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Donnerstag, 19 September 2013 10:52

Die elf Fragezeichen

geschrieben von

Am vergangenen Samstag war es endlich wieder so weit. Nach meiner mehr als sechswöchigen Babypause durfte ich meine Helden wieder live und in voller Farbe bei einem ihrer farb- und glanzlosen Auftritte erleben. Ich kann nicht behaupten, dass ich es vermisst hätte, im Gegenteil. Hohe und demütigende Spielergebnisse gehören mittlerweile zum Alltag eines HSV-Fans.

Als am Samstagmittag die Reise ins 250 Kilometer entfernte Dortmund losgehen konnte, muss ich gestehen, dass ich zum ersten Mal schweren Herzens zu einem Fußballspiel aufgebrochen bin. Nicht dass ich nicht schon von vorneherein gewusst hätte, dass es heute eine Packung geben würde, das nicht. Es fiel mir schwer, mich von meinem 3 Wochen alten Sohn loszureißen und Stunden lang von dem kleinen Mann getrennt zu sein. Wahnsinn, welch eine Anziehungskraft ein so kleines Bündel Mensch doch entfachen kann. Welche Kraft die kleinen Augen entwickeln können, in denen ich lesen konnte: „Bleib hier lieber Papa, der Weg lohnt sich eh nicht“.

Ich erzählte auf der Fahrt nach Dortmund auch Heiko, dass ich mich nur schwer von meinem kleinen Bub trennen konnte. Er sagte: “Schlimm wird es dann erst, wenn die Mannschaft im Spiel untergeht: Man ärgert sich über unsägliche Auftritte und muss sich am Ende sogar schämen. Dann wäre man doch gerne bei seinem Kind geblieben.“ Ahnte er schon, was an diesem Abend die mitgereisten Fans erwarten würde? Ich hatte mich so gefreut. Das erste Spiel nach Wochen im neuen Leben. Samstagabend, Flutlicht und die Krönung: Dortmund. So stand ich nun wieder da und musste zusehen, wie der BVB uns auseinander nahm, in feine kleine Stücke filetierte und unseren Profis zeigte, was einen richtigen Bundesligaverein ausmacht.

BVB Dortmund – Hamburger SV 6:2

Am liebsten würde ich jeden Einzelnen auseinander pflücken. Würden die Herrschaften nur 10% der Leistung erbringen, die meine Freundin bei der Geburt aufgebracht hat, wir würden alle singen: “Wer wird deutscher Meister? Ha ha ha HSV”. So aber singen die Gegner: Absteiger, Absteiger, Absteiger. Würde die Zukunft der Menschheit von der Wehentätigkeit unserer HSV-Spieler abhängen, wir würden aussterben. Wir dürfen ja in Dortmund verlieren. Selbst Real Madrid verlor im Westfalenstadion. Doch ganz ehrlich. Ihr seid mir langsam peinlich.

Ich muss gestehen: Ich kann mir die Scheiße, die ihr spielt, nicht mehr ansehen und mag leeren Phrasen, die ihr zur Entschuldigung von euch gebt, nicht mehr hören. Ihr verderbt mir den ganzen Spaß an den Auswärtsfahrten. Keiner sagt was, wenn ihr in Dortmund als Verlierer vom Platz geht. Es würde sich auch niemand aufregen, wenn ihr über 90 Minuten kämpft und am Ende verlieren solltet. Doch wenn man euch auf dem Platz rumeiern sieht, ohne Lust, die Hosen voll wie mein kleiner Sohn nach dem Genuss eines Liters Muttermilch – da könnte ich kotzen.

