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Donnerstag, 17 Oktober 2013 11:24

Warum ich die Nationalmannschaft doof finde

geschrieben von

592990 web R by Andreas Hermsdorf pixelio.deNa auch genervt von der Länderspielpause? Genervt davon das die Bundesligatabelle stockt, während Deutschland weiter ins Tal der Langeweile rutscht? Ja? Dann lest weiter.

Während die Union sich mit der SPD über kommende Maßnahmen austauscht, wie man den Bürger weiter ausnehmen kann, spielte ganz nebenbei auch Deutschland. Und um die Frage direkt vorweg zu nehmen, NEIN!!! Den Scheiß hab ich mir nicht angeguckt.

Ich habe mich damals nach der EM 2012 dazu entschlossen, mich nur noch einem Verein zu widmen (BVB) und die Länderspiele als "FAN-FAN" zu verfolgen. Dazu später mehr, vorab 3 Gründe warum ich die deutsche Nationalmannschaft doof finde...

Montag, 14 Oktober 2013 14:11

Ein Lausbub bei den Bierbrauern von Quilmes

geschrieben von

Die ersten Stadionbesuche im Leben eines Fußballfan macht man traditionell mit einem Familienmitglied. Sei es der Opa, der Onkel, der große Bruder, jedoch meistens ist es der Vater. In unserem heutigen Gastbeitrag erzählt uns Boca-Fan und Kolumnist Christoph Wesemann von seinem Stadionbesuch in Quilmes gegen Tabellenführer Newell´s Old Boys und wie er dabei seinen eigenen Sohn an die Heimmannschaft verlor.

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Illustration: Daniel Schlierenzauer

Seit mein Sohn bei den Cerveceros gewesen ist, hat er Läuse. Wegen der angedeuteten Kausalität zwischen der Cancha von Quilmes und dem Kopfkratzen des siebenjährigen Kolumnistenkindes könnten mich die Bierbrauer aus der kleinen Stadt im Speckgürtel von Buenos Aires locker verklagen. Ich habe nämlich keine Beweise, ich kann nur sagen: am Abend Estadio Centenario, am Morgen Pediculus humanus capitis.

Was muss sich mein Sohn auch immer ins Getümmel stürzen?

Ich bin eher der Typ „Haupttribüne mit Schoßwolldecke“, eigentlich gehöre ich, was meine Selbstwahrnehmung betrifft, sogar in die VIP-Loge zu den ergrauten Stars und den falschen blonden Hasen. Und so passt zu mir auch nur ein argentinischer Fußballverein, der größte, wichtigste, bekannteste von allen, la mitad mas uno: Club Atlético Boca Juniors. Leider geht es mit Boca bergab, seit ich Fan bin, da gibt es nicht zu diskutieren.

Nun habe ich als Vater auch einen Bildungsauftrag. Mein Sohn soll, so sehe ich das, den argentinischen Fußball, der in diesem Land ja weitgehend das Leben bestimmt, vollständig begreifen. Als wir noch in Berlin lebten, hat er sich nicht sonderlich für Fußball interessiert, was vielleicht an seinem Alter lag, vielleicht aber auch an Hertha BSC. Jetzt will er am liebsten jedes Wochenende in ein anderes Stadion, wir waren schon bei Vélez Sársfield, bei River und natürlich in der Bombonera. Wir haben vor, bis zu Platense abzusteigen, also dritte Liga.

So sind wir zum Quilmes Atlético Club gekommen. Die Mannschaft aus der Bierbrauerstadt spielt für den Porteño, den Bürger von Buenos Aires, gefühlte zweite Liga. Man soll sich also für die Reise rechtfertigen, was man natürlich unterlässt. „Gott ist überall, aber seine Sprechzeiten hat er in Buenos Aires“, sagt der Porteño nämlich gern. Wer so denkt, ist ohnehin nicht davon abzubringen, dass das Niemandsland – auch das des Fußballs – an der Stadtgrenze beginnt.

