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Samstag, 11 August 2012 13:51

Europapokal! Wenn’s sein muss auch nach Kiew…

geschrieben von

bmg choreoVielzitierte 16 Jahre ist es her. Seit 16 Jahren hat Borussia Mönchengladbach nicht mehr an einer Europapokalauslosung teilgenommen. Es dürfte also wenig überraschend sein, dass der gestrige Tag aus Sicht eines überzeugten Anhängers der „Fohlenelf“ nicht unkommentiert bleiben darf.
Folgendes sei bereits an dieser Stelle gesagt: Ja, selbstverständlich muss jeder Gladbach-Fan es als eine glückliche Fügung ansehen, dass man unmittelbar vor Beginn der Saison 2012/2013 überhaupt über das Mitmischen des eigenen Vereins auf der europäischen Bühne diskutieren darf. Ja, jegliche allzu überzogene Unmutsäußerung über das Auslosungsergebnis ist vor dem Hintergrund, dass man viele Jahre lang gar nicht europäisch kicken durfte und in der Relegation der Saison 2010/2011 dem Abstieg in die 2. Bundesliga so gerade noch mit einer bravourösen Ausweichbewegung die lange Nase zeigte, lächerlich.

Samstag, 11 August 2012 00:04

Normal aufsteigen kann jeder

geschrieben von

fortuna dvd 2Kinopremiere des Fortuna-Aufstiegsfilms vor 1.000 Zuschauern.

Dann betrat Matthias Brühl, der Macher des Aufstiegsfilms die Bühne im altehrwürdigen Savoy-Theater an der Graf-Adolf-Straße, und es fühlte sich an wie bei der Oscar-Verleihung. So vielen Helfern und Unterstützern hatte der Filmemacher, der aus der Kurve kommt, zu danken. Seine letzte Bemerkung aber löste ungläubiges Staunen aus. Es hätten sich zwar einige Spieler als Zuschauer angesagt, der Verein habe aber seinen Angestellten nahegelegt, der Veranstaltung fernzubleiben. So arbeiten nun auch Fortunas Funktionäre daran, einen Graben zwischen Verein und Fans auszuheben. Das tat aber der Freude und der Dauergänsehaut keinen Abbruch. Zumal praktisch jeder Gast im ehemals größten Kino der Stadt – der Film wurde gleichzeitig in drei Sälen gezeigt – sich selbst irgendwann in diesem professionell produzierten Streifen sehen konnte.

Wo andere Vereine Jubel-Videos anbieten oder Fans Handy-Video an Handy-Video reihen, hat das Team von Matthias Brühl, der in Iserlohn Medien-Design studiert, einen Dokumentarfilm nach allen Regeln der Kunst produziert. Der Düsseldorfer Mob wurde bei Heim- und Auswärtsspielen mit bis zu vier verschiedenen Kameras aus unterschiedlichen Perspektiven gefilmt, Bilder aus dem Inneren des Blocks wechseln sich mit statischen Aufnahmen der Fans ab. Und weil die Saison 2011/12 die Saison der abgebrochenen Pyro-Gespräche zwischen Fans und DFB war, ist auch eine Menge Feuer zu sehen. Übrigens sollen dem Vernehmen nach diese vielen Bilder brennender Fackeln der Grund sein, weshalb die F95-Funktionäre nicht wollten, dass Spieler teilnehmen. Man übt sich also schon jetzt in vorauseilendem Gehorsam und Selbstzensur.

Den Rahmen bilden ein faszinierendes Gespräch zwischen F95-Kapitän Jens Langenecke und Fanreporter Freddy Broszat sowie ein überaus offenes Interview, das Trainer Norbert Meier gab. Der mit allen Zweitligawassern gewaschene Langenecke redet durchweg Tacheles. Da sitzen die beiden auf den Stehstufen der Südkurve und der 35-jährige sagt über das Spiel beim MSV Duisburg: „Das Kackstreifenesellied muss ich nicht unbedingt hören.“ Freimütig äußert der erfahrene Innenverteidiger auch seine Meinung zur Pyrotechnik. Ihm gefalle das sehr, und seiner Meinung nach gehöre es zu einer ordentlichen Stimmung dazu. Während Freddy die Spieltage aus Fansicht beschreibt, erzäht der Jens, wie es den Jungs auf dem Platz ergangen ist.