Ich kann ebenso wenig verstehen, dass man sich das 2:2 erkämpft, 12 tolle Minuten spielt und der Trainer die 12 Minuten feiert. Doof ist es, dass ein Spiel 90 Minuten dauert. Verdammt. Wie kann man sich so vorführen lassen? Wie ist es möglich, dass ihr nach dem 2:2 die Köpfe hängen lasst und euch von Dortmund so an die Wand spielen lässt? Ihr habt null Eier in der Hose, ihr verdient es nicht, dieses Trikot zu tragen. Ihr verdient unsere Unterstützung nicht. Wir schreien uns die Seele aus dem Leib, um euch zu unterstützen und was gebt ihr zurück? Einen Scheiß. Nichts. Wenn das mit euch so weitergeht, dann könnt ihr mich. Dann bleibe ich wirklich lieber bei meinem kleinen Sohn und verbringe die Zeit mit ihm. Meine Zeit mit euch ist vergebene Liebesmühe.

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Doch nicht alles an diesem Tag war schlecht.

  • ich habe gelernt, wie ältere Herren ohne Brille schreiben: inten linde bin Jojo. Übersetzt; links unten bei Jojo. Danke Frank.
  • wir Fans waren wieder einmal die würdigen Vertreter unseres HSV und supporteten die Mannschaft
  • nach dem 2:2 war es ein Feuerwerk aus Leidenschaft und Gesang und die Südkuvre des BVB war nicht mehr zu hören. Was im übrigen auch sonst der Fall war. Bis auf euren Stimmungsblock in der Mitte seid ihr auch nicht laut
  • vielen Dank an die Torlatte, die weitere Gegentreffer gekonnt vereitelte
  • vielen Dank an die Spieler des BVB, die nach dem 6:2 schon Neapel im Kopf hatten
  • bei der Van der Vaart Auswechslung wurde einem klar, dass Holländer keine gern gesehenen Gäste sind. Die Pfiffe waren das lauteste an diesem Tag
  • wir haben wie in München 2 Tore erzielt
  • Heiko Westermann trifft erneut bei einer hohen Klatsche, wie beim 2:9 in München
  • ich habe nach langer Zeit wieder viele Freunde begrüßen können
  • im Gästebereich gab es Bier mit Alkohol. 2,9% Olé.
  • und endlich wieder eine Bierdusche

Dortmund war Geschichte und Trainer Fink machte einen auf Aogo

Vielleicht wollen SIE sich, liebe Leser, um den Posten als HSV-Trainer bewerben. Oder eine Initiativ-Bewerbung als Sportchef oder Aufsichstratchef abgeben? Dann ist die erste Vorraussetzung, dass sie ein Träumer sein sollten. Beispiele eines guten Träumers:

  • wir spielen wie beim Auftritt 2012 in Dortmund überzeugend und gewinnen erneut mit 1:4
  • wir beginnen mit 3 Innenverteidigern und wechseln im Minutentakt das System, in der Hoffnung, dass es funktioniert
  • wir grüßen im Anschluss des Dortmund-Spieles mit 7 Punkten und einem positiven Torverhältniss
  • die Sonne scheint
  • Freibier
  • Kein Skyexperte in Form von Lothar Matthäus anwesend
  • Wenn Sie solche Träume träumen, dann sind Sie mit solchen Träumereien der perfekte Part eines Verantwortlichen für den Hamburger SV. Sie sind mit Ihren Träumen der perfekte Trainer, die ideale Besetzung des Sportchefs und die Kaiserlösung für einen Aufsichtratsvorsitzenden.

Bewerbungen nimmt der Weihnachtsmann entgegen.

Weihnachtsmann
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Wir sehen uns in Frankfurt. Und sollte bis dahin ein Markus Babbel auf der Bank sitzen, dann zerreiße ich meine Karte. Und die für Nürnberg und Freiburg ebenso. Für den Fall, dass ihr dort erneut so untergehen solltet. Eines noch vorweg: Die Menge an Würstchen kann ich gar nicht essen, die ich kotzen möchte.

Und bevor jetzt wieder diese ganze Scheiße kommt mit “ Wahre Fans halten auch in schlechten Zeiten zusammen“ und diese ganzen anderen Spastisprüche, dann muss ich euch sagen, dass man euch als Kind zu oft vom Wickeltisch hat fallen lassen.