Wir erreichten das Estadio Centenario und kauften trotz schönstem Fritz-Walter-Wetter keine Tribünenkarten. Mein Sohn will immer stehen, auch wenn’s regnet, und all das, was mir schon Angst macht – unvollständige Zahnreihen, Tätowierungen, Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, Rauch und Böller, Frauen mit Kurven in Kurven –, zieht ihn noch an.

 

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14. Spieltag in Argentinien: QAC - NOB. Beide Fanlager sind für ihren erstklassigen Support bekannt.
Die Fans aus Rosario, la hinchada mas popular, träumen vom 6. Meistertitel, während die Cerveceros aus Quilmes nicht absteigen wollen.
 

Uns gegenüber standen 4.500 Fans von Newell’s Old Boys aus Rosario. Der Block hatte sich schon formiert, da war keine Lücke mehr. Man stimmte übereifrig den Chor. Tja, Tabellenführer. Streber! Wir waren noch nicht so weit. Bei uns wurden blaue und weiße Luftballons für Kleinkinder aufgeblasen, die noch das Laufen lernen, Brüste wurden zum Stillen ausgepackt und – so weit ich das beobachten konnte – auch gut angenommen. Das ging zu wie vorm Ikea-Småland in Berlin-Spandau! Aber nicht umsonst gilt Quilmes als Familienklub.

Immerhin: Weiter oben, im Unterstand des Oberrangs, wurde Gras zerpflückt und ausgerollt. Es ist doch immer wieder erstaunlich, im Stadion zu sehen, was die Kontrollen der argentinischen Polizei am Eingang überstanden hat (Drogen aller Art) und was eben nicht (Fanta Orange).

Mein Sohn hatte sich inzwischen eine Fahne gegriffen und schwenkte sie bereits, und zwar direkt neben den Trommlern und Trompetenspielern. Grundregel für Anfänger: Wo die Musik ist, ist auch der innere Kreis. Und bevor man sich bei der Barra Brava einreiht und eine Fahne ausleiht, sollte man mindestens schon einmal vorgesungen haben.

„Was hab ich gesagt?“

„Nichts anfassen.“

„Genau. Bosteros verhalten sich im fremden Revier unauffällig.“

„Aber, Papa, da liegen ganz viele Fahnen rum.“

„Aber die gehören uns nicht.“

„Dann frag doch mal.“

„Nein.“

„Dann frag ich.“

„Nein!“

Als das Spiel angepfiffen wurde, hing er schon affenartig am Zaun hinterm Tor, schaute auf den Rasen, dann wieder zur Hinchada der Cerveceros und verpasste so, wie Stürmer Ignacio Scocco, wer auch sonst, das 1:0 für die Rosarinos erzielte. Aber noch vor dem Halbzeitpfiff hatte er jeden Spieler der Newell’s Old Boys mindestens einmal als „puto“ („Stricher“) beschimpft. Ich bin einer dieser Väter, die so etwas stolz macht.

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Hier sind die Cerveceros zuhause: Der Stehplatzblock "Omar Indio Gomez"

 

Ich finde, der Mensch braucht einen Ort, wo er fluchen darf. Bei uns ist dieser Ort: das Stadion. Und das Auto. Mein Arbeitszimmer. Sein Spielzimmer. Und wenn unsere drei Frauen gerade nicht da sind: die Wohnung. Wahrscheinlich hätte ich neulich einschreiten sollen, als er seiner eineinhalbjährigen Schwester den Fluch „La concha de tu hermana“, zwölfmal am Stück ins Deutsche übersetzt hat. Aber zum einen muss man bei drei Kindern mit seiner Autorität haushalten. Zum anderen sollen sie ja lernen, Dinge allein zu regeln. Die Kleine hätte doch nur aufhören müssen zu lachen.

Irgendwann in der zweiten Halbzeit beschloss mein Sohn, künftig Quilmesfan zu sein, und als er es mir unschonend beibrachte, stand es noch 1:0 für Ñuls. In dem Film „Los Cerveceros de Quilmes“ sagt der Anführer der Barra Brava: „Und wenn du gegen Boca oder River gewinnst, weißt du was? Dann bist du nicht Quilmes, sondern Barcelona!“ Und dabei glänzen seine Augen wie von innen befeuchtet.

