Do29Jun2017

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wm-2014

Ach herrlich. Es ist bald wieder soweit. Ich könnt jetzt schon kotzen.  Horden von Tinas, Tanjas und Kevins rüsten sich zum Super-Event. Sonst eher zurückhaltend was Fußball und erst Recht Fantum angeht soll zur WM Flagge gezeigt werden. Macht ja schließlich seit 2006 jeder und zu internationalen Fußballturnieren darf man das dann ja auch. Fürs Team, für die Nation?  Wohl eher doch zur eigenen Befriedigung nach Partiiiiiiiiiiiiiiiiie. Macht Sinn. Is ja nicht auf Dauer und nur so zum Spaß. Aha.

Die krassesten Auswüchse temporärer Leidenschaft der sogenannten WM-Fanspezies lassen sich gut mit Pilzen vergleichen, die in Trockenzeiten sämtliche Aktivitäten aufs Minimum zurückschrauben um dann bei günstigen Verhältnissen wild zu sprießen. Es sind übrigens meist parasitäre Pilzarten die so überleben. Schwämme zum Beispiel. Die sind dann in Hochzeiten auch ähnlich penetrant wie die WM-Fanspezies. Auf ihrem hemmungslosen Fresszug vernichten sie lang gewachsenes und impfen beim Wirt Gifte ein, die beim gemeinen WM-Fan als hemmungsloses Konsumsymptom zum Ausdruck kommen.

 Der Gartenzwerg neben dem Flaggenmast im Schrebergarten ist längst out. Abartige Plastik-"Fansets" überschwemmen den FIFA-Supermarkt. Die Megasets mit Nervtröte und Tischfeuerwerk beinhalten sogar eine Bedienungsanleitung. Verrückt aber leider wahr.  Man kann kaum eine Zeitung aufschlagen, eine Seite aufrufen, Mails abfragen ohne dass einem dieser unnötige Belustigungsscheiß verkauft werden soll. Bei den Pseudo-Devotionalien darf das Halbzeitschnittchen-Top unten ohne natürlich nicht fehlen. Die panoptische Werbung gibt sich aber auch echt so viel Mühe ganz Deutschland  gleichzuschalten und die Nation auf "unsere Jungs" einzuschwören. Da muss man einfach zugreifen. Der Michel und erst recht der Sepp freuen sich scheckig. Schließlich interessiert es die beiden Fußballganster herzlich wenig wer wie wo weiterkommt, die Händler haben bereits eingekauft und die DFB-Spezies stürzen sich wie ein wildgewordener SSV-Nerd drauf. Der Gewinn für die FIFA ist durch ihr Lizensierungsverfahren also so oder so gesichert. 

Dass das alles billiger Einweg ist, der in der Summe eine Menge Müll produziert  interessiert in der WM-Goldregenzeit niemand, mal abgesehen vom Umweltaspekt. (Der musste, bin ja schließlich aus Freiburg. Grins.) Hauptsache dabei scheint mal wieder das Motto, oder halt so bereit wie die Spesen fließen nie. Dolle Sache das. Zur Befriedigung der medialen Begleiturnierhopper, die sogenannte WM-Fanspezies,  werden alle Hebel in Bewegung gesetzt. An der Marketingoffensive unbezahlt vorbeizukommen scheint unmöglich. Selbst als Komplettverweigerer hat man kaum eine Chance.

Sicher, auch ich werde die WM gucken. Wie wahrscheinlich die meisten  von uns, möge er noch so sehr dagegen haten und seinen Verein als Absolution vorrausschicken. Ein paar ausgesuchte Spiele guckt sicher jeder, schließlich wird bei allen Unkenrufen immer noch top Fußball geboten. Lieb ja den Sport und dadurch den SCF. Wer gegen die WM, oder sogar gegen Schlaaaaand ist, konsumiert schlicht falsch. Also Mütze abnehmen, Stahlhelm auf, sich breit machen und ab dafür. Blind Hochglanzwerbung mit Fußball als Rahmenprogramm, gepaart mit medial aufgeladenem Nationalstolz gucken ist schließlich kein Verbrechen! Oder doch?

Wer sich an den berechtigten Protesten beteiligen möchte sollte bloggen, am besten nach Brasilien reisen, nicht nur zur WM, und Alarm machen. An der Stelle frage ich mich warum es eigentlich noch nie eine größere Fandemo der Aktiven in Zürich gab? Eigentlich hätte man da schon länger ein Zeltlager aufschlagen müssen. Die FIFA  präsentiert sich mit ihren Werbepartner – wie immer – mit einer janusartigen, moralisch traumwandlerischen Sicherheit über das Parkett des Weltfußballes und mischt sich entgegen ihrer eigenen Philosophie sogar in Länderpolitik ein, um überbordende, unkontrollierbare Einflussnahme von Seiten der Fußballverbände zu verhindern.  Dem Fußballpuristen mag das egal sein, aber demjenigen, der über den Tellerrand hinausschaut, ist dieses neoimperialistische Gebaren schon längst ein Dorn im Auge des ungetrübten Fußballerlebens. Die FIFA ist Fußballpapst und dogmatisiert alles war ihr, bzw. deren Funktionären die Machterhaltung garantiert. Dabei gerät das Geschehen auf dem Platz immer mehr in den Hintergrund und das integrative, zweifellos vorhandene vergesellschaftlichende  Potenzial des Fußballs wird zugunsten von Rendite  einiger weniger verheizt. Schade!  Gerade mal  1% der WM-Erlöse fließen in soziale Projekte. Dass ist  mehr als nur ein schlechter Scherz, wenn man sich Fair Play, Bildung für Alle und Kampf gegen Armut auf die Fahnen schreibt.

Die Lemminge, die jetzt wieder einmal in schwarz-rot-gold gekleidet aus ihren Löchern kommen nerven auf jeden Fall mindestens genauso gewaltig. Selten gepaart mit Fußballsachverstand wird einer auf  5. Jahreszeit gemacht. Dass obwohl man als Fußballliebhaber 365 Tage im Jahr elektrisiert sein sollte/könnte, dementsprechend ist vielleicht nicht immer Friede-Freude-Eierkuchen-Party, aber immer  ehrliche Leidenschaft vorhanden.  Eben mal nur alle vier Jahre für knapp 4 Wochen die gekauften Farben aus dem Supermarkt hochhalten hat mit Liebe nicht so viel zu tun. Von der halbseidenen politischen Aussage beim Deutschlandflagge schwingen mal abgesehen.

So what. Was bleibt? Irre Werbung, viel Profit für die, die eh genug haben, viel Party für den deutschen Michel und Lieschen Müller, und –  das sollte das Wesentliche sein – hoffentlich guter Sport. Sollte mich allerdings nochmal jemand mit irgendwelchen Fansets begeistern wollen, sei es per Werbung oder tragend,  gibt es einen Tritt! Schlimmer noch als Spielanfragen auf Facebook. In dem Sinne... nice trip everybody.  

FICK FUFA!

Was ist nicht alles gelabert worden, um die missglückten Abstiegsbemühungen des HSV. Unverdient sei es gewesen und überhaupt seien die Fürther die bessere Mannschaft gewesen. Um mal mit dem grundlegenden Missverständnis aufzuräumen, nein, Fürth war nicht die bessere Mannschaft, denn sonst hätte es ihnen eigentlich mühelos gelingen müssen, die kopflose und desolate Horde aus Hamburg standes- und tabellenplatzgemäß zu vertrimmen. Die Fürther waren dazu nicht in der Lage, also, ist da nischt unverdient und das bessere Team waren sie folglich schon gar nicht. Das hat nun wirklich nichts mit der notorischen Hamburger Arroganz zu tun, es ist einfach Fakt, liegt auf der Hand und lässt sich auch nicht bemüht wegdiskutieren: Fürth war einfach zu blöde und diese eigentlich brillante und historische Chance zum Hole-in-one, wird nie wieder ein Zweitligist in der Auseinandersetzung mit dem Bundesligisten in der Relegation erhalten.

hondo schlange hsv

OK, Alles auf Anfang.

Wo lagen die Probleme, wer war schuld, was kann man weniger schlecht oder gar besser machen. Dieser bemühte Ansatz taugt ehrlich gesagt genau so viel, als wie man sich im Suff die Büchs eingenässt hat und sich nun das Malheur der pissfleckigen Hose schwankend im Spiegel betrachtet. Helfen tut es nicht wirklich, denn DAS Problem ist irgendwie klar ersichtlich. Die Tiefenanalyse überlassen wir nun lieber den Menschen, die dafür Geld bekommen und dennoch eher wenig vom Gesamtzusammenhang verstehen: der lokalen Journaille.

Wohl oder übel bemühte sich die Mitgliedschaft des HSV nun trotzdem, die vollgepisste Hose auszuziehen. Ob nun die Transferleistung erfolgen wird, dass man sich NICHT jedes Bier in den Hals schütten muss, tja, dass wird eventuell die Zukunft irgendwie zeigen, nur, wenn man ehrlich zu sich selbst ist, ist das Ding mit dem Alkohol auch nur bedingt von Lerneffekten gezeichnet.

