Do23Mar2017

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Winterzeit, Schmökerzeit und was gibt es Besseres für einen Schalker, als sich mit durch und durch königsblauer Lektüre auf das heimische Sofa zu kuscheln? Okay, Schalkespiele, zugegeben. Wenn ein solches aber gerade nicht stattfindet, sei allen Schalkern das neueste Werk von Stefan Barta ans Herz gelegt: „Schalke International – Von Anderlecht bis Zagreb“ heißt das mit sehr viel Liebe und Akribie zusammengestellte Werk über die internationalen Begegnungen unseres Vereins.

Dass die Geschichte unserer Eurofighter, die sich 1997 nach einem nie für möglich gehaltenen Siegeszug durch Europa mit dem UEFA-Cup-Sieg krönten, eine besondere Stellung einnimmt, wird niemanden verwundern. Doch die internationale Geschichte der Knappen ist mit über 500 (!) Partien sehr viel reichhaltiger, so gab es bereits 1937 ein vielumjubeltes 6:2 gegen den FC Brentford. Und wer von den aktuellen Schalkern weiß noch, dass 1950 zum Abschied der Schalker Größen Szepan und Kuzorra das brasilianische Topteam Belo Horizonte in der Glückaufkampfbahn antrat? Dass das erste Flutlichtspiel in Gelsenkirchen gegen UDA Prag stattfand? Schalkes Auftritte im Pokal der Landesmeister findet man vielleicht noch in den Geschichtsbüchern, aber den Alpenpokal? Die Amerikareise 1963?

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buchtipp 2Neben Spielberichten und ausführlichen Spielstatistiken der internationalen Begegnungen hat Stefan Barta in diesem lesens- und schauenswerten Buch zahllose Abbildungen historischer Eintrittskarten, Wimpel, Sammelbilder, Zeitungsausschnitte, Spielplakate, Karikaturen, Speisekarten, Stadionmagazine, Autogramme und natürlich Fotos, Fotos, Fotos zusammengetragen, mit denen man sich auf einer wunderbaren Zeitreise in die königsblaue Vergangenheit träumen kann.

buchtipp 1Auf rund 208 Seiten (ob es wohl ein Zufall ist, dass 2 x 104…?) gibt es jede Menge Wissens- und Staunenswertes der Marke „boah, hätte ich ja nie gedacht!“ ebenso wie „war datt schön, weißte noch…?“ aus der jüngeren Vergangenheit der Championsleague mit dem sensationellen 5:2-Erfolg in Mailand und dem jetzt bereits legendären Marsch durch Madrid.

Die professionelle Sportberichterstattung ist ebenso vertreten wie die Fansicht der mitreisenden Schalker, Offizielles und Privates, wobei gerade die kleinen Anekdoten am Rande des großen Fußballs dieses Buch ebenso wie seinen kultigen Vorgänger „Mein Parkstadion“ zu einem besonderen Schalker Leseerlebnis machen. Und gehn die Schalker auf die Reise, wünscht man sich nur, dabei zu sein… und es gibt viel zu erzählen!

"Schalke International" gehört als Pflichtlektüre in jedes Schalker Bücherregal!

Blau-weiße Grüße

Susanne Blondundblau

Wer das gute Stück haben oder sich bereits jetzt eines passenden Weihnachtsgeschenks für Schalker Freunde versichern möchte, wende sich an die Neue Buchschmiede oder den Buch- oder Versandhändler seines Vertrauens (ISBN-13: 9783981665123/ISBN-10: 3981665120/Best.Nr.: 41074577).

 

Samstag, 18 Oktober 2014 08:24

Das VIP-Experiment

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 VIP 6Welcher Fußballfan hat nicht schon einmal über die „Eventfans“ und „Schnittchenfresser“ in den Logen und Hospitality-Bereichen gelästert? Auch „Scheiss-Tribüne“ gehört zu den Nettigkeiten, die den Besuchern in den exklusiven Bereichen gerne einmal entgegengeschleudert werden. Gestützt wird dieser Eindruck durch Bilder, in denen pelzmantelgewandete Funktionärsgattinnen, die bisweilen aussehen wie Vogelscheuchen nach einer verlorenen Paintball-Schlacht, gelangweilt an einem langstieligen Schampus-Glas nippen. Support? Fehlanzeige! Doch gegen die Forderungen, diese Bereiche zugunsten normaler und bezahlbarer Plätze abzuschaffen oder zu verkleinern, weisen die Finanzverantwortlichen regelmäßig darauf hin, dass die dort erzielten Einnahmen die günstigeren Tickets subventionieren bzw. stabil halten würden.

Als langjährige (und immer noch gefühlte) NK-Steherin habe ich von meinem jetzigen Platz auf der Gegengeraden einen exzellenten Blick auf die Sitze, die auf Schalke zum LaOla-Club gehören – und ich ärgere mich regelmäßig, wenn diese zum Vereinslied, zum Anpfiff oder in der Viertelstunde nach der Pause nur spärlich gefüllt sind, weil offenbar die Schlacht am kalten Buffet noch tobt. Und ich habe den Eindruck, dass dort deutlich weniger Königsblau zu sehen ist als in den anderen Bereichen des Stadions.

Dementsprechend gemischt sind meine Gefühle, als eine Einladung des DFB ins Haus flattert, das EM-Qualifikationsspiel der deutschen Weltmeister gegen Irland genau dort, nämlich in der „DFB-Lounge“ im LaOla-Club zu verfolgen. Lounges und Sesselpupser beim Fußball braucht kein Mensch, oder?! (Die Nationalelf auch nicht, aber das ist wieder ein ganz anderes Thema…) Andrerseits:  Man kann ja besser mitreden, wenn man etwas selber erlebt hat, also begebe ich mich todesmutig in das Rundum-Sorglos-Experiment.

VIP 7Erster Unterschied zum normalen Fandasein: Zu der Karte gehört ein Parkticket, in diesem Fall für P 2, die übliche Schlaglochsuchfahrt auf E fällt daher aus. Gibt Schlimmeres, aber ich bin noch nicht so gebrechlich, dass ich nicht auch ein paar Schritte laufen könnte. Und auch der Security-Check wird plötzlich überflüssig, als ich den DFB-Chip präsentiere. Wer also mal ein paar Pfund Bengalos einschmuggeln möchte…

Was ich bei aller waghalsigen Experimentierfreude nicht bedacht habe, ist die Klamottenfrage: Ich gehe NIE ohne ein Schalketrikot zum Fußball, völlig egal, wer da spielt. Auch bei Spielen ohne Schalker Beteiligung trifft man mich in Königsblau, schließlich heißt es nicht umsonst „Flagge zeigen blau und weiß“. Und bei Spielen in unserem Tempel komme ich nullviermal nicht auf die Idee, etwas Farbfremdes anzuziehen. Ich bin daher schwer irritiert, als meine Schalker Mitstreiter teilweise im Sakko auflaufen…

…doch in der Schlange vor dem LaOla-Club bin eindeutig ich die Exotin. Sakkos und Anzüge, ergänzt durch einige edle Lederjacken, einige (wenige) Viersternetrikots, aber nix Königsblaues. Hmmmmpf. Immerhin nur eine Quoten-Pelzjacke bei knapp 20 Grad.