Fünf Minuten vor Schluss glich Quilmes aus, und mein Sohn, der neue Hinchita, hampelte, als wäre der Zaun hinterm Tor plötzlich unter Strom gesetzt worden.

 

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Bis zum nächsten Mal im Centenario

 

Es kann übrigens sein, dass er seine Läuse gar nicht aus Quilmes mitgebracht hat, sondern sie schon länger mit sich herumträgt. Er will sie jetzt noch ein Weilchen auf dem Kopf behalten, um sie dann am 16. Spieltag nach Avellaneda ins Estadio Libertadores de América zu bringen und dort frei zu lassen. Independiente ist schließlich Quilmes härtester Konkurrent im Kampf um den Klassenerhalt.

„Aber, das wären noch 14 Tage, mein Liebling. Und bei mir fängt’s auch schon an zu jucken.“

„Dann müssen wir jetzt am Wochenende zum Auswärtsspiel der Stricher.“

„Zu Belgrano de Córdoba? Weißt du überhaupt, wo das liegt?“

„In Argentinien.“

„700 Kilometer weit weg von Buenos Aires.“

„Ist das viel, Papa?“

„Mein Junge, das überlebt keine Laus.“

 

 

Carlos Gardel

Christoph Wesemann lebt seit Juli 2012 mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Buenos Aires und berichtet regelmäßig im Argentinisches Tagebuch über das kunterbunte Leben in der Metropole am Rio de la Plata.

Dienstag, 08 Oktober 2013 10:54

Love is in the Air

geschrieben von

hsv die-fahne-weht

Liebe Spieler des Hamburger-Sport-Vereins,

ich möchte euch in diesem Brief ein paar Zeilen zukommen lassen. Ich bin auch heute noch total sprachlos über das Spiel, sowie über eure Leistung und den damit verbundenen, grandiosen Auswärtssieg in Nürnberg. Ich muss zugeben, dass mir selten die Worte fehlen, doch diesmal habt ihr es geschafft. Ich war es gewohnt, in den meisten meiner Artikel nur negativ über euch zu schreiben und ich bin mittlerweile sehr geübt in diesen Schriften. Darum fällt es mir nun umso schwerer die passenden und lobenden Worte zu finden, die eurer spielerische Darbietung gerecht werden. Ihr habt mich, wie viele tausend andere HSV-Fans verzückt und die Lust auf die kommenden Spiele neu entfacht. Ich war frustriert und zutiefst betrübt über eure Auftritte in den zurückliegenden Monaten. Ich glaubte eher an den Weltfrieden, als an ein zu-Null-Spiel in einem Auswärtsspiel mit eurer Beteilung.

In Nürnberg habt ihr uns verzaubert. Ihr habt mich vor Freude erstarren lassen und mich über 90 Minuten nie an euren Sieg zweifeln lassen. An diesem Sonntag war euer Spiel wie aus einem Guss. Ihr habt Fußball über 90 Minuten zelebriert. Die Fehler des Gegners wurden eiskalt ausgenutzt. Die Frage die ich mir nun stelle? Was war los mit euch? Ich bin total irritiert von eurer Vorstellung. Ein Artist im Zirkus hätte keine bessere akrobatische Vorstellung abliefern können. Ich bin immer noch so irritiert, dass ich den Duden in meinen Händen halte, um nach Worten zu suchen die eure Leistung würdigen.

Ich bin einer derer, die euch nach schlechten Leistungen das durch meine Texte hat spüren lassen. Wie ihr mir- so ich euch, war meine Einstellung. Was ihr könnt, das kann ich auch, so dachte ich. Und jetzt? Nun stecke ich in einem Dilemma. Ihr habt eine Leistung vollbracht, die ich als Fan, als eine unbeschreibliche Leistung ansehe, dass ich nun mit meinen Worten nicht folgen kann. Ihr habt mich so überrascht, dass ich mich soeben in der Volkshochschule für einen Deutschkurs angemeldet habe. Titel: Deutsche Schrift in einem positiven Schreibstil- Fachrichtung Hamburger SV. Wie ihr lesen könnt. Ich bin baff. Ich bin wie frisch verliebt. Rosa Wolken. Die Vögel zwitschern trotz bewölktem Himmel an einem regnerischen Tag wie heute. Mein Lachen erlischt einfach nicht. Das Feuer in mir lodert und hält dem stärksten Orkan stand. 0:5. In Worten: Null zu Fünf.