Tschöö…
Christian E.

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DSCF0001Fußballfans und Medien. Das dies eine leidvolle Geschichte ist, wissen wir wohl alle nur zu gut. Auch wenn es ab und an mal positive Berichterstattung gibt, ist der Großteil doch nicht wirklich sachlich. Am 12.09.2013 druckte „Die Welt“ einen Artikel mit dem Titel „'Bürgerkriegsähnliche Zustände' in der Bahn“. Schon die Überschrift macht eigentlich deutlich, das dieser Artikel in die Abteilung „Mülleimer“ kommen wird. Doch zeigt sie auch wie weit die Medien schon gegangen sind, in der Nutzung von immer schlimmer klingenden Begriffen, nur um die nächste Schlagzeile zu haben. Taliban des Fußballs, Fußballterroristen und nun „bürgerkriegsähnliche Zustände“. Ich frage mich ob jener Mensch, der diese Worte nutze oder auch der Autor nur einen Moment darüber nachgedacht haben, was sie dort genau benutzen. Es ist zynisch und die Realität des Bürgerkriegs verharmlosend. Ich glaube jemand aus einem Bürgerkrieg geplagten Land würde liebend gerne in einer Gruppe singender Fußballfans stehen. Zumindest lieber als in der Heimat mit dem Gewehr um sein Leben zu kämpfen. Doch soviel nur zur Überschrift, der Text bietet noch genügend Stoff...

Da es ein sehr langer Artikel ist und er soviel Unsinn enthält, das man daraus 3 Blogs machen könnte: Lest ihn euch komplett durch, ich such mir hier nur die „Highlights“ raus. Teilweise könnte man meinen es soll Ironie sein, doch meint er es tatsächlich vom ersten bis zum letzten Wort ernst. Beginnen tut es verhältnismäßig harmlos. Der Autor schreibt von einer Minderheit „übler Krawallmacher“, die einer großen Masse friedlicher Fans gegenübersteht. Wie immer, man beruft sich darauf, eigentlich nur eine Minderheit zu meinen, zieht im weiteren aber alle von vorn bis hinten in den Dreck. Die Bahnlobbyisten von „Pro Bahn“ beklagen sogar dass viele Menschen aufgrund der Fußballfans am Wochenende nicht mehr Bahn fahren würden. Um diese Behauptung zu untermauern und erstmals zu offenbaren, das es ihm hier nicht um „eine Minderheit“ geht, überträgt er eine vielleicht eigene, vielleicht auch ausgedachte, Erfahrung auf ALLE:

"Vermutlich hat das jeder schon mal erlebt: Man steht samstags am Bahnhof. Und ist plötzlich umgeben von Fans. Pöbelnde, grölende und angetrunkene Fans. Ein durchaus beklemmendes Gefühl. Mindestens. Im engen Abteil eines Zuges verstärkt sich dieses Gefühl. Dann kann es schnell zur Angst werden."

Donnerstag, 12 September 2013 19:40

Es war ein mal ein Dorf in der Kreisliga...

geschrieben von
Samstag 16:00 Uhr, Anstoß einer Partie in der Kreisliga, die Auswärtsmannschaft hatte eine lange Anreise hinter sich und war umso motivierter hier 3 Punkte mitzunehmen. Der Rasen war in einem desolaten ungekreideten Zustand, dafür gab es aber Bier und ne mittelmäßige Bratwurst an der Bude, die für immerhin 6 Zuschauern aufgemacht wurde, darunter ein selbsternannten Millionär aus dem Ort der bei diesem Spiel noch seinen großen Auftritt bekommen sollte.
 