Der nächste frappierende Unterschied: Meine Begleiter und ich, ganz mehrheitlich mit der Vier vorne, senken den Altersschnitt enorm! Bekommt man in der Kurve gelegentlich von irgendwelchen 16jährigen Möchtegernhardcoreboys Blicke der Marke „können die Gruftis nicht zum Sterben woanders hingehen?“, gehören wir hier zum Nachwuchs. Auch mal schön, aber mir schwant langsam, warum Hospitality-Bereiche supportmäßig anmuten wie der Zentralfriedhof von Gelsenkirchen: Ü60jährige mit Schlips und Kragen sind nicht die klassischen Vorsänger, Ausnahmen bestätigen die Regel.

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Im Übrigen ist der LaOla-Club mit Riesenbannern und neuer Beschilderung komplett dekomäßig auf DFB umgerüstet, als sei den Besuchern kein Schalker Hintergrund zuzumuten. Man fragt sich, ob man das Geld für diesen Schnickschnack nicht sinnvoller hätte einsetzen können, statt die Hinweise auf den Heimverein von der Bildfläche zu tilgen. Überall wuseln ausnehmend freundliche Servicekräfte herum. Beim Umgang mit ihnen zeigt sich dann bisweilen die Kinderstube der Gäste…

VIP 8Immerhin ein Vorurteil bestätigt sich nicht: Schampus ist NICHT das Getränk der Stunde, vielmehr dürfte der Anteil Pils an den ausgeschenkten Alkoholika locker die 95 %-Grenze überschreiten, lediglich einige Damen nippen am Weißwein. Das Essen ist u. a. mit „Schmorsteaks vom irischen Black-Angus-Rind“ und Irish Cheddar auf Irland getrimmt und sehr edel, allerdings gibt es auch eine „Verpflegungsstation“ mit schöner deftiger Currywurst. Nix wie hin!

VIP 1Ausgestattet mit Pils und Currywurst lästern wir ein bisschen über die Leute, die über uns Schalkeprolls lästern und „auffällig unauffällig“ bei jedem Griff nach ihrem Glas den Ärmel so schütteln, dass ihr kleinwagenteurer Chronometer auch sichtbar wird. „Mein Haus, meine Auto, mein A****loch“. Der Fairness halber sei aber erwähnt, dass längst nicht alle Besucher so auftreten. Die „Promidichte“ ist vergleichsweise gering,  vermutlich speist die A-Prominenz in der eigenen Loge. Wir erspähen Dennis Aogo und Roman Neustädter (beide brav mit Salat und Wasser bzw. 0,0%-Bier), Alexander Jobst im angeregten Gespräch mit ein paar Anzugträgern und Christoph Metzelder. Ich widerstehe der Versuchung, ihm zum Thema neunmalkluge Schwätzerei die Meinung zu geigen und entere die Tribüne.

Tja, was soll ich sagen? Nix Klappsitz, nix Sitzschale. Die blauen Sessel, anders kann man die Sitze nicht beschreiben, haben eine extrem komfortable Größe und sind verdammt gemütlich. Aber: Das Gequetsche in der Nordkurve oder zwischen zwei XXXL-Herren in Block M gehört für mich zum Fußballfeeling einfach dazu. Wenn ich allein sein will, gehe ich in den Wald!

VIP 5Ansonsten, tja, Länderspiel halt, viel schwarzrotgold statt blauweiß, Krähe auf Koks (Maskottchen Paule versucht sich reichlich jämmerlich als Einpeitscher) statt Ährwin und ein bisschen Tschingderassabum per Blaskapelle, damit das zuschauende Ausland bloß keinen moderneren Eindruck von Deutschland bekommt. Immerhin bleibt uns eine Einlage à la „Brüh im Lichte…“ erspart, diejenigen, die die Hymne mitschmettern, sind textsicher. Erfreut stelle ich fest, dass das Anti-Nazis-Banner der Fan-Ini als einziges Schalker Dauerbanner die DFBzifizierung  der Arena überlebt hat; sollte der DFB tatsächlich aus der peinlichen Aktion mit dem Überkleben des „Kein Fußball für Faschisten“-Schriftzugs auf St. Pauli gelernt haben…?

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Danach kann ich nur sagen, dass der Support insgesamt so unterirdisch schwach ist, dass auch die Haupttribüne nicht mehr nennenswert abfallen kann, sonst wäre es Minusunterstützung. Selbst Manuel Neuer erntet kaum Reaktionen, als er in das Tor vor der NK läuft. Zwei, drei geklaute Lieder „die Nummer Eins der Welt sind wir“ und „steht auf, wenn Ihr Deutsche seid“, danach staunen wir, wie gespenstisch ruhig eine mit immerhin 51.204 Leuten besetzte Arena sein kann. Vielleicht sollte das Retortenbaby „Fanclub Nationalmannschaft“ statt vollfinanzierten Choreos mal in ein paar Vorsänger investieren…

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Aber wenigstens die Iren können schön singen und tun dies auch, abgesehen von einer kleinen Irritationsphase nach dem deutschen 1:0 durch Kroos, ausgiebig. Zur Pause verschwindet ein Großteil meiner Nebenleute wieder zur Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme, wir draußen sind uns einig: Das Spiel war mal gar nix.

Das Ende ist bekannt, in allerletzter Sekunde gelingt den Iren noch der Ausgleich. Bei einem Schalkespiel würde ich mich jetzt vor Wut in den Allerwertesten beißen, hier entlockt es mir eher ein Schmunzeln.

VIP 2Mein Fazit ist klar: Club not Country, egal, wie oft die Löw-Kicker noch Weltmeister werden. Und Wurst statt VIPs…! Selbst unter Berücksichtigung des unterschiedlichen Publikums bei Schalke- und Länderspielen: Mein Verständnis von Fußball ist es nicht, mich in einem weichen Sessel rundumbespaßen zu lassen. Natürlich gibt es auch in den Hospitalitybereichen echte Fußballfans, sie scheinen aber gegenüber den Firmenkunden und eingeladenen „Eventies“ leider deutlich in der Minderheit zu sein.

Seit Dienstag weiß ich, warum. Und warum es für mich nicht mehr in Frage kommt.