Die ersten Neider sprachen schon. Es war doch nur Nürnberg. Mag sein, dass es NUR Nürnberg war. Doch das Wie und der Wille an diesem Tag, waren das Hissen der Segel in die richtige Richtung. Ich wünsche mir, dass es keine Eintagsfliege war und das die Medien in Hamburg jetzt nicht den kommenden deutschen Meister in euch sehen. Der erste Stein ist gesetzt, darum würde ich mich über einen Gefallen freuen. Bleibt ruhig und spielt so weiter. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Ich bin nun voll des Lobes. Ich danke euch für 90 Minuten der Extraklasse. Ich danke euch für 90 Minuten in denen ihr meine gebeutelte HSV Seele ins blaue Meer der Glückseeligkeit geleitet habt und den Ozean der Freude in mir neu entfachen konntet.

Ich möchte keinen einzelnen Spieler hervorheben, weil ihr an diesem Tag ALLE, vom Torwart bis zum Zeugwart, alles gegeben habt. Nach dem Dortmund Spiel habe ich über euch geschrieben: Ihr seid es nicht wert dieses Trikot zu tragen. Für das Spiel in Nürnberg revidiere ich meine Meinung gerne. Die Hoffnung in mir zeichnet einen blauen Himmel daher. Ich sehe blaue Zeiten ohne schwarze Wolken. In zwei Wochen geht es weiter. Genießt die Zeit bis zum nächsten Spiel. Schaut in den Spiegel und ruft hinein: Wir schaffen es.

Wir sehen uns in Freiburg. Verblüffende Grüße von einem kleinen Fan
Christian E.

So, genug der Schmatzerei

Jungs das war Weltklasse. Ich hätte in der Kurve vor lauter Erregung onanieren können. Ihr habt es geschafft, dass ich umgeben von meinen HSV-Freunden eine Gänsehaut bekam. Ihr habt es geschafft das ich in tausende von ungläubigen Augen sah, die alle nicht glauben konnten was auf dem Spielfeld geschah. Die Meute um mich herum war ein Kollektiv des Ausrastens. Die Menschen waren glücklich und zufrieden. Sie strahlten die Freude aus, die ihr uns in den vergangenen Spielen in aller Regelmäßigkeit vermiest habt. Nachdem ich so oft über euch schimpfen musste in den letzten Monaten.Wo Ihr uns mit katastrophalen Leistungen nahe zu schon verwöhnt habt, ihr Auftritte an den Tag gezaubert habt, wo unsere Gesichter schwärzer wurden als die eines Kumpels der nach getaner Arbeit aus dem Stollen kommt. Ihr habt mich so altern lassen, dass ich nun mehr graue Haare habe als Lindsey Lohan je Alkohol trinken kann.

Ich weiß noch wie ich letztes Jahr in München im Stadion stand und den schwangeren Bauch meiner Freundin streichelte, um meinen ungeborenen Sohn zu beruhigen und zu ihm sprach: werd bloß kein HSV Fan.

Doch, wer euren Galaauftritt am Sonntag miterlebte, im Stile einer absoluten Spitzenmannschaft, da sprach ich am Sonntagabend erneut zu meinem Sohn. Er lag in seinem Supermann Outfit auf dem Sofa und ich flüsterte ihm ins Ohr: Du wirst auf jeden Fall ein HSV Fan. Er lächelte.

Olli Kahn würde sagen: Weiter, immer weiter. Andy Möller sagt dazu: Mailand oder Madrid, egal. Hauptsache Italien. Ich sage. Danke für drei wundervolle Punkte. Ich bin nun wieder motiviert und voller Energie. Stuttgart heißt der nächste Gegner.

Kämpfen und siegen. NUR DER HSV.

Hochachtungsvoll
Christian E.