fortuna dvdSpielszene sind keine zu sehen; allein schon wegen der Filmrechteknebelei der Verwerter, die aus jedem Fitzelchen Bild noch Kohle schneiden wollen. Es wird Zeit, dass die Fans
das Recht an Aufnahmen der Kurven ebenfalls an den Meistbietenden versteigern, denn die „Stümmungsbilder“ zeigen auch die diversen Fußballversender gern. Der Dokumentarfilm, der übrigens ab sofort für 15 Euro direkt bei Fortuna-Videos auf DVD bestellt werden kann, ließ gestern Abend im Savoy Niemanden kalt. Zumal noch einmal ausführlich die Begleitumstände der Relegationsspiele gegen die Hertha vorgeführt wurden – Highlight hier: Die Aufnahmen des Antenne-Düsseldorf-Kommentators Olli Bendt, dem man in jeder Sekunde anmerkt, dass er nicht bloß Privatradiosprechpuppe ist, sondern durch und durch Fan.

Gestern recherchierte ich im Netz. Ziel der Suche waren professionelle Videos anderer Bundesligavereine. Natürlich gibt es von irgendwelchen Honorarkräften aus Archivmaterial zusammengeschusterte Jubelfilmchen, die im jeweiligen Fanshop für teures Geld angeboten werden. Oder serienweise miese Smartphone- oder Amateurkamerastreifen, aber nicht einmal die Spitzenclubs des deutschen Fußballs haben das zu bieten, was es bei der Fortuna gibt: Professionelle Filmemacher aus dem Herzen der Kurve, die ihre Videos mit Herzblut drehen, schneiden und produzieren.

Wie immer wenn mehr als 500 Fußballfans an einem Ort sind, konnte auch der Freund-und-Helfer-Verein nicht wegbleiben. Nach dem Ende der Vorstellung standen an der Kreuzung Graf-Adolf-/Oststraße schon mehrere Streifenwagen bereit. Als dann die abfließende Menge nicht abfloss, sondern vor dem Kino und aus Platzmangel auch am Rande der linken Fahrspur das Gesehen besprach sowie ihrer Freude durch eine rotleuchtende Fackel zeigten, griffen die Blauen ein, blockierten ihrerseits drei Kreuzungen und räumten den Ort des Geschehens. Man nennt es wohl Eskalationsstrategie.

Donnerstag, 09 August 2012 23:35

Jetzt wird's heiß...

geschrieben von

Fast ein wenig makaber, meinen Kommentar aufgrund der letzten brisanten Ereignisse so zu titulieren. Eigentlich wollte ich das Thema Pyro, Gewalt und Polizei mal ruhen lassen. Ich weiß es nervt immer über dasselbe zu reden, aber nicht die vermeintliche ständige veränderte Aktualität und ach so tolle Abwechslung prägen meine Meinung, sondern die Nachhaltigkeit und Wichtigkeit. Während ich in vielen Fanberichten, Kolumnen, Interviews oder Diskusionen mich für „Pro-Pyro“, eingesetzt habe, ist nun Schluss mit Lustig, na ja fast.
Freunde der Nacht, aufgrund der dummen und primitiven Geilheit auf Gewalt, den unmenschlichen Beleidigungen Polizisten gegenüber und dem rücksichtlosen Werfen von bengalischen Feuern auf MENSCHEN, sehe ich unsere Fankultur in Gefahr.

Montag, 06 August 2012 00:38

Fortuna und die Superstars

geschrieben von

fortuna duesseldorfWie ein Teil der Fortuna-Fans in Sachen Andrey Voronin skeptisch ist.

Das Schöne an einer Veranstaltung wie diesem Fan-Blog ist, dass jeder Anhänger eines Vereins erfahren kann, was die Anhänger anderer Vereine bewegt. Und dass das oft genau dieselben Probleme und Situationen sind. So zeigt der Beitrag des Kollegen Robert Pohl aus Dresden, dass auch dort eine Diskussion zwischen den Immerschonfans und den Neulingen entbrannt ist – bei der Fortuna kennen wir das bereits seit dem Zweitligaaufstieg 2009. Die klügeren Menschen unter den Altanhängern freuen sich erst einmal über diesen wahnwitzigen Zulauf zur Fortuna: Bei 31.000 abgesetzten Dauerkarten für die Saison 2012/13 wurde der Vorverkauf abgeriegelt, es sollen bei jedem Spiel auch noch ein paar Karten in den freien Verkauf gehen; kürzlich meldete der Verein die irrwitzige Zahl von 17.200 Mitgliedern – vor zehn Jahren waren es nicht einmal 1.500, allein seit April kamen über 7.000 Neulinge dazu. Rot und Weiß sind plötzlich wieder präsent in der Stadt, und die Buben traben nicht mehr im FCB- oder BVB-Trikot über den Bolzplatz, sondern tragen stolz die Farben dieser schönsten Stadt am Rhein.

Aber – es gibt ja meistens ein Aber – was den Damen und Herren, die auch zu Auswärtsspielen in der Oberliga unterwegs waren, stinkt: Viele der neugeborenen oder wiedererweckten Fans haben null Ahnung davon, was sich seit 1997 beim Verein wirklich abgespielt hat. Und sind trotzdem sicher, zu Allem und Jedem eine Meinung haben zu können und äußern zu müssen. Das nervt. Genau wie die allgemeine Geschichtsvergessenheit dieser Republik. Vermutlich ist es woanders nicht anders, aber die neuen (von manchen bösartig als „Eventies“ bezeichnet) gehen oft so vor, als habe die Historie der Fortuna mit dem Tag ihres Vereinseintritts begonnen. Und treten die Geschichte, die Erfahrungen der anderen, die Vorlieben und Abneigungen, die liebgewonnenen Rituale, die Tausenden Anekdoten und Witze mit Füßen.

Man kann das sehr schön an den Reaktionen auf die Verpflichtung von Andrey Voronin vor ein paar Tagen ablesen. Da sind einerseits die Euphoriker. Die freuen sich wie Bolle, dass der Underdog der Bundesligasaison 2012/13 einen ukrainischen Nationalspieler verpflichten konnte, der wenige Woche zuvor noch bestens bei der EM gekickt hat. Da sind andererseits die Kenner der Fortuna-Geschichte der vergangenen zwanzig Jahre. Die begründen ihre Skepsis mit Namen: Igor Dobrovolski (97 bis 99), Sergej Juran (96 bis 97) und vor allem Darko Pančev (95 bis 96) - allesamt zu ihrer jeweiligen Zeit Weltstars, die extrem teuer gekauft und verköstigt wurden, dem Verein aber kaum Nutzen brachten. Letztlich waren es diese Verpflichtungen (hinzu kommen noch die Söldner Mill und Marin), die den Verein in die finanzielle Klemme brachten, aus der ihn das Geld vom Sportwelt-Kölmel rausholen sollte – eine Erblast, an der F95 heute noch knabbert, weil 30 Prozent aller Einnahmen aus TV-Geldern an diesen Geschäftsmann abgeführt werden müssen.

Mit großen Namen haben wir schlechte Erfahrungen. Deshalb begegneten gerade die Altfans dem lieben Andrey mit einiger Skepsis. Hinzu kommt seine Vergangenheit beim verhassten VfL BMG und dieser Hertha, die ihn manchem F95-Fan wenig sympathisch erscheinen lassen. Die vergessen gern, dass der junge Mann von 33 Jahren quasi Rheinländer ist, weil er schon mit 15 zum damaligen A-Jugend-Trainer der Borussia, einem gewissen Norbert Meier, kam, der ihn förderte und zum Profi beförderte. Und genau dieser Meier, den Voronin als väterlichen Freund bezeichnet, wird nun nach fast 15 Jahren wieder sein Coach sein. Das kann doch gar nicht schiefgehen.

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