Mi24May2017

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RdM 2Auf Schalke ist es guter Brauch, Spieler und Trainer vor dem Trainingslager zu „Spielerempfängen“ in die Fanclubbezirke zu entsenden. Zum „GEsindel on tour“ aus Duisburg und damit in den Bezirk 18 sollte unser Chefcoach Roberto di Matteo mit seinem Cotrainer Attilio Lombardi kommen. Doch bis es soweit war, wurde die GEduld der anwesenden Schalker auf eine harte Probe gestellt…

Um 12.30 h sollte es im Gesellschaftszimmer eines großen Asia-Restaurants losgehen. Eingefunden hatten sich ca. 120 Schalker, darunter Vertreter des Grafschafter GEleuchts,  der Velberter GEsellen, der Dio-Knappen, der Dormagener Knappen, der Schalker Dampflok Heiligenhaus, der Niederbergknappen, der Knappenschmiede-Supporters und von 1904Fans.de. Gegen 13.10 h hatte der kommissarische Bezirksleiter Michael dann die ein wenig undankbare Aufgabe, der wartenden GEmeinde zu verkünden, dass Roberto di Matteo am Londoner Flughafen festsitzt und wohl frühestens gegen 16.00 Uhr eintreffen wird.

Murren? Pfiffe? Frustrierter Aufbruch? Von wegen – Schalker sind leidensfähig. Bis auf einige wenige, die ihre familiären Anschlussverpflichtungen nicht verschieben konnten, vertrieben sich die Schalker die Zeit mit dem Sturm aufs Buffet, vielen königsblauen GEsprächen und GEduldigem Warten. Grob GEschätzt 1904 Frühlingsrollen mussten dran glauben.

Kurz vor 16 Uhr kam dann Bewegung in das allgemeine Verdauungsdösen: Fotograf und Kameramann von Schalke rückten an, danach die frohe Kunde: Er ist unterwegs! Unter donnerndem Applaus und Blitzlichtgewitter marschierten di Matteo und Lombardi ein. Di Matteo schnappte sich sofort das Mikro und entschuldigte sich für die Verspätung; sein Flieger habe nach dem Weihnachtsurlaub mit der Familie rund 6 Stunden später als geplant abgehoben. Einen Zwischenruf, ob er wenigstens Nastasic von der Insel mitgebracht habe, konterte er mit „Nein, bei dem Spieler sind wir nicht die einzigen Interessenten.“ Klang für uns nicht nach einer kurzfristigen Verpflichtung.

RdM 8Nach ein paar artigen Komplimenten („wisst Ihr Jungs, wir Schalker sind es gewohnt zu warten, schön, dass Ihr noch gekommen seid!“) des Moderators ging es in die Vollen, direkt der erste Fragesteller wollte wissen, wieso die jungen Spieler, z. B. Meyer und Ayhan, „so wenig zu sehen“ seien.  Di Matteo entgegnete, Ayhan habe die ersten Spiele unter seiner Regie gemacht, sei dann aber genau zum Systemwechsel verletzt ausgefallen und es danach schwer gehabt, wieder ins Team zu kommen. Meyer hingegen habe regelmäßig gespielt, wenn auch nicht immer von Anfang an. Er zähle aber auf junge Spieler, so habe er auch Sané ein paar Einsätze gegeben und im Trainingslager habe er die Gelegenheit, weiter ranzukommen. Dennoch müsse man jungen Spielern Zeit geben, zu wachsen und sich zu entwickeln.

Er sei ja mitten in der Saison gekommen und habe sicher erst einmal „den Spielbetrieb aufrechterhalten“ müssen, habe aber nun 3 Wochen Zeit: Was erwartet uns nach dem Trainingslager? Die spontane Antwort: „Ich hoffe, Gutes!!!“ brachte di Matteo ein paar Lacher ein. Sie würden sehr hart trainieren und an der Kondition und der offensiven und defensiven Organisation arbeiten. Man werde beide Systeme trainieren, um verschiedene taktische Möglichkeiten zu haben. Sehr wichtig sei auch, die Verletzten wieder in die Mannschaft zu bringen.

Der Punkt „Verletzungsmisere“ beschäftigte dann auch die folgenden Fragensteller: Wieso träten bestimmte Verletzungen wie z. B. Kreuzbandrisse auf Schalke immer wieder auf, was sei da los? Di Matteo meinte, für Kreuzbandrisse gebe es nicht nur eine Ursache, die passierten auch anderen Mannschaften, nicht nur Schalke. Er werde trotzdem versuchen, die Verletztenliste möglichst klein zu halten und beschäftige sich sehr damit, insbesondere die Muskelverletzungen zu reduzieren.

RdM 3Ob man nicht den einen oder anderen Spieler dazu bringen müsste, selber mehr für seine Genesung zu tun? Nein, es werde bereits alles getan, auch die Spieler seien sehr professionell und wollten schnell wieder auf dem Platz sein. Die medizinische Abteilung arbeite ebenfalls gut, täte trotzdem alles dafür sich weiter zu verbessern. Auch als der Fragende noch zweimal nachhakte, ob nicht einzelne Spieler noch „Luft nach oben“ hätten, blieb di Matteo freundlich, aber sehr bestimmt: Verletzte Spieler seien quasi den ganzen Tag zur Reha auf Schalke und versuchten mit allen Kräften zurückzukommen, daher glaube er, dass da nicht mehr viel Raum sei, auch wenn er nicht wisse, „was die zuhause machen“.

Ob es individuelle Trainingsprogramme für die Weihnachtsferien gegeben habe? – Natürlich, neben Erholung und Regeneration müsse man auch fit bleiben, um nicht „bei null wieder anzufangen“. Und wer könne mit ins Trainingslager? – Im Prinzip die, die auch vorher dabei gewesen seien plus Kevin-Prince Boateng. Farfan sei immer noch verletzt, ein Knorpelschaden im Knie brauche Zeit.

Insgesamt fiel mir auf, dass di Matteo alle Fragen äußerst schnell und nahezu ohne Nachdenken oder Ääähms und Öööhs antwortet – und dass er null Probleme hat, freundlich, aber äußerst bestimmt Position zu beziehen. Klare Kante. Und auch sehr konsequent Absagen erteilte, wenn er auf die eine oder andere etwas tendenziöse Frage nichts sagen wollte (was man leider auch schon anders erlebt hat, wenn Verantwortliche sich bei Fans beliebt machen wollten…). Der Mann weiß, was er will! Trotzdem bleibt er im Ton sehr verbindlich, vermied Schuldzuweisungen an seinen Vorgänger oder die medizinische Abteilung und bat jeden, sich kurz vorzustellen und sprach ihn dann in der Antwort auch mit Namen an. Auch die Ansage „ich tue mich schwer mit Siezen, ich duze seit 40 Jahren jeden Schalker“ schluckte er grinsend.

RdM 1Ob an eine weitere Offensivkraft neben dem Hunter und Choupo-Moting gedacht sei? Nein, momentan gebe es keine Pläne, einen Stürmer zu kaufen; mit Sané habe man ein großes Talent, wenn er das einlöse, könne er ein interessanter Spieler für uns werden. Was sei mit Leon Goretzka, so jung und schon dreimal dieselbe Verletzung? Ihm gehe es besser, er mache Aufbautraining, aber er könne noch keinen Zeitpunkt für den Wiedereinstieg ins Mannschaftstraining nennen. „Wir sind jetzt vorsichtig, damit er nicht wieder einen Rückschlag erleidet“ – in meinen Ohren klang das ein wenig so, als habe Leon nach früheren Verletzungsphasen zu früh wieder begonnen.

Die nächste Frage lautete: Wollen wir das Offensivspiel verstärken oder eher defensiv agieren? Spontane Gegenfrage von di Matteo: Glauben Sie, dass Leverkusen offensiv spielt?! …Verblüffung… In den 10 Spielen unter ihm habe Schalke 18 Tore geschossen, ein Schnitt von fast zwei sei „nicht sooo schlecht“. Er glaube, die Defensivorganisation sei wichtig, trotzdem sei auch er „ein begeisterter Fan“ von Offensivaktionen. Gegen Mannschaften wie Köln, die mit 10 Mann am eigenen Strafraum stünden, sei es allerdings für jede Mannschaft schwer.

Wie geht es Joel Matip? Er habe eine Operation am Fuß gehabt und werde in dieser Woche geröntgt, ob alles verheilt sei. Wenn ja, beginne auch er wieder mit dem Aufbautraining.

Der nächste Schalker führte sehr wortreich aus, wir hätten ja vier Torhüter, da sei die Reihenfolge doch bestimmt  Fährmann – Giefer – Wellenreuther – Wetklo und… Di Matteo grinsend: Sie können sich gerne hierhin setzen (zeigt auf den Platz am Sprechertisch). Alle vier führen mit ins Trainingslager und er sei froh, viele Optionen zu haben.

Als nächstes fragte Kai, ca. 6 Jahre alt, woher die Spieler denn wüssten, gegen welchen Gegner die spielen sollen…? Trotz allgemeiner Heiterkeit im Auditorium antwortete di Matteo ganz vernünftig, „das sagen wir Trainer den Spielern. Wir bereiten sie sowohl auf die Mannschaft als auch den individuellen Gegenspieler vor.“

Die nächste Wortmeldung betraf die Jugendspieler, er habe das Gefühl, dass Schalke seit Jahren sehr gute Jugendspieler hervorbringe, die auch furios starteten, dann aber stagnierten. Ob die Erwartungen zu hoch seien? Oder bräuchten die Spieler mehr Zeit? Antwort, ja, sie bräuchten Zeit, zu wachsen und sich zu entwickeln. Max und Leon seien gerade 19 Jahre alt, Kaan und Draxler kaum älter. – Nachfrage: Man habe den Eindruck, dass Jugendspieler zunächst sehr viel Spaß am Fußball hätten, dann aber „Teil des Systems“ würden? Sei der Druck von außen so hoch, dass sie in der Entfaltung gehemmt würden und Angst hätten, Fehler zu machen? Di Matteo: Das hänge auch sehr von der individuellen Persönlichkeit des Spielers ab, die Besten würden in der Regel die, die von Haus aus eine hohe Motivation und den Ehrgeiz, sich immer zu verbessern, hätten.

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Wie denn sein Eindruck von der Arena gewesen sei, als das Trainerteam beim ersten Heimspiel eingelaufen sei? – Hier geriet der sonst so coole di Matteo regelrecht ins Schwärmen, die Atmosphäre in der Arena sei „fantastisch, fast einzigartig“, es sei „überwältigend, das zu erleben“. Die Heimbilanz sei ja schon ganz gut und solle noch besser werden. Er und sein Team seien sehr gut aufgenommen worden. An der Bundesliga schätze er besonders, dass viele sehr gute junge deutsche Spieler im eigenen Land spielen würden, das sei so in Italien und England nicht unbedingt der Fall. Nachgefragt, ob er einen Vergleich zwischen der Arbeit auf Schalke und seinen früheren Stationen, insb. Chelsea, ziehen könnte: Das Training selber sei relativ gleich, aber in England werde mehr „hinter verschlossenen Türen trainiert“ – aber Schalke sei „halt ein großer Verein, es sei wichtig für die Mannschaft, auch diesen Support zu spüren“.