PS: Was EIN Spiel in mir wieder alles entfachen kann. Herrlich. Tausend Küsse an Pierre Michel Lasogga. Auf den nächsten Dreier. Bitte, legt nur einmal nach. BITTE ;)

Montag, 30 September 2013 21:33

Die Rückkehr des Kevin-Prince Boateng

geschrieben von

Eine Karriere zwischen Ghetto-Image, Rassismus und Boulevardjournalismus

Als der FC Schalke 04 zum Ende der Transferperiode einen so genannten Königstransfer präsentierte, war dies eine doppelte Sensation. Einerseits hatte der durch sein „lebhaftes“ Umfeld bekannte Verein den Neuzugang bis zuletzt geheim halten können, andererseits handelte es sich bei diesem um Kevin-Prince Boateng. Dieser zeigte bereits in seinen ersten Pflichtspielen, dass der Klub eine viel versprechende Verstärkung verpflichtet hat. Die Rückkehr des aus mehrfacher Sicht außergewöhnlichen Spielers in die Bundesliga lohnt einen Blick zurück … und einen Griff ins Bücherregal.

Boateng wurde bereits am Beginn seiner Laufbahn aufgrund eines fragwürdigen Verhaltens, aber auch aufgrund einer teilweise aufgeheizten Presseberichterstattung zu einer Reizfigur des deutschen Fußballs. Der aus dem Berliner Problemkiez Wedding stammende Spieler zeigte schon früh ein großes fußballerisches Potenzial, tat aber auch viel, um dem Bild des kriminellen Ghettokids mit Migrationshintergrund gerecht zu werden. Den an diesen Aspekten näher interessierten Personen kommt entgegen, dass der Sportjournalist Michael Horeni erst 2012 ein Buch über Kevin-Prince Boateng und seine Brüder Jérome und George veröffentlicht hat. Es ist ein unter Mitwirkung der drei Geschwister entstandenes Dreifachportrait, das unter anderem die Entwicklung des Neu-Schalkers auf eine persönliche Weise beschreibt.

Das Kind eines aus Ghana stammenden Flüchtlings wuchs mit seinem Bruder George in Berlin-Wedding als Scheidungskind bei seiner deutschen Mutter auf. In dem von Arbeitslosigkeit, Straßenkriminalität und massiver Einwanderung geprägten Stadtteil lernte er den Umgang mit dem Ball vor allem in einem öffentlichen Fußballkäfig. Mit den Brüdern kickte auch der im bürgerlichen Stadtteil Wilmersdorf bei einer anderen Frau des Vaters aufgewachsene Halbbruder Jérome Boateng. Der mit einer Kombination aus technischen Fertigkeiten und körperlicher Durchsetzungsfähigkeit ausgestattete Kevin-Prince erhielt seine fußballerische Ausbildung bei den Reinickendorfer Füchsen und bei Hertha BSC Berlin. Dabei wurde er, insbesondere bei Auswärtsbegegnungen im Berliner Umland, wiederholt Ziel rassistischer Beleidigungen von Gegenspielern und Zuschauern. Während sein Halbbruder Jérome eine ebenso gerade wie erfolgreiche Karriere machte, die ihn in die Verteidigung des FC Bayern München und in die Abwehr der deutschen Nationalmannschaft führte, vergab sein Bruder George sein Talent durch eine straßenkriminelle Entwicklung. Kevin-Prince hingegen schaffte den Weg in die Bundesliga in Diensten der Hertha, wurde jedoch auffällig, als er während eines nächtlichen Spaziergangs zusammen mit seinem Mitspieler Patrick Ebert Sachbeschädigungen an mehreren geparkten Fahrzeugen verübte. Diese Straftaten, ein von Tätowierungen geprägtes Erscheinungsbild und ein nicht gerade diplomatisches Auftreten gegenüber Journalisten führten dazu, dass Kevin-Prince Boateng in der Presse als Beispiel eines aggressiven Ghettokids mit krimineller Prägung erschien. Dazu kam, dass er sich nachhaltig zu bemühen schien, diesem Bild zu entsprechen. So wechselte er verfrüht zu Tottenham Hotspurs, wo er nur wenige Einsätze bestritt, jedoch durch einen großspurigen Konsum von Luxusgütern sowie eine verstärkte Beteiligung am Nachtleben negative Aufmerksamkeit erregte. In der Folge wurde er in der Saison 2008/09 an Borussia Dortmund ausgeliehen, wo er zwar durch gute spielerische Leistungen, jedoch auch durch mehrere überharte Fouls auffiel. Zu dieser Zeit überwarf sich auch mit dem DFB und verzichtete auf eine Perspektive in der Nationalmannschaft. An diesem Tiefpunkt seiner Karriere wechselte er zum FC Portsmouth, um einen neuen Anlauf zu nehmen. Dieser gelang ihm beim neuen Klub tatsächlich, doch als er 2010 im englischen Pokalfinale Michael Ballacks Laufbahn als Kapitän der Nationalmannschaft durch ein schweres Foul beendete, präsentierten ihn die Medien als den „Bad Boy“ des Fußballs. Sportlich gestaltete sich sein Weg seitdem allerdings erfolgreich. Einem überzeugenden Auftreten für die Nationalmannschaft Ghanas bei der WM 2010 folgte ein Vereinswechsel zum AC Mailand, wo er sich als internationaler Spitzenspieler durchsetzte. In Italien geriet er im Frühjahr 2013 erneut in den Focus. Diesmal geschah es jedoch positiv durch ein beherztes Verhalten, denn er verließ, von seinen Mannschaftskameraden begleitet, das Spielfeld, nachdem er während eines Auswärtsspiels wiederholt rassistisch beleidigt worden war.