Wir standen Schlange vor dem Stadion und es roch nicht nach Bier, aber, doch schon nach „Sensation“. Die Mitgliederversammlung des HSV am Sonntag dem 25-05-2014 sollte eine Entscheidung über die Zukunft des Spielbetriebes der Lizenzfußballabteilung des HSV bringen. Ein Strukturreform, besser gesagt eine Ausgliederung dieses Spielbetriebes in eine neue Gesellschaftsform.

HSV+ ist das Stichwort und bei den anwesenden 9.700 Mitgliedern war schon vor Beginn der Veranstaltung deutlich der Wille zu spüren, diesen Schritt zu gehen. Ich hatte mich bemüht, mich grundlegend und fundiert für diese Veranstaltung mit den notwendigen Informationen zu spicken. Es wird den geneigten Leser nun nicht überraschen, dass ich mich dabei nicht wirklich auf das bemühte und tendenziöse „Aufarbeiten“ der Informationen durch interessierte Kreise verlassen konnte. Ich habe mir die 300 Seiten starke Ausgliederungsdokumentation durchgelesen, ich habe die dazugehörigen „Anhänge“ gelesen, ich habe jede medial verbreitete Wahrheit und auch Unwahrheit zu diesem Thema gelesen und ganz ehrlich: ich hatte meine Zweifel, aber dennoch, schon frühzeitig die Schnauze voll.

Ich las auch noch weitere Quellen zum Meta-Thema, wie beispielsweise „Our Club Our Rules“ von Pete Crowter, eine „Insider-Dokumentation“, wie es zur Gründung des FC United of Manchester gekommen ist. Ein mitunter interessantes Buch, voll von Erkenntnissen von zum Teil volatiler Qualität, welches durch ein bemühteres Lektorat eventuell mehr auf den/die relevanten Punkt(e) hätte kommen können. Vielleicht ist es aber nur meinem mangelhaften Verständnis geschuldet, aber, die Tonalität des Buches kam bei mir etwas herablassend an, wenn es beispielsweise um die Akzeptanz des Mehrheitswillen geht, nämlich um die Leute, denen es schlichtweg wumpe ist, wer nun der Eigentümer des Clubs ist, die Leute, die sich nur für den dargebotenen Fußballsport interessieren.

Genau diesen blasierten und herablassenden Sermon musste sich die ach-so-stumpfe und ausschließlich von Vierbuchstaben-Zeitungen gebildete Mehrheit von knapp 87% beim HSV gefallen lassen.

Von einer absolut klugen und intellektuell gefestigten Minderheit von 13%.

Man durfte sich von den Rednern einiges gefallen lassen. Man sei schlichtweg zu blöde, das Thema auch nur ansatzweise zu verstehen. Man hätte ja die 300 Seiten gar nicht gelesen und überhaupt.

Lustigerweise hatte ausgerechnet unser allseits geliebter Supporters Club eine Prüfung dieser Ausgliederungsdokumentation durch einen Rechtsanwalt beauftragt.

Die gewonnen Erkenntnisse waren nichts als Allgemeinplätze, die sogar ich als durchschnittlicher Diplom-Ingenieur habe umreißen können. Das Fazit aus dieser Prüfung war nun aber komplett verblüffend: „Als Fazit ist festzustellen, dass ein Umsetzen des Antrags des Vorstands das Ende des Supporters Clubs bedeuten würde.“

Der Unfairness halber frage ich mal so in den Raum hinein, wer eigentlich das Geld für diese rechtsanwaltliche Prüfung (mit etwas oberflächlichem Ergebnis) aus welchem Grunde rausgetan hat. Ist es die ursächliche Aufgabe des Supporters Club Rechtsgutachten in Auftrag zu geben? Oder, wäre das nicht im Aufgabenbereich des Vorstandes für Mitgliederbelange anzusiedeln? Nein, wir, die Abteilungsleitung tun dies mal so…

Trotzdem, ich bin ja ein freundlicher Mensch und bei Fragen rund um meinen Fußballclub immer um Harmonie und Ausgleich mit den Sportskameraden bemüht, obwohl man häufig in „politischen“ Fragen kaum eine entgegenkommende Resonanz erfährt. Kritik ist in der Regel „Genörgel“, „Gemecker“ und Undankbarkeit. Kritik wird nur im Internet „anonym“ geäußert und fährt man wie ich eine komplette Klarnamenpolitik, ist man „Frontalkritiker“, im Prinzip ein Riesenarschloch, aber sonst auch nichts weiter.

Einer der ersten Redner, Herr Ferslev von der HSV Allianz, den bewahrenden Reformern, fing schon im zweiten Satz an zu schreien und ergoss einen Schwall von biederster Rhetorik auf die Mitgliedschaft. Der ewig Herr Hunke wurde unflätigst ausgebuht, langjährige Beobachter des Darstellenden Spiels rund um die Ehrenämter des HSV sagen dazu: zu recht. Gerade Herr Hunke verspricht in blumigen Worten immer gerne und viel, aber, wenn er in Fragen der Einlösung dieser Versprechen genauso akkurat und gesetzestreu ist, wie beispielsweise bei Überholvorgängen auf Autobahnstandstreifen, dann sollte man dankbar sein, dass uns dieser Herr eben nicht mit den x Millionen € aus seiner Hemisphäre (zwangs)beglückt hat.

Über die letzten Jahre war ja vielerorts zu verzeichnen, dass man gerade dort erleichtert in die Hände geklatscht hat, wo Herr Hunke sein Engagement beendet hatte. Ich glaube beim HSV wäre es nicht anders.

In loser Folge kam es nun zu einer Kaskade von ewiggleichen Rednern und Redebeiträgen, in denen vornehmlich, die sich abzeichnende stumpfe Mehrheit, mehr oder minder unverhohlen als Dummfinken bezeichnet wurde. Reagierte das Auditorium darauf nun mit mehr weniger freundlichen, als netten Unmutsbekundungen, wurde dem Auditorium selbstverständlich mangelndes Demokratieverständnis und sowie proto-faschistisches Gehabe unterstellt. Gerne wurde in der jüngsten Vergangenheit in den einschlägigen Foren und Pöbelpfaden in den sozialen Medien, der buchgewordene, erhobene Pädagogenzeigefinger „Die Welle“ von  Morton Rhue herangezogen, um den arg euphorischen HSV+ Enthusiasten zu zeigen, was für kritiklose Scheißnazis sie eigentlich sind. Auch ein toller Umgang unter Vereinskameraden, die Kritik am „Umgang“ und die Einforderung eines „besseren“ solchen, obliegt natürlich ausschließlich und exklusiv den 13%er.

Seltsam, oder?

Ich wundere mich beim HSV wegen nichts mehr. Die Mitglieder werden geschurigelt, dass die Stadionordnung gilt und das Mitbringen von Getränken nur bis zu einem Pappkarten max. 0,5l gestattet ist. Es gibt zwei Freigetränke und eine Bratwurst, gut völlig ausreichend und angemessen. Dafür darf man sich zusätzlich kostenfrei(!) Labberwasser aus Bubbleblasen ziehen. Toll, auch da steht man an, genauso, wie man stundenlang am Free-Catering ansteht, genauso wie dann später am Pay-Catering. Auf dem Podium wird natürlich Mineralwasser in Glasflaschen von dienstbaren Geistern serviert.

Das ist zwar eine Petitesse, aber, auch ein Beleg dafür, wie die Leute, die meinen, dass Ihnen der Verein irgendwie gehört, mit der nervigen, kritischen Masse umgehen.

Wie gesagt, ich wundere mich beim HSV wegen nichts mehr, man ist über die Jahre quasi abgestumpft und hat sich damit abgefunden, dass eine Minderheit durch geschickte Positionierung in den Gremien und Organen, freudig durchregiert (hat) und Gutes für sich und die Getreuen getan hat.

Von den Bewahrern gab es nur schlechte Argumente. Es ging ausschließlich und reich bebildert schlichtweg nur um Geld. Ein Lebensentwurf Namens e.V. war irgendwie in weiter Ferne, wenn der arme Sportler für die vom Verwaltungsapparat der zukünftigen AG ausgeführte Dienstleistung, eine Rechnung über ein Entgelt von 2,99€ erhalten soll. Für jedes Telefonat, oh, Schreck… Dass dies aber schon heute der Fall ist und jede Abteilung für das Gebimmel der Verwaltung eine Pauschale an die Mutti des Vereins zu entrichten hat, ja, da hat sich der Rollstuhlsportler ein wenig verplappert. Natürlich ist es im Jahre 2014 auch wenig überraschend (Compliance! Transparenz! Geldwäsche! Steuerhinterziehung!), dass einzelne Transaktionen bewertet und dokumentiert werden müssen. Man möchte ja belegen können, dass es bei den Geldflüssen immer und überall mit den richtigen Dingen zugeht.

Und wieder schimpfte jemand mit mir, alles voll Nord-Korea hier und sowieso hat man nicht den Durchblick und sei nicht so klug und unfehlbar, wie beispielsweise ein Spiegel-Redakteur.

Ein Argument, wie beispielsweise das, dass man mit dem e.V. ein Zeichen gegen die wachsende Closed-Shop-Mentalität der Bundesliga 1 und 2 setzen wollte und sich für eine bessere Durchlässigkeit der Ligen einsetzen wolle, fehlte gänzlich Und auch wieder muss man die inquisitorische Frage stellen, wo denn bei dieser Rekord-Mitgliederversammlung, die zündenden Ideen und die Anwesenheit der Universalsportler abgeblieben sind?