Die nächste Frage interessiert wohl alle Schalker: CL-Achtelfinale gegen Real Madrid – was sind Ihre Erwartungen? Er hoffe, dass wir aus den Fehlern gegen Chelsea gelernt haben. Sicher sei Real momentan eine der stärksten Mannschaften der Welt, „aber wir haben keine Angst vor niemanden!“. Sie möchten zwei möglichst gut Spiele liefern und „Fußball ist deshalb so ein schönes Spiel, weil niemand weiß, was passiert!“ Anerkennender Applaus.

Der folgende Frager wies süffisant darauf hin, man dürfe nicht vergessen, dass wir trotz vieler Verletzten auf 5, die lieben Nachbarn hingegen auf 17 stünden (Heiterkeit), was man trotzdem noch verbessern könne?  Wie aus der Pistole geschossen: Vieles, das Spiel von hinten raus, die Chancenverwertung, die Defensivorganisation – man könne sich IMMER verbessern im Fußball! Ich glaube, vorzeitig auf irgendwelchen Lorbeeren ausruhen passiert di Matteo nicht so schnell. Die nächste Frage, wen er denn als unseren spielstärksten 6er einstufe, der dafür geeignet sei, wies er freundlich zurück, es wolle da keinen Namen nennen. Sie würden aber im Trainingslager „viel ausprobieren“.

Kleine Taktikdebatte: Die Entwicklung im Fußball laufe irgendwie immer in eine Richtung, aktuell spiele alles 3-5-2 und laufe bei Standards geschlossen in die gegnerische Hälfte; warum so wenige Mannschaften einmal etwas anderes ausprobierten und z. B. einen Stürmer für schnelle Konter zurückließen…? Fast schon philosophisch „Fußball ist schön, weil jeder eine eigene Meinung hat“. Er persönlich wolle, dass seine Mannschaft möglichst wenig Tore fange, daher beordere er bei Ecken alle zurück, „das Tor können die danach machen“. Und ein System müsse immer zu den Spielern passen, die man zur Verfügung habe und da sei 3-5-2 im Moment gut für uns.

RdM 7Wie könne es eigentlich passieren, dass die Mannschaft samstags ein tolles Spiel mache und am Dienstag hundsmiserabel auftrete…? – „Das möchte JEDER Trainer wissen!“ Es sei manchmal wirklich unerklärlich, dann suche man Antworten für diese Leistungsschwankungen und finde sie nicht.

„Wir Fans wollen am liebsten jedes Spiel gewinnen, aber einige sind wichtiger als andere, ist das beim Trainerteam auch so?“ Ja, jeder wisse, dass das Derby besonders wichtig sei, auch die Mannschaft.

Auf Nachfrage räumte di Matteo mit dem Gerücht auf, er habe Autogramme nach dem Training verboten: Nein, es stimme nicht, dass er das nicht wolle, die meisten Spieler und er würden gerne Autogramme schreiben und wüssten, wie wichtig die Beziehung zu den Fans sei. Nur manchmal wollten sie etwas einüben, was der Gegner nicht mitbekommen solle, deshalb gebe es hin und wieder Geheimtraining. Ganz toll sei auch der Support auswärts, z. B. in Stuttgart, „da haben wir dann auch VIER Tore geschossen!“

Etwas zugeknöpfter zeigte er sich auf die Nachfrage nach Avdijaj, dieser habe zunächst mittrainiert, sei dann aber zur U 23 gegangen und er habe ihn nicht mehr gesehen. Es gebe den Plan, ihn auszuleihen, das sei „besser für ihn“.  Auf Nachfrage, dass dann doch wohl er selber Avdijaj zur U 23 versetzt habe, wollte er nicht mehr ins Detail gehen. Besonders gute Karten scheint Donis da jedenfalls momentan nicht zu haben… Papadopoulos bleibt bis zum Sommer ausgeliehen, erst dann werde er die Situation beurteilen.

Wie er denn zu den teilweise recht umfangreichen Twitter und Social Media-Aktivitäten der Spieler stehe, Stichwort Meilenkonto…? Da könne er nicht viel zu sagen, weil er „erst die Spieler informieren“ (!) wolle; er habe sich da aber zusammen mit dem Verein „einiges überlegt“. Ich schätze, da bekommen einige Herren demnächst einen kleinen facebook-Knigge.

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Die nächste Frage ging an Attilo Lombardi, der erschreckt fragte, ob er auf Englisch antworten dürfte, bis di Matteo sich erbot, aus dem Italienischen zu übersetzen: „Wie schwierig ist es, Deinen Chef zufrieden zu stellen?“ Schallendes Gelächter. „Ist er eher kommunikativ oder eher hart?“ – Aus dem folgenden italienischen Wortschwall konnte man direkt mehrfach „multo communicativo“ oder so ähnlich raushören, die Übersetzung durch di Matteo bestätigte dann auch: Er sei sehr kommunikativ sowohl mit dem einzelnen als auch der Gruppe und sehr fair. Das Grinsen dazu besagte „wehe, der hätte etwas anderes gesagt!“ Beide bestätigten, noch gute Kontakte nach England zu haben.

Sie hätten sich ja im Vorfeld bestimmt Gedanken über den Wechsel nach Schalke gemacht und auch gesehen, dass „wir öfter mal die Trainer wechseln“, ob sie deshalb die Familien nicht nach Deutschland geholt hätten, obwohl es ihnen hier so viel Spaß mache? Nein, die Familie sei nur deshalb nicht da, weil er „drei schulpflichtige Kinder im kritischen Alter“ habe und die Schulausbildung vorginge. Zudem habe er ohnehin wenig Zeit für die Familie, wenn er arbeite; sie würden das aber im Sommer neu besprechen. In diesem Zusammenhang kam die Frage, ob die Spieler in Gelsenkirchen wohnen sollten: „Wo zieht man da die Grenze, 1, 3, 10 Kilometer…?“ Wichtig sei nicht, wo man wohnt, sondern, dass man professionell arbeite! Applaus.

Ob er schon unter Tage gewesen sei? Nein, noch nicht, da er sehr mit der Arbeit mit der Mannschaft beschäftigt sei, er werde das aber noch machen, weil ihn die Geschichte des Ruhrgebiets interessiere.  - „Wir möchten schon, dass unsere Oberen wissen, was Kumpel- und Malocherclub eigentlich heißt!“ Ja, das finde er gut; er habe auch schon die Mythos-Tour gemacht und es sei sehr interessant gewesen, die Geschichte zu sehen und die Leute kennenzulernen und zu hören, was den Fans wichtig sei.

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Die nächste Frage wurde bereits als „nicht sehr realistisch“ angekündigt: Wenn Horst Heldt käme und sagte: Sie dürfen zwei Spieler Ihrer Wahl kaufen, egal was die kosten…? Große Heiterkeit, auch bei di Matteo: „Einfache Frage, schwierige Antwort. Ich möchte nicht antworten, das wäre nicht richtig.“ Die Spieler, mit denen er arbeite, seien immer die Besten.  – Ob es solche Veranstaltungen auch in England gäbe? In Italien habe er als Spieler auch viel Kontakt mit den Fans gehabt, in England weniger. – Zukunft des italienischen Fußballs? Dort würde zur Zeit viel unternommen, u. a. mit neuen Gesetzen, damit wieder mehr Familien in die Stadien kämen. Die Zeit der großen individuellen Geldgeber sei vorbei, es müsse wirtschaftlicher gearbeitet werden. Juventus z. B. habe jetzt eine eigene Arena und sei auf einem guten Weg.

Dann wurden die Fragen etwas persönlicher: Was denn der schönste Moment in seiner Spielerkarriere gewesen sei? Als er das erste Mal für die italienische Nationalmannschaft auflaufen durfte! Auch die Meisterschaft mit Aarau und die Zeit bei Chelsea seien sehr intensiv gewesen. Als Trainer „natürlich die zwei Pokale“ mit Chelsea und der Aufstieg mit West Bromwich Albion. Kommentar aus dem Publikum „Wenn wir jetzt mit Ihnen die Meisterschale holen, toppen wir datt alles!“

Warum er sich für Italien entschieden habe, obwohl er in der Schweiz aufgewachsen sei…? Er habe das aus rein sportlicher Herausforderung zu einem Zeitpunkt gemacht, als noch fast undenkbar gewesen sei, dass ein Spieler aus der Schweiz für die Squadra Azzurra auflaufen könnte. Aber auch in der Schweiz fühle er sich sehr wohl und sei dort u. a. 2012 „Sportler des Jahres“ gewesen. Zwischenruf: Deshalb darf auch Barnetta wieder spielen?! – Nein, er versuche halt, fair zu sein und wer sich im Training sehr viel Mühe gebe, habe es auch verdient, in der Mannschaft zu sein.

Einschub des Moderators: Unsere A-Jugend ist beim Turnier in Sindelfingen Dritter geworden! Daran anschließend direkt die Frage, ob di Matteo selber die Spiele der Jugend schaue oder über die jeweiligen Trainer gehe? Bislang habe er leider noch kein Spiel der U 19 und U 23 gesehen, das er in den englischen Wochen selber extrem viel zu tun gehabt habe. Er habe aber immer wieder Spieler im training, die ihm von den jeweiligen Coaches empfohlen wurden, so könne er sich ein gutes Bild machen. Er hoffe, dass man einige davon bei den Profis brauchen könne, denn das „ist das Beste, was passieren kann!“ Den Kontakt zu den Jugendtrainern pflege insbesondere Sven Hübscher. Er arbeite sehr gern mit jungen Spielern, wenn sie das Talent haben; zudem gelte es, das richtige Maß zu finden.

Abschließend wollte noch ein Zuhörer wissen, ob di Matteo und Lombardi Hobbies außer Fußball hätten – di Matteo kann am besten bei Kino und Fernsehen entspannen, Lombardi meinte auf Italienisch, er hätte eh keine Zeit, er müsse immer arbeiten, wenn der Chef Filme guckt. Grinsen - die beiden scheinen sich blind zu verstehen, ich frage mich nur, wie Lombardi ohne ein Wort Deutsch mit der Mannschaft…?

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Danach signierte di Matteo geduldig von Ball über Fußballschuhe bis hin zu Rücken alles, was ihm hingehalten wurde und lächelte auch beim 50. Selfie noch freundlich. Allgemeiner Tenor: Das Warten hat sich GElohnt, iss‘n Töften, unser Chefcoach!

Viel Erfolg für die Rückrunde und blau-weiße Grüße,

Susanne Blondundblau

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Wieder ist ein Jahr vollbracht, wieder hat es (zumindest meistens…!) Spaß gemacht, wieder soll wie schon 2012 und 2013 an dieser Stelle nicht nur das sportliche Schalker Geschehen  beleuchtet werden, sondern das, was uns Fans im Jahr 2014 bewegt hat.

Wir erinnern uns: Ins Jahr 2014 gehen wir nach einer suboptimalen Hinrunde „nur“ auf Platz 7. Transfers bleiben in der Winterpause dennoch aus; es gibt lediglich einen kleinen medialen Zoff mit dem ZDF, die es nicht für nötig halten, auch nur eine einzige der Schalker CL-Begegnungen im Free-TV zu übertragen. Von der von Horst Heldt angekündigten „schonungslosen Generalabrechnung“ gelangt nichts an die Öffentlichkeit, aber Jens Keller bleibt Trainer und die Mannschaft startet im Januar mit Siegen im Eiskeller von Hamburg (0:3) und gegen den Vfl Wolfsburg (2:1) unerwartet gut in die Rückrunde. Bei diesem Spiel wird die eigentlich einseitig gegen Fan-Gewalt gedachte Aktion „Zeig‘ Gewalt die rote Karte!“ kurzerhand von der Nordkurve um den sinnvollen Zusatz „Polizeigewalt und Repressionen die rote Karte zeigen!“ ergänzt.

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Der positive Trend bei gleichzeitigem Schwächeln der hinrundenstarken Konkurrenten setzt sich im Februar fort: Beim 2:0-Heimsieg gegen Hannover 96 gibt’s neben zwei Toren viele schöne Doppelhalter und das Transparent „Augenscan für Fans? – Intelligenztest für CT!“ zu bestaunen, nachdem unser allgegenwärtiger Aufsichtsratsvorsitzender in der Woche zuvor mal wieder etwas dampfgeplaudert hat.

Februar 3Februar 1

Danach werden auch aus Leverkusen mit einem hart erkämpften 2:1-Auswärtssieg die drei Punkte entführt. The Hunter is back! Das 0:0 gegen Mainz ist nur ein kleiner Schönheitsfehler, die Verdunkelung beim Steigerlied weiß zu gefallen und wird seitdem regelmäßig bei Abendspielen durchgeführt.

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Aber dann kommt es knüppeldick: In nur einer Woche gibt es beim 1:6 im Achtelfinalhinspiel der Championsleague gegen die Königlichen aus Madrid und beim 1:5 in München zweimal heftig Prügel. Es sagt einiges aus, dass Ralf Fährmann in beiden Begegnungen noch mit Abstand bester Schalker auf dem Platz ist und natürlich werden sofort wieder die dauerunkenden Stimmen lauter, denen Cheftrainer Keller ein Dorn im Auge ist. Manche glauben offenbar, wir müssten auch mit zeitweise 10 Verletzten zwei der besten Mannschaften der Welt schlagen.

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Zum Glück hält die Mannschaft dagegen und findet im März mit Siegen gegen Hoffenheim (4:0) und in Augsburg (2:1) wieder in die Erfolgsspur zurück. Am 25. Spieltag wird erstmals der in der Winterpause kaum für möglich gehaltene 3. Platz erobert. Mit diesem Rückenwind geht es in das Rückspiel gegen Real; auch im ehrwürdigen Estadio Santiago Bernabeu gibt es bei der 3:1-Niederlage eher wenig zu bestellen, dafür geben rund 8.000 mitgereiste Fans in Madrid die allerbeste Visitenkarte ab und legen einen einzigartigen Fanmarsch aufs sonnige Parkett. DATT is‘ mein Schalke!

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Sportlich geht es mit Siegen gegen Braunschweig (3:1) und Hertha (2:0) und einem 0:0 im Derby „Lüdenscheid gegen Fährmann“ heiter weiter; abseits des Platzes kommt erheblicher Unmut auf: Clemens Tönnies möchte mit der Mannschaft und einigen Koteletts im Gepäck seinen Männerfreund Putin besuchen – und der Verein lanciert die Kampagne „starkes Schalke“, die zunächst nur ein neuer Aufguss des Leitbildes zu sein scheint, sich dann aber als unverhohlene Propagandaplattform für SFCV-nahe Kandidaten und Anträge entpuppt. Während die anderen Bewerber für den Wahlausschuss noch nicht einmal eine Eingangsbestätigung haben, startet der SFCV, der in der Winterpause noch unter allgemeiner Skepsis in der Fanszene gelobt hatte, sich „neu aufzustellen“ und „auch gegenüber dem Verein offensiver und kritischer aufzutreten“, schon eine beispiellose Werbekampagne für seine Kandidaten, Werbevideos und Regionaltreffen inklusive. Auch „starkes Schalke“ empfiehlt kurzzeitig die SFCV-Kandidaten, weil diese für „ein starkes Schalke“ und „stabile Strukturen in den Gremien“ stünden – ohne die anderen Bewerber überhaupt gefragt zu haben. Die Skepsis und Empörung über diese unfaire einseitige Parteinahme ist groß, nicht nur, weil einer der beworbenen Kandidaten in seinem Video lauthals verkündet, wer den eingeschlagenen Weg nicht mitgehen wolle, könne sich einen anderen Verein suchen. Über dem Ärger über die Kampagne geht die Veröffentlichung der Schalker Konzernbilanz 2013 fast unter, trotz des mit 206,8 Mio. € zweithöchsten Umsatzes der Vereinsgeschichte stehen nur 500.000 € Gewinn unter dem Strich und die Verbindlichkeiten steigen wieder an.

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Der April zeigt sich sportlich launisch, der ersatzgeschwächten Schalker Mannschaft schwinden die Kräfte. Einem schwachen 1:1 in Bremen folgt noch ein 2:0-Heimsieg über die Eintracht aus Frankfurt, bei dem alle Augen auf einem am Spielfeldrand um sein Leben kämpfenden Schalker ruhen. Eintrachtfans und Schalker beweisen während der notärztlichen Behandlung viel Respekt und Fingerspitzengefühl; der Betroffene ist glücklicherweise mittlerweile wieder wohlauf und bei jedem Heimspiel dabei. Danach gibt es die schon fast traditionelle Pleite in Stuttgart (1:3) und nach über zwanzig Jahren erstmals wieder eine unnötige 0:1-Heimniederlage gegen Gladbach. Highlight an diesem Tag sind die Choreo der Nordkurve und die überparteiliche Vorstellung aller WA- und AR-Kandidaten beim Infotag von Schalke.V.ereint in der Glückaufkampfbahn.

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Abseits des Platzes entbrennt die Debatte um einen etwaigen Besuch der Mannschaft beim russischen Präsidenten Putin aufs Neue; die Mehrzahl der Schalker lehnt diese wiederholt von AR-Chef Tönnies ins Gespräch gebrachte („die Mannschaft möchte gerne den Kreml sehen“ – is‘ klar, Clemens) Verbindung des Schalker Namens mit dem russischen Regime (nicht nur) in dieser Zeit des Konflikts in der Ukraine strikt ab. Darüber hinaus gewinnt die neue Faninitiative Schalke.V.ereint, die sich für faire Informationen und eine lebendige Demokratie auf Schalke einsetzt, zunehmend den Respekt sowohl der Schalker Verantwortlichen als auch zahlreicher Fans: Auf Initiative der Gruppe und dank der Gesprächsbereitschaft des Vereins bleibt den Vereinsmitgliedern eine mehrstündige Debatte zu konträren Satzungsänderungsanträgen rund um Wahlausschuss, Aufsichts- und Ehrenrat erspart, die Gegensätze sollen nun in einem Ausschuss thematisiert und der JHV im nächsten Jahr vorgestellt werden.

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Dass die Vereinsmitglieder diese sportliche Fairness und konstruktive Sacharbeit zu schätzen wissen und vom Alleinvertretungsanspruch des SFCV nachhaltig die Schnauze voll haben, zeigt sich eindrucksvoll auf der JHV:  Einen Tag nach dem wichtigen und verdienten 2:0-Auswärtssieg in Freiburg wählen sie am 110. Vereinsgeburtstag am 04. Mai eine absolute 6:1-Mehrheit von Kandidaten, die Schalke.V.ereint unterstützen, in den Wahlausschuss. Auch bei der Wahl zum Aufsichtsrat fällt der SFCV-nahe Kandidat durch. Der Schulterschluss von vianogo-Zelle  mit dem vor einem Jahr schwer gescholtenen  Marketingvorstand Alexander Jobst, die Vertragsverlängerung von Ralle Fährmann und die Aufnahme des grandiosen „Knappenschmieds“ und Trainers des Jahres Norbert Elgert in die Ehrenkabine runden eine harmonische JHV ohne den krankheitsbedingt entschuldigten Tönnies ab.

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Den Schlusspunkt der Rückrunde bildet ein 4:1-Heimsieg über den FCN, das für uns Platz 3 und damit die direkte CL-Qualifikation, für die Fanfreunde aus Franken aber den Abstieg bedeutet. Bei diesem Spiel werden Hoogland, Hildebrand und Annan verabschiedet, zudem gibt es wieder zahlreiche Protesttransparente gegen überharte Polizeiaktionen u. a. in Hamburg.

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Mit der CL-Qualifikation ist auch die Gretchenfrage „Bleibt Keller?“ geklärt: Ja, er bleibt. Die „beste Rückrunde der Vereinsgeschichte“ wird zum geflügelten Wort…

Juli 1Im Juni herrscht auf Schalke nahezu paradiesische Ruhe, Deutschland versinkt im WM-Fieber, dabei sind mit Benedikt Höwedes, der auf der ungewohnten LV-Position zum echten WM-Dauerbrenner wird, und Julian Draxler auch zwei Schalker und zwei Ex-Schalker (Mesut Özil und der Dings, der Torwart da).

august xIm Juli kommt zu den bereits feststehenden Transfers von Sidney Sam und Fabian Giefer noch die Verpflichtung von Eric-Maxim Choupo-Moting vom FSV Mainz, dafür verlässt uns Adam Szalai nach nur einem Jahr Richtung Hoffenheim. Das Trainingslager in Grassau und die Testspiele verlaufen eher suboptimal; Leon Goretzka zieht sich beim Kick gegen Hordel einen Muskelbündelriss zu, der ihn nicht nur die prognostizierten „einige Wochen“, sondern die komplette Hinrunde kostet. Und auch Jefferson Farfan muss nach monatelanger konventioneller Behandlung an seinem Knie doch unters Messer und fehlt uns bis heute. Horst Heldt nimmt sich beim Kabinengespräch viel Zeit für die Fans und liefert Einsichten in sein Innenleben; der Spielertunnel wird auf Stollen getrimmt.

Beim spärlich besuchten Schalke-Cup setzt es zwei Niederlagen gegen West Ham und Newcastle und auch im August bei den Tottenham Hotspurs bleibt Schalke nur zweiter Sieger. Sofort flammt die Kritik an Jens Keller wieder lauter auf; erst recht, als dann auch das DFB-Erstrundenspiel bei Drittligist Dynamo Dresden aufgrund einer indiskutablen ersten Halbzeit mit 1:2 in die königsblaue Hose geht. Eine Woche später wird der Bundesligaauftakt in Hannover ebenfalls mit 1:2 vergeigt; Sead Kolasinac erleidet dabei zu allem Überfluss noch einen Kreuzbandriss. Gegen die Bayern gelingt dann im ersten Heimspiel mit 1:1 eine zumindest kämpferisch überzeugende Leistung; die Unruhe bleibt indes. Viel Applaus gibt’s hingegen für die tolle „Fußball ist unser Leben“-Choreo der UGE.

August 2August 3  

Das wohl schlechteste Schalker Spiel der Hinrunde ist dann nach der Länderspielpause im September in Gladbach zu bestaunen: der wunderbare Schulterschluss „Wir für Euch, Ihr für uns“ funktioniert beim 1:4 leider nur als Einbahnstraße.

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Eine sehr achtbare Leistung hingegen liefert die Mannschaft im ersten CL-Gruppenspiel beim FC Chelsea ab: 1:1 an der Stamford Bridge. Im folgenden Heimspiel gegen die Frankfurter Eintracht wird zwar immerhin ein Zwei-Tore-Rückstand aufgeholt; auf den ersten Dreier warten die Fans indes vergebens – bis zum nächsten Auswärtsspiel: Ein glattes 3:0 bei Werder Bremen rettet Kellers Kopf vorübergehend; das Derby kann kommen. Es kommt und trotz einiger kleiner Streitereien im Vorfeld – das Einsingen in der GAK wird verboten, daraufhin marschieren ca. 3.000 Schalker geschlossen durch Sutum zur Arena – wird es ein rundum gelungener Nachmittag: Mit einem verdienten 2:1 werden die Fehlfarbenen abgefertigt. Die Nummer 1 im Pott sind wir…

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Drei Tage später ist wieder eher Katzenjammer angesagt: Im CL-Heimspiel gegen den Außenseiter aus Maribor reicht es nur zu einem 1:1; das einzige Feuerwerk findet im Gästeblock statt.

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In Hoffenheim gibt’s ebenfalls die quasi handelsübliche 1:2-Niederlage und damit ist Anfang Oktober Jens Kellers Schicksal besiegelt: Allen Beteuerungen von Tönnies und Heldt zum Trotz stellt Schalke ihn frei und verpflichtet Roberto di Matteo. Ein sichtlich angeschlagener Heldt stellt sich am selben Abend beim „Stimmungsgipfel“ den Fragen der Fans: Nein, man habe keine Hoffnung auf durchgreifende Verbesserungen und Stabilität mehr gehabt. Der Stimmungsgipfel verläuft ansonsten ausgesprochen konstruktiv; einzelne Aspekte wie der „Schulterschluss“ vor den Spielen oder das Spiel auf die Heimkurve in der zweiten Halbzeit wurden bereits umgesetzt, an anderen wird noch gearbeitet. Übrigens: An der Stimmung kann jeder Stadionbesucher mithelfen…  

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Als ob der Trainerwechsel nicht genug Gesprächsstoff für die Länderspielpause gäbe, denkt Tönnies wieder einmal zur Unzeit vor Journalisten über eine Schalke AG nach, die Reaktion beim nächsten Heimspiel ist entsprechend.

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Zu Di Matteos Debüt gelingt ein 2:0-Heimerfolg über Hertha BSC, danach ein gelinde gesagt glücklicher 4:3-Erfolg über Sporting Lissabon dank eines Elfmetergeschenks in der Nachspielzeit. Viel bestauntes Highlight des Abends: Die tolle Choreo „Die ganze Stadt steht hinter Dir“ mit dem Gelsenkirchener Stadtwappen vor schwarz-weiß-grünem und blau-weißem Hintergrund.

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Der Oktober endet durchwachsen mit einer knappen Niederlage in Leverkusen sowie einem 1:0-Heimerfolg über Augsburg, letzteres ein echter Gruselkick an Halloween, dank des Hunters mit Happyend. Vor dem Spiel dreht die Polizei mit x Mannschaftswagen das Vereinsheim der Hugos auf links, weil sie sich Erkenntnisse über eine Auseinandersetzung nach dem Hertha-Spiel erhofft, deshalb schweigt der I-Block hinter umgedrehter Fahne komplett. Sehr viel Applaus gibt’s hingegen für das Transparent gegen HoGeSa: Auf Schalke ist kein Platz für Nazis!

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Und für Julian Draxler ist bereits nach 11 Sekunden die Hinrunde beendet: Sehnenabriss. Wenige Tage später gesellt sich auch Joel Matip zum königsblauen Großlazarett, bei ihm ist es ein zunächst nicht erkannter Fußbruch. Ich hoffe, mit derlei Hiobsbotschaften ist nach Austausch auch des Mannschaftsarztes jetzt langsam mal Schluss!  

november 1

Im November macht sich der königsblaue Tross auf nach Lissabon, die Party ist klasse, das Ergebnis nicht: 4:2 der Endstand für die Portugiesen, das Schalker Weiterkommen in der CL ist gefährdet. Und eine satte Portion südeuropäische Polizeiwillkür gegenüber den mitgereisten Schalkern gibt’s gratis obendrauf.

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Am folgenden Wochenende verliert Schalke 0:2 in Freiburg, bevor beim 3:2-Heimerfolg über die hochgelobten Wolfsburger zumindest in der ersten Halbzeit richtig toller Fußball gespielt wird. Doch zu viel Euphorie und Lob bekommen dem Team nicht: Drei Tage später setzt es eine leider auch in dieser Höhe vollkommen verdiente 0:5-Klatsche gegen den FC  Chelsea. Ein schlichtweg grausamer Kick! Doch die Mannschaft rappelt sich wieder auf und gewinnt gegen Mainz (4:1, Dreierpack Huntelaar) und beim Angstgegner Stuttgart (4:0, Dreierpack „Man of the Hinrunde“ Choupo-Moting) klar und deutlich. Auch auf den Rängen bleiben die Schalker mit  „Du gewinnst nie allein“ klarer Sieger, die Schals finden reißenden Absatz.

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Im Dezember führt die Reise dann nach Maribor, das Kunststück gelingt: 1:0-Sieg beim so heimstarken Überraschungsteam bei gleichzeitiger Niederlage von Sporting – mit mehr Glück als Verstand und einem königsblauen Auge zieht Schalke ins Achtelfinale der CL ein. Gegner dort: Wieder einmal Real Madrid, macht es diesmal bitte besser, Jungs!

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Mit ziemlich leeren Akkus (und verdammt viel Polizei) gibt es dann noch eine strunzblöde Heimniederlage (1:2) gegen den 1. FC Köln, einen 2:1-Erfolg in der Paderborner Provinz (wenn sie einem schon 60 € für einen Platz mit Regenguss abnehmen, sollten sie das Geld bitte in ein Verkehrskonzept investieren…) und ein müdes 0:0 gegen ebenso müde Hamburger.

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Glanz versprühen an diesem Tag nur die „S 04-Legenden“, die geballt in der Arena zu Gast sind, ansonsten herrscht ausnahmslos Erleichterung, dass sich Schalke trotz in weiten Teilen eher dürftigen Darbietungen mit 27 Punkte und unmittelbarer Tuchfühlung zu Platz 3 ins Ziel gerettet hat. Auch der Blick in die unteren Tabellenregionen ist, nun ja, für Schalker ein Grund zum Schmunzeln. ;-)

dezember 10

Man darf gespannt sein, wie es in 2015 nach einer Vorbereitung unter di Matteo weitergeht. Ist die Mannschaft dann konditionell besser drauf? Gelingt die Stabilisierung? Hört die Verletzungsseuche endlich auf; welche Langzeitverletzten kehren zurück? Setzt sich der erfreuliche Stimmungstrend fort? Wie geht die Polizeistrategie gegen Fußballfans weiter? Was bringt die JHV 2015? Einen kleinen Vorgeschmack auf die Anträge gibt es ja bereits durch die Ergebnisse der Satzungskommission. Was passiert auf und neben dem Platz? Welche neuen Spieler stoßen zum Team? Sehen wir vielleicht, vielleicht sogar Cristiano Ronaldo weinen?

IMG 8934Man muss kein Hellseher sein, um zu wissen: Unser ebenso geliebter wie bekloppter Verein wird uns alle auch in 2015 mit seinen Höhen und Tiefen, Kapriolen und Köpfen reichlich beschäftigen… Und das ist auch gut so!

In diesem Sinne wünsche ich allen Schalkerinnen und Schalkern einen guten Rutsch in ein gesundes, glückliches und königsblaues Jahr 2015!

Blau-weiße Grüße

Susanne Blondundblau

 

Freitag, 26 Dezember 2014 21:39

Stadionalist?

geschrieben von

Sind wir nicht alle ein bisschen Stadionalist?

Die Winterpause und Feiertage laden gewöhnlich zur inneren Einkehr ein. Spätestens nach dem traditionellen Neujahrs-Hangover. Mich hat es dieses Jahr dazu bewogen mal einer grundsätzlichen Fragestellung nachzugehen: Ist die Verbundenheit zu seinem lokalen Verein nicht immer auch eine Form von Patriotismus, impliziert das nicht automatisch immer auch eine politische Aussage, die über den Fußball hinausgeht? Sind wir – egal welcher Couleur und politischen Ausrichtung – in letzter Konsequenz nicht doch irgendwie alle patriotisch veranlagt, wenn es um unseren Verein geht? Sind wir gar alle ein wenig Stadionalist?

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Der Stadionalist
Der Stadionalist ist das was er ist.
Gemeinhin ein Fußballfan, lokal verbunden und Traditionalist.
Er kämpft in der Kurve für sein Dasein,
liebt seine Stadt und seinen Verein.
 
Der linksextreme Stadionalist ist solange politisch korrekt,
bis er mit dem System aneckt,
dann tobt der alternative Lokalpatriot,
und nennt den Staat in dem er wohnt ein Vollidiot.
 
Der rechtsextreme Stadionalist ist solange politisch korrekt,
bis er mit dem System aneckt,
dann tobt der Nazi, redet von Blut und Vaterland,
und beschmutzt die eigene Heimat ohne Sachverstand.
 
Der liberale Stadionalist ist ein Phänomen,
ihn kann es nicht geben, ist Fußball doch immer ein Spiel,
gegen andere gewinnen das Ziel.
 
Der gemeine Stadionalist ist treu,
ergeben seiner großen Liebe ohne List und ohne Scheu,
er steht für lokale Werte,
für Zusammenhalt und Ehre.
 
Der Stadionalist steht zu seiner Leidenschaft,
zu Stadt, Verein und Mannschaft,
er kann nicht anders,
ist es doch besonders.
 
Der Stadionalist, der keiner ist,
aber gerne die lokale Fahne im Stadion hisst,
 ist immer doch ein bisschen parteiisch,
sonst wäre er egoistisch.
 
Der Stadionalist kann nie unpolitisch sein,
denn als Fan trägt er die Gesellschaft ins Stadion rein,
egal welcher Couleur,
ist in seinem Herzen ist die Vereinsfarbe der Regisseur.
 
Der Stadionalist ist urban gebunden,
vielleicht hat er die Globalisierung nicht ganz verwunden.
Der Fixpunkt auch in der Ferne,
bleibt der Verein trotz aller Moderne.
 
Der Stadionalist das was er ist,
Fußballfanatiker, Kurvenanhänger,  Systemkritiker, aber sicher kein Faschist.
 Linke Lokalpatrioten, Rechte Heimatverbundene, Extreme sind schlecht zu einen,
die gemeinsame Liebe zu ihrem Verein lässt sich dennoch nicht verneinen.

Ist nicht auch der weltoffensten, liberalste Metropolist am Ende heimatverbunden, wenn es um Fußball geht? Ist es ein Wesensmerkmal von uns Fans, dass wir Fanidentität neben unserer Treue zum Verein, immer auch mit Land und Leuten, mit unserer Stadt und mit regionaler Identität verknüpfen, geht die Liebe zum Verein über "gesunde" Heimatliebe hinaus?

Wird man als Fan der deutschen Nationalmannschaft schnell als ein durchtriebener Patriot identifiziert, wird im Zusammenhang zur Vereinsverbundenheit dieses Fass eher weniger aufgemacht. Warum eigentlich nicht? Viele werden an der Stelle auf die zweifellos vorhandenen Unterschiede zwischen Lokalpatriotismus und Nationalstolz hinweisen und diese gilt es auch zu berücksichtigen, wenn man sich dem Thema politische Parteilichkeit und regionale Verbundenheit nähern will. Dass Politik schon immer eine Rolle im Fußball gespielt hat, lässt sich schon allein daran aufzeigen, wie hoch frequentiert die politischen Granden einem Stadionerlebnis beiwohnen um Volksnähe zu demonstrieren. Darüber hinaus und in diesem Zusammenhang von größerer Bedeutung, sind die politischen Transformationsprozesse, die vom Alltag ins Stadion gespült werden. Jeder, der da behauptet "Politik und Fußball könne man trennen" ist schlicht naiv. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn der Fußball möglichst unberührt von politischen Diskussionen bleibt, in der Realität spiegeln die Stadionbesucher aber den Querschnitt einer Gesellschaft. Somit trifft man im Stadion konzentriert alle Richtungen, die auch "draußen" zu treffen sind, nur fallen die unterschiedlichen Strömungen im Alltag weniger auf.  Besonders der in fast jedem Stadion anzutreffende Konflikt zwischen den rechten und linken Blöcken sorgt in Fankulturkreisen, und wie jüngst darüber hinaus, für Unruhe.  Sicherlich ist das kein neues Phänomen, allerdings tritt es offener zu Tage.

Ohne hier ins Detail gehen zu wollen, ist dieser Umstand sinnbildlich für eine Welt, dessen Bewohner mehr denn je auf der Suche nach Halt sind. Die politischen Differenzen gab es schon immer in der Gesellschaft und seit es  Fußball in seiner modernen Form gibt, nur nimmt die Qualität der Auseinandersetzungen neue Dimensionen an, bei denen man sich mit Blick auf die Entwicklungen wie  #hogesa  ernsthaft fragen muss, inwiefern dass jetzt noch mit Fußball und der Unterstützung seines Vereins zu tun hat?

Die Kurve im Wandel der Zeit

Um die Kurvenhoheit (braucht es die?) zu erlangen treten mittlerweile die verschiedensten Gruppen gegeneinander an, sei es verbal oder auch mal handgreiflich. Sich gegen verhetzenden Parolen zu stellen, über krankhafte Ideologien aufzuklären und nicht zuletzt vor Extremismus jeglicher Form zu warnen ist nobel und zeugt von Zivilcourage. Die politische Einfärbung beider Seiten ist aber mittlerweile so offensichtlich, wird so offen zu Schau getragen, dass der Fußball dabei in den Hintergrund rückt. So scheint es. Die Folge sind unter anderem eine zunehmend fehlende Heterogenität in den Kurven, die Zersplitterung in immer kleinere Fangruppierungen, die je nach Ausrichtung extreme Formen in ihrer Vorstellung von Support annehmen können. Dort wo früher zum Wohle seines Vereins an einem Strang gezogen wurde, rückt die eigene Geltungssehnsucht in den Vordergrund. Nicht gerade dienlich was die Unterstützung des Vereins betrifft.  Überhaupt fällt auf, dass sich insbesondere die Ultrakultur von ihren Ursprungsideen entfernt. Längst noch nicht am Zenit angekommen, beginnt sie sich nach 20-25 Jahren Realexistenz in Deutschland neu zu definieren.  Immer öfter steht dabei der Kampf gegen politische Extreme auf der Agenda. Zwar traten die Ultras in ihrer deutschen Form von Beginn an gegen die rechte Hooliganbewegung auf, allerdings waren die bereits meist aus dem Stadion verschwunden, als sich die Ultrabewegung anschickte eine ernstzunehmende Subkultur in den deutschen Stadien zu werden.  Mittlerweile etabliert schicken sich Teile der Ultras an ihre lange erkämpfte Reputation durch innere Streitigkeiten zu torpedieren, Politik spielt dabei immer vordergründiger eine Rolle, dabei verwischen staatstragende Intentionen mit vereinspolitischen Absichten. Richtig konfus wird es bei Antihaltungen, die zwar in Mode, dennoch selten zielführend sind. Statt immer gegen alles zu sein, kann man sich  auch mal für etwas positionieren. In Freiburg gibt es eine Tradition der Toleranz, in Aachen seit jeher eine politisch geprägte Fankultur, jede Stadt, jeder Verein verkörpert unterbewusst einen Lebensgeist der vorherrschenden allgemeinen Verhältnisse.  Diese werden bisweilen definitiv benutzt um ein Alleinstellungsmerkmal herauszukristallisieren. Soweit in Ordnung, wäre da nicht die leidige Rückkehr zur Allgemeingültigkeit von einst individuellen Fanchroniken. Heutzutage wird man in eine Schublade gesteckt, das Fantum in Gruppen ausgelebt geht immer einher mit einer politischen Akquise, die nicht selten darin endet, dass man als zu (un)politisch abgestempelt wird. Sei es hinsichtlich der Vereins-, der Stadt-, oder Landespolitik. Interessant dabei zu beobachten ist immer wieder welche Differenzierung zwischen Stadiontreue und Lokalpolitik gemacht werden. Wird man als frenetischer Lokal- Anhänger noch gefeiert, passiert es immer öfter, dass man nach Toreschluss als ebensolcher gebrandmarkt wird. Zu Recht, wenn das "Lokale" Dimensionen annimmt, die über das "Normale" hinausgehen. Definiert selbst.   

Die Vereine sind offensichtlich mit diesen Entwicklungen überfordert und bauen ausgerechnet in dem Fall oftmals auf Selbstregulation, was hinsichtlich des Konfliktpotential fahrlässig ist. Wer bei extremen Tendenzen wegschaut braucht sich über extreme Auswüchse nicht wundern.        

Fest steht: Wir als vereinsliebende Fans sind doch immer auch lokal verbunden, mit einer Philosophie, die ihre Wurzeln aus der Geschichte einer Region schlägt. Das ist wohl jedem klar, sein, der regelmäßig ins Stadion geht und seiner Leidenschaft frönt. Wir supporten in erster Linie unser Team, aber wenn wir ehrlich sind, grenzen wir unseres dabei immer auch von anderen ab. Wir heben unseren Verein götzengleich an die höchste Stelle des Olymp, feiern unsere Stadt unsere Region und unsere Heimat. Wie sonst ist es zu erklären, dass der Fußball eine derart identifikationsstiftende Wirkung auf die Menschen hat. Kaum eine andere Geschmacksgemeinschaft schafft es heutzutage die Menschen derart zu vereinen und gleichzeitig so auseinander zu dividieren. Gerade in einer globalisierten Welt suchen die Menschen Halt. Es ist nicht verwunderlich, wenn sie das in ihrem direktem Umfeld tun. Der Deterrioalisierung wird die Lokalität entgegengesetzt, der Entfremdung das Heimelige,  der Vielfalt das Gewohnte –  schlicht: der Moderne die Tradition.  Nirgendwo kommt das so zum tragen  wie in den Fankurven.

Auf der Suche nach Identität

Hier beginnt es allerdings etwas kompliziert zu werden. Zum einen ist da die Vereinsliebe, die jeder im Mikrokosmus Fußball offen zur Schau stellt und bisweilen handfest verteidigt, zum anderen ein modernes, von toleranter Aufgeklärtheit und Offenheit geprägtes Weltbild, das Gewalt zutiefst ablehnt. Zu diesem offensichtlichen Widerspruch gesellt sich die Bereitschaft den eigenen Verein bisweilen bis aufs Blut zu verteidigen. Wenn das Nazis machen, die in ihrer verstörten Lebenswelt meinen „ihr“ Land gegen „negative“ Einflüsse verteidigen zu müssen ist der Aufschrei groß. Insbesondere in den Fanlagern, die sich am nächsten Fußballwochenende auf die Mütze geben, wenn der eigene Verein, das eigene Revier angegriffen wird. Wo ist da der Unterschied zu dumpfen Nazis, die ihrerseits glauben über eine Deutungshoheit zu verfügen? Interessant dabei, Exklusion spielt immer eine Rolle.   Allzugerne positionieren sich insbesondere aktive Fangruppierungen, die man durchaus als aufgeklärt und selbstreflektierend bezeichnen kann gegen Einflüsse die unseren Sport bedrohen, manchmal eben auch mit Nachdruck auf der Strasse. Legitimationsargument ist dabei stets das Recht auf freie Meinungsäußerung. Dieses Gut gilt es zu bewahren. Ein honorer Ansatz und viele Ultrakritiker sollte zu schätzen wissen, dass diese einzig noch realexistierende Jugendsubkultur sich dieses Ziel ganz oben auf die Fahne geschrieben hat. Dennoch wirkt es an der ein oder andere Stelle nicht zu Ende gedacht, wenn im gleichen Atemzug anders denkende diffamiert werden, oder die Mittel zur Durchsetzung eingesetzt werden, die man bei anderen kritisiert. Manchmal passt das nicht zusammen. Gegen Rassismus ja, aber den Gegner und seine Fans kollektiv als Vollidioten hinstellen ist etwas, nun, sagen wir mal, schwierig zu vereinbaren, wenn man das durchdenkt. Sich gegen Kommerz zu positionieren, aber Turnschuhe aus Kinderhänden tragen ist, nun, sagen wir mal, leicht fragwürdig und ebenfalls nicht konsequent. Klamotten zu tragen, die durch Filme in den Kultstatus erhoben wurden sind sowas von Mainstream, und hat rein gar nichts damit zu tun, dass man sich eben von diesem bewusst nach Außen abkoppeln möchte. Im Gegenteil. Von diesen Widersprüchen müsste man jetzt noch eine ganze Latte aufzählen, aber das würde in diesem Kontext zu weit führen.

Wenn man also davon ausgeht, dass insbesondere politisch angehauchte Ultras und aktive Fans Werte verkörpern, die  eigentlich Alternativen darstellen sollen/wollen, dabei aber den Massenströmen bedrohlich nahe kommen, ein unangepasster Support ganz oben steht, der Sinn aber ein möglichst homogener –  nahe am Corpsgeistgedanken – ist , verwundert es nicht, dass die Szenen gerade im Wandel begriffen sind. Viele Kleingruppen splittern sich ab. Deren politische Motivation sei mal dahingestellt. Es fällt zumindest auf, dass sie sich in entfremdeten Zeiten zunehmend radikalisieren und in Kleinteiligkeiten zerfallen.  

Die Kurve spiegelt wie bereits betont den Gesellschaftszustand wieder. Dass der durch Individualisierung, globalisierte Transformationsprozesse in einer Findungsphase ist spürt sicher jeder. Es kommt einem so vor als koche jeder zunehmend seine eigene Süppchen, das große Ganze wird dabei zunehmend in den Hintergrund gedrängt. Diese Zersplitterungsprozesse sind typisch für Phasen der Neu-/Umorientierung, und im Fußball äußern sich diese in Fankulturprozessen, die nicht jedem passen und bisweilen seltsame Blüten tragen.   Dennoch sind sie schlichter Ausdruck dessen was in der Gesamtgesellschaft vor sich geht.

Der gemeinsame Nenner, und das ist das besondere in der Fußballfankultur, bleibt die zeitlose, bedingungsfreie Liebe zu seinem Verein. Die ist so fest zementiert wie der Elfmeterpunkt in jedem Stadion.  Man ist eben nicht nur mal im Vorbeigehen Fan und das bleibt auf ewig. Allerdings nimmt die Qualität dieser Vereinstreue zur Zeit zum Teil groteske Züge an, insbesondere wenn man sich den Widerspruch von Lokalpatriotismus und Staatskritik nochmal genauer anschaut. Nicht wenige verlassen ihr gefühltes zweites Wohnzimmer Fahne schwingend um sie dann ganz schnell zu Hause wieder in den Schirmständer abzulegen. Im Stadion noch seiner Stadt zugejubelt, mit seinem Verein gelitten, den Gegner verpönt, den gemeinsamen Erfolg gefröhnt, die gemeinsame Niederlage zusammen verdaut, aber im Alltag  Systemkritik üben, sich darüber aufregen wie Leute nur so doof sein können für eine gemeinsame Sache einzustehen und dafür auch noch über ein Normalmaß hinausgehen.

Das muss nicht zwingend konträr sein, dennoch kommt es einem so vor, als wird  hier oft mit zweierlei Maß gemessen. An der Stelle muss man sicherlich zwischen Stolz auf einen Verein sein und Patriotismus differenzieren, dennoch sind die Überschneidungspunkte für jeden offenkundig und das zu ignorieren ein fatalistischer Zug, den viele viel zu gerne unter den Teppich der Selbstzweifel oder selbstauferlegter Ignoranz kehren.

Der Verein als letzter Rückzugsort

Es ist nichts dabei seinen Verein bedingungslos treu zu sein, nur sollte man dabei nicht vergessen in welchem Umfeld er existiert, er leben muss, darf. Wer grundsätzlich gegen Deutschland als System ist, kreidet unterbewusst immer auch die Existenz sich rivalisierender Lokalitäten an, die Deutschland und nicht zuletzt den Fußball in seinem natürlichen Konkurrenzverhalten nun mal ausmachen.  Der Wettbewerb sollte  halt stets ein gesunder bleiben, Extreme eine untergeordnete Rolle spielen, die Liebe vereinen. Die Suche nach Halt nicht beim Fußball kleben bleiben.

Man sollte sich eventuell mal entscheiden was man will und für was man einsteht. Seinem Verein treu und loyal zu sein, heißt nicht ihm treudoof zu folgen, ihn zu verteidigen muss nicht heißen auf Teufel komm raus  jeden wegzukloppen, der eine andere Meinung besitzt, einen anderem Verein treu ist. Nicht jeder, der seine Vereinshymne mitsingt muss bei der nationalen stramm stehen, im Gegenteil. Nur sollte man sich eingestehen, das uns Vereinsfans  immer eine Gemeinsamkeit verbindet, die viele Anleihen von regionaler Identität in sich trägt und damit eben auch eine der letzten Bastionen zur realer Identifikation ist, selbstbestimmt und von Grund auf erfahrbar patriotisch.

Im Endeffekt und in letzter Konsequenz sind wir doch alle Stadionalisten, die ihrem  Verein die Absolution erteilen, freiwillig und gerne, sei es verbal, gedanklich, oder eben auch physisch . Ob das Fortschrittlich ist, steht auf einem anderen Blatt. Ich plädiere für mehr Aufrichtigkeit nicht nur in der Diskussion und fordere dazu auf, dass wir uns alle ehrlich hinterfragen und letztlich zu dem stehen was wir als Lokalpatrioten Wochenende für Wochenende leben. Wenn dabei die Heimatliebe das Mittel zum Zwecke wird ist das so gewollt und hat sehr wohl damit zu tun, dass Fußball –  wie jeder Sport  – ursprünglich  eng mit Rivalität verknüpft wird, nur sollte man darauf achten, dass dieser Wettbewerb nicht zum Stellvertreterschauplatz von politischen Diskursen wird, die über das Gemeinwohl hinaus gehen.  Ich bin jedenfalls stolz darauf ein SCF-Stadionalist zu sein. Meine Meinung, meine Erfahrung, meine Leidenschaft.  

Unser Leben, unser Spiel. Unser Verein, unsere Liebe.

Plauen HeftWarnung: Dies ist kein „normaler“ Blog.

Es geht nämlich nicht oder zumindest nur am Rande um den FC Schalke 04. Es geht auch nur sehr begrenzt um das sportliche Geschehen auf dem Platz oder die Fankultur auf den Rängen.

Es geht um viel mehr, nämlich um die nackte Existenz eines Traditionsclubs, der noch ein Jährchen älter ist als unsere Königsblauen: Am 27.05.1903 gründete sich im sächsischen Vogtland der VFC Plauen e. V. . Über die heutigen Vereinsfarben sei an dieser Stelle das Mäntelchen des Schweigens gebreitet, aber von Knapp-vorbei-ist-auch-daneben-Tragödien (so wurde die Gaumeisterschaft 1914/15 aufgrund des ersten Weltkriegs kurz vor dem ersehnten ersten Titelgewinn der Plauener abgebrochen; 1926 wurde derselbe Titel am grünen Tisch dem Lokalrivalen zugesprochen, 1945 folgte die Enteignung aller bürgerlichen Vereine in der sowjetischen Besatzungszone und diversen Auf- und Abstiegen) blieb der VFC Plauen e. V ebenso wenig verschont wie wir. Seit der Wende pendelt der Verein zwischen Ober- und Regionalliga hin und her, derzeit als Tabellenelfter der Regionalliga Nordost.

Dem VFC Plauen gehört mit dem Vogtlandstadion eines der ältesten noch regelmäßig genutzten Stadien Deutschlands – das ursprüngliche Gelände stammt bereits aus dem Jahre 1934. Zum Vergleich: Die Glückaufkampfbahn ist knappe sechs Jahre älter und musste bekanntlich bereits 1972 ihre Funktion als Spielstätte für unsere erste Mannschaft an das Parkstadion abtreten, das ebenfalls schon der Arena weichen musste. Der VFC Plauen hingegen versucht, seine traditionsreiche Spielstätte, in der man sich in die „gute alte Zeit“ zurückträumen kann, zu erhalten und grundlegend zu sanieren. In drei Bauabschnitten wird seit 2009 daran gearbeitet, die Steh- und Sitztribünen an die heutigen Erfordernisse anzupassen.      

Bauen kostet, das wissen wir Schalker nicht erst seit dem gigantischen Drahtseilakt der Arena-Finanzierung. Und so versuchten auch die Plauener, die für den Umbau nötigen Eigenmittel u. a. über Bausteine zu finanzieren. 12.000 Bausteine zu je 25 € sollten es sein, keine leichte Aufgabe für einen Verein mit 500 Mitgliedern in einer wirtschaftlich stark angeschlagenen Stadt und Region. Fehlende Fernsehgelder und ausfallende Sponsoren taten ihr Übriges hinzu und so kam es, dass den VFC Plauen heute rund 960.000 € Verbindlichkeiten bei insgesamt 45 Gläubigern drücken.

Plauen BerichtZugegeben, gegen unsere 220 Mio. € Konzernverbindlichkeiten nehmen sich diese 960.000 € als Peanuts aus. Und Querelen in der Vereinsführung, Aufsichtsräte vor Gericht, fünf Trainer in fünf Jahren und turbulente Mitgliederversammlungen mit Presseausschluss und anschließender Negativberichterstattung ist jetzt auch nichts wirklich Neues. Aber dummer Weise sind knapp 200.000 € der Schulden sofort fällig und können nicht beglichen werden, weswegen der erst Mitte November neu gewählten Präsidentin Dagmar Baumgärtner am vergangenen Montag nur der Gang zum Amtsgericht blieb, um einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu stellen.

Bei einem Insolvenzantrag prüft das Gericht, ob es ein Verfahren eröffnet, wozu es u. a. eines Eröffnungsgrundes[1] – Zahlungsunfähigkeit – und genügend Mittel, um die Kosten des Verfahrens zu finanzieren, bedarf. Wenn das Verfahren eröffnet (oder mangels Masse abgelehnt) wird, wird der Verein aufgelöst.[2] Ende, Schluss, aus. Schafft es der Verein bzw. der Insolvenzverwalter hingegen, sich mit allen Gläubigern über einen Insolvenzplan zu einigen, kann er fortbestehen und seine Schulden zumindest teilweise tilgen, um nach der „Wohlverhaltensphase“ über die Restschuldbefreiung in eine bessere Zukunft zu starten.

Jeder Fußballfan wird nachvollziehen können, dass ein solcher Insolvenzplan, der die Sanierung ihres Traditionsclubs ermöglichen würde, natürlich das Ziel des Vereins und aller VFC-Fans ist. Der am Dienstag eingesetzte vorläufige Insolvenzverwalter des VFC Plauen, Rechtsanwalt Klaus Siemon, sieht nach Prüfung der Unterlagen auch Chancen auf eine Sanierung des Vereins, wenn, ja…

…wenn da nicht der DFB und seine Statuten[3] wären. Denn diese sehen vor, dass „die spielklassenhöchste Mannschaft eines Vereins, über dessen Vermögen das Insolvenzverfahren eröffnet worden ist, sofortiger Absteiger ist und den Spielbetrieb mit dieser Mannschaft nach Präsidiumsbeschluss beendet“.

Übersetzt man das Juristendeutsch in normale menschliche Sprache, heißt das: Ein Insolvenzplan soll ein angeschlagenes Unternehmen (oder Verein) retten. Damit es einen solchen geben kann, braucht es ein Insolvenzverfahren. Und genau dieses Insolvenzverfahren schleudert einen Verein nach Willen des DFB durch Zwangsabstieg mindestens eine Spielklasse tiefer. Die restlichen Ligaspiele könnten entfallen bzw. wären samt und sonders Freundschaftsspiele, die völlig unabhängig vom sportlichen Ergebnis zugunsten des jeweiligen Gegners gewertet würden. Man braucht nicht viel Phantasie, um zu erkennen, dass die sportliche Bedeutungslosigkeit der Spiele die Chancen auf Einnahmen und damit Sanierung nicht verbessert. O-Ton Klaus Siemon: „Welcher Sponsor gibt schon Geld, wenn nur noch Freundschaftsspiele stattfinden und welcher Spieler hängt sich 120 % rein, wenn das Ergebnis ohnehin nicht zählt?“. 

Nun ist die Juristerei nicht zwingend an den gesunden Menschenverstand gekoppelt, in diesem Falle aber möglicherweise doch: Der zweite Abschnitt des 3. Teils der Insolvenzordnung[4] regelt die „Erfüllung der Rechtsgeschäfte“, durch die der Insolvenzverwalter weitgehende Rechte und Vollmachten erhält, ein Unternehmen auf Sanierungskurs zu steuern oder die Forderungen der Gläubiger noch bestmöglich zu bedienen. So kann er beispielsweise bei bestimmten Geschäften die für den Schuldner wirtschaftlich günstigste Variante wählen.  Und – und hier kommt der Knackpunkt - Vereinbarungen, die diese Rechte ausschließen oder beschränken, sind gemäß § 119 InsO unwirksam.

Plauen Aufstellung

Aus diesem Grunde wird in der juristischen Literatur teilweise die Meinung vertreten, die Zwangsabstiegsregelung verstoße gegen § 119 InsO. Noch einmal O-Ton Klaus Siemon: "Das Gesetz will, dass Sanierungen in der Insolvenz möglich sind, um Werte zu erhalten, Arbeitsplätze zu sichern und Gläubiger durch Erhaltung besser zu befriedigen als durch Zerschlagung. Regelungen, die dies ihrer Intention nach erschweren, haben keinen Bestand… Gerade im Fußball entspricht dies auch nicht einem Fair-Play. Demjenigen die wirtschaftliche Grundlage zu entziehen, der ohnehin angeschlagen ist, ist unfair. Gerade der Umstand, dass nur die spielklassenhöchste Mannschaft absteigen muss, zeigt den Strafcharakter der Regelung, der in einem modernen Insolvenzrecht keinen Platz mehr hat."

Klaus Siemon will daher für den VFC Plauen gerichtlich gegen die Spielordnung bzw. den Zwangsabstieg vorgehen. Das Ergebnis wird nicht nur juristisch höchst spannend sein – kann das Verbandsrecht für einen geordneten Spielbetrieb wirklich das bundesgesetzliche Recht eines angeschlagenen Unternehmens bzw. Vereins auf eine Fortführungschance untergraben? -, es wird auch im Erfolgsfalle weitreichende Folgen für viele deutsche Traditionsvereine haben. Der DFB beansprucht viele rechtliche Sonderregelungen für sich. Meines Erachtens wäre es ein sehr gutes und überfälliges Signal, dass die Verbands-Allmacht trotzdem nicht grenzenlos ist. Und ich drücke den mutigen Plauenern die Daumen, dass sie der David sind, der den Goliath zwar nicht zu Fall bringt, ihm aber für sein eigenes Überleben eine ordentliche Beule verpasst!

Fankultur wird dieses Thema und das weitere Schicksal des VFC Plauen weiter begleiten. Bis zu einem entsprechenden Urteil wird noch einiges Wasser die weiße Elster und die Emscher runterfließen, aber der VFC Plauen sammelt bereits fleißig Spenden, die Nordkurve Chemnitz will dem Nachbarn helfen und wer weiß, vielleicht kommt es ja endlich zu der 1998  von Rudi Assauer „angedrohten“ Revanche. 3:1 haben uns die Plauener damals in einem Freundschaftsspiel am Rande des Trainingslagers weggefidelt…

Blau-weiße Grüße

Susanne Blondundblau


[1] § 16 InsO [2] § 42 I BGB  [3] In diesem Fall § 6 Nr. 3 der Spielordnung des Nordostdeutschen Fußballverbandes; entsprechende Regelungen finden sich aber inhaltsgleich in allen Spielordnungen der Fußballverbände einschließlich der Bundesliga. [4] §§ 103 – 128 InsO

 

Freitag, 28 November 2014 07:50

Herr Heldt, wo kommen die 80 Millionen her?

geschrieben von

Geld

Schalke-Vorstand Horst Heldt erklärte gestern als Reaktion auf Kritik auf der Presskonferenz zum Samstagsspiel gegen Mainz 05 u. a.:Meine Mannschaften haben sich in sieben von acht Jahren für Europa qualifiziert, davon fünfmal für die Champions League. Neben den sportlichen Zielen, die wir alle erreicht haben, gehörte es auch zu meinen Aufgaben, Schulden abzubauen. Wir haben die Verbindlichkeiten um 80 Millionen gesenkt. Auch das alles ist meine Verantwortung!

Die anwesenden Journalisten haben die behauptete Summe leider nicht hinterfragt, auch ein heldt-kritischer Kommentar in der Zeitung mit den vier Buchstaben von heute geht nicht darauf ein. Schaut der geneigte Leser aber einmal in die Schalker Konzerngeschäftsberichte, entdeckt er in den Jahren seit Heldts Mitwirken (ab Juli 2010) folgende Konzernverbindlichkeiten:

31.12.2010                 254.456.245,53 €

31.12.2011                 228.631.900,64 €

31.12.2012                 217.072.558,74 €

31.12.2013                 230.135.278,47 €

30.06.2014                 220.070.113,75 €

Ein signifikanter Abbau der Verbindlichkeiten konnte trotz durchgängiger Teilnahme am internationalen Geschäft also nur im Jahre 2011 erfolgen – und da auch nur aufgrund des lukrativen Transfers von Manuel Neuer zu den Bayern.

Daher möchte ich von Herrn Heldt gerne wissen, wie er auf die genannten 80 Millionen kommt. Kann der Vorstand Sport keine Bilanzen lesen? Wurden da Stuttgarter Verbindlichkeiten und der Gomez-Transfer einberechnet, da er – wenig sensibel für Schalker Seelen – mit Blick auf 2007 auf 2007 auch noch erklärte, „er könne auch Meister“? Oder hat er die 254 Mio € Konzern-Gesamtverbindlichkeiten des Jahres 2010 mit einer ganz anderen betrieblichen Kenngröße – nämlich nur den Vereins- oder Finanzverbindlichkeiten – des Jahres 2014 verglichen? Der Verein redet ja gerne in Verlautbarungen zur Finanzsituation nur von den Finanzverbindlichkeiten, als ob die übrigen Verbindlichkeiten ihm nicht genauso die Luft abschnüren könnten. Oder wurden nur die zwischenzeitlichen Tilgungen der Altverbindlichkeiten, nicht aber die neuen Schulden erwähnt?

Beide denkbaren Varianten – Unkenntnis der grundlegenden Zusammenhänge der Bilanzierung als auch ganz gezielte Spitzfindigkeiten zur Desinformation und Überhöhung der eigenen Leistung – finde ich an der Spitze meines Vereins nicht vertrauenserweckend.

Ich bitte daher im Interesse aller um den Verein FC Schalke 04 besorgten Mitglieder und Fans um Aufklärung, Herr Heldt. Und wenn Sie schon dabei sind, dürfen Sie oder Ihr Finanzkollege Herr Peters auch gerne noch die in meinem Blog zum Konzernbericht 2013 aufgeworfene Frage beantworten, wie der FC Schalke 04 mit einem solchen finanziellen Korsett die 2016 fällig werdende Fananleihe (10,8 Mio €) und vor allem 2019 die rund 50 Mio. € aus der Mittelstandsanleihe zurückzahlen möchte…?

Gespannte blau-weiße Grüße

Susanne Blondundblau

Montag, 10 November 2014 20:52

Über Größenwahn

geschrieben von

PeanutsGrößenwahn wird im Wesentlichen in die beiden Ausprägungen Gigantomanie und Megalomanie unterschieden. Letzteres bezeichnet ein psychiatrisches Krankheitsbild und soll nicht weiter Gegenstand sein. In den einschlägigen Suchportalen findet man beispielsweise bei Wikipedia einen Eintrag, der unter der Gigantomanie weniger das krankhafte sondern vielmehr überzeichnete, maßlose Streben Einzelner bezeichnet, ihre Mitmenschen durch herausragende, übersteigerte Leistungen zu übertreffen.

Größenwahn ist negativ konnotiert. Er weckt in der Realität Assoziationen an Diktaroren und Despoten. In den Religionen und der Mythlogie ist der in seinem Streben grenzenlose Mensch häufig zum Scheitern verurteilt. Der Versuch gottfordernd oder gar gottgleich zu sein, muß in die Katastrophe münden. Dennoch war es in der Geschichte der Menschheit immer der Größenwahn Einzelner, der natürlich auch Leid heraufbeschwor, aber gleichzeitig Werke von zeitloser Bedeutung schuf. Ohne Ziele verkümmert der Mensch und stagniert in seiner Entwicklung. Träume und Visionen sind der Motor für Fortschritt, Größenwahn ist der Treibstoff. Erst der Wille das Unmögliche zu wollen, läßt das Mögliche Realität werden. Noch heute macht uns das Schaffen Vieler staunend und zu Pilgern ihrer Leistung. Weil sie "Größeres wähnten".

Es war der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Chinese Hongwu, der sich im 14. Jhd gegen die mongolische Herrschaft auflehnte. Durch die Erfindung einer Schußwaffe mit dem schon lange bekannten Schießpulver gelang ihm der Sieg gegen die übermächtigen Feinde. Er sollte Chinas 1. Kaiser werden und ist Urvater der Ming-Dynastie, deren Herrschaft 400 Jahre anhielt. Seine Ahnen setzten den Bau der Chinesischen Mauer fort. Ein Bauwerk, das noch aus dem All sichtbar ist. // Ein mittelloser, italienischer Seefahrer ließ sich von den Reiseberichten "De Mirabilibus Mundi" Marco Polos inspirieren und träumte von einer Westpassage nach China. Daß die Erde keine Scheibe sei, wußte man schon damals. Nach vielen Rückschlägen war es das spanische Königspaar, das sein Unterfangen finanzierte. Als Entdecker Amerikas ging Christopher Columbus in die Geschichte ein. // Gegen sämtliche Widerstände der katholischen und protestantischen Kirche postulierte Kopernikus das heliozentristische Weltbild, was Kepler später belegen sollte. Nicht ungefährlich, wenn man den Mühlen der Inquisition entgehen wollte. Fortan hatte das Ptolemäische Weltbild, nämlich alles kreise um die Erde, ausgedient. // Die Sixtinische Kapelle ist ein Meisterwerk des Freskos und in seiner Schönheit unerreicht. Es zeigt an Decken und Wänden, das Jüngste Gericht, Szenen und Heldentaten aus dem Alten Testament, Propheten und Sybillen, um nur einige zu nennen. Mit übermenschlicher Anstrengung vollbrachte Michelangelo in nur 4 Jahren diese unglaubliche Leistung - 520qm waren über Kopf zu bemalen. Immer wieder verwarf er Entwürfe, dann mußte der Putz abgeschlagen, neu aufgebracht und in noch feuchtem Zustand mit den Farbpigmenten versehen werden. Man möchte kaum glauben, daß der Bildhauer Michelangelo diesen Auftrag ursprünglich ablehnen wollte, weil er sich nicht für einen guten Maler hielt. Der nicht minder geniale Johann Wolfgang von Goethe sagte über die Fresken:

„[O]hne die Sixtinische Kapelle gesehen zu haben, kann man sich keinen anschauenden Begriff machen, was ein Mensch vermag.“

Es ließen sich noch etliche Beispiele nennen wie die 7 Weltwunder der Antike und Moderne oder die Pyramiden. Erbaut im Auftrag der Pharaonen als Begräbnisstätten. Tausende von Arbeitern schufen diese genauestens berechneten Bauwerke, die immer noch Touristenströme magisch anziehen. Aber was sind das wohl für Charaktere, die solche Leistungen, Bauten oder Kunstwerke vollbringen oder vollbringen lassen? Es werden unbeugsame, kompromißlose, kreative, einsame, divenhafte, selbstherrliche, hartnäckige, willenstarke, risikofreudige, dominante, akribische, herrsüchtige, waghalsige, ausdauernde, geltungssüchtige, perfektionistische, neugierige, eitle, fantasievolle, mutige Menschen gewesen sein. Für ihre Zeitgenossen sicherlich schwierige bis unangenehme Mitmenschen, nur machen diese Eigenschaften aus einfachen herausragende Wissenschaftler, Draufgänger, Eroberer, Künstler, Abenteurer, Baumeister oder Herrscher. Es braucht ein gewisses Maß an Rücksichtslosigkeit, um die eigenen Grenzen oder die anderer zu überwinden, um eine Idee voranzutreiben. Selten bis gar nicht sind es die vielleicht eher bodenständigen, vernünftigen, vertrauenswürdige, genügsamen, ängstlichen, väterlichen, freundlichen, rationalen, sachlichen, umsichtigen, rücksichtsvollen oder "protestantischen" Geister.

So ein Mensch ist unser Trainer Jos Luhukay, ich mag ihn sehr gerne. Ein grundsympathischer, solider Mann mit starken Prinzipien. Ein schlicht und ergreifend netter Mensch. Ich kann mir denken, daß man mit solch einem Zeitgenossen im Alltag gut auskommen kann. Kann. Für mich gehört Luhukay in die Kategorie des väterlichen Trainertyps. Er ist ein ausgezeichneter Zweitligatrainer, der es versteht, eine verunsicherte, gestrauchelte Mannschaft wieder aufzurichten. Es gibt klare Anweisungen und Zuspruch, also Regeln und liebevolle Strenge, um in der Analogie zu bleiben, bis die Schützlinge auf eigenen Füßen stehen. Menschen mit strengen Prinzipien sind zweifelsohne überwiegend moralisch integre Personen, aber sie machen es anderen auch sehr schwer, neben ihnen zu existieren. Im Brennglas moraliner Ansprüche ist es für fehlbare Charaktere einfach schwer, sich überhaupt zu verhalten, vielleicht fühlt man sich gar gelähmt. Keine Voraussetzungen, um die Welt aus den Angeln zu heben.

Ich träume. Wie jeder Fan träume ich davon, daß mein Verein noch zu meinen Lebzeiten einen Titel gewinnt. Ich habe Zeit. Aber ich habe inzwischen begriffen, daß mir unser Trainer diesen Traum nie erfüllen wird, nie erfüllen kann. Leider, es liegt schlicht und einfach daran, was für ein Typ Mensch er ist. In mir hat sich die Erkenntnis herauskristallisiert, daß es eigentlich gar keine Rolle spielt, was und wer auf dem Rasen stattfindet, das ist nicht das eigentliche Problem. Das sind Symptome. Worauf ich hinabziele ist nichts Konkretes oder Akutes, sondern einfach der Versuch, für mich größere Zusammenhänge zu erkennen als "ihr sollt kämpfen und siegen" und mir zu erklären, was momentan Woche für Woche zu beobachten ist. Ich habe auch überhaupt kein Problem mit der bodenständigen Zielsetzung Konsolidierung und Etablierung in der 1. Bundesliga. Nur, das reicht mir nicht. Ich möchte einen Trainer mit Visionen, einen Trainer, der mich begeistert, der mich aus dem Sitz reißt (ich stehe!), der mich mit attraktivem Konterfußball fesselt. Einen Trainer, der mir das Gefühl gibt, mein Traum könnte irgendwann mal Realität werden. Das Unmögliche ist denkbar, allein das reicht.

Ich hatte es schon längst wieder vergessen. Aber ich weiß, daß es geht. Ich habe es 08/09 einmal erlebt. Am Ende stand die Enttäuschung, aber es war meine schönste Saison.

In diesem Sinne: Gesucht wird ein größenwahnsinniger Visionär!

Donnerstag, 06 November 2014 15:26

Internationale Härte?!

geschrieben von

ih4Die Polizei von Lissabon hat gestern der ohnehin unrühmlichen Geschichte „Polizei in Südeuropa und Fußballfans“ ein weiteres mieses Kapitel hinzugefügt. So gastfreundlich die schöne Stadt am Tejo war, so beschissen wurden vollkommen friedliche Schalker von der geballten Staatsmacht behandelt. Einsatzkommando, Hundertschaften, Spezialkräfte, Konfliktteams und jede Menge martialische Robocops mit Riesenschlagstöcken (wahrscheinlich das einzig Lange an ihnen, sonst hätten sie keine dermaßen überzogenen Drohgebärden nötig) trieben die Schalker wie eine Viehherde von der U-Bahn-Stadion zum Stadion. Ausscheren, austreten oder auch nur mit ihnen reden war nicht. Ich große starke Staatsgewalt, Du kleiner rechteloser Fußballfan! Und zwar vollkommen unabhängig von Alter und Geschlecht, auch Schalker im Rentenalter und Frauen wurden in den „alles asoziales Pack“-Topf geworfen.

Im Stadion dann dasselbe Bild, den bezahlten Block aufsuchen? Nix da, da hätten Sie einen anderen Eingang benutzen müssen. Auf den Hinweis, dass ich genau das gerne getan hätte, die Kollegen vor der Tür aber diesbezüglich vollkommen kompromisslos waren, folgen nur böse Blicke und ein „zufälliger“ Griff zum Schlagstock. Vielen Dank auch!

ih2

Abreise nach der Blocksperre dann ebenfalls per Viehtrieb mit jeder Menge Blaulicht und ausschließlich in die von den Cops vorgegebene Richtung. Deine Unterkunft ist irgendwo anders? Pech aber auch, Du steigst gefälligst in den überfüllten Sonderzug! Und wehe, Du gibst Widerworte, mein Schlagstock juckt sowieso schon. Und es mehren sich ernstzunehmende Gerüchte, dass später in der Nacht im Bairro Alto mindestens eine größere Gruppe Schalker mittleren Alters ohne jeglichen Anlass von einigen Polizisten angegriffen, geschlagen und bis ins Taxi bzw. zu ihrer Pension (!) verfolgt wurden.

ih3

ih5Unabhängig davon, ob sich der letzte Vorfall so bestätigt, ist es allerhöchste Zeit, dass die anderen Vereine Flagge zeigen und sich schützend vor ihre Fans stellen, die sie in ganz Europa supporten! Ich erwarte von meinem FC Schalke 04, dass er sich bei der UEFA ganz klar gegen die Behandlung friedlicher Schalker als Schwerkriminelle und Vogelfreie positioniert! Es kann nicht angehen, dass Gästefans beispielsweise auf Schalke freien Zugang durch Sperrungen von Wegen für die Heimfans und Vorzugsbehandlung genießen und wir in Südeuropa offenbar nur Abschaum sind! Und ohne den Protest namhafter Clubs regt sich bei der UEFA garantiert kein Finger für die Fans, obwohl eine vernünftige Infrastruktur und eine nicht ausschließlich auf Machtdemonstration und Gewalt ausgelegte Polizeistrategie bei der Zulassung zu europäischen Wettbewerben mindestens so wichtig sein müssten wie Rasenheizung und Stadionkapazität.

Wütende blauweiße Grüße

Susanne Blondundblau

PS: Und ich wünsche mir Solidarität unter Fans und keine Sprüche der Marke „ich fahre schon seit xy zum Fußball und hatte nie Ärger mit der Polizei“ oder „sind die doofen Schalker bestimmt selber schuld“. (Nicht nur) in Südeuropa kann Polizeiwillkür JEDEN Fußballfan treffen!