Kevin-Prince Boateng steht mittlerweile mit 26 Jahren in einem guten Spieleralter. Als Person konnte er seinen Horizont durch internationale Erfahrungen in England und Italien sowie mit der ghanaischen Nationalmannschaft weiten. Sein Lebens- und Karriereweg ist nicht nur aus sportlicher Sicht beachtenswert, sondern auch, weil er auf einige gesellschaftliche Aspekte hinweist. Er hat eine Jugend in einem vernachlässigten großstädtischen Problemviertel, rassistische Ausgrenzung und soziale Benachteiligung erlebt. Damit hat er Erfahrungen gemacht, die vergleichbare Jugendliche mit Migrationshintergrund nachvollziehen können. Da sich ihm aber auch die Möglichkeit der Teilhabe und ein beruflicher Aufstieg eröffneten, kann er auch als ein glaubwürdiges Vorbild wirken.

Der FC Schalke 04 hat demnach nicht nur einen leistungsstarken Mittelfeldspieler, sondern auch eine ungewöhnliche Persönlichkeit verpflichtet. Für den Verein besteht einerseits das Risiko, dass seine Neuerwerbung ein Funke in einer leicht entzündbaren Umgebung werden kann. Andererseits könnte der über einen „krummen“ Karriereweg verfügende Spieler gerade in Gelsenkirchen ein passendes Umfeld finden, in dem man vergangene Fehler verzeihen kann und harte Arbeit sowie loyalen Einsatz zu würdigen weiß. Der Klub muss hoffen, dass der Profifußballer Boateng der Mannschaft einen längerfristigen Schub nach vorne geben wird, während der Mensch Boateng mehr als das von einigen Medien gezeichnete Bild ist. Fest steht dabei schon jetzt, dass die Bundesliga eines ihrer ungewöhnlichsten Kinder zurückbekommen hat.

Leseempfehlung:

cover die-brueder-boatengMichael Horeni

Die Brüder Boateng. Eine deutsche Familiengeschichte

Klett-Verlag 2012

6,99 Euro

Donnerstag, 26 September 2013 21:07

RWE Blog #2

geschrieben von

rw-essenKnapp 48 Stunden liegen nun zwischen dem Spiel gegen Wattenscheid am Dienstag und jetzt. Trotzdem habe ich den Abend immer noch nicht ganz verarbeitet und weiß nicht so recht, was ich schreiben soll, über wen, und wo ich anfange.