Blau-weiße Grüße

Susanne Blondundblau …. Heute Abend wieder an gewohnter Stelle beim geilsten Club der Welt. Glückauf, Signore di Matteo!

                                     

 

Landauer PlakatKurt Landauer war Präsident des FC Bayern München. Schon vor dem Ersten Weltkrieg leitete er zwei Jahre den Verein. Von 1919 bis 1933 legte er die Grundsteine dessen, was heute noch den FC Bayern München ausmacht: Ein weltoffener Verein. Man ließ sich nicht vom zunehmenden Deutschtum vereinnahmen. 1932 führte Landauer den verhassten Judenklub zur ersten deutschen Meisterschaft. Um den Verein zu schützen, musste er kurz nach der Machtergreifung der Nazis zurücktreten. Er wurde ins KZ nach Dachau gebracht.

Dienstag, 07 Oktober 2014 23:22

Fruchtbarer Stimmungsgipfel auf Schalke

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Die „Abteilung Fanbelange“ lud alle interessierten Schalkerinnen und Schalker zu einer „Diskussionsrunde zur Verbesserung der Atmosphäre im Stadion“ ein. Rund 40 engagierte Fans aller Altersklassen nahmen die Gelegenheit zum Austausch über den Support wahr – und staunten nicht schlecht, als neben unserem Fanbeauftragten Daniel „Kosovo“ Koslowski und den beiden Vorsängern der Ultras Gelsenkirchen, Kanne und Dennis, auch Horst Heldt an den Rednerpulten im Schalker Museum Platz nahm: Heldt hier…?! Nach DIESEM Tag….?

Kosovo umriss dann Punkt 19.04 Uhr auch kurz die zugrundeliegende Idee: Ausgehend von Heldts „Stimmungsappell“ auf der diesjährigen JHV haben bereits in der Sommerpause Gespräche mit den großen Fanorganisationen stattgefunden, aus denen u. a. das gemeinsame „Einschwören“ vor dem Spiel, das Motto „Du gewinnst nie allein“ und Änderungen im Programm vor dem Spiel (Steigerlied in voller Länge und Vereinslied erst beim Einlaufen der Mannschaften) hervorgingen. Nunmehr sollten in einem offenen Austausch weitere Ideen und Anregungen gesammelt werden – „und zwar bitte nicht zu dem Thema, das heute durch die Medien ging.“

An dieser Stelle übernahm dann der sichtlich angeschlagene Horst Heldt und erklärte kurz, wie die Trennung von Jens Keller und die Verpflichtung von Roberto die Matteo zustande kam: Nach nur zwei Siegen in zehn Spielen habe es keine Anzeichen auf Verbesserung und die zur Erreichung der Saisonziele dringend erforderliche Stabilität gegeben. Er danke Jens Keller für alles, was dieser in den vergangenen 22 Monaten u. a. mit der erfolgreichen Rückrunde und der CL-Qualifikation für Schalke geleistet habe. Erste Kontakte zu di Matteo bestanden bereits Anfang 2013.

 s2Besonders nahegegangen sei ihm der Vorwurf, man habe Keller noch zur „Demontage“ zu sky90 geschickt, obwohl man an seiner Ablösung arbeitete. Die Zusage für diese Sendung sei bereits unmittelbar nach dem Derbysieg erfolgt; Keller habe zudem in einem Gespräch nach der Niederlage in Hoffenheim erklärt, den Termin wahrnehmen zu wollen. Am Sonntag habe es dann keine Möglichkeit mehr gegeben, ihm etwas zu sagen, „mir wäre nichts eingefallen“, zudem wäre sonst die sky-Maschinerie sofort angelaufen. Er habe an dieser Stelle zuallererst die Interessen von Schalke 04 wahren müssen.

Jens Keller ist bis zum Vertragsende am 30.06.2015 freigestellt und wird nicht weiter (z. B. im Jugendbereich) auf Schalke tätig werden.

Danach wendete sich das Gespräch dem eigentlichen Thema des Abends zu, die Verbesserung der Stimmung insbesondere bei den Heimspielen („die Unterstützung auswärts ist der Wahnsinn, das würden wir gerne transportieren“). Heldt betonte, dass ihm klar sei, dass Vieles von der Leistung auf dem Platz abhänge,  dass ihm das aber als einzige Ursache „zu einfach sei“.  Er könne sich noch erinnern, dass er früher als Gegner auf Schalke „richtig Angst“ gehabt habe; auch z. B. bei Celtic Glasgow habe er eine Gänsehaut bekommen, weil alle im Stadion, egal ob 5 oder 75 Jahre alt, inbrünstig das Vereinslied mitsingen. Mittlerweile gingen aber zu viele Schalker früher. Er wolle keine Kritik üben, sondern Anregungen sammeln.

Es folgten zahlreiche ganz unterschiedliche Bemerkungen und Anregungen. Die erste Teilnehmerin beklagte, die Preispolitik habe das Publikum leider in Richtung „Eventpublikum“ verändert; wer sehr viel zahle, erwarte oft „Rundumversorgung“, statt selber aktiv zu werden. Die Begrüßung der Kurve durch die Mannschaft wurde hingegen allseits gelobt (diese resultiert übrigens aus einem Treffen der UGE mit der Mannschaft in der Sommerpause, bei dem sich auch „die Mannschaft mal auskotzen konnte“: Dabei kam u. a. zur Sprache, dass diese z. B. nach überzogener Kritik gegen einzelne Spieler keinen Bock mehr auf den Gang in die Kurve haben…(!)). Es wäre schön, wenn sich dabei noch mehr Schalker dem „Schulterschluss“ anschließen würden. Heldt meinte, es sei einfach ein absolut geiles Bild, da draufzuschauen und er könne noch aus eigener Erfahrung sagen, das bringe den Spielern sehr viel; wichtig sei, dies jetzt auch durchzuhalten, wenn es mal schlecht läuft („jaja, ich red zu viel…“).

Kanne und Dennis betonten mehrfach, dass die Stimmung eben NICHT allein UGE-Sache sein könne und solle, vielmehr seien alle Schalker herzlich zum Mitmachen eingeladen. Auch das Motto „Du gewinnst nie allein“ solle zeigen, dass WIR ALLE gemeinsam aus der Arena noch mehr „rausholen“ könnten. Es gehe keinesfalls um Gleichmacherei, es werde immer unterschiedliche Sitten geben, aber für die Stimmung sollten möglichst alle ins Boot geholt werden.

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Weitere Wortmeldungen gingen ebenfalls auf Kartenpreise und – verteilung, die Anregung eines „Fahnendepots“, damit die im Stadion verfügbar seien, ohne jedes Mal mitgeschleppt werden zu müssen und die „Stimmungsblöcke“ ein: „Selbst in N 3 nehmen Leute ein vierjähriges Kind mit und beschweren sich dann, dass es vor lauter Fahnen nix sieht!“ Hier soll durch verstärkte „Aufklärung“ versucht werden, derlei Missverständnisse zu vermeiden.

Ein weiteres großes Thema waren die Schalker Lieder; das Vereinslied könne beispielsweise leiser gespielt werden, damit die Schalker lauter mitsingen müssten. Als allgemeines Problem wurden „Textunsicherheiten“ bei den hinteren Strophen des Steigerlieds („bei sau-hu-fen Schna-ha-haps sind dann wieder alle dabei!“ ) und vielen neueren Kurvenliedern ausgemacht. Kanne erklärte, dass man schon aus dieser Erfahrung neuere Lieder eher auswärts teste und in Heimspielen auf „Klassiker“ wie „Steht auf, wenn Ihr Schalker seid!“ setze. Angeregt wurde der Abdruck der Texte im Kreisel, „aber bloß nicht auffem Würfel!“,  in einem Anschreiben an die DK-Besitzer und auch in Sachen „Liederfibel reloaded“ bewegt sich was.

Angeregt wurde weiter eine bessere Einbindung der anderen Tribünen z. B. in Choreos und Gesänge; mehr „Warming up“ z. B. durch DJ Dirk vor dem Spiel (skeptisch betrachtet, da dies schnell von anderen Vereinen abgekupfert wirke und „wir wollen ja nicht zu den „Kaspern mit den Megafonen“ werden!“) und Verdunkelungs- und Lichteffekte bei Abendspielen. Dazu grinste Heldt, der Verein habe deswegen bereits Ärger mit der UEFA bekommen, trotzdem hätten sie es wieder getan „und wir werden es wieder tun…

Als Nächstes wurde gefragt, ob sich Kanne und Dennis nicht anders platzieren könnten, „weiter oben hört man Euch nur leise krächzen, versteht aber nix!“. Beide räumten ein, schon länger von einer besseren Mikrofonanlage zu träumen, da seien aber noch die Finanzen vor… Heldt betonte, der Verein sei zu einem Beitrag bereit, den Rest müsse aber die UGE stemmen. Wer sein Scherflein dazu oder zu einer der Choreos leisten möchte, findet auf der Homepage der UGE die Nummer des Spendenkontos – auch kleine Beträge helfen!

Äußerst kreativ dann der nächste Vorschlag: „Wie wäre es denn mit einer demonstrativen Amnestie für Stadionverbotler…?“ Heldt verblüfft: „Meinste mich?!“ Seine folgenden Ausführungen möchte er ausdrücklich nicht hier wiederfinden („tu mal Deinen Block weg!!!“) , aber Kosovo betonte, dass man bereits gemeinsam mit der Stadionverbotskommission auf einem guten Weg sei; so seien z. B. die Verbote aus dem Lüdenscheider Kreuzviertel weitgehend aufgehoben worden.

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Über verschiedene Einzelaspekte wie die Schalker Meile, Fanclubbesuche von Spielern, Öffnung der GAK, T-Shirt-Aktion in Hannover (Heldt: „Machen wir gerne, brauchen aber aufgrund bestehender Verträge Vorlauf.“), Spiel auf die Nordkurve in der zweiten Halbzeit, „Tausch“ von Dauerkarten aus Nord- und Südkurve, um dort mehr Schwung reinzubringen (auch eher skeptisch beäugt)  ging es wieder zurück zum „großen Ganzen“:

Ein Fanclubmitglied aus Kamen betonte, dass er die Veranstaltung für eine sehr gute Idee halte, da bei ihnen der Eindruck angekommen sei, dass die Gruppierungen sehr zerstritten seien und es kein richtiges WIR gebe, „obwohl uns ein richtiges Gemeinschaftsgefühl so viel weiterbringen würde“. Heldt hakte dort ein, ihm sei klar, dass jeder den Verein unterschiedlich lebe, aber der Grundgedanke bei Betreten des Stadions solle die Unterstützung meines Vereins sein – für Animositäten, Ärger und Kritik gebe es andere Kanale. An dieser Stelle kamen dann auch Vorbehalte vieler insbesondere älterer Zuschauer gegen die UGE zur Sprache, man höre oft „jaja, Stimmung und Choreos können sie gut, aber die „Nebengeräusche…“.  Kanne und Dennis räumten ein, dass auch sie sicher Fehler gemacht hätten, aber jederzeit ansprechbar seien und sich keiner gemeinsamen Idee verschließen würden. Für seine Aussage „Wir müssen mit- statt übereinander reden, dies hier ist ein guter erster Schritt“ erntete Kanne kräftigen Applaus.

Gewünscht wurde noch, den Wechsel von der NK auf einen Sitzplatz durch entsprechende Preisgestaltung zu erleichtern (bringt frisches Blut in die NK und stimmungserfahrene Leute in die anderen Bereiche) und ein „Ideenwettbewerb“ für neue Songs. Auch hier ist die UGE für jede Idee dankbar!

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Ein fester Ausschuss wurde verworfen, vielmehr sollen in halbwegs regelmäßigen Abständen Treffen stattfinden, die ALLEN Interessierten offenstehen. Diskutiert wurde auch, ob dazu z. B. Spieler wie Ralf Fährmann eingeladen werden sollen, dabei besteht allerdings die Gefahr, dass viele dann nicht mehr wegen des Themas Stimmung, sondern für den Kontakt zum Spieler teilnehmen. Anlassbezogene Infos sollen zudem im Kreisel veröffentlicht werden.

Nach ziemlich genau zwei Stunden gingen die Teilnehmer mit einem guten Gefühl nach Hause, einen weiteren Schritt in Richtung „Hexenkessel“ gemacht zu haben. Es wäre sehr schön, wenn sich viele Schalker von dieser Aufbruchsstimmung anstecken lassen und mitmachen!

Blau-weiße Grüße

Susanne Blondundblau

 

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Bücher rund um den FC Schalke 04 und seine Helden gibt es viele; eine durchaus schillernde Persönlichkeit der Vereinsgeschichte hingegen musste über 20 Jahre warten, bis ihr ein literarisches Denkmal gesetzt wurde: Günter Eichberg, von Januar 1989 bis Oktober 1993 Präsident und „Sonnenkönig“.  „Günter Eichberg – Schalkes vergessener Retter?“ heißt das Erstlingswerk von Katharina Strohmeyer, vielen Schalkern noch durch ihren couragierten Auftritt gegen viagogo auf der JHV 2013 bekannt.

E2Zur Buchpräsentation hatten Autorin und Porträtierter in die Gelsenkirchener Flora geladen, wo knapp 100 Königsblaue unter der fachkundigen Moderation von REL-Moderatorin Corinna Schröder einen sehr kurzweiligen Nachmittag verbrachten. Es gab witzige Anekdoten ebenso wie berührende Momente und auch die unschönen Geschehnisse rund um den Rücktritt und das spätere UEFA-Cup-Finale in Mailand wurden thematisiert.

Pünktlich um 16.04 h erfolgte der Anpfiff, die erste Frage zielte dann direkt auf den vergangenen Derbysieg und Eichbergs eigene Derbybilanz (3 S – 2 U – 1 N). Das vergangene Derby konnte er aufgrund einer derzeitigen Gehbehinderung nur am Fernseher verfolgen. Das Spiel sei gut gewesen und wie so oft laufe das Derby anders als die Gesamtsaison. Er erinnere sich noch gut an das berühmte 2:0 unter Lattek nach dem Wiederaufstieg 1992, bei dem Christensen und „Schlippinho“ die Tore erzielten: „Lattek, der Sauhund, hatte sich in den Vertragsverhandlungen zu Zweitligazeiten 500.000 DM extra für einen Derbysieg gegen Dortmund versprechen lassen…!“

Angesprochen auf das Vorwort des BILD-Fotografen Hennes Multhaup zum Buch „So viele Geschichten wie der Günter uns geliefert hat, müsste er eigentlich eine Rente von der BILD beziehen.“ lachte Eichberg, das sei sicher übertrieben, aber wer im Haifischbecken der Bundesliga rumschwimme, habe keine Chance, sich völlig gegen die Medien zu stellen. Er habe ihnen daher immer etwas zu schreiben gegeben, damit sie nicht im unpassenden Moment etwas Erfundenes „das man am allerwenigsten brauchen kann“ in die Welt setzten. Manchmal habe er abends einen Anruf aus der Redaktion erhalten, Günther, geh‘ morgen keine Brötchen kaufen, dann hätte halt was „Doofes“ dringestanden; dafür hätte die Zeitung aber auch wichtige Entscheidungen und Transfers immer zuverlässig transportiert.

E3Wie war das eigentlich mit der „doppelten Beerdigung“ von Ernst Kuzorra? – Wieder das typische Eichberg-Grinsen; Kuzorra sei für ihn wie für alle Schalker eine sehr beeindruckende Persönlichkeit gewesen, daher sei für ihn bei Erhalt der Todesnachricht in den USA klar gewesen, dass er zur Beerdigung müsse. Durch diverse Flug- und Zugverspätungen sei er aber erst im Hans-Sachs-Haus eingetroffen, als alle schon bei Kaffee und Kuchen saßen, worauf Charly Neumann ihn „belatschert“ habe, es gehe nicht an, dass er als Präsident nicht auf den Fotos sei. Man habe dann die Kranzniederlegung nachgestellt, woraufhin die BILD mit der Schlagzeile „Das gibt es nur bei Königsblau – Kuzorra zweimal beerdigt!“ erschien. Er lege immer noch Wert auf die Feststellung, „wir haben ihn natürlich NICHT wieder ausgebuddelt!“

Die erste Lesung aus dem Buch betraf die Anfänge seiner Präsidentschaft, wozu er sich schlitzohrig zur Neururer-Verpflichtung einließ: Neururer habe damals eine Trillerpfeife gehabt, „die noch zwei Plätze weiter zu hören war“, wenn er pfiff, mussten alle sofort stehenbleiben, wo immer sie gerade waren. Dann sei er zu jedem hingegangen und habe ihm erklärt, was er falsch gemacht habe, „dann hat er ihn noch kurz Arschloch genannt und alles war gut“. Genau diese härtere Gangart habe der Verein in der damaligen Situation gebraucht…

Daneben gab es weitere nette Dönekes; so habe er beispielsweise dem Vereinsmagazin Kreisel verboten, die Tabelle abzudrucken, um den Mitgliedern „das Elend nicht gar so plastisch vor Augen zu führen“ und für ein Trainingslager extra das schlechteste Hotel der Umgebung ausgewählt, „denn wer schlecht in der Tabelle stehe“… Michael Wollitz („da, wo sein Bruder Ahnung hatte, hatte der ein Holzbein!“) habe er wegen Querulantentums einmal ohne einen Groschen nach Hause geschickt.

Die Verpflichtung „Sascha“ Borodjuks sei damals erst auf dem 60. Geburtstag von Lew Jaschin unter Dach und Fach gebracht worden, nachdem er mit Rainer Calmund eine Prothese für die unterschenkelamputierte Torwartlegende überreicht habe, habe die Ablöse und die Freigabe geklärt werden können. Gefragt war u. a. ein Mähdrescher, da der Vorsitzende des Exekutivkomitees von Dynamo Moskau einen landwirtschaftlichen Betrieb besaß…

e6Ebenfalls im Buch befindet sich die Anekdote, wie die „Sansibar“ auf Sylt zum ersten Vereinslokal außerhalb Gelsenkirchens ernannt wurde und Eichberg unter großem Jubel das entsprechende Schild anschraubte. Das Schild hängt nicht mehr… „Ich glaube, ich habe ihm hunderte neuer Schilder gebracht, weil immer ein Schalkebekloppter es abmontiert hat!“

Angesprochen auf die kurze Tätigkeit Günther Netzers als „Telefonmanager“ auf Schalke erklärte Eichberg, er kenne Netzer gut und als Aleksandar Ristic, der menschlich sehr schwierig gewesen sei, „komische Verhaltensweisen an den Tag legte“, habe er sich erinnert, dass Ristic und Netzer sich aus der erfolgreichen Zeit beim HSV mit Meisterschaft und Landesmeistercup kannten. Er habe deshalb Netzer „in irgendeiner Position“ für Schalke gewollt, um Ristic einzubremsen, obwohl dieser eigentlich nicht so viel mit Schalke zu tun haben wollte. „Telefonmanager“ sei trotzdem eine Erfindung der Medien; Netzer habe mitnichten alles telefonisch aus Zürich geregelt.

Als ein durchaus beeindruckender „Arbeitsnachweis“ der Eichberg-Zeit eingeblendet wird, freut sich Eichberg, dass sieben Eurofighter noch aus seiner Ära stammen. Das Wichtige aber sei die erneute Verpflichtung Rudi Assauers gewesen: „Schalke hat mit ihm Erfolge gefeiert, die ohne Assauer nicht möglich gewesen wären!“ Applaus im Auditorium, dann müssen wir schlucken, als Eichberg erzählt, er habe immer noch Kontakt zu Rudi; bei allem, was sein Freund durchmache, werde ein Teil seines Wesens immer noch von Schalke beherrscht. Wenn er sich an was erinnere, sei dies fast immer etwas von Schalke. „Wer dem etwas Böses will, hat Schalke nicht verstanden!“

Der nächste Komplex ist der Rücktritt. Der bislang souveräne „Sonnenkönig“ wird sichtlich aufgeregt, als er seine Sicht schildert, die Kampagne des Spiegels, die ihn „als Arschloch und Bescheißer“ habe darstellen und seine Reputation zertreten wollen. Auch die WestLB habe ihm „mit schmutzigsten Mitteln an den Karren fahren wollen“. Ihm sei bedeutet worden, wer „so viel Geld mache, solle sich nicht als Schalker Präsident so in der Öffentlichkeit inszenieren“.  Rückblickend habe sich Schalke gut entwickelt, aber es habe sehr weh getan, dass er bei der Verwirklichung der „fix und fertig in seiner Schublade liegenden Pläne für den Bau der Arena“ nicht mehr habe dabei sein können.

e4Katharina Strohmeyer räumte mit dem Vorurteil auf, Eichberg habe einen nahezu ruinierten Verein mit 20 Mio. Schulden hinterlassen. Bereits bei seinem Amtsantritt sei der Verein überschuldet gewesen und habe Spieler verkaufen müssen, in der Präsidentschaft habe sich dann vieles zum Positiven entwickelt, Fernsehgelder und Sponsoreneinnahmen hätten zugenommen. Aber Schulden habe es immer gegeben, die Situation sei aber nicht hoffnungslos gewesen. Peter Peters, der heutige Finanzvorstand, war zum Zeitpunkt des Eichberg-Rücktritts bereits im Verein und habe den Rücktritt bedauert, weil eigentlich alles gut angelaufen war. Eine unrühmliche Rolle habe sicher der spiegel gespielt. Eichberg fügte hinzu, dass er extra noch auf der vorhergehenden JHV habe abstimmen lassen, weil er das Vertrauen der Schalker wollte; von über 1.000 Vereinsmitglieder habe er nur zwei Gegenstimmen erhalten, trotzdem „verliere man irgendwann die Nerven, wenn man nur   Unehrenhaftes zu hören bekommt“. Man merkt, dass ihm das Thema immer noch an die Nieren geht.

Sichtlich bewegt ist Eichberg auch, als Katharina Strohmeyer in der zweiten Lesung aus dem Buch das Finale im Mailand schildert, wo Eichberg vor aufgebrachten Schalkefans in einen Übertragungswagen von SAT 1 flüchten muss. Er hatte in Florida nicht mitbekommen, wie sehr die Stimmung gegen ihn gekippt war und war am Boden zerstört, als einige angetrunkene Schalker ihn mit Fußtritten traktieren wollten…

e5Das nicht nur altersmäßig sehr ungleiche Duo Eichberg/Strohmeyer erzählt noch einiges Wissenswertes zur Entstehungsgeschichte des Buches, beide sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Eichberg, weil er einfach „wollte, dass die vielen Schalker erfahren, wie es war“; Strohmeyer, weil sie das Buch gerne machen wollte, da Eichberg – obwohl eigentlich „vor ihrer Zeit“ – für sie eine prägende Figur des Vereins war. „Ist zwar heftige Maloche, aber toll, das einmal gemacht zu haben – und 5 Jahre Schalker Kreisel am Stück zu lesen: Ein Traum!“ – „Sie hat es prima gemacht, mir gefällt das!“ Auf eine Zuschauerfrage erklärt Strohmeyer, Reaktionen des spiegels gebe es übrigens noch nicht, „es war ja auch nicht alles falsch, was sie geschrieben haben“. Ein gewisses Chaos müsse er sicher einräumen, so seien bisweilen Verträge bzw. Vertragsentwürfe auf allem Verfügbaren aufgeschrieben worden. Charlys (damals noch im Verwaltungsrat) Rolle als Mannschaftsbetreuer sei beispielsweise bei einem Essen auf der Tischdecke skizziert worden, „na und dann haben wir uns halt eine Schere kommen lassen…“. Auch Bierdeckel oder Fußballschuhe hätten als Notizzettel herhalten müssen und Assauer bisweilen sehr verblüfft.

Ein Zuhörer möchte wissen, wieso eigentlich Neururer entlassen worden sei? Eichberg erläuterte, Neururer habe damals unbedingt einen Zweijahresvertrag für die erste und zweite Liga haben wollen. Er selber habe ihm nur einen Vertrag für die erste Liga angeboten, da eine Vertragsverlängerung nicht vermittelbar gewesen sei, wenn der Aufstieg wieder verpasst worden wäre. Als Neururer begonnen habe, die Vereinsführung und ihn über die Medien unter Druck zu setzen, habe er das „Machtspielchen“ mit der Beurlaubung beendet. „Dazu brauchte ich richtig Eier, der war bei der Mannschaft der liebe Gott!“ Mittlerweile hätten sie das aber bereinigt, er habe sich für die Art und Weise der Beurlaubung bei Neururer entschuldigt.

Das Schlusswort von Eichberg bezieht sich auf den Untertitel „Schalkes vergessener Retter?“: Ja, er nehme für sich in Anspruch, Schalke in einer sehr schwierigen Situation weitergebracht zu haben. Wer es genauer wissen möchte, dem sei das Buch aus der „neuen Buchschmiede ans Herz gelegt…

Blau-weiße Grüße

Susanne Blondundblau

Fotos hier

 

Donnerstag, 02 Oktober 2014 11:06

Zum Staatsbesuch nach Belgien

geschrieben von

 

IMG 8064Auswärts in Belgien - konnte einem im Vorfeld des Duells aufgrund der dilettantischen Planung des RSC Anderlecht und der restriktiven Vorgaben der belgischen Polizei die Vorfreude auf das Spiel vergehen, so entpuppte sich die Reise vor Ort doch als überraschend angenehm.

Da waren zunächst einmal die wundersam verloren gegangenen Karten auf dem Postweg von Anderlecht nach Dortmund, die eine Verteilung der wenigen, dafür aber umso heißer begehrten Tickets verzögerte. Erst deutlich weniger als eine Woche vor dem Anstoß im Constant-Vanden-Stock-Stadion waren die eilig ausgestellten - und als „Duplicata“ gekennzeichneten - Ersatzkarten endlich in Dortmund angekommen und konnten verteilt werden. Ob man aber mit Duplikaten wohl ins Stadion kommen würde?

Eine professionelle Planung - die UEFA reglementiert doch sonst jeden Quatsch, wie beispielsweise den zentimetergenauen Abstand eines Banners auf dem Rasen vor Spielbeginn von der Seitenauslinie - sieht anders aus und war seitens des RSC Anderlecht eines Champions-League-Teilnehmers unwürdig. Selbst der SSC Neapel(!) bekam die Planung im Vorjahr bei einem wesentlich geringeren Vorlauf besser über die Bühne.

IMG 8065Doch ein Verdacht lässt sich hier nicht leugnen, nämlich der, dass die belgische Hinhalte-Taktik mit Absicht geschah. Diese These drängt sich auf, wenn man Anderlechts Karten-Planung mit der restriktiven Vorbereitung der belgischen Polizei in Kombination betrachtet. Gästefans schienen demnach nicht besonders willkommen zu sein. Gerade die internationalen Auswärtsfahrten leben aber doch davon, dass man sich - gerade auch am Spieltag - in der Innenstadt aufhalten sowie Land und Leute kennenlernen kann. Dies war in Anderlecht unmöglich, denn die Vorgabe hieß, dass man nach dem Treff aller anreisenden Busse am Grenzübergang Lichtenbusch um 17 Uhr mit Polizeieskorte bis vor den Gästeblock transportiert wird. Stadtbesuch? Non!

Sind wir in diesen Wochen nach dem „Konzept“ unseres NRW-Innenministers Ralle Jäger eine verringerte Polizei-Präsenz gewohnt, so konnte man nun in Belgien das komplette Gegenteil davon erleben. Die unzähligen Cops auf ihren Motorrädern sperrten mal eben die komplette A3/E40 hinter der Grenze, um den Buskonvoi Richtung Anderlecht zu geleiten. Die Szenerie erinnerte ein wenig an einen präsidialen Staatsbesuch im Königreich Belgien, nur dass man nicht den Bundeskanzler oder wenigstens den Fußball-Kaiser, sondern „nur“ rund tausend Dortmunder Fußballfans durch das Land eskortierte.

IMG 8055Noch skurriler wurde die Szenerie auf dem vollen Autobahnring kurz vor Brüssel im Feierabendverkehr. Nachdem die Autobahn mittlerweile dreispurig geworden war und die Polizei sodann die linke Spur für den normalen belgischen Feierabendverkehr freigab, lotste sie nun vor der europäischen Hauptstadt plötzlich alle Busse auf die linke Spur. Mit recht drastischer Gestik vertrieben die Moped-Cops die einheimische Bevölkerung regelrecht von dieser schnellsten aller Autobahnspuren. Leider entpuppte sich dies als nicht konsequent durchdacht, denn nachdem ein Cop alle Autos von links in die Mitte lotste, schoss er mit seinem Moped die hunderte Meter nach vorne bis zum vorausfahrenden Bus. Die Belgier wiederum dankten für diese Lücke und stießen sofort wieder auf die linke Spur, sodass der Cop wieder für Ordnung sorgen musste.

Dieses Spiel wiederholte sich einige Male, bis wir schließlich die vor uns fahrenden Busse komplett verloren hatten, weil die Belgier die Anweisungen zunehmend ignorierten, was insbesondere angesichts eines vor uns fahrenden roten Golf 1 als sehr interessant anmutete. Dasselbe Bild bot sich schließlich auch nach hinten und die Polizei war urplötzlich auch noch komplett verschwunden. 100 Kilometer wird man über plattes Land von den Cops begleitet, doch wenn es darauf ankommt, den Weg zum Stadion zu leiten, waren sie plötzlich wie vom Erdboden verschluckt.

IMG 8054Nun griff also hier in Belgien urplötzlich und überraschend doch noch das Konzept der verminderten Polizeipräsenz von Ralle Jäger. Mit einem einzigen verbliebenen anderen Dortmunder Bus versuchten wir uns nun auf eigene Faust zum Stadion durchzuschlagen, was jedoch von keinem durchschlagenden Erfolg gekrönt sein sollte. Nach einigem Umherirren auf der belgischen Autobahn und einem Wendemanöver in die Gegenrichtung tauchte plötzlich auf einem Abfahrtsschild das erlösende Wort „Anderlecht“ auf, doch leider war diese Abfahrt völlig überlastet und unter dem Verkehr zusammengebrochen. IMG 8059Und plötzlich, als keiner mehr damit rechnete, schossen völlig unerwartet aus der Finsternis die Blaulicht-Mopeds hervor wie Gandalfs Reiter im Kampf gegen Mordor. Die Cops lotsten uns von der Anderlecht-Ausfahrt weg und - das hätte wohl keiner mehr gedacht - binnen weniger Minuten fanden wir uns auf dem hermetisch vom Heimbereich abgeriegelten Gästeparkplatz wieder.

Nach dem ganzen Vorlauf war nun am Blockeingang eigentlich eine intensive Ganzkörperkontrolle gereizter belgischer Cops zu erwarten. Doch die Ordner an den Drehkreuzen sowie die dahinter postierte Polizei war völlig tiefenentspannt und - anders als es die Planungen vermuten ließen - durchaus gastfreundlich gestimmt. Die Eingangskontrolle ist so auch eher als oberflächlich einzustufen, was den Belgiern weitere Pluspunkte einbringt.

Die Rückreise aus Anderlecht war ebenfalls sehr fanfreundlich gestaltet. Mit weniger als 15 Minuten fiel die obligatorische Blocksperre erfreulich kurz aus, wenngleich auf der „Tribune 2“ hinter dem Tor nicht alle Blöcke gleichzeitig öffneten, sondern einer nach dem anderen freigelassen wurde. Um kurz nach halb 12 setzte sich schließlich der Dortmunder Bus-Konvoi unter Blaulicht in Bewegung in Richtung Heimat.

IMG 8062Ein Punkt sei noch abschließend erwähnt. Das Entgegenkommen der belgischen Polizei zeigte sich auch darin, dass sie uns sowohl auf dem Hinweg als auch auf dem Rückweg jeweils eine staatlich verordnete und bewachte Pause genehmigte. Etwas irritierend war hierbei auf dem Heimweg die Pause lediglich etwa 40 Kilometer vor Aachen, auch wenn böse Zungen hier behaupten, dass die Polizisten selbst nur mal tanken und aufs Klo mussten. Es erscheint jedoch fraglich, ob die deutschen Kollegen gerade auf dem Heimweg etwas Ähnliches vollbringen würden.

Unterm Strich bleibt so jedoch eine rundum gelungene Auswärtsfahrt, die mit einem guten Spiel der Borussia und hochverdienten drei Punkten im Gepäck tief in der Nacht - oder eher früh am Morgen - ihr Ende fand.

 

 

hondo0209An jenem verschissenen Sonntag erwachte ich um 8h00 morgens und strebte nicht schon stundenlang im Schweiße meines Angesichtes nach Kudos, wie so manch toller Privat-Blogger aus der HSV Blogsphäre. Ein Blick auf das Etikett auf der Weinflasche bestätigte mir, dass sich manch Dinge auszahlen. Beispielsweise keinen Wein aus Tetrapacks zu trinken. Den einen oder anderen €uro in die Hand zunehmen hilft dabei, Schädelreissen zu vermeiden.

Alles sollte anders sein, zumindest war das der Ansatz, mit dem wir an diesem Heimspielsamstag in diese neue Saison starten wollten. Unser Vornachbar begrüßte uns wie gewohnt mit „Frohes Neues“ und mein Rechtsnachbar hatte seinen dreijährigen Enkel auf dem Schoß, was er mit „rechtzeitiger Erziehung“ begründete, der Vater sei schließlich Schalker und da müsse man entschlossen handeln, ehe es zu spät sei. Nachvollziehbar für mich, zusätzlicher Benefit war, dass der Großvater einen nicht kettenrauchenderweise zunebelte.

Auch zehn Reihen über uns war es ein wenig anders. Die gehässigen Menschen sagen, dass es eine Wohltat ist, dass die Ultras der Chosen Few den Schweigefuchs darstellen. Es war schon ein wenig eigenartig, dass der „gewohnte“ Soundteppich fehlte, nur kam mir der während des Spiels dann der seltsame Gedanke, dass das Fehlen dieser Kulisse nichts anderes bedeutet, dass diese extrovertierte Form der Fankultur eben halt nur Kulisse ist. Der Rest der Leute machte das, was sie eigentlich immer machen: rumsitzen/stehen, biertrinken, bierwegbringen, wieder biertrinken und zwischendurch ein Fußballspiel verkonsumieren. Nun hatte uns aller Jojo über die „sozialen Medien“ und das „böse Internet“ fast alle wissen lassen, dass er in Neuseeland weilt, also wirklich bis zum anderen Ende der Welt gereist war, um wirklich echt allen zu vermitteln, dass er nicht da ist. Diese Neuigkeit schaffte es sogar in die Zeitung. Ich glaube aber nicht wirklich, dass das an diesem Samstag kriegsentscheidend gewesen ist. Herrjeh, gegen Paderborn kann man schon einmal verlieren, betrachten wir es als Wiedergutmachung anlässlich der 10. Jahresfeier der Hoyzer-Festspiele.

An jenem nun schon eingegroovten Sonntag, sollten zwei wegweisende Dinge geschehen: die Bundesverteidigungsursula sollte Milan (Raketen) in den Irak schicken und Dukaten-Didi sollte Milan (Badelj) zum AC Florenz schicken. Der AC Florenz, der uns wohl gefühlt immer noch ein Abschiedsspiel für Tomáš Ujfaluši schuldet. Nach 10 Jahren ein weiteres Deja vu und meine Erinnerung an meine einzige Weltexklusivmeldung als Blogger. Nur war im Jahre 2004 das Internet gerade mal so knapp und bei erfunden, Twitter war noch Quark im Schaufenster und Herr Zuckerberg war noch hart am überlegen, wie er seine Mitstudenten um die Idee Facebook beschuppst. Damals war das Rumlungern mit HSV Cappies an Trainingsplätzen noch nicht ehrenrührig, ok, ist es heute natürlich auch nicht, aber, wenn ein Fahrradhelm dazu kommt, muss man Fragen stellen dürfen!

Mein Vater lungerte in einem Südtiroler Dorf am Sportplatz rum, wo der italienische Proficlub Brecia Calcio sein Stahlbad von Trainingslager durchlebte. Ein Spieler dort war der ehemalige HSV Akteur Markus Schopp, mit dem mein Vater ins Gespräch kam. Er lobte nicht nur seine Zeit beim HSV als die bis dato schönste in seiner Profikarriere, man sprach auch über den damals aktuellen Kader und folglich auch über den wechselambitionierten Tomáš Ujfaluši. Und dort erfuhr man, dass der Wechsel zum AC Florenz doch schon eingetütet und fix ist. Ein aufgeregtes Telefonat nach Hamburg und eine SMS ins Zentrum der Macht brachten keine Erkenntnisse, bzw. nur Erstaunen. Einige Tage später dann, kam es wie es kommen sollte und Tomáš Ujfaluši wechselte zum AC Florenz. Und ich war um eine Exklusivmeldung ärmer, es war die Chance meines Lebens, der Elfmeter vor einem leeren Tor. Ich hätte so richtig bedeutend werden können.

Und wenn man bedenkt, dass Tomáš Ujfaluši heutzutage Sportdirektor bei Galatasaray ist, wäre es ja ein putziger 10 jähriger Kreisschluss gewesen, bei dem man van der Vaart mit Snejder hätte wiedervereinigen können, ebenso wie Paderborn und Hoyzer, Toppmöller und Mpenza, und , und, und…

Geschichten, die das Leben schrieb und für deren Drucklegung man gerne Unsummen auf den Tisch gelegt hätte. Aber, was bleibt und eint uns HSV Fans nun an diesem verdammten, zweiten Spieltag? Die Freude über die Länderspielpause.

Nun gut, wir weiden uns nur allzu gerne im Selbstmitleid, man muss aber auch anerkennen, dass wir uns HSV in einem Transferprozess befinden. Nicht nur der Verein restrukturiert seinen Lizenzspielerbetrieb, auch die Fans, bzw. die Mitglieder organisieren sich neu.

Wie bereits oben erwähnt, sind uns ein Teil der angestammten Ultras (zwischenzeitlich) abhandengekommen. Wie eigentlich immer bei Veränderungen im Leben, wird sich auch da etwas zurechtwachsen. Irgendwann wird irgendjemand irgendeine Initiative ergreifen, um irgendetwas proaktiv zu gestalten. Dauerhaft wird es eben auch für „ehemalige Fans und Mitglieder“ keine befriedigende Lösung sein, ihre Verstimmung beleidigt wie Kindergartenkinder zur Schau zu stellen.

Progressive Ansätze gibt es bereits bei den interessierten Fans und Mitgliedern, die eben nicht den Supportersclub pofallan wollen und bei den Leuten, die die Kommunikation zwischen den Fans und Mitgliedern wieder anschieben wollen.

So hat sich eine ehrenamtliche Gruppe gefunden, die die häufig inhaltlich unsägliche und finanziell waghalsige Abteilungsgazette „SC News“ erlösen wollte. Die alte Abteilungsleitung wollte aus Gründen keine weitere Ausgabe gestalten (hätten die Bewahrer und Traditionalisten im Mai bei der Abstimmung gewonnen und HSV+ wäre nicht auf den Weg gebracht worden, die Aktivisten hätten sich bestimmt, neben der WM und umzu, den Allerwertesten abgewerkelt, dass wir Mitglieder wieder tüchtig Nachschub an unlesenswertem Altpapier bekommen hätten…).

So musste eine alternative Publikation her:

HSVSchnack-Das alternative Supporters Magazin

Download: http://www.hsv-schnack.de/

Und sie heißt nicht “In diesem Sinne”….