318121 web R K B by Stephanie Hofschlaeger pixelio.deAber vorerst zum Spielverlauf der eigentlich kein Spielverlauf gewesen ist, denn wir durften hier einen so genannten „Heimschiedsrichter“ der ganz besonderen Art erleben, der einen Burggraben rund um den Mittelkreis abgelaufen ist. Ich möchte nicht gehässig wirken, aber der Schiedsrichter dürfte maximal 60-100 Meter an diesem Spieltag gelaufen sein und mit laufen war mehr vor sich hin schlendern gemeint. Okay, der Mann war etwas älter und auch die kegelförmige Figur ließ nicht zwingend auf sportliche Aktivitäten schließen, aber dass soll die Kompetenz im Normalfall ja nicht trüben, im Gegenteil, mit dem Alter kommt eine gewisse Routine... dachten wir zu mindestens. 
Dienstag, 03 September 2013 16:59

Take the long way home

geschrieben von

1-fc-kaiserslautern-energie-cottbus-2-bundesliga-2013-2014-2Der Titel des Songs der Kultgruppe Supertramp aus dem Jahre 1979 drückt aus, was mir gestern Abend nach dem Unentschieden gegen die Energie aus Cottbus durch den Kopf ging. Wir nehmen den langen Weg nach Hause in die erste Liga. Nicht den direkten, einfachen und schnellsten.

Das war es also nun, das Spiel Eins nach Franco Foda. Nach der Schmach von Aalen. Der kollektiven Arbeitsverweigerung von mindestens acht Profifußballern die letztlich zur Freistellung des Trainers mit dem Ösi-Touch führte. In Aalen wurden drei Punkte, die als Brotkrumen zum Aufstieg extrem wichtig waren, geopfert, um über den Druck der Fans und auch der finanziellen Belastung durch das leere Stadion bei Heimspielen dafür zu sorgen, dass eine Entscheidung gegen Franco Foda fiel.

Gestern nun sollte also die Wiedergutmachung folgen. Spätestens nach sieben Minuten war jedoch der Schiedsrichter der Ansicht, diese Wiedergutmachung sollte eine Spur schwieriger sein als es sich die Aalen-Meuterer gedacht hatten. Er stellte mit einer roten Karte Florian Dick vom Platz und forderte damit die verbliebenen neun Feldspieler dazu heraus ihre Kondition unter Beweis zu stellen. Klang doch auch schon in der Nachbetrachtung des Aalen-Spiels von Foda an, dass die Mannschaft wohl nicht die erforderliche Fitness aufwies und damit die Kritik deutlich in Richtung des nun als Interimscoach eingesetzten Fitnesstrainers Oliver Schäfer lenkte.

Es wurden lange 83 Minuten. Am Ende kam ein gewonnenes Unentschieden heraus. So zumindest die Sichtweise der überwiegenden Mehrheit des Lautrer Anhangs. Aus meiner Sicht haben wir zwei Punkte verloren. Das ergibt dann schon fünf verlorene Punkte auf dem Weg nach Hause. Es wird demnach ein ganz langer Weg der viel Kraft fordert und durchaus an genau diesen fünf verlorenen Punkten am Ende scheitern kann.

Dienstag, 03 September 2013 15:33

Der perfekte Trainer

geschrieben von

Ist es nicht erstaunlich, dass in einem fußballbegeisterten Land mit 80 Millionen Einwohnern immer dieselben 30-40 Trainer hin- und hergereicht werden? Noch eben bei dem einen Verein aufgrund von Erfolgslosigkeit rausgeschmissen – wenige Tage später beim Konkurrenten als Heilsbringer vorgestellt. Dieser Vorgang ist ebenso verrückt wie gewöhnlich. Und dabei sucht doch jeder nach dem perfekten Trainer.

Aber wo ist er, der perfekte Trainer? Was braucht er? Was bringt er mit? Was ist die geheime Zauberformel? Welche Zutaten brauche ich als Verein, um mir den perfekten Trainer zu backen?

Schließlich gibt es da ja die ein oder andere Kombination, wo eine perfekte Mischung sofort sichtbar ist. Dortmund und Jürgen Klopp. Freiburg und Christian Streich. Passt wie Arsch auf Eimer.

Dort sind Trainer und Mannschaft eine Einheit. Nicht weil sie in das in jedem Interview beschwören. Eher im Gegenteil. Sie müssen es gar nicht beschwören – man sieht es.

Ich mache mich auf die Suche nach der Rezeptmischung für den perfekten Trainer – und stelle zunächst ein paar grundsätzliche Rahmenbedingungen fest:

1. Es gibt nicht den universell perfekten Trainer, sondern nur den perfekten Trainer am richtigen Ort.

Ein Jürgen Klopp ist perfekt für den BVB, wäre es vermutlich aber nicht für den VFL Wolfsburg. Ein Christian Streich passt perfekt zum SC Freiburg, aber nicht zum FC Augsburg. Felix Magath beim VFL Wolfsburg? Passte. Felix Magath beim BVB? Ginge gar nicht.

Jeder Verein hat seinen eigenen kulturellen Kosmos, der schwierig zu erklären ist – aber existiert. Werte, die ein Verein verkörpert und die ein Trainer eben mitbringen – bzw. auf irgendeine Art und Weise spiegeln und verkörpern muss. Das ist die grundsätzliche Rahmenbedingung und somit auch die erste Feststellung: Es gibt nicht den perfekten Trainer, sondern nur den perfekten Trainer am richtigen Ort. Dasselbe gilt aber auch für die Zeit, was uns zu Punkt 2 führt.

2. Es gibt nicht den universell perfekten Trainer, sondern nur den perfekten Trainer zur richtigen Zeit.

Der perfekte Trainer ist ein anderer als er es noch vor 20 Jahren war. Das Verhältnis zur Autorität hat sich gewandelt. Spieler wollen mitsprechen, wollen verstehen, hinterfragen: Entscheidungen und Inhalte. Es macht den Anschein, dass ein Trainer heute eine weitaus komplexere Aufgabe zu bewältigen hat. Er muss Motivator, Kumpel und Schleifer zugleich sein.

Die Spieler dieser Ära entstammen einer anderen Generation. Sie folgen nicht mehr blind, sondern wollen wissen, warum sie folgen sollen. Junge Spieler sind weitaus selbstreflektierter als es den Anschein hat. Um sie zu begeistern, braucht es dementsprechend einen Trainer, der ein Gespür dafür hat. Empathie für die Bedürfnisse und Motive der einzelnen Spieler. Eine Form von emotionaler Intelligenz. Ein Jürgen Klopp scheint es zu haben, wenn man sich die Worte von Nuri Sahin zu Gemüte führt:

„Er ist wichtig für meine Karriere, aber auch für mein Leben. Jürgen Klopp hat ein Herz, er kann zuhören, weiß, wie er wen anpacken muss. Er hat eine unglaubliche Menschenkenntnis. Er sieht immer ein Licht am Ende des Tunnels, startet jeden Tag mit einem Lächeln im Gesicht. Ich bin glücklich, mit ihm zusammenarbeiten zu können.“

Begeistern und mitnehmen – das ist etwas, was ein Jürgen Klopp wie vielleicht kein anderer schafft. Und das – so lese ich es zumindest zwischen den Zeilen – war keine Kernkompetenz von Franco Foda.

Sagt er in einem Interview nach einer Entlassung doch folgendes:

Die einen können gut mit dem Trainer, die anderen weniger gut.“ 

Das ist eine Aussage, die ziemlich viel Einsicht gewährt. Wie kann ein Trainer – eine Führungsperson – so einen Zustand akzeptieren? Noch viel schlimmer: Er zieht das Verhältnis auf eine persönliche Ebene hinunter. Er versucht nicht einmal, Distanzen aus dem Weg zu räumen, sondern begründet es sich mit einer naturgegebenen Abneigung – und gibt zugleich darüber Aufschluss, dass der Nasenfaktor für ihn eine Rolle spielt. Kurioserweise ist genau das ein Punkt, den Fans und wohl auch Spieler häufig an ihm bemängelt haben: Er setzt auf seine Lieblinge. Mit dieser Aussage hat er sich entlarvt.

Der Trainer führt

Ein Trainer ist ja im Grunde nichts anderes als eine Führungsperson. Und da gibt es ebenso gute wie auch schlechte. Das gilt für den Fußball ebenso wie für Wirtschaft, Politik & Co.

Schleifer, Kumpeltyp, Stratege – es gibt nicht den richtigen Führungsstil. Sie müssen es nur schaffen, das übergeordnete Ziel zu erreichen: Die Menschen hinter einer Idee zu versammeln, sie heiß zu machen. Sie dazu zu bringen, zuzuhören und das Gesagte auch umzusetzen. Zu verstehen, zu folgen, mit Feuer bei der Sache zu sein.

Und sicher haben Angestellte in der Wirtschaft oder Spieler in einem Verein auch die Pflicht und die Eigenmotivation das beste aus ihren Möglichkeiten zu machen – doch ist es nicht anders wie in der Tierwelt:

Es braucht einen Rudelführer. Jemand, der die Richtung zeigt. Jemand, der vorgibt, wie der Kontrahent – sei es die Gazelle oder die gegnerische Mannschaft – zu erlegen ist. Schließlich durstet das Rudel nach Fleisch – bzw. 3 Punkten.

Und ein Trainer muss noch so viel mehr…

  • Ein guter Trainer muss verhaltensflexibel sein. Kurzfristig, wie auch langfristig. 90 Minuten und saisonübergreifend. Den Mut haben, einmal getroffene Entscheidungen durchzuziehen – oder den Mut, einmal getroffene Entscheidungen rückgängig zu machen, weil es die falsche war.

  • Ein guter Trainer muss ein Vigilant Leader sein: Ein Lenker, der intensiv wahrnimmt, aufmerksam reagiert und bereit ist, auf Basis weniger Informationen riskante Schritte zu wagen.

  • Ein guter Trainer muss eine Haltung haben – so wie es jede Führungsperson hat: Rückgrat – wie im Volksmund so schön gesagt wird. Nicht nur nach dem Mund reden, sondern Stellung beziehen – und dazu stehen.

  • Ein guter Trainer muss kritikfähig sein: Der Job bringt es mit sich, dass man kritisiert wird. Kritik anzunehmen, Handlungen zu überdenken, Fehler einzugestehen, aus ihnen zu lernen: Das macht eine Führungsperson und einen guten Trainer aus.

  • Einer Trainer muss authentisch sein: Man spürt es, aber es ist schwierig zu beschreiben. Ein Christian Streich ist es, ein Jürgen Klopp ist es, ein Thomas Müller ist. Das sind die Menschen, denen Fehler verziehen werden. Franco Foda, der oft den Beinamen „Schönfärber“ zugesprochen bekam, wirkte zumindest auf mich nie authentisch.

  • Ein guter Trainer muss kompetent sein: Fachkompetent, Selbstkompetent und Unterrichtskompetent. Zu begeistern ist wichtig, doch muss die Energie auch in die richtigen Bahnen gelenkt werden: Taktik, Aufstellung, Spielformen, der gute alte Matchplan und alles was vor und nach den 90 Minuten die Spieler dazu befähigt, 100% Leistung auch körperlich und geistig abrufen zu können.

  • Ein guter Trainer muss die richtigen Werte verkörpern: Oft wird von Stallgeruch gesprochen: Kenntnis über das Umfeld, den Verein und Eigenarten der Region. Was Stallgeruch aber eigentlich implizit meint, ist die Übereinstimmung der Werte der Person mit den Werten des Vereins. Dafür muss man nicht zwingend 100 Meter vom Stadion entfernt geboren worden sein und auch nicht für den FCK gespielt haben. Es ist dieses gewisse etwas, das Verbindung schafft. Eine Grundvoraussetzung, um eine Einheit zwischen Trainer, Spielern und Fans zu schaffen.
Samstag, 31 August 2013 13:02

Ab sofort auch samstags

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Es ist passiert, der Frauenfußball wird medial. Wer jetzt ins Stutzen kommt, dass er das schon wäre, hat auch recht. Doch neben der Nationalmannschaft, dem DFB-Pokal Finale und dem ein oder anderen UWCL-Spiel, gibt es jetzt auch Bundesliga zu sehen. Ab dieser Saison kann man an jedem Spieltag eine Partie live im Fernsehen verfolgen. Eine Präsenz in den Medien, wie es sie bisher noch nicht gab.

Mittwoch, 21 August 2013 17:51

Regressforderungen zerstören Existenzen

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regress existenz

Kaum eine Woche vergeht, ohne dass die Zeitungen des Landes über Ausschreitungen rund um die Stadien der ersten und zweiten Bundesliga, sowie der Dritt- und Regionalligastadien berichten. Ob es sich hierbei um seriösen Journalismus oder medialen Hype mit Falschaussagen handelt, bleibt zunächst einmal dahingestellt. Fakt ist: Es ist zu viel! Um meinen Unmut über die Problematik lokal einzugrenzen, bleibe ich im Rheinland, wo nun sieben „Täter“, welche im Zuge eines Platzsturms unter schwarzen Rauchbomben im Kölner Abstiegsspiel gegen Bayern München (1:4), identifiziert wurden und den entstandenen Schaden von 175’000€ (Strafe DFB plus Teilausschluss der Zuschauer) begleichen sollen.

Zu allererst möchte ich klarstellen, dass es mir bei meinem Anliegen weder um die Legalisierung von Pyrotechnik und ähnlichen Mitteln, was, ganz zu schweigen davon, beim Beispiel des Bayern-Spiels völlig am Ziel vorbeigeschossen wäre, noch um die Legitimation der angesprochenen Aktion geht. Ich möchte in erster Linie hinterfragen, ob es tatsächlich sinnvoll ist, den identifizierten Personen den Schaden, wenn auch nur teilweise, in Rechnung zu stellen. Aufgrund den lebensbedrohlichen Geschehnissen vom 5. Mai 2012 muss nun jeder identifizierte Täter 35’000€ zahlen. Eine Summe, die den Fans, welche womöglich noch im jungen Alter stecken und daher wahrscheinlich auch ein geringes Einkommen haben werden, in ihrer Situation schwerwiegende Probleme bereiten wird. 35’000€, fünfunddreißigtausend, eine Zahl, die für die meisten Jugendlichen noch weit weg von ihrem Jahreseinkommen sein wird. Das kann nicht die richtige Antwort auf eine Handlung im Affekt sein. Der 5. Mai 2012 war der Schlusspunkt einer katastrophalen Rückrunde: Eine Mannschaft voller Söldner, welche es nicht für nötig hielt, sich anzustrengen, da die Verträge bei neuen Vereinen aller Wahrscheinlichkeit nach schon ausgehandelt waren, prägten das Gesicht des ersten deutschen Meisters. Sinnbildlich und in meinen Augen unvergessen, die Übergabe der Kapitänsbinde von Geromel an Riether am 30. März 2012 in Augsburg. Geromel warf sie Riether zu, da dieser aber auch noch so schlecht, wie er Fußball spielte, Riether die Binde zu warf, landete diese auf dem Rasen des Augsburger Stadions. Die Reaktion der beiden Spieler war ein unmotiviertes Achselzucken, ehe Riether dann gelangweilt in Richtung Binde ging, um diese aufzuheben. Wie ernst Außenverteidiger Brecko seinen Job beim Chaosklub aus der Domstadt nahm, demonstrierte er zwei Monate zuvor, als er mit 1,6 Promille der KVB mit seinem BMW hinterher fuhr. Erwähnenswert dabei, dass er am darauffolgenden Wochenende trotzdem in der Startaufstellung stand, da es beim Geißbockklub keinen adäquaten Ersatz für ihn gab. Um nicht am Thema vorbei zu schreiben, es gibt noch weitere, vergleichbare Vorfälle aus diesem Jahr, welche ich jedoch nicht aufzählen möchte… schließlich würde ich meinen Verein dann ins lächerliche ziehen (wobei dieser das jedes Jahr auf’s neue selbst schafft) und der Text wäre dann entschieden zu lang. Belassen wir es also bei diesen Beispielen, welche in nicht geringem Maße zum Abstieg als Abschluss der Katastrophensaison beitrugen und den Platzsturm als Reaktion zur Folge hatte.

Man kann den Vorfall des 34. Spieltag der Saison 2011/12 in Müngersdorf selbstverständlich als übertrieben werten, allerdings kann man diesen auch als Zeichen deuten. Wir haben sie aufgefordert zu kämpfen, als wir die Truppe friedlich am Augsburger Flughafen abgefangen haben. Wir sind in unseren Sprechchören deutlich geworden, jeder normale Profi hätte nach den aufeinanderfolgenden Blamagen in Augsburg (1:2), Gladbach (0:3), Mainz (0:4) und Freiburg (1:4) wissen und hören müssen, was für uns Fans auf dem Spiel stand. Dass man die Mannschaft am Geißbockheim besuchte und fragte, was diese Leistung, welche nicht nur an Arbeitsverweigerung grenzte, sondern Arbeitsverweigerung war, sollte, musste dem Team doch klar machen, was da eigentlich vor sich ging. Nichts half, so war der Platzsturm eine nicht unbedingt vertretbare, aber verständliche Reaktion.

Meine zentrale Frage lautet also, ob man eine Handlung aus Affekt, welche den oben genannten Hintergrund hat, mit 35’000€ individuell bestrafen muss? In diesen Sekunden, an diesem Ort, nach dieser Vorgeschichte, denkt kein Mensch, der mit Leib und Seele Fußballfan ist, über die Folgen nach! Ich bestreite nicht die rechtliche Gültigkeit des 1.FC Köln, sondern hinterfrage lediglich, ob ein Klub, der sein Geld im Verlauf der letzten 15 Jahre auf unglaubliche Art und Weise verbrannt bzw. fehlinvestiert hat, wie kaum ein anderer in diesem Geschäft, es tatsächlich nötig hat, seinen sonst treuen Anhängern eine für den Klub vergleichsweise niedrige Summe in Rechnung zu stellen, wenn er doch weiß, dass diese Summe für den einzelnen Fan tatsächlich eine Existenzzerstörung bedeuten kann. Wer drei Millionen € für einen Mannaseh Ishiaku ausgeben kann (und das ist mal wieder nur ein Beispiel von vielen, für einen sinnlosen, überteuerten Transfer in der Klubgeschichte), muss doch trotz aller Schulden in der Lage sein, über ein solch kleines Sümmchen hinwegzusehen.

Der 1.FC Köln bezeichnet sein hartes Vorgehen als Abschreckung, ich bezeichne es als falschen Ansatz! Die AG Fankultur sollte sich über die Auswirkungen auf das Leben der identifizierten Fans bewusst sein und andere Maßnahmen finden. Nur weil 35 Riesen für einen FC-Verantwortlichen, der im Ledersessel vor seinem Laptop sitzt, als bezahlbar erscheinen, heißt das nicht, dass diese auch für den Fan, welcher die Tat allein wegen des Stadionverbots schon bereuen wird, genauso bezahlbar sind.

Ihr kutt allemol zoröck!

Quelle Bilder: coloniacs.com