Vielleicht vorweg schon mal, Rot-Weiss war immer Himmel und Hölle und ist mit einer speziellen Erwartungshaltung „gesegnet“, sodass man nach 2 Siegen im Prinzip aufgestiegen ist, nach 2 Niederlagen aber alles zum Teufel wünscht und schwarz malt.

Die gedankliche Entwicklung, dass man nach der Insolvenz 2010 mal anfangen sollte, Geduld zu entwickeln und sich mit kleiner gebackenen Brötchen zufrieden zu geben, wird wohl noch eine Zeit lang auf sich warten lassen...

Im letzten Blog hatte ich vermutet, dass mit 6 Punkten etwas Ruhe im Umfeld einkehren würde – ansonsten aber der Kopf des Trainers vehement gefordert werden könnte.

Anscheinend trifft das aber nicht genau so zu, denn selbst mit einem späten Siegtreffer am Dienstag (und damit 6 Punkten) wären die Reaktionen von einem Teil des Publikums wohl kaum anders ausgefallen, dazu aber später mehr.

Spielerisch herrscht weiterhin absolute Ideenlosigkeit, um es mal auf den Punkt zu bringen, der RWE spielt diese Saison einfach Scheiße!

Das häufige Umstellen des Systems, welches dann meist kaum erkennbar ist, reicht mir aber nicht als Begründung aus, warum man bislang genau so viele Doppelpässe wie FDP-Abgeordnete im Bundestag gesehen hat!

Man möchte das Wort „Fussball“ teilweise gar nicht in den Mund nehmen.

Das Fehlen einer Stammformation in der Abwehr wirkt sich natürlich nicht positiv auf die defensive Stabilität aus, sodass es hinten immer direkt hektisch zugeht und man kaum Ruhe ins Spiel bekommt.

Das Mittelfeld kommt völlig espritlos daher mit einer erschreckenden Ideenarmut, sodass Tore eigentlich nur nach Standards oder wenn Gevatter Zufall mitspielt, fallen.

Und der Sturmtank vorne mit der Fleischkappe, von dem ich als Typen und Motivator wirklich viel halte, ist leider spielerisch limitiert und scheinbar immer noch nicht in die Bewegungsabläufe der Mitspieler integriert, sodass von ihm gerissene Löcher oder geschaffene Räume fast immer ungenutzt bleibt – vielleicht probiert man hier auch mal etwas Neues, und gönnt Kollege Knappmann, der bis jetzt alle Spiele von Anfang bis Ende bestritten hat, eine kleine Verschnaufpause.

Meine letztmalige Kritik, wieso man Koep/Lemke nicht in der Startelf wiederfindet, wurde zur Hälfte scheinbar erhört, jedoch bleibt es weiterhin unverständlich, wieso bei Letztgenanntem 30 Minuten Einsatzzeit anscheinend das Höchste der Gefühle sind.

Was nach all dieser Kritik aber nicht zu kurz kommen soll und was mich auch für die weitere Saison etwas positiver stimmt, ist die Tatsache, dass die Moral in der Truppe absolut intakt zu sein scheint und die Jungs über den Kampf schon einige Zähler zurückgeholt haben, die sie vorher durch das Fehlen der spielerischen Klasse aus der Hand gegeben haben.

Sollte man also das kreative Problem bald lösen können, dürften die Ergebnisse häufiger stimmen.

Jedenfalls habe ich nicht den Eindruck, als ob die Truppe gegen den Trainer spielen würde, womit wir zum zweiten Absatz kommen.

Wir haben einen Trainer, der auf mich immer den Eindruck eines sportlich qualifizierten Übungsleiters gemacht hat, dessen Kapazitäten in Liga 4 noch nicht an ihre Grenzen stoßen – umso merkwürdiger wirkt die aktuelle sportliche Entwicklung.

Das die Betonung oftmals auf den guten Trainingsleistungen liegt und die Spieler wohl nur „ihre PS nicht auf die Straße“ bringen können, mutet zwar leicht wunderlich an, scheint aber durchaus möglich zu sein, so bizarr es auch klingen mag.

Seine Art und Weise, mit persönlicher Kritik umzugehen, mag nicht jedermanns Sache sein, allerdings war wohl auch noch keiner in so einer brisanten Situation, vondaher sollte man da auch Zugeständnisse machen.

Wohin man mit Schnellschüssen kommt, haben wir oft genug am eigenen Leib erfahren, weshalb ich den Verantwortlichen auch noch locker Kredit bis zur Winterpause einräume – sollte sich vom Spielerischen her nichts verändern, macht es Sinn, sich für 2014 einen neuen Coach zu suchen.

Schließlich bewertet man einen Trainer am allereinfachsten am Erfolg, und wenn dieser eine gesamte Hinrunde lang ausbleibt, gepaart mit Rumpelfussball á la Jens Jeremies, wird es allmählich Zeit, sich nach einem Nachfolger umzusehen.

Dies soll keinesfalls die Leistungen, die ein Waldemar Wrobel vor allem in dieser schwierigen Zeit erbracht hat, schmälern, jedoch kann man nicht nur von vergangenem Erfolg zehren – wobei, was rede ich hier eigentlich, ich schreie auch jedem entgegen der es wissen will oder auch nicht, dass wir Deutscher Meister 1953 sind!

Einen schnellen „Heilsbringer“ hingegen sehe ich zum einen nirgendwo am Horizont, zum anderen hat man schlicht und ergreifend kein Geld, um Wrobels Vertrag und den eines neuen Mannes zu bezahlen – ansonsten hätte man sicherlich auch Ali Bilgin verpflichten können, welcher sich dem Spitzenreiter aus Lotte (und seinem Busenfreund und dortigem Trainer, Ramazan Yildirim) angeschlossen und bei seinem Debüt natürlich direkt den 1:0-Siegtreffer erzielt hat, aber das interessiert hier niemanden.

Ich jedenfalls bin froh, dass der Doc (Dr. Michael Welling, Vorstandsvorsitzender) zu seinen Worten steht und nicht mehr Geld ausgibt als eingenommen wird: denn wo das hinführt, kennen wir wie gesagt ja nur zu gut.

Sicherlich ist es schwierig, einen etwas distanzierteren Blick auf die gesamte Angelegenheit zu richten - ich selbst bin auch der Meinung, dass wir mindestens in die 2. Bundesliga gehören, und das so schnell wie möglich – aber man muss sich damit anfreunden, das wir finanziell nicht zu den bestaufgestelltesten Teams gehören, und dass das reine Geld auch kein Garant für Erfolg ist, denn sogar RB Leipzig hat mehrere Anläufe in einer deutlich schwächeren Regionalliga gebraucht.

Was aber natürlich nicht heißen soll, dass meinen seinen Unmut nicht kundtun darf, was uns zum letzten Absatz heute führt, den Fans.

Was am Dienstag, speziell nach den beiden Treffern der Roten, auf den Rängen ablief, ging in meinen Augen unter die Gürtellinie.

Natürlich kauft man mit der Eintrittskarte auch sein Recht auf freie Meinungsäußerung, jedoch macht in meinen Ohren hier immer noch der Ton die Musik und nicht jeder Zeitpunkt ist dafür angebracht.

Das kein extatischer Jubel beim Ausgleich ausbrach, ist jedem klar, der sich den Hut nicht mit dem Hammer aufsetzt – erschreckend fand ich hierbei, dass sich viele scheinbar eine Niederlage herbeigesehnt hatten, um mit noch mehr Nachdruck den Kopf des Trainers zu fordern – und dabei das gute Verhältnis Mannschaft ↔ Fans aufs Spiel gesetzt haben.

Jedes Fass hat seine Grenzen, jedoch das eigene Vereinslied, welches nach Toren eingespielt wird, niederzupfeifen und weiterhin Stimmung gegen den Trainer zu machen, damit ist einfach niemandem geholfen – sollten die Pfiffe auch dem Coach gegolten haben, ziehe ich meine Anschuldigung zurück, das war allerdings in so einer emotionalen Situation schwierig zu differenzieren.

Es hatte sich eine Menge Frust angestaut, der entladen werden musste, die Art und Weise war aber mehr als unpassend und hässlich.

Das man damit einer offensichtlich verunsicