Stadt selber erwies sich als sehenswert mit einem Faible für pompöse Reiterstandbilder und noch pompösere Brunnen und sehr gastfreundlich. Die einheimischen Gastronomen reagierten erfreulicher Weise äußerst flexibel auf Gäste in Trikots, keine Spur von der sonst bisweilen anzutreffenden "iiiih, Fußballprolls"-Attitüde. Der Wirt des „La Casta“ zuckte nicht einmal, als nahezu das gesamte Mobiliar auf die Straße wanderte, wo ein ganzer Haufen Schalker den lauen Abend genoss. Bier, Wein und Pacharan (ein Anis-Schlehen-Likör) flossen buchstäblich in Strömen, man diskutierte leidenschaftlich über Gott, die Welt, die wichtige Initiative Schalke.V.ereint und die bevorstehende JHV. Am nächsten Tag hatte die Taberna wegen plötzlichem Reichtum geschlossen…

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„Rauuuuuuuuuuuuuuuuuuul“ und „Zero Quattro“ lauteten die Schlagwörter und wie bereits in Lissabon und Valencia checkten die fliegenden Händler blitzschnell die Lage und stellten das sonst quietschebunte Sortiment an Hüten, Sonnenbrillen und sonstigem Gedöns komplett auf blau und weiß um. Der Renner waren  blaue Hüte mit Schalke-Hutband, die das eine oder andere deutsche Schiebedach vor einem deftigen Sonnenbrand bewahrten. Gelebte Marktwirtschaft mit Angebot und Nachfrage...

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Am Spieltag selber konnte man in der Innenstadt keine 04 Meter laufen, ohne über ebenso lautstark  wie friedlich feiernde Schalker zu stolpern. Gegen Nachmittag strömten dann Tausende auf die Puerta del Sol, wo es hieß "ohne Schalke wär hier gar nix los".

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Pünktlich um halb 6 bat dann die Trommel der UGE zum Marsch und es folgten so viele, dass die Madrilenen staunend und applaudierend am Straßenrand und auf den Balkonen standen – die "Mission hoch erhobenes Haupt" war sehr erfolgreich gestartet! Unter blauweißer Flagge ging es bis zum Estadio San Bernabeu, wo es extrem gründliche (sogar mein kleiner Kamera-Ersatzakku wurde im wahrsten Sinne des Wortes skeptisch beschnüffelt – no, really, it’s NOT a Mikro-Pyro…!) Dreifachkontrollen gab, bei denen aber sowohl Ordner als auch Polizisten nicht nur für spanische Verhältnisse sehr freundlich und sehr korrekt waren. Keine Spur von dem sonst oft unangemessen martialischen Ich-wichtig-Du-nix-Dominanzgehabe gegenüber Auswärtsfans.

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Das Stadion selber wird bald noch einen eigenen Blog wert sein, aber beeindruckend ist es schon;  wobei der „Stimmungsblock" der Realfans hinter dem Tor geradezu lächerlich klein ist. Aber Polonaise können sie…J. Der Rest des Stadions erscheint frühestens 5 Minuten vor Anpfiff, zuckt nur bei Toren einmal kurz aus dem Wachkoma hoch und schweigt ansonsten, so dass wir mühelos mit unserem Support und dem gesammelten Gelsenkirchener Liedgut von „Oppa Pritschikowski“ über den „Eurofightersong“ bis zum „Mythos vom Schalker Markt“ die totale akustische Dominanz  haben. Die Stimmung beginnt weit vor dem Anpfiff und endet erst mit der mit 25 Minuten erfreulich kurzen Blocksperre beim Schalkewalzer.

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Madrid168 Schalker Eigengewächse auf dem Platz sind wirklich ein Grund zur Freude. Tim Hooglands Rechtschuss zum 1:1 wird bejubelt wie ein Final-Siegtreffer („nur-noch-5!!! …“) und auch sonst schweigt unsere Kurve nicht eine einzige Minute lang. Leider reicht es bei der Mannschaft nach dem Abpfiff trotz eindeutiger „wir wolln die Mannschaft sehn!“-Sprechchöre nicht zu einem kurzen Gang vor die Kurve, ein halbherziges Winken von der Mittellinie ist alles, was man nach 2.000 km quer durch Europa und einer erstklassigen und Aufsehen erregenden Support-Visitenkarte erwarten darf… Einzig der starke Ralle Fährmann verabschiedet sich anständig und wird mit Sprechchören gefeiert.

Liebe Schalker Offizielle, liebe Mannschaft: „Starkes Schalke“ geht anders! Wir wollen keine Lobhudeleien vom Fließband auf der Homepage, wir möchten vor Ort sehen, dass Ihr uns bemerkt habt und zu schätzen wisst! Ein Tag Dauersupport trotz eines vernichtenden 1:6 im Hinspiel solltet Ihr nicht als selbstverständlich unter den Tisch fallen lassen! Selbst die AS hat der Schalker Invasion eine Doppelseite gewidmet und ausnahmslos positiv berichtet.  „Sehr kooperativ, sehr laut und "äußerst friedlich" (!) seien die mitgereisten Schalker gewesen.

Laut und friedlich geht die Nacht dann auch zu Ende – adios, Madrid! Wir kommen gerne wieder.

Blau-weiße Grüße

Susanne Blondundblau

Madrid18Niemals geht man so ganz… ein Stück bleibt hier…

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Montag, 17 März 2014 13:49

Der Beginn einer Liebe

geschrieben von

 muenchen lbb„Wie kommst DU denn zum Fußball?" – Diese Frage höre ich immer dann von einem erstaunten Gegenüber, wenn ich mich als leidenschaftlicher Fan oute. Anscheinend ist es immer noch so etwas Besonderes und Außergewöhnliches, eine Frau mit Fußball zu assoziieren oder es weckt einfach ein außerordentliches Interesse. Zu einem Mann gehört Fußball in den meisten Fällen zwangsläufig von Geburt an zum Leben dazu. Das ist halt so. Also kein Grund der Nachfrage.

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Nach einer badischen Sage, heiratet derjenige eine gebürtige Freiburgerin, der aus Versehen in das von der Dreisam gespeiste Bächle tritt. Ausgeschmückt wurde mir diese Geschichte mit der Erweiterung, dass man sich irgendwann in Freiburg niederlassen würde. Dies war an einem warmen sonnigen Frühlingsvormittag 1995.

Der sie ausgeschmückt hatte war mein Vater. Der Münsterplatz um den Freiburger Münster herum war gefüllt mit schwarz gelben Farben. BVB Fans genossen vor den umliegenden Kneipen die Sonne, das Bier und die Stadt. Die BVB Fans waren in Sanges- und Feierlaune, die mit Sicherheit noch einmal gesteigert wurde, weil der BVB sich inmitten des Meisterschaftsrennens befand. Die Einwohner Freiburgs, die auf den Strassen unterwegs oder in den Kneipen anzutreffen waren, empfangen die Dortmunder Fans herzlich. So gab es viele Sympathiebekunden und sie hatten offensichtliche Freude an den feiernden BVB Fans. Wie übrigens bis dato viele andere Fans. Das Spiel in Freiburg endete leider nach einem späten Eigentor von Sammer mit 1:1 und Werder Bremen konnte seine Tabellenführung auf 2 Punkte Vorsprung ausbauen, aber der Begeisterung für die schöne Stadt Freiburg konnte dies kein Abbruch tun.

Es ist schwer sich nach so langer Zeit zurückzuerinnern, aber schon damals brannte sich die schöne Lage des Stadions ein. Direkt in einem Anwohnergebiet gelegen taucht es plötzlich hinter den Einfamilienhäusern auf. Von der damals noch kleinen Gästetribüne aus betrachtet, blieb die wunderschöne Kulisse des Schwarzwalds im Hintergrund der Nordtribüne in bester Erinnerung. Die für die Bundesliga einmalige Lage macht das Stadion auch zu etwas besondern, trotz aller Kritik, die von manch einem Gästefan kommen mag, der sich in einem Teil des Stehblocks aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse beschwert und von einem unzeitgemäßen Stadion spricht. Ich möchte dieses Stadion mit seinem ganzen Charme nicht missen. Es bleibt zu hoffen, dass der SC Freiburg für den Neubau des Stadions einen neuen Charme findet und nicht auf die Idee kommt, Vereinen wie Mainz 05 oder der TSG Hoppenheim 1899 die Trostlosigkeit ihrer Stadien, wo man einfach keine Lust mehr hat hinzureisen, nachzueifern. Ein Stadion mitten in der öde, so ganz ohne Charme. Schrecklich, man würde damit viel verlieren.

Trotz des bereits erwähnten verlorenen Punktes (damals gab es noch die Zwei-Punkte-Regel für einen Sieg), konnte sich der BVB am Ende der Saison nach sehr langer Durststrecke im Spiel gegen den HSV die Meisterschale sichern. Das war damals ein unbeschreibliches Gefühl in einem Fotofinish, wie man es mit dem BVB immer wieder erleben darf. Die Stadt explodierte und mitten drin: Freiburger Fans, die am besagten letzten Spieltag der Saison in der verbotenen Stadt spielten und zum Feiern der Meisterschaft nach Dortmund kamen. Man empfing sie herzlich, wie auch sie die Dortmunder Fans zu diesem Zeitpunkt bereits zweimal herzlich empfingen und so feierte man gemeinsam. Die erste Meisterschaft nach langer Zeit war etwas ganz besonderes für die BVB-Fans, besonders nachdem man 3 Jahre zuvor sehr knapp gescheitert war.

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Es sollten aber noch weitere besondere Momente kommen, bei denen ausgerechnet der SC Freiburg der Gegner war. So feierten die Freiburger mit uns unseren 100ten Geburtstag und die erste Meisterschaft nach der Fastpleite des BVB´s. Besonders diese Meisterschaftsfeier sollte in Erinnerung bleiben. Nachdem der BVB nach einer grandiosen Saison schon vorzeitig Meister wurde und auch der SC Freiburg, der die Hinrunde noch mit dem letzten Platz abschloss, bereits sicher in der Liga verblieben war, war das ganze Stadion in Feierlaune. Und so feierten 81.000 Fans gemeinsam und lautstark beide Vereine. „Deutscher Meister ist nur der BVB“ hallte es von der Nordtribüne und dann durchs ganze Stadion und „Nie mehr zweite Liga“ wurde es von der Südtribüne erwidert. Wieder waren es die Freiburger, die mit uns feierten. Die Stimmung war einfach nur unglaublich und es bescherte einem eine Gänsehaut. Die Freiburger starteten sogar die Welle im schwarz gelben Tempel.

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Natürlich mag dies auch den außergewöhnlichen Verläufen der jeweiligen Saison zu verdanken sein, dass der Tag so besonders war und doch stecken dort eine Menge Sympathien mit drin, die Fans beider Seiten füreinander hegen und die man auch an diesem Tag vor und im Stadion verspürt hat. Sympathien, die bereits über Jahre hinweg gewachsen sind. Freiburg ist immer wieder eine besondere Auswärtsfahrt, die nicht nur aufgrund dort schon sehr früh geschlossener Freundschaften immer wieder angetreten wird.

Es ist die ganze Stadt, der bereits erwähnte Charme des Stadions und es sind die Fans, sowie die Einwohner der Stadt, die einem immer wieder einen schönen Abend bescheren. Man wird Jahr für Jahr herzlich empfangen und es macht immer wieder Freude abends in Freiburg mit schwarz gelbem Trikot feiern zu gehen. In den Farben lassen sich dort leicht Kontakte knüpfen. Wer einmal in Freiburg eintauchen durfte, der wird es auch immer wieder gerne tun. So bedurfte es gar nicht während einer Feierlaune ins Bächlein zu stolpern, wie eingangs erwähnt, um in diese Stadt zurückzukehren, es reichte diese Stadt zu betreten, sie zu genießen wie sie ist und man kehrte immer wieder gerne zurück. Viele BVB Fans, die einmal dort waren, wissen die Stadt zu schätzen. Daher verstehe ich auch manch einen Kritiker nicht, die eigentlich nur bis vors Stadion fahren, hineingehen und nach Abpfiff wieder abreisen. Ein Fußballspiel dauert eben nicht nur 90 min, sondern geht für den Fußballfan weit drüber hinaus und Freiburg bietet eine Menge dafür, auf seine Art.

Freiburg mag ein kleiner Verein sein, aber dafür ein sehr sympathischer, der es sich über viele Jahre hinweg hart und ehrlich erarbeitet hat ein Teil der Bundesliga zu sein. Manch anderer kleiner Kultverein, der für das Alternative stehen möchte und dies Marketingtechnisch voll ausreizt wäre wahrscheinlich gerne so. Ohne das es sich schickt einen großartigen Vergleich zu fahren, denn es sind grundlegend verschiedene Vereine. Die einen still und leise, die anderen laut und nach Sympathien schreiend. Die kontinuierliche Arbeit der Freiburger seit ihrem ersten Bundesligaaufstieg hat sie immer wieder nach oben geführt. Dreimal sogar nach Europa. Ein Verein, der anderen Vereinen als Vorbild dienen könnte, die viele Möglichkeiten haben, aber nichts draus machen. Freiburg jedenfalls macht aus wenig viel und bringt dabei auch immer wieder neue und begehrte Bundesligaspieler hervor. Ein Verein, der jedem Gegner des „modernen Fußballs“ Freude bereiten sollte. Ich zolle dem SCF jedenfalls Respekt. Die wirklich kleinen Vereine, das sind Retortenvereine wie Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim, die für mich allesamt nur einen Platz für einen weiteren interessanten Verein blocken. Freiburg bietet jedenfalls ein Rundum-Paket für mich als BVB Fan und es bleibt ihnen zu wünschen, dass sie der Bundesliga noch sehr lange erhalten bleiben werden. In ihrem ersten Bundesligajahr soll Achim Stocker, der damalige Präsident und ein ehemaliger Spieler des SC Freiburg, die BVB Fans bereits am Bahnhof empfangen und begrüßt haben. Leider war ich in dem Jahr noch nicht in Freiburg, um dies bestätigen zu können. Aber so blieb mir wenigstens eine 4:1 Niederlage erspart und es war der passende Einstand für die darauf folgenden 21 Jahre. Einer Zeit gegenseitiger Sympathien. Ich freue mich bereits auf das kommende Wochenende.

-Ein Gastbeitrag-

(Fotos: Privat, Bundesliga Ballerei, Der Westen)

 

1796484 728295323872048 60648348 nDas Nordderby ist gewonnen, die Freunde und Erleichterung an der Weser ist schier unermesslich. Die Serie an sieglosen Spielen manifestierte sich seit dem Jahreswechsel nicht nur in einem langsam steigenden medialen Druck, sondern auch in einer starken emotionalen Anspannung unter den Fans. Während des Spiels am vergangenen Samstag löste sich diese Anspannung bei einem kleinen Teil der Bremer Anhängerschaft auf eine Art und Weise, die es im Weserstadion schon sehr lange nicht mehr gegeben hatte.

Der Sekundenzeiger hatte nach der Halbzeitpause noch keine drei Runden gedreht, als prötzlich grelles Licht und dichter Qualm gerade den Bereich des Weserstadions einhüllte, der rund eine Stunde zuvor noch eine der großartigsten Choreografien präsentiert hatte, die ich in meinen rund 20 Jahren als Stadiongänger je gesehen habe. Laut Werder-Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer, der beim Klub unter anderem auch für die Fanbetreuung zuständig ist, war dies das erste Mal seit 15 Jahren, dass Werder-Fans im eigenen Stadion Pyrotechnik einsetzten. In einer heute auf der Vereinshomepage veröffentlichten Äußerung bezeichnete Fischer dieses Ereignis als "bitteren Wermutstropfen", die betreffenden Ostkurven-Besucher hätten ganz klar gegen getroffene Absprachen verstoßen. Fischer weiter: "Wir werden in den kommenden Tagen in der Geschäftsführung gemeinsam mit den Sicherheitsorganen beraten, welche Maßnahmen wir ergreifen, um weiterhin die Sicherheit im Weser-Stadion gewährleisten zu können. Schließlich gefährdet Pyrotechnik Leib und Leben aller Stadionbesucher und kann daher nicht geduldet werden. Zusätzlich werden wir in Zusammenarbeit mit der Polizei auch Bildmaterial, das während des Spiels erstellt wurde, auswerten."

Bis zu jener 47. Minute war die Stimmung im Stadion ausgezeichnet. Die spektakuläre Choreografie unmittelbar vor Anpfiff bereitete allen Werder-Anhängern unter den 42.100 Zuschauern einen echten Gänsehaut-Moment, dann ging Werder in der 19. Minute in Führung und war in der ersten Halbzeit sogar das klar bessere und dominierende Team. Sowas ist man an der Weser kaum noch gewöhnt, ensprechend euphorisiert waren die meisten Anwesenden. Als kurz nach Wiederanpfiff die ersten Bengalos in der Mitte des Unterrangs der Ostkurve aufflammten kippte diese Stimmung schlagartig, und zwar so deutlich dass es sogar für viele Fans spürbar war, die das Spiel nur per Radioübertragung verfolgten. Die Anfeuerungsrufe wichen von einer Sekunde auf die andere einem gellenden Pfeifkonzert, kurz darauf schallte es kollektiv "Ihr seid scheisse, wie der HSV!" in Richtung der Pyromanen. Das Spiel wurde von Schiedsrichter Florian Meyer für mehrere Minuten unterbrochen, die daraus resultierende Nachspielzeit betrug satte sechs Minuten.

Ich bin sicher dass dieser krasse und abrupte Stimmungswechsel auch an der Mannschaft nicht spurlos vorüber gegangen war, nicht zuletzt auch deswegen weil einige pyrotechnischen Utensilien ihren Weg von der Ostkurve in den Innenraum fanden (das habe ich persönlich zwar nicht gesehen, es wurde mir aber aus mehreren voneinander unabhängigen Quellen berichtet). In der Vergangenheit zeichnete sich die Werder-Mannschaft bei weitem nicht dadurch aus, knappe Führungen souverän über die Zeit retten zu können, daher ist Fischers Kommentar nach dem Spiel absolut verständlich: "Gar nicht auszudenken, wenn in dieser [Nachspiel-]Zeit noch der Ausgleichstreffer für den HSV gefallen wäre." Es kam zum Glück anders, Werder Bremen entschied dieses Nordderby für sich, was aber ganz sicher nicht der Verdienst dieser Pyromanen war.

Die Reaktionen auf diesen Vorfall habe ich bis jetzt zwar nicht einstimmig, aber doch äußerst deutlich erlebt: nach meiner Einschätzung stehen mindestens 90 Prozent der Bremer Anhängerschaft dieser Aktion stark ablehnend gegenüber. Das kuriose an dieser Sache: hätte Werder in den sechs Minuten Nachspielzeit, die dieser Unterbrechung geschuldet waren, noch den Ausgleichstreffer kassiert, wären es wohl trotzdem "nur" 90 Prozent, die diesen Einsatz von Pyrotechnik verurteilen. Denn es ist offensichtlich dass den Pyromanen (die ich übrigens keineswegs pauschal mit Ultras gleichsetze!) das Wohlergehen des Vereins und der sportliche Erfolg völlig egal sind, auch wenn diese vermutlich das Gegenteil von sich behaupten. Sonst wäre es ihnen bewusst gewesen, dass sie mit ihrer Zündelei den Derbysieg gefährden. Sonst würden sie die nun zu erwartene Geldstrafe, die der DFB zweifelsfrei verhängen wird und die der finanziell klamme Klub absolut nicht gebrauchen kann, nicht so billigend in Kauf nehmen. Anders ausgedrückt: diese Aktion hatte mit Support und Unterstützung nicht das geringste zu tun, das wird bestenfalls als billiger Vorwand missbraucht. Es war nichts weiter als ein narzistischer Ausbruch hochgradig egoistischer Selbstdarsteller, die die Ostkurve und das emotional und moralisch extrem wichtige Nordderby für ihren ureigensten Selbstzweck vergewaltigt haben.

Bei solchen Gelegenheiten wird oft und gerne von einer "Selbstreinigung der Kurve" gesprochen. Der Gedanke, der hinter diesem Prinzip steckt, gefällt mir sehr, um Lichtjahre besser als von Sicherheitskräften, Polizei und/oder Politik verhängte Sanktionen. Ich würde jetzt nicht so weit gehen und behaupten, dass dieses Prinzip in Bremen nicht (mehr) funktioniert, denn wie gesagt: es war das erste Mal seit 15 Jahren, dass Bremer Anhänger im eigenen Stadion zündeln. Dieser Vorfall sah zwar spektakulär aus, war aber nichtsdestotrotz ein Einzelfall und ich hoffe sehr, dass es auch so bleibt. Es besteht (noch) absolut kein Grund, ein neues Fass mit der Aufschrift "Sicherheitsproblem" aufzumachen. Werder hat zur Zeit wahrlich mehr als genug andere Probleme, diesen Mist kann man nun wirklich nicht gebrauchen (was den Pyromanen aber vermutlich egal sein dürfte).

Kritik muss ich leider auch in Richtung der Medien äußern, die derartige Vorfälle stets genüßlich und mit gespielter Abscheu breittreten (als Beispiele seien hier der Weser-Kurier, Sky, Sport1.fm und natürlich die Bild-Zeitung genannt). Würde man die Pyro-/Egomanen schlicht konsequent ignorieren und ihnen nicht die Genugtuung gönnen, sich selbst im Fernsehen oder in der Zeitung nochmals abfeiern zu können, hätten diese schon mal eine Motivation weniger für solche Dämlack-Aktionen.

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Danke an Dina Werderfee, die mir freundlicherweise das Foto zur Verfügung gestellt hat.

 

Donnerstag, 20 Februar 2014 20:10

Starkes Schalke?! – Starkes Stück!!!

geschrieben von

 StarkesStückIm Schalker Kreisel zum Mainz-Spiel drehen sich rund 25 Seiten um die Jahreshauptversammlung 2014 – leider ist es kaum möglich, auch nur eine einzige davon zu lesen, ohne wahlweise vor Wut vor die Wand zu treten oder in Hohngelächter auszubrechen.

Das Schlagwort soll offenbar „Starkes Schalke“ sein. Unter dieser Überschrift entwickeln Vorstand, Aufsichtsrat und Ehrenrat ihre Vorstellungen von „unserem Verein“ – ich frage mich, warum es dieses Maßnahmen- und Thesenkataloges bedarf, da sich der Verein erst vor zwei Jahren ein Leitbild gegeben hat, das Werte und Richtschnur für alle Schalker und alle Gremien sein soll.

Direkt der erste Punkt verkündet „ein Starkes Schalke bezieht die Interessen der Fans und Mitglieder in die Entscheidungen der Gremien mit ein. Das muss personell und strukturell gewährleistet sein“. – Dummerweise werden im gesamten folgenden Text grundsätzlich „die Fans“ mit „einem Vertreter des SFCV“ gleichgesetzt. – Lieber Vorstand, lieber Aufsichtsrat, lieber Ehrenrat: Der SFCV ist nicht die Stimme „der Fans“, auch nicht der Mehrheit der Fans! Der SFCV ist ein vielfältig personell, finanziell und organisatorisch mit Euch verquicktes Gebilde, so dass von einer unabhängigen Fanvertretung leider keine Rede sein kann. Und es ist in meinen Augen eine nicht hinnehmbare Verzerrung, wenn dort Busse gesponsert werden, die möglichst viele Mitglieder zur JHV karren, weil angeblich das Kartenmonopol des SFCV bedroht ist. Die erschreckenden Einzelheiten können diesem Anschreiben entnommen werden.

Da kommen wir direkt zum zweiten Punkt „Ein Starkes Schalke ist ein demokratisches Schalke, in dem man Menschen mit anderen Meinungen respektiert und ausreden lässt, in dem wir uns tatsächlich auf Augenhöhe begegnet“. Punkt drei: "Ein Starkes Schalke setzt… nicht auf Demagogie“. Aha. Ich hoffe, dass Ihr beim Schreiben dieser Zeilen rot anlauft, wenn ich sehe, wie unverhohlen und tendenziös im folgenden Stimmung für und gegen bestimmte Anträge und Antragsteller gemacht wird. Augenhöhe, wenn Ihr mit Eurer geballten Medienpower direkt von vornherein manche Anträge propagiert und andere in Grund und Boden schreibt? Keine Demagogie, wenn Ihr Antragstellern unlautere Motive unterstellt? (S. 77)

Auf S. 64/65 wird dann ausführlich Stimmung gemacht für einen Antrag bezüglich des Wahlausschusses, den – Zufälle gibt’s – ein Aufsichtsratsmitglied des SFCV eingereicht hat. U. a. sollen sich demnach nur Mitglieder mit mindestens 10jähriger Vereinsmitgliedschaft für den Wahlausschuss bewerben dürfen. Dazu schreibt Ihr „für den Wahlausschuss kann bis jetzt jeder kandidieren, der ein Jahr Mitglied im Verein ist. Bei mehr als 125.000 Mitgliedern führt das zur Inflation, bereits letztes Mal gab es 20 Kandidaten und die Wahl dauerte anderthalb Stunden. Wo soll das in Zukunft hinführen?“ und „Im Extremfall könnten 100 Leute kandidieren.“ – Wie war das noch gleich, ein starkes Schalke ist ein demokratisches Schalke? 20 von 125.000 Mitgliedern (das sind übrigens 0,00016 %) nehmen tatsächlich ihr Recht zur Kandidatur wahr, die Chose dauert anderthalb Stunden und Ihr flennt rum, wo das hinführen soll? Arg lästig, diese dumme Mitbestimmung, gelle?

Die wichtige Aufgabe im Wahlausschuss soll von Personen erfüllt werden, die sich nachweislich mit dem Verein voll identifizieren und die Vereinsstrukturen sehr gut kennen…“. Es würde zu weit führen, Euch zu erklären, dass man die Identifikation mit dem Verein NICHT in Mitgliedsjahren messen kann. Interessanter aber ist, dass die Satzung für die weitaus mächtigeren Gremien Aufsichtsrat und Ehrenrat nur eine ein- bzw. fünfjährige Mitgliedschaft vorschreibt. Und dass noch vor wenigen Jahren der Antrag, die Mindestmitgliedschaft für AR-Bewerber auf 5 Jahre hochzusetzen, von Vereinsseite massiv hintertrieben und vehement abgelehnt wurde. Damals hieß es, Engagement und Kompetenz könne man nicht solchen Formalien festmachen… Frage also, lieber Aufsichtsrat: Was müssen Eure Wähler können, was Ihr nicht könnt, dass Ihr für sie eine 10fach längere Verweildauer im Verein fordert als für Euch selber? Wäre es da nicht einfacher, den Wahlausschuss abzuschaffen und die 10 Jahre als Voraussetzung für die Bewerbung für einen Sitz im Aufsichtsrat vorzuschreiben…?

Außerdem sollen der SFCV, der Ehrenrat und der Vorsitzende des Ehrenpräsidiums jeweils einen festen Sitz im Wahlausschuss bekommen. So sei „sichergestellt, dass die Fans immer im Wahlausschuss vertreten sind und Erfahrung und Unabhängigkeit des Ehrenrats genutzt würden ….“ – Wie ich oben bereits schrieb, der SFCV vertritt, wie man in der causo viagogo sehr schön sehen konnte, beileibe nicht „die Fans“. Im Übrigen wählen „die Fans“, jedenfalls diejenigen, die Mitglieder im Verein sind, bislang alle sieben Mitglieder des Wahlausschusses. Ein extra „Fanvertreter“, der keine Fans vertritt, ist somit keine demokratische Errungenschaft, sondern der Versuch, die verkrusteten Strukturen zu zementieren. Gleiches gilt für den Sitz des (vom Aufsichtsrat vorgeschlagenen) Ehrenrates im Wahlausschuss (für neue AR-Mitglieder).  Kreisel goes Klüngel.

Diese Satzungsänderungen treten mit der nächsten regulären Wahl zum Wahlausschuss (voraussichtlich 2017) in Kraft“. - Ach? Tun sie das? Ich hätte schwören können, dass dies nur der Fall ist, wenn sie auf der JHV mit der Zweidrittelmehrheit der anwesenden Mitglieder beschlossen werden. Und dass es da noch einen Gegenantrag auf ersatzlose Abschaffung des Wahlausschusses gibt.  Augenhöhe? Keine Demagogie? Für mich ist das Stimmungsmache und Suggestion der untersten Schublade und ich hoffe und bete, dass die Mitglieder auf der JHV wie bereits im letzten Jahr ein gutes Gespür dafür entwickeln, wo sie für dumm verkauft werden sollen.

Es folgen noch einige polemische Bemerkungen zu den Anträgen, die der Verein nicht unterstützt und teilweise haarsträubende Argumentationen, warum Anträge nicht zugelassen werden. „Je mehr Kandidaten zur Wahl stehen, desto weniger Stimmen können… ausreichen, um als Aufsichtsratsmitglied gewählt zu werden, weil sich die gleiche Stimmenanzahl auf mehr Kandidaten verteilt. So stellen wir uns ein Aufsichtsratsmandat nicht vor…“ (S. 70) – Warum beschleicht mich das Gefühl, dass Euch Wahlen mit 99 % und ohne echte personelle Alternative vorschweben? Und wieso ist die Frage, dass Ihr Euch das nicht vorstellt, Grund für die Ablehnung des Antrages? Vielleicht stellen sich die Mitglieder sehr wohl eine größere Auswahl unterschiedlicher Schalker vor als dies z. B. im letzten Jahr mit den beiden Amtsinhabern und einem langjährigen, nur ein Jahr zuvor abgewählten Mitglied der Fall war…???

Starkes Stück 2

Der Antrag, dass die Mitglieder des Ehrenrates künftig nicht mehr allein auf Vorschlag des Aufsichtsrates en bloc gewählt werden, bügelt Ihr mit der lapidaren Behauptung, „die Wahl des Ehrenrates habe sich bewährt und es gebe keinen Grund für eine Änderung“ ab. Und – oh Graus – es gäbe doch tatsächlich ein weiteres demokratisches Wahlverfahren. (S. 72) Und womöglich würden dort Leute reingewählt, die tatsächlich unabhängig und willens wären, ein echte vereinsinterne Schlichtungsstelle zu bilden, statt die Entscheidungen des sie vorschlagenden AR zu billigen und „festzustellen, dass die Streitigkeit als abschließend beendet gilt“.  – Es ist wirklich ein Kreuz mit dieser grauslichen Demokratie.

Des Weiteren wird ein Antrag zur Erhöhung der Zahl der vom Aufsichtsrat zu kooptierenden Mitglieder beworben (S. 73), ein anderer zur Verkleinerung des Aufsichtsrates hingegen nicht zugelassen (S. 74), da „der Aufsichtsrat auf keinen Fall verkleinert werden dürfe, das würde dem Verein Entwicklungspotentiale rauben“. Dies würde „keinen Sinn machen“; zudem gebe es „vertragliche Verpflichtungen, die einzuhalten seien“. – Aus juristischer Sicht ein absolut unhaltbarer Passus; was Sinn macht und was nicht, entscheidet nicht der in dieser Frage befangene Aufsichtsrat, sondern die Mitgliederversammlung als oberstes Vereinsgremium. Und sollte es Verträge geben, die wem-auch-immer über geltendes Satzungsrecht hinaus einen Platz im Aufsichtsrat zusagen, wären diese rechtswidrig. Die Entscheidung über die Satzung und die AR-Mitglieder und die Kooptationsmöglichkeiten obliegt allein der JHV!

Die Veröffentlichung des Protokolls der Mitgliederversammlung wird abgelehnt, da „bereits heute jedes Mitglied die Protokolle einsehen könne, wenn es wolle. Und warum sollten Nichtmitglieder und Anhänger anderer Vereine unsere Protokolle lesen dürfen?“ – Ich sach ma, weil es transparent und auf Augenhöhe wäre, wenn nicht jedes Mitglied u. U. hunderte oder tausende Kilometer auf sich nehmen müsste, um sich auf der Geschäftsstelle zu informieren? Und weil wir nichts zu verbergen haben? Und man in Zeiten elektronischer Kommunikation durchaus an die Vereinsmitgliedschaft gekoppelte Abrufmodi entwickeln könnte?

Schließlich werden noch die Begründung der Ablehnung von Anträgen sowie eine Ablehnung nur bei Verstößen gegen höherrangige Rechtsvorschriften nicht zur Abstimmung zugelassen, weil dem Aufsichtsrat damit „die Möglichkeit genommen würde, Anträge auch inhaltlich zu prüfen“. – Ihr müsst jetzt ganz tapfer sein: Ja, es wäre verdammt gut und nötig, Euch diese Möglichkeit zu nehmen, denn sonst kommen unbequeme Mitgliederrechte überhaupt nie vor das oberste Vereinsgremium!  Huch, damit kämen auch „völlig sinnentleerte“ oder Anträge, für die „die Mitgliederversammlung nicht zuständig ist“, zur Debatte? Dazu kann ich nur sagen: Dann ist das so – Ihr dürft den Mitgliedern durchaus genug Gehirn zutrauen, solche Anträge schnell in die Tonne zu hauen. Aber es kann nicht sein, dass völlig frei Schnauze Anträge abgelehnt werden, weil sie Euch nicht in den Kram passen, wie auch z. B. die beiden letzten Anträge zur Senkung des Quorums für die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung und der Unterschriftensammlung (S. 77). Und nein, eine solche Satzungsänderung hätte nicht zur Folge, dass „schlimmstenfalls Anträge mit rassistischen oder diskriminierenden Inhalten in den Vereinsmedien veröffentlicht würden“. Solche Anträge können jederzeit über die Diskriminierungsverbote des Grundgesetzes, des allgemeinen Gleichstellungsgesetzes und nicht zuletzt unser Leitbild abgelehnt werden… Seid Ihr Euch denn wirklich für keine Stimmungsmache mit Horrorszenarien zu schade? „Keine Demagogie“ gilt nur für die, die nicht Eurer Meinung sind?!

Mir wird übel, wenn ich das alles lese und sehe, dass man sich rühmt, ein starkes, demokratisches Schalke aufbauen zu wollen. Und ich hoffe, bete und glaube, dass die Schalker nicht so dumm und leichtgläubig sind, sich selber weiter zu entrechten und diese ganzen Absurditäten mit diesen Begründungen zu schlucken.

Ihr habt verstanden?!

Stinkwütend,

Susanne Blondundblau

 

Mittwoch, 19 Februar 2014 01:33

Schuster bleibt bis 2016

geschrieben von

Bild: nur-der-scf.deAm 7. Februar kündigte Julian Schuster gegenüber dem kicker eine „zeitnahe Entscheidung“ über seine Zukunft an. Am 18. Februar kam nun die Nachricht, dass er seinen zum Ende der Saison auslaufenden Vertrag bis 2016 verlängert hat. Bei den Fans wurde die Mitteilung mit verhaltenem Wohlwollen aufgenommen. Der Grundtenor: Schuster hat dem SC wertvolle Dienste geleistet, wird aber wahrscheinlich nicht mehr an seine besten Zeiten anknüpfen können und daher seine liebe Not haben, sich seinen Stammplatz zurück zu ergattern.