Kein Wunder, dass die anwesende Mitgliedschaft Willens war, den virtuellen Sprengstoffgürtel zu zünden, wenn zum einen glaubwürdige Konzepte und Argumente fehlen und diese nicht vorhandenen Argumente durch eitle Unsympathen, mit dem Charisma von Seifenspendern, vorgetragen werden.

Und leider war es auch keine wirkliche Alternative, das Thema zu vertagen und in den Munkelstuben des e.V. mit den entsprechenden Geldflüssen solange weichzuspülen, bis alles wieder selbstzufrieden in sich hineinlächelt und mal wieder nichts mit einem richtungsweisenden Ergebnis beschickt worden ist.

Ich bin wahrlich davon überzeugt, dass wir nicht für die beste aller Möglichkeiten votiert haben, aber, die Option, als Dino ein weiteres Jahr vor sich hin zu wesen und wieder nichts auf die Kette zu bekommen und ausschließlich auf die Dummheit anderer Teams bauen zu müssen, ist keine wirkliche Option.

Und es ist eigentlich immer positiv, wenn ein Ruck durch den Club geht, man muss nur darauf achten, dass es nicht die letzten Zuckungen im Todeskampf sind. Das haben einige Vereinskameraden in der Vergangenheit kräftig missdeutet. Auch sie haben für ihr Versagen die finale Rechnung erhalten. Es ist nur unfair von ihnen, dass sie sich ihrer Verantwortung nicht stellen wollen.

hondo urne hsv

Seltsam, oder?

In diesem Sinne

HONDO

Blog - FC Bayern Amateure Relegation

Was will man sagen? Was will man schreiben? Was will man tun? Nach so einem Spiel…

Unfassbar, zu unfassbar ist das Ganze. Eine der schlimmsten Niederlagen für mich seit ich Bayernfan bin (seit immerhin über 30 Jahren), und dabei haben wir das Spiel noch nicht mal verloren. Alles fokussiert sich auf diesen einen Moment, vierte Minute der Nachspielzeit, jede Sekunde wird abgepfiffen. Wir sind ein Mann mehr auf dem Platz, führen seit der 88. Minute mit 2:0 und sind nach einem 0:1 im Hinspiel damit aufgestiegen.

Aufstieg - ein Wort, von dem man meinen könnte es käme im Wortschatz eines Bayernfans gar nicht vor. Nur die wenigsten von uns haben den letzten erlebt, 1965 in die damals noch junge Bundesliga. Und auch die Bayern Amateure spielten bis vor kurzem ständig in der höchsten möglichen Spielklasse. 2011 dann kam der Abstieg. Trauriger Abschluss einer traurigen Saison. Aber verarbeitbar, da man von Anfang an mit unseren jungen, unerfahrenen Leuten in dieser Profiliga nicht mithalten konnte. Und nun das.

  BB21314 24Liebe königsblau-weiße Gemeinde,

ich weiß nicht, wie es Euch erging, aber ich war sehr froh, als sich unsere junge Mannschaft am letzten Samstag mit letzten Kräften Platz 3 sicherte und sich so direkt für die Championsleague qualifizierte. Endlich Sommerpause! Zeit für die Legionen Langzeitverletzter, wieder fit zu werden nach dem wohl schlimmsten Seuchenjahr unserer Vereinsgeschichte. Zeit für die Vereinsführung, die Mannschaft nach den Verpflichtungen von Sam und Giefer weiter punktuell zu verstärken; Hotte, einen guten Rechtsverteidiger bitte. Zeit für einige Leute, die Ergebnisse der JHV aufzuarbeiten und den veränderten Machtverhältnissen in der Schalker Fanszene Rechnung zu tragen. Zeit aber auch für Alles- und Vielfahrer und alle Fußballfans, sich den Sachen zu widmen, die im Laufe einer spannenden Saison manchmal ein wenig zu kurz kommen.

 Am Anfang der Woche war ich dann maximal angenervt vom medialen Theater um Keller und Tuchel - wer nach der besten Rückrunde der Vereinsgeschichte den Trainer entlassen möchte, weil dieser mit dutzenden Verletzten keinen Zauberfußball spielen lässt, hat m. E. den Schuß nicht gehört. Wenn Herr Tuchel eine Schalker Anfrage unter anderen Voraussetzungen in der Winterpause zum Anlaß nimmt, trotz verweigerter Freigabe bei Mainz hinzuwerfen, ist das a) schlechter Stil und b) sein Problem. Ich möchte Thomas Tuchel nicht die Qualität absprechen, aber ich halte es für einen fatalen Irrglauben, dass sich ein Ruhrgebietsverein nur einen extrovertierten Mainzer Trainer angeln müsste und schon regnet es Meistertitel. Jens Keller wird vermutlich nie ein medialer Showman, aber er ist als ehemaliger Jugendtrainer offenbar der Richtige, um die Supertalente der Knappenschmiede in die Bundesligamannschaft zu integrieren.

Ansonsten gab es diese Woche noch Fußball satt in der Flimmerkiste. Wenn man wie ich die Devise "Club not Country" vertritt, konnte man über das Länderspiel gegen Polen ebenfalls nur den Kopf schütteln, ein Muster ohne Wert zur absoluten Unzeit. Und mir graust es bereits jetzt vor dem medialen Hype um den Bundesschalträger und seine Bayernauswahl, die uns in den nächsten Wochen bevorsteht. Früher war mehr Fußball und weniger Lametta bei einer Weltmeisterschaft! Die Relegationsspiele konnten das Schalker Herz auch bestenfalls mit einer leisen Schadenfreude über das baldige Aussterben der Dinos erwärmen - und das gestrige Pokalfinale ist in königsblauen Kreisen nicht umsonst als "Pest gegen Cholera" bekannt...

Denjenigen, die sich wie ich über die Sommerpause gefreut haben, um dann wie jedes Jahr ratzfatz festzustellen, dass Fußball ohne königsblaue Beteiligung irgendwie ... unbefriedigend ist, sei dringend unsere U 19 von Norbert Elgert ans Herz gelegt. Das A-Junioren-Pokalfinale ging gestern leider unglücklich im Elfmeterschießen gegen die Jungs vom SC Freiburg verloren, aber mit dem Finale des Westfalenpokals (21.5., 18.00 h auf dem Rasenplatz der Gesamtschule Ückendorf gegen die Junioren von Arminia Bielefeld), dem Ligafinale mit Zuschauerrekordversuch beim Wuppertaler SV (25.5., 11.00 h im Stadion am Zoo in Wuppertal) und natürlich den Halbfinalspielen um die deutsche Meisterschaft gegen den Nachwuchs der TSG Hoffenheim (11.6. , 20.00 Uhr in der Veltins-Arena und 14.6., 13.00 h im Kraichgau) gibt es noch jede Menge Gelegenheit, der Knappenschmiede Unterstützung und Applaus für eine tolle Saison zukommen zu lassen.

Ansonsten habe ich gegen königsblaue Entzugserscheinungen noch einen Haufen Fotos der vergangenen Saison anzubieten - tolle und schaurige Momente, Helden und Verlierer, großen Fußball und wichtige Kleinigkeiten und "...singen wir immer wieder ... blauweiße Lieder... weil es uns glücklich maaaaacht!" Viel Spaß beim Gucken und Erinnern!

 Der Senor noch einmal auf Schalke

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 Der unfassbare Blocksturm der Polizei beim Cl-Qualispiel gegen Saloniki

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Die Reaktionen beim Spiel gegen Leverkusen: Eine bunte Kurve und viele Transparente

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 Vor dem Spiel gegen die Bayern positionierte sich Gelsenkirchen ganz klar gegen Polizeigewalt

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Der Kreis schloss sich übrigens beim letzten Heimspiel gegen den Glubb, vollkommen unbehelligt tauchte die "Fahne des Anstoßes" wieder in unserer Kurve auf

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 Wir besuchten die Lilien und genossen das Old-School-Fußball-Flair am Böllenfalltor

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...statteten Onkel Dietmar einen Besuch ab...

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...und machten eine sehr abwechslungsreiche Tour nach Basel

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In der heimischen Arena zeigen wir jederzeit Flagge

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und auch auswärts in Braunschweig halten Fans und Mannschaft prima dagegen

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 Das Heimderby war leider in jeder Hinsicht ein Desaster

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...wo er Recht hat, hat er Recht

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 Große Freude bereiteten die Youngsters

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Aber der absolute Gewinner dieser Saison war für mich Ralle Fährmann, der sich geduldig und besser denn je in unser Tor zurückkämpfte und echtes Schalker Herzblut bewies. Glückauf, Ralle - ein Giefer kann sich da hinten an stellen! Einfach ein starker Typ...

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Auch der Hunter und Dauerbrenner Joel Matip konnten ihre Wichtigkeit für die Mannschaft nachhaltig unter Beweis stellen

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 Stark auch unsere Kurve, hier mit Doppelhaltern satt

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und Jens Keller, der sich weder von der Verletztenmisere noch vom medialen Dauerfeuer beeindrucken ließ.

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Wo es Gewinner gibt, gibt es leider auch Verlierer - dies war nicht die Saison von Kyriakos Papadopoulos. Papa, ich hoffe, Du hast nicht nur bei Deinem umjubelten Kurzcomeback gegen Freiburg gesehen, dass alle Schalker hinter Dir stehen! Kämpfen!

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In Berlin gaben wir eine gute Visitenkarte ab

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 Immer ein gutes Motto

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Den ganz großen Fußball hatten wir auch zu Gast: Die Königlichen aus Madrid gaben ihre Visistenkarte in der Veltins-Arena ab, leider hatte unsere Mannschaft beim 1:6 die Buxen voll.

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Dafür ließen wir Schalker Fans in Madrid alle mit offenem Mund zurück, als wir einen noch nie gesehenen Marsch und nicht enden wollenden Support aufs sonnige Parkett legten. Raus mit großem Applaus - andere deutsche Mannschaften, die bei uns noch was von "abschlachten lassen" gelästert hatten, boten da ein weitaus schlechteres Bild...

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Auch hier schloß sich übrigens beim letzten Heimspiel der Kreis: Hatten sich etliche Fans nach dem Spiel in Madrid noch darüber beklagt, dass die Mannschaft nicht in die Kurve gekommen war, um sich für den famosen Support zu bedanken, so setzte das Transparent der Saison ein Zeichen dafür, dass diese Kritik angekommen ist.

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Wir sagen danke :-)

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Der wichtigste sich schließende Kreis war aber die Nachricht, dass der Schalker Fahnenschwenker Andreas, der beim Heimspiel gegen Frankfurt unter der respektvollen Anteilnahme von Frankfurtern wie Schalkern um sein Leben kämpfte, wieder dabei ist - glückauf, Andreas und alle Fußballfans, die bewiesen haben, dass wir mitnichten nur grölende Dumpfbacken sind! 

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 Und: Der FCN steigt wieder auf...!

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In Stuttgart gab es zwar ebenfalls tollen Support, ansonsten aber wenig zu bestellen

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Daneben gab es mit Schalke.V.ereint eine neue Initiative, die Hoffnung macht für eine demokratischere Fanvertretung auf Schalke

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und auf der erfreulich harmonischen JHV große Erfolge feiern durfte.

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Und Norbert Elgert, der grandiose treue Knappenschmied, wurde in die Ehrenkabine aufgenommen; vianogo-Zelle versöhnte sich unter großem Applaus mit Alexander Jobst.

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Wir lieben halt alle nur den FC Schalke, unsern Kumpel- und Malocherclub...

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In diesem Sinne wünsche ich allen Schalkern eine schöne, erholsame - und kurze Sommerpause! Immer schön cool bleiben...

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Blau-weiße Grüße,

Susanne Blondundblau

Montag, 12 Mai 2014 15:42

"Dies ist die Geschichte eines Vereins, der fällt"

geschrieben von

 Die Bundesligasaison 2013/14 ist Geschichte. Im Großen war es oben nicht gerade spannend, die Bayern früh Meister. Unten, im Abstiegskampf hingegen,war bis zum letztens Spieltag alles offen. Zu den Teams unten gehörte auch der Hannoversche Sportverein von 1896, wobei,vielleicht stand da unten auch die Hannover 96 Sales&Services KgAA.

Denn ob man überhaupt noch vom Hannoverschen Sportverein reden sollte, ist durchaus fragwürdig, das Handeln von 96% der Akteure ist dieses Klubs nämlich nicht annähernd würdig. Was sich im letzten Jahr in Hannover abgespielt hat, ist tatsächlich auch für mich schwer in Worte zu fassen. Vielleicht fasste es das Spruchband am letzten Spieltag gegen Freiburg ganz gut zusammen, das da vor einem leeren Block hing, der eigentlich noch hätte voll sein können: „Fans betrogen - Derby verloren“. So könnte man die Saison vielleicht ganz gut in einem einzigen Satz zusammenfassen. Mit einem Satz wäre das aber nicht abgetan. Denn man kann am Ende gut sagen, die beiden blutleeren Auftritte im Derby gegen das Team aus dem Osten Niedersachsens (0:0/0:3) waren nicht einmal der traurige Höhepunkt.

Der traurige Höhepunkt aus Sicht der Fans spielte sich nämlich rund um die Wochen vor und nach dem Spiel in BS ab. Los ging es schon Wochen vorher. Vereine, Staatsmacht und Politik wollten ein gezieltes Sicherheitskonzept entwickeln, um die Vorfälle des Hinspiels in Hannover zu verhindern (Hauptsächlich das abbrennen von Pyrotechnik.) Während beide Szenen das ganze schon früh pushten, wie es sich für das Derby aller Derbys gehört, kam das Sicherheitskonzept ins Spiel: Anreise für 96 Fans? Nur mit Bussen des Vereins! Gästekarten? Nur bei Einstieg in den Bus! Wuff. Erstmal durchatmen. Das Derby steigt am 6.4., vielleicht ein verfrühter Aprilscherz. Schnell wurde aber klar, dass die das ernst meinen, Martin Kind untermauerte das ganze, indem er bekanntgab, dass nicht er die Gästekarten habe, sondern ausschließlich Eintracht Braunschweig. Eine andere Möglichkeit, als in den Viehtransporter zu steigen, scheint es tatsächlich nicht zu geben. Klar, dass sich schnell Widerstand regt. Die Fanhilfe Hannover findet auch einen Punkt, der Hoffnung weckt: Die Inhaber einer Auswärtsdauerkarte müssen ihre Karten erhalten, und nicht einen Voucher. Das ganze muss auf dem Postweg passieren, und zwar mindestens einige Tage vor dem Spiel. So steht es nämlich in den AGBS. Der Verein aber will nichts einsehen, und zwingt die Inhaber quasi, vor Gericht zu ziehen. In der Verhandlung gibt die Richterin den Fans auch grundsätzlich recht, fällt ein Urteil: Das Verhalten der Hannover 96 Sales&Services ist rechtswidrig.

Diese lässt sich aber schnell eine neue Masche einfallen, um das ganze zu umgehen: Für den Verein sei das Urteil nur auf die Person bezogen, die klagte. Damit jeder seine Karten kriegt, müsse jeder eine einstweilige Verfügung erwirken. In knapp 4 Tagen kaum machbar. Knapp 100 Fans versammeln sich nach dem Urteil vor der Geschäftsstelle, um sich ihre Karten zu holen. Nachdem diese auch eingefordert werden, ist erst mal niemand bereit, zu reden, gewisse Leute aus der Chefetage, darunter auch Thorsten Meier, verlassen scheinbar fluchtartig das Gelände des Niedersachsenstadions. Erst nach unendlichen Minuten stellt sich einer: Dirk Dufner. Dieser ist aber alles andere als einsichtig, und lässt Sätze sprudeln, bei denen es einen grausen lässt.

Frage 1 eines Fans: Es gibt scheinbar Beweise dafür, dass Hannover 96 Karten für das Derby doch herausgegeben hat an Sponsoren. Wie will man das erklären, wo die Hannover 96 Sales & Service GmbH & Co. KG doch über ihren Anwalt vor Gericht hatte verlauten lassen, einzig Eintracht Braunschweig besitze die Karten?
Die Antwort von Dirk Dufner ist der erste Tritt in die Magengrube etlicher Fans: „Na und? Da gehen die Karten ja auch nicht an marodierende Horden.“
Dirk Dufner bezeichnet jeden Inhaber einer Auswärtsdauerkarte als kriminell! Dachte man jetzt schon, fetter könne es ja nicht mehr kommen, der nächste Brüller. Nach langer Diskussion gibt Dufner zu, dass Hannover 96 die Karten hat, und schließt mit dem Satz „Dann geben wir Euch die Karten, und dann Feuer frei und voll auf die Fresse oder was?“ ab. Diese Aussage will er später angeblich wieder egalisieren, so richtig glauben will man ihm das nicht. Dann verschwindet Dufner.

Auf Anraten der Fanhilfe gehen die Fans nun in den Fanshop, um sich noch einmal Unterlagen ihrer Auswärtsdauerkarte für das Gerichtsverfahren ausdrucken zu lassen, nachdem einige dies gemacht hatten, und 96 scheinbar das Konzept hinter der Aktion sah, folgte die nächste Reaktion, die der eines bockigen Kindes im Kindergarten gleicht: 96 macht den Fanshop kurzerhand einfach zu.

Und nun? Warten. Hannover 96, der Verein, bzw. die Aktiengesellschaft, die ihren Fans immer als erstes unterstellt, sie würden ja so viel Geld kosten, nimmt in Kauf, am Ende alle Gerichtsverfahren zahlen zu müssen, dass man nicht als Sieger hervorgehen wird ist zu diesem Zeitpunkt jedem klar. Durchboxen kann man das ganze wie zu erwarten in dieser kurzen Zeit nicht. Ergebnis: Derby-Boykott der Hannoverschen Fanszene. Und das fällt keinem leicht, ist es doch das auf absehbare Zeit letzte Derby gewesen. Trotzdem deckt der Transport per Bus des Vereins nicht das Verständnis von Reisefreiheit der meisten, man fühlt sich schlichtweg verarscht. Zuhause bleiben möchte man am 6.4. trotzdem nicht, deswegen wird eine Demo angemeldet, Reisefreiheit für Fußballfans, Ort des Geschehens: BS. Das ganze wird aber schnell vom Sicherheitswahn in Form von Staatsmacht und Politik unterbunden, und lediglich in eine Kundgebung umgewandelt, nur am Hauptbahnhof, nur 2 Stunden, und nur in der Zeit, in der der Rest sich bereits im Eintracht-Stadion befindet, Repressionen hoch 10!

Kurzerhand wird deswegen im Eilverfahren eine richtige Demonstration durch die Innenstadt von Hannover angemeldet, danach soll es zusammen mit dem Regionalexpress Richtung Osten gehen. Zur Demonstration am frühen Morgen des Sonntags finden sich weit mehr Fußballfans ein, als gedacht, vom Opernplatz aus  wird der Marsch erst einmal Richtung Niedersachsenstadion gehen. Dort gibt es eine Kundgebung von einigen Szenemitgliedern, sowie dem Anwalt der Fanhilfe. Dieser Bestätigt noch einmal, was vor Gericht vorgefallen ist, und bestätigt auch: „Was sich die Hannover 96 Sales & Service GmbH & Co. KG die letzten Wochen geleistet hat, ist in der Geschichte der Bundesliga einzigartig, und völlig abzulehnen.“ Immer wieder wird der Anwalt, sowie die beiden Szenemitglieder von tosendem Applaus unterbrochen, bevor es wieder losgeht, richten sich noch „Kind muss weg“, sowie „Vorstand raus“ Rufe Richtung Geschäftsstelle, untermalt von dem ein oder anderen Mittelfinger.

Alleine ist man ja als Fußballfan bekanntlich nie, das gilt auch für den 6.4.: Eine unnormal große Anzahl an Rechtshütern begleitet den Mob, wofür sie am Ende da waren, bleibt ein Rätsel, denn außer den Leuten pausenlos mit „Ey bleibst du bitte hier rechts von der Polizeikette“ auf die Nerven zu gehen, hat die Staatsmacht an diesem Tag eigentlich nichts geleistet. Interessante Antwort eines Demonstranten auf den Standardspruch des Tages: „Warum biste denn so pissig, hätteste heute frei gehabt? Ja, das stelle ich mir auch doof vor, hier am Sonntag arbeiten zu müssen, nur weil mein Chef scheiße ist.“ Großes Kino, kam aber wohl nicht so gut an. „Noch einmal und du fängst dir eine“, der junge Mann geht entspannt weiter.

Nach bestimmt 5 gelaufenen Kilometern endet die Demonstration am Hauptbahnhof. Vorher gabs aber noch eine nette Info der Polizei: Wir haben euch übrigens vergessen zu sagen, dass da nur knapp 600 Leute in den RE nach BS passen. Das ganze war ja nicht früh genug angekündigt gewesen, Planungstalent hat halt nicht jeder, Schade. Aber auch hier eine ruhige Reaktion der Fans, „Dann sagt ihr uns doch sicher gleich, wie wir am besten mit dem Auto da hin kommen.“

Danach beginnt das Warten. Der Zug schon einige Minuten zu spät, wer ist schuld? Fußballfans. So eine scheiße aber auch! Da hat die Bahn ja endlich jemanden gefunden! Und während alle 3 Minuten die Tante von der Bahn über Lautsprecher verkünden lässt „Fußballfans betreten das Gleis bitte über den linken Aufgang, für alle anderen steht der Rechte bereit“, kann man sich schon mal einreihen, und warten. Denn anstatt normal den Treppenaufgang zu benutzen, wurden kurzerhand rechts und links zwei Barrikaden errichtet, unterstützt von schwarzen behelmten Gestalten, die alles daran setzen, die Lage zu deeskalieren. Ich kann gar nicht oft genug betonen, wie nice das Verhalten der Polizei an diesem Tag war, Daumen hoch-Ironie aus!

Während man also wartet, noch mal die nächste Info: „Verboten ist übrigens Glas, Vermummungsgegenstände, und Pyrotechnik.“ Einen zweiten Zug bereitzustellen, hätte sicherlich Sinn gemacht, wurde aber wohl als nicht angebracht empfunden. Die Zugfahrt verläuft ohne Zwischenfälle, in BS angekommen wartet die nächste Kontrolle. Dann geht’s in den Bahnhof, und von schwarzen Gestalten begleitet durch einen Ausgang, der Schlagstock trotz ruhigen Verhaltens immer im Anschlag. Verfrachtet wird die Fanszene dann in einen Käfig, in die hinterste Ecke des Bahnhofs, da wo einen keiner hört. Rechtsstaat und Meinungsfreiheit ahoi! Bock hat so irgendwie keiner. Abgehalten wird das ganze trotzdem, jetzt auch begleitet von Helis und vermummten Gestalten auf den Dächern, damit auch bloß keiner ausbricht. Einen humorvollen Beitrag Richtung Freund und Helfer gibt’s auch hier, „Hey, nicht vom Beckenrand springen!“ Kam aber auch nicht so gut an, die sind doch alle Humor behindert ;)

Auf dem Rückweg gibt’s dann auf einmal einen zweiten Zug, ist ja irre! So viel Platz! Warum ging das nur auf dem Hinweg nicht? Schnell zurück in die Landeshauptstadt, kann man noch das Ende des Spiels mitkriegen. Die beiden Gegentore, die es zu diesem Zeitpunkt gesetzt hatte, sprechen sich rum, entsetzte Gesichter everywhere. Angekommen in Hannover geht es wieder mit Geleitschutz in Richtung Stadion, am Waterloo kann man das Spiel auf Leinwand gucken. Spielstand inzwischen: 0:3-What the hell? Gedanken kreisen in den Köpfen, in meinem Kopf beherrscht ein Satz die Stimmung: Charakterlose Söldner! Wie kann das sein?

Irgendwann ist das Spiel dann zu Ende, zum Glück hat die Farce ein Ende: BS ist Niedersachsenmeister, 0:3! Dass man jetzt nicht nachhause geht, ist ja wohl klar, die Mannschaft wird am Stadion abgefangen. Was dann passierte, ist wohl bekannt, und kein großes Wunder, Wut und Entsetzen entladen sich, die Staatsmacht kriegt doch noch Arbeit! Nach einigen Minuten kommen Trainer Korkut und Ron-Robert Zieler, „Es tut mir so leid für euch, aber wir haben alles gegeben.“ Es tut mir so leid? Kann man sich auch nichts von kaufen! Wir haben alles gegeben? Eine absolute Frechheit, so was nach so einem Spiel zu behaupten! Unglaublich, einfach unglaublich!

Doch die Lage beruhigt sich irgendwann, und man kriegt Zeit, das ganze zu verarbeiten, will man aber eigentlich gar nicht. Eigentlich will man nur vergessen. Und klar war auch: Nach diesem Spiel wird nichts mehr sein, wie es war, Lust, so eine Mannschaft weiter zu unterstützen, haben wohl die wenigsten. Dazu kommt, dass Martin Kind sich in den örtlichen Medien (HAZ;NP, die Sachlichkeit schlechthin) noch dafür feiern lässt, vor Gericht gelogen zu haben. Während wohl jeder dafür auf den Sack kriegen würde, gibt’s währenddessen Lob von Stephan Weil, SPD, Kind habe „Alles richtig gemacht.“ In solchen Momenten hat man eine Halsschlagader, wie einen Gartenschlauch!

Einige Tage später steht dann fest, die Organisierte Fanszene stellt ihren Support bis auf weiteres ein. In meinen Augen eine richtige Entscheidung. Wie sehr die „20 Leute da oben“ (O-Ton Kind) dann fehlen, sieht man schon am darauffolgenden Wochenende beim Heimspiel gegen den Hamburger Sportverein. 3 mal ein schwaches „96 allez“, 5 mal „Du bist unsere Liebe“, 2 mal der „Hannover“ Wechselgesang, starke Sache! Abgerundet wird das ganze am Ende von vereinzelten Ultras Raus rufen einiger „Fans“, die die Situation kaum kennen. Nicht drüber aufregen, über solchen Leuten sollte man drüber stehen. Die „Martin Kind-Arschkriecher Fraktion“ ist beim Auswärtsspiel danach in Frankfurt natürlich nicht dabei, wieso auch? Gründonnerstag, abends, und noch so weit weg, da reicht doch auch Sky und ne Flasche Wein+Chips!

Eine Woche danach verstummen die Ultras Raus Krawallmacher aber. Und warum? Sie beschäftigen sich lieber damit, ihre Mannschaft auszupfeifen, die nach dem knappen 2:1 Sieg gegen den HSV nur 0:0 gegen Stuttgart spielt, die Stimmung ebenfalls unterirdisch! Der Gästeblock hingegen mit starkem Support, da hat man dann ja auch keine Lust mehr zu singen, wenn die anderen lauter sind. Und das mit dem Rhythmus der Lieder ist ja auch so eine Sache. Dann folgt das letzte Auswärtsspiel der Saison, in Nürnberg. Support gibt es nicht, dazu muss man nicht mehr viel sagen, Auswärts kommen deutlich vernünftigere Leute mit, als zu Heimspielen, auch das ist aber nichts neues.

Die Mannschaft schlägt Nürnberg bekanntlich mit einer starken Leistung, während man sich inzwischen eigentlich gar keine Siege mehr wünscht. Denn zu sehen, wie eine Mannschaft auf einmal Fußball spielt, nachdem sie das Spiel der Spiele Sang und Klanglos verloren hat, das tut wirklich weh. Eine richtige Entschuldigung von Mannschaft und/oder Vorstand bleiben übrigens aus. Dann kommt der letzte Spieltag, wieder Stimmungsboykott, zu Gast ist der Sportclub Freiburg.

Das Spiel plätschert ein bisschen vor sich hin, 3:2 am Ende, Hannover kann (leider) auf einmal wieder spielen. Dann kommt die 80. Minute, die ein bisschen Spannung in das ganze bringt: Freiburg rollt im Gästblock ein „Kind muss weg“ transparent aus, skandiert selbiges. Das wird von teilen der 96 Kurve mit Pfiffen quittiert, dass jeder Gästeverein sich mehr solidarisiert, als Hannover, ist wirklich bitter. Was glaubt ihr eigentlich, wer ihr seid?! Ihr, die da nur in der Kurve stehen, weil die Karten da am billigsten sind, Ihr, die während des Spiels 90 Zigaretten qualmen und 3 Bier trinken, um 5 Minuten zu supporten? Und ihr, die sich von Kind alles gefallen lassen, weil sie ja eh nur alle 2 Wochen für 90 Minuten zum Heimspiel tuckern, ohne zu merken, dass 96 auf dem besten Weg zum vollen Kommerz ist. Schämt Euch! Hannover braucht Euch nicht! Kauft Euch ein Skyabo und seid glücklich!

Zurück zum Spieltag: Nach den Pfiffen beschließt der Block N16/17 spontan, Freiburg zu unterstützen, und ebenfalls „Kind muss weg“ zu skandieren, es folgt ein starker verbaler Schlagabtausch mit dem Unterrang, bis irgendwann der erste Bierbecher fliegt. Das wiederum sehen die behelmten dann als Grund an, sich warm zu machen, und sich vor dem Block zu sammeln. Die aktive Szene will das Stadion verlassen, wird aber daran gehindert, es kommt zur Keilerei: Maßlos übertrieben und null deeskalierend! Nicht gerade sparsam mit Tränengas, sowie dem Knüppel, teilweise werden Sanitäter daran gehindert, zu verletzten zu kommen. Das eine Woche nach den Vorfällen im Volkspark, als wegen eines ACAB Banners ein voller Block gestürmt und geflutet wurde, die Polizei lernt nichts. Ihr seid nur staatliche Schlägertrupps! Danach gabs dann noch ein Interview mit Kind, Ihr könnt 3 mal raten, auf wessen Seite er sich stellt. Ein Tipp: Nicht auf die, der Fanszene. 

Wie es jetzt nach der Saison weiter geht, ist ungewiss, der Rote Kurve Block wird aufgelöst, sprich die Karten werden wohl deutlich teurer. Ein entgegenkommen des Vereins ist nicht zu erwarten, im Gegenteil. 

Fakt ist: So macht das keinen Spaß. Der Verein, in den man Jahre so viel Zeit, Geld und Urlaubstage investiert, spuckt einem nicht ins Gesicht, er rotzt einem ins Gesicht! Und das volles Rohr! Und wenn sich nicht bald etwas ändert, dann ist Hannover auf dem besten Weg, der erste Klub zu werden, der bald keine Bilder mehr von ausrastenden Massen hinter einem Fahnenmeer hat. Die Stimmung der 4 Spiele hat gezeigt, was Fußball ohne koordinierten Support ist, ein Trauerspiel. Jetzt ist Pause, mal gucken was die bringt. In dem Sinne noch ein Gruß an die Staatsmacht  und an die Hannover 96 Sales & Service GmbH & Co. KG.

Kind muss weg! Besser gestern als heute!

(Hoffentlich) bis zur Spielzeit 2014/15, und eine schöne Sommerpause.

Edit: Inzwischen ist klar, dass die aktive Fanszene die 96 Profis nicht mehr unterstützen wird.

Nachdem lange Zeit die Dauerkarten für N16/17 gesperrt wurden, hätten sie zwar doch noch verlängert werden können (Der Verein sieht dies als starkes entgegenkommen), die Preisanhebung für die Blöcke findet aber trotzdem statt, wenn auch in 3 Stufen über mehrere Jahre.

Trotzdem gipfelte im Fanszenetreffen die Entscheidung: Die aktive Fanszene wird in der kommenden Saison die Amateure supporttechnisch unterstützen. Im Niedersachsenstadion und bei Auswärtsspielen der Profis wird die Szene Hannover nicht auftreten.

Marvin.

Dienstag, 06 Mai 2014 19:30

Herr Hansen hat keine Zeit

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„Spice up your life“ lautete die große Devise am vergangenen Samstag im Volkspark. Während sich die Mannschaft des eigentlich ruhmreichen Hamburger Sport-Verein e.V. mehr oder minder wacker gegen die Championsleague-Versager aus München mühte, sollten es halbwegs irrsinnige Ereignisse, weit abseits des Spielgeschehens sein, die uns HSVern diesen Nachmittag ins kollektive Gedächtnis nagelte.

Und ferner sollte Herr Hansen in mein Leben und das meines Vaters treten. Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt, ziert er sich noch ein wenig, ist schüchtern und zurückhaltend, aber, Herr Hansen, seien Sie unbesorgt, wir können über alles reden! Eigentlich ist mir das letzte Heimspiel in der Saison in der Vergangenheit immer ein Fest gewesen. Man konnte sich froi!en, dass man mal wieder eine Saison unspektakulär um die Ecke gebracht hatte, man war wieder an den heillosen Ansprüchen gescheitert, aber,dafür sind ja Ansprüche nun mal da, dass man sie formuliert und wenn nicht heute, dann eben nächstes Jahr. Wir sind Hamburg, wir sind das Urgestein, der Dino und sowieso, Hamburg läuft nicht!

Zu diesem Heimspiel traf man immer einen Haufen Gleichgesinnter, es gab Saisonabschlußfeiern, obwohl es für Außenstehende und rein objektiv nichts zu feiern gab. Das Bier floss in Strömen und sowieso haben wir die größten Genitalien. Dies Jahr ist alles anders. Auch der Dümmste sollte begriffen habe, dass wir dieses Jahr in die Tüte atmen und es ist nur die kleine Kotztüte aus dem Relegationsflieger. Ich bin sehr emotional im Stadion und reagiere unwirsch, wenn man dem Spielermaterial nur bedingt anmerkt, dass wir als Fans das Abstiegsdingens eigentlich nicht so dolle finden. In der Regel bin ich aber schnell versöhnt und es geht soweit, dass ich mein viertes Kind Harvey nennen würde. Echt! Emotionen lagen auch in der Luft, als sich die Fanschaar zum Stadion aufmachte, um im kollektiven Wahn der hysterischen Selbstüberschätzung, unsere Mannschaft beim Niederringen des überbewerteten Operetten-Ensembles aus den Österreichischen Vortälern zu bejubeln.

Schon im Vorfeld der Veranstaltung gerieten sich HAM und MUC in die Haare, was wohl auch hier dem geschulten Auge der Ordnungsmacht zu verdanken ist. So sollen laut Augenzeugen, die sportiven Kräfte des sportlichen Gegenübers per Handstreich und unbemerkt aus dem Mob am Eidelstedter quasi verdunstet sein. Das macht die Sache für Herrn Hansen leider nicht einfacher und ich bin keinesfalls derjenige, der ihn wegen seiner schweren Aufgabe und den zu treffenden Entscheidungen beneidet. Aber, wenn es irgendwie nicht stimmt, muss Kritik erlaubt sein. Es gab weiterhin noch einige Auseinandersetzungen im Vorwege, bei denen es auch dazu kam, dass einige HSVer -berechtigt, oder nicht, wer weiß das schon- weggeheftet worden sind und das erwartungsgemäß nicht auf das Verständnis der verbliebenen Sportsfroi!nde trifft. Es wird die erste folgenhafte Entscheidung dieses Nachmittages getroffen. Es werden flugs zwei Banner zusammengezimmert, die irgendetwas mit „ACAB“ und „Hass wie noch nie“ erzählen.

Ich sitze quasi unter 22c, unserem „Stimmungsblock“ und denke mir beim Lesen des Banners „ach, jottchen…“, der Ultrablock ist ja die Quengelzone des Kommerzscheißhaufen Fußballstadion. Herr Hansen besitzt aber nicht diese alterweise Gelassenheit, die ich mir mit nun 45 Jahren und trockenem Rotwein antrainiert habe.Er fühlt sich beleidigt und möchte Teil eines Exempels werden. Wie medial im ausreichenden Maße kolportiert worden ist, setzt nun die Polizeiführung die Trubben in Bewegung und sich selbst per Order Mufti über die anscheinend nur beratenden Instanzen „Hausherr“ und „Ordnungsdienst“ hinweg. Die beiden Banner mit dem anscheinend beleidigenden Inhalt sollen nun „sichergestellt“ werden.

Diesem dritten Versagen ist aber offenkundig ein zweites Versagen vorrausgegangen: weder der Abteilungsleitung des Supportersclub, noch der vielköpfigen Fanbetreuung ist es gelungen, die bockigen Kinder aus 22c dahingehend zu beeinflussen, dass es doch ein toffte Sache wäre, die zwei Banner abzuhängen.Es gab auch noch wieder unsäglichen Ärger unter den Fans auf der Nordtribüne. Das dort hängende Banner der „Not for Sale“ Aktivisten ist zerrissen worden. Ich persönlich halte absolut nichts von diesen traditionalistischen Möchtegern-Bewahrern, nur ist das alles Ausdruck einer Meinung und einer Haltung, die im vereinskameradschaftlich Miteinander auch von denen ausgehalten werden muss, die die Meinung und Haltung nicht teilen. Anstrengend wird es auch dann wieder, wenn ein übermäßig kindisches Aggressionspotential von allen Seiten als Nabelschau vor sich hin getragen wird. Mitten im Spiel musste das Banner dringend weiter geflickt werden, was den Umsitzenden wenig schmeckte, da wurde dann auch das eine oder andere Bier umgestoßen, herrjeh, Temper! Temper! Temper! Alles ist gnadenlos auf Abstiegskampf fokussiert…Das wird ganz toll von der Fanbetreuung geschlichtet. Fällt dann aber in der Tagesbilanz ein wenig raus. Egal. Hauptsache, man hatte mit seinem Käsehorizont wenigstens ein bisschen Recht.

Bauchgrimmen! Ein zwei Reihen vor uns Sitzender kommt aus der Pause und erzählt, Team Grün stimmt sich gerade ein, wie eine Horde Marines vor dem Angriff auf eine Taliban-Hochburg. Man wird noch öfter von HSVern hören, dass sich die Einsatztrubben schön heiß gemacht haben sollen. Es geht los, unten vor 25a marschieren Trubben auf, annähernd zeitgleich marschieren Trubben auf dem Innenumlauf zwischen 21b/c und 22b/c auf. Und von nun an scheiden sich die Wahrnehmungsgeister. Im Supportersforum zetern nun Gesellen herum, die Polizei sei mit Wurfgeschossen empfangen worden. Da ich von meinem Platz aus einen perfekten Blick habe, stellt sich die Situation in meiner Wahrnehmung deutlich anders dar: die Polizei bestreicht massiv die ersten Reihen von 22c mit Pfefferspray, anlasslos und präventiv, um relativ „easy“ an das Banner zu kommen. Genauso unbedrängt zu diesem Zeitpunkt, wird in die oberen Reihen von 22b mit Pfefferspray geschossen. Die Polizei kann diesen Überraschungsmoment nicht richtig nutzen und die gewaltbereite Fraktion kann sich sammeln, um zu einem wirklich massiven Gegenangriff überzugehen. Und nun bricht das Chaos komplett los, ich hatte schon relativ früh meinen Vater ans andere Ende des Blockes verwiesen, Väter mit kleinen Kindern und normale Fans suchten ebenfalls das Weite.

Nun stimmt alles wieder Pfeffer wird taktisch dezenter eingesetzt und nun hagelt es wirklich alles, was zu schmeißen ist.Die Polizei muss sich zurückziehen in den Außenrundlauf und wird nun von dem freidrehenden Mob bedrängt. Es gibt ein Handyvideo, das diese Situation festhält. Die Polizei ist eigentlich nicht dumm, setzt in dem relativ geschlossen Außenrundlauf kein Pfefferspray ein. Umkehrschluss: der massierte Pfeffersprayeinsatz im Stadion war gezielt geplant und folglich waren die Kollateralschäden an vornehmlich Unbeteiligten einkalkuliert und als verhältnismäßig für ein vermeintlich beleidigendes Banner eingestuft worden. Durch Herrn Hansen, dem Revierleiter des Polizeikommissariates 25 in Bahrenfeld. Herr Hansen war an diesem Samstag der Gesamteinsatzleiter und mein Vater war ein solcher Kollateralschaden.

Ein Anruf am Sonntag beim PK25 brachte zwei Erkenntnisse: Herr Hansen hat heute frei und es gibt ein Vielzahl von Beschwerden wegen des Polizeieinsatzes. Gestern wollte mein Vater gerne sich mit Herrn Hansen austauschen, aber, er fing erst um 10h00 mit seinem Dienst an und da hatte mein Vater keine Zeit. Später hatte er dann einen pampigen Staatsdiener am Telefon, der Ihm mitteilte, dass Herr Hansen nicht zu sprechen sei und er einen Termin mache müsse. Auf die Replik meines Vaters, ach, der Herr Hansen ist wohl nicht für jeden zu sprechen, blaffte der Staatsdiener zurück, wenn er (mein Vater) weiterhin so aufsässig sei, werde er (der Staatsdiener) das Gespräch beenden und auflegen!

Die Deutsche Polizei ist echt geil, die haben sogar verbales Pfefferspray am Telefon!

Die Bilanz des Polizeieinsatzes sind neben einer überschaubaren Anzahl verletzter Polizisten, eine deutlich erschreckendere Anzahl verletzter Fußballfans. Die von der Polizei durch taktisches Versagen in Kauf genommenen Kollateralschäden belaufen sich auf mehrere hundert Verletzte HSV-Fans. Wir sprechen hier von direkten Streuschlägen und massiv mit Pfefferspray bestrichenen Personen, jenseits des gewaltbereiten Mobs. Wir sprechen auch von HSV Fans, die durch das in der Luft verteilte Pfefferspray zu Teil gesundheitseinschränkende bzw. gesundheitsgefährdende Beeinträchtigungen erlitten haben.

 Das Desaster des Nachmittages komplettierten die letzten Versager in diesem Schaustück. Der gewaltbereite Mob verteidigte den Block gegen das unverhältnismäßige Ansinnen der Staatsmacht, da kann man wildromantisch noch hindenken, auch, wenn man das bei der Realität im Jahre 2014 nicht als übermäßig berauschend empfinden mag. Wenn 1986 die Südtribüne im leeren Stadion loszog, war das ein anderer Schnack. Normalen, aber dennoch szeneaffinen HSV Fans Schläge anzudrohen, weil man nach einiger Zeit der Rage, nun mal ein wenig Einhalt einfordert, ist natürlich ganz großes Kino, ebenso, richtig lad-style, sich unter die normalen HSV Fans zu covern, die Quarzsandhandschuhe auszuziehen und den Pfeffer auszuheulen. So wird das nichts mit dem Fleißbienchen im Fan-Treff. Ganz klar muss sich 22c in Zukunft die Frage stellen, wie man mit den umgebenden Blöcken auskommen möchte. Es mag zwar für das handelsübliche Ultraverständnis eine ungewöhnliche Forderung sein, die bestimmt als totale Anmaßung der Eventies verstanden wird: aber hier ist 22c und als exponierter Vertreter CFHH in der Bringschuld.

Niemand anders sonst.

Was bleibt?

Eine weiterhin noch tiefer zerstrittene HSV Fanschaar und Mitgliedschaft, die ihre Zerwürfnisse zukünftig auch mit deutlicher Gewalt austragen wird. Das Supportersforum strotzt nur so vor Menschen mit tadelloser Moral und reinstem Gewissen, die oftmals als lupenreine Demokraten durchgehen können. Eine total zerschossene Kommunikation auf Fanebene, ein Umstand, der dem selbstgefälligen Agieren der maßgebenden Kräfte im Supportersclub geschuldet ist.

Ebenfalls bleibt mehr als nur ein pfefferiger Nachgeschmack über die Qualität des Polizeieinsatzes bzw. über die Qualität der Einsatzleitung. Gestern flüsterte es aus der Hecke, dass es sich um die erste Einsatzleitung des Herrn Hansen gehandelt haben soll. Heute munkelte aus einem Busch, dass der erste Mai nicht feurig genug gewesen sein soll und dass man für die anstehenden Personalratswahlen bei der Hamburger Polizei mehr „Thema“ und Gewerkschaftsvertreter in den Medien brauchte.

Es gibt insgesamt 17 freigestellte Personalräte bei der Hamburger Polizei. Das sind dank der CDU-Regierung seit 2004 5 Personalräte mehr, als rechnerisch vorgegeben sind. 5 Fensterposten, die in einer Legislaturperiode mit 1.200.000 Millionen Euro den Etat der Innenbehörde sinnloserweise belasten.

Aber, man soll ja jedes Gespräch positiv abschließen, auch bei meinen Monolog hier werde ich das tun. Der Abschluss des Samstagabend fand in lauschiger Runde im Reitclub statt. Statt Blaulicht, Rotlicht.

hsv rotlicht 

Sonntag, 04 Mai 2014 20:53

Eigentlich

geschrieben von

 

hatte ich nicht vor, noch mal zu bloggen diese Saison. Spielberichte kann man auch auf anderen Kanälen lesen. Die Auswärtsfahrt nach Bremen hat jetzt aber doch so ihre Spuren hinterlassen und Gedanken aufkommen lassen.
Zum Spiel selbst möchte ich nur so viel sagen: Das Duell gegen Werder war einziger Fußball-Limbo. Daß wir uns nach der ersten Halbzeit biederen Bremern unterzuordnen wußten, kann man fast schon als Kunst bezeichnen. Einzig Langkamp dürfte da als Spielverderber genannt werden - aber der verrichtet seine Arbeit da hinten in der Mitte seit eh und je gewohntkonnt humorlos.
Als Koch weiß ich, daß bei einem 3(oder x)-Gänge-Menü das Dessert stets der wichtigste Gang ist. Ein bester letzter Eindruck läßt eine schlechte Vorspeise, einen mauen Zwischengang oder ein umspektakuläres Hauptgericht fast in Vergessenheit geraten und das ganze Menü bleibt in verklärter Erinnerung. Mögen die ersten Gänge noch so hervorragend gewesen sein, ein mittelmäßiges oder missglücktes Dessert zieht den Gesamteindruck in den Abgrund. Blödes Kurzzeitgedächtnis. Was das mit Hertha zu tun hat? Tja.
Der Klassenerhalt war Gottseidank nie in Frage gestellt und 3 Tage vor Schluß sicher. Heissa Juchhe!
Große Baustelle bleiben die Außen und der Sturm. Und ohne Lustenberger, Baumjohann und Cigerci ist es irgendwie die altbekannte Hertha der Rückrunde, mit ihnen die zukünftige der Hinrunde.

Apropos Baustelle: Es war diesmal mein 3. Bremenbesuch und auch der Grund für diesen Blog. Sportlich hat sich keine der Fahrten gelohnt. Mein erstes Mal war ich noch im Weserstadion während des Umbaus. Selbst an diese Auswärtsfahrt habe ich keine guten Erinnerungen. Damals reiste ich auf eigene Faust an. In Bremen waren Shuttle vom Hbf zum Stadion vorgesehen. Im Bahnhofsbereich war durch die Polizei alles so abgesperrt, daß niemand von uns die Möglichkeit hatte, WCs oder anderes aufzusuchen. Besonders ätzend für die Jungs im Sonderzug. Wir saßen dann bereits alle im Shuttle - abfahrbereit. Die Polizei ließ uns wieder aussteigen, dann ging es stattdessen zu Fuß bei eisigen Temperaturen im Februar über den gefrorenen Deich. Statt 10min eine geschlagene Stunde zum Stadion. Uns fror der Hintern ab, den Jungs platzte die Blase und die Polizei-Eskorte stand so dicht, daß es kein leichtes war, diese Kette zu durchbrechen, um den nächsten Baum aufzusuchen.
Aber wenigstens war der Gästebereich in dieser Umbauphase wie bei unserem Stadtrivalen oder den Schwarz-gelben am Spielfeldrand zwischen Eckfahne und Tor. Ich konnte das Weiße in Pizarros Augen sehen als er einnickte. Und ich hielt ein Bier in der Hand… Die Einlaßkontrollen waren schon damals penibel.

2014-05-03 14.31.552014-05-03 14.32.17Bei meinen letzten beiden Besuchen war der Umbau bereits vollzogen. Inzwischen werden die Gästefans also unterm Dach eingepfercht. Geschätze 80% der Plätze - und zwar egal ob Steh oder Sitz - unterliegen massiver Sichtbehinderung durch Stützen, Zaun, Anzeigetafel. (Die Bilder zeigen noch mit die beste Sicht zwischen Anzeigetafel oben, Zaun unten und den Stützen links und rechts. Die Anzeigetafel ggü ist komplett verdeckt.) Dafür, daß man sich das im Sitzen antun möchte, muß man auch noch 42€ berappen, mit gestreckten Bein reichen 13€. Das nenne ich mal Käfighaltung vom feinsten! Nicht nur dort, schon die Zuwegung und Untergliederung zu den jeweiligen Blöcken erinnert an Gefängnistrakte. 90 Minuten Hofgang im schlichten Betonambiente. Getränke im Block für Gäste unerlaubt - anders bei den Heimfans! Das ist einfach noch schlimmer als bei den abonnierten Biederclubs Wolfsburg und Leverkusen, dort ist der Gästeblock immerhin am bierseligen Spielfeldrand. Bei den Münchnern wird man zwar auch unters Dach verbannt und darf im Block nicht verzehren, aber dennoch hat man gute und nirgends eingeschränkte Sicht.


Was ist da in Bremen los??? Ich bin von jeher kein Freund dieser Möchtegern-Besserclubs  und den Fans mit entsprechender Attitüde. Dazu gehören für mich Union, Pauli und eben auch Bremen. Auf der Sollseite stehen Politische Korrektheit, Toleranz, Queerness, Anti-Kommerz, Tradition usw - dabei stehen auf der Habenseite ganz andere Dinge. Ich kenne kaum einen Verein, den ich kommerzieller finde als gerade Pauli, die es nicht sein wollen, und Union ist nicht sooo links und freaky, wie die Folklore (insbesondere der Nicht-Berliner) das gerne will. Toleranz ist bei beiden auch so eine Sache. Ja, und nun Bremen. In der Halbzeitpause wurden die Double-Gewinner von 2004 auf’s Feld geholt. Was genau damit bezweckt wurde, weiß ich nicht. Für einen Bremenfan muß das wie eine unwirkliche Reise in eine vergangene Zeit gewesen sein - als die Welt noch in Ordnung war. Mit Micoud und Schaaf. Tosender Applaus und ich muß sagen, daß mich das auch berührt hat. Will man da mit dem Nostalgieschwamm über die Saison hinwegwischen? Ich kann Dutt nicht leiden, aber ich empfand das als zweite Demütigung für ihn, wie sehr doch alle an Schaaf hängen.


2014-05-03 15.08.41bUnd heute? Heute ist Bremen ein Verein, der die Gäste getränkefrei in Käfigen hält, und sich die Brust sponsorn läßt von Wiesenhof, deren Hühner ebenfalls in Käfigen wohnen und dazu gibt’s auf den Rängen Klatschpappen! Ich frage mich aktuell, ob das nicht eigentlich das wahre Gesicht des SVW ist und nicht das, des bundesweiten/ internationalen Sympathieträgers von damals? Sehr, sehr vorsichtig wurde kolportiert, Schaaf habe damals Prämien kassiert für bestimmte Spielereinsätze. Vielleicht ein Gerücht, vielleicht erklärt das aber auch manch dubiose Aufstellung von damals. Und Allofs nun bei Wolfsburg. Gut, das bewegt sich im Bereich des Spekulativen und/ oder Legitimen. Dennoch rundet es ein Bild (vielleicht auch Vorurteil) ab, daß ich mittlerweile von Bremen habe und ich bin abgefrühstückt. Sicherlich bin ich meinem Trugbild auch durch den Wunsch nach Fußballromantik aufgesessen. Um es noch einmal deutlich zu machen, es ist alles absolut legitim, was oben genannte Vereine tun, ich bezweifle bloß, ob das eben der Wahrheit entspricht oder dem Bild, daß sie von sich haben (wollen) und andere haben (sollen). Ich tue hier selbstverständlich auch bloß meine „Wahrheit“ kund. Mir ist in diesem Sinn ein Verein wie Bayern oder HSV dann tatsächlich lieber, sei es, weil ich entweder erst gar keine Erwartungen an hehre Ansprüche habe oder mir diese gar nicht erst vorgegaukelt werden. Da muß ich direkt sagen, daß der HSV auswärts für mich immer eine gute Adresse ist. Die haben andere Probleme: Ihre Kaschmirpullifans, die ich hier in Berlin erlebe und ihre Chefetage. Grundsätzlich sind die Kurven, Ultras und Kutten aller Vereine selten deren und schon gar nicht mein Problem.

Umso bedauerlicher finde ich meinen dritten Eindruck von einer Auswärtsfahrt nach Bremen, denn eigentlich könnte man dort eine schöne Zeit haben: Das Stadion liegt sehr idyllisch an der Weser. Im Sommer kann man vorm Spiel auf dem Deich lümmeln - auch danach. Oder mit den Bremern in den Kneipen im angrenzenden Kiez trinken. So wie früher. Es ist wirklich hübsch dort.

Eigentlich.

2014-05-03 17.31.47Wäre da nicht der Gästeblock! Und wäre dort nicht die Polizei. Auch diesmal gingen die Robocops ziemlich aggressiv zu Werke (ich spreche nur von dem, was ich gesehen habe). Fans werden nach dem Spiel grundlos im „Treppenhaus" angerempelt. Unsere Vorsänger nebst Trommler (ggf weitere Fans) kamen erst etwa Mitte der 2. HZ in den Gästeblock (sicherlich unfreiwillig)… "Ganz Berlin haßt die Polizei!" deutet an, daß da was vorgefallen sein muß. Ähnlich wie bei "Irgendwann, irgendwann, zünden wir die Bullen an" muß ich leider sagen, daß man damit nicht alle Fans ins Boot holt. Oft gibt es genug Grund, sich über das Verhalten der Polizei zu ärgern, aber solche Gesänge gefallen mir nicht. Doof!

Es kam noch Feuerwehr nach Abpfiff und wohl zu Verletzten auf Seiten der Polizei und zu Festsetzungen von Hertha-Fans. Naja... Wenn ich mehr Infos habe, werde ich das hier nachtragen.

Bremen ist auswärts für mich keine Reise mehr wert und ich kann es auch nicht empfehlen!

Aller Dank gilt meinen Mitfahrern, mit denen ich großen Spaß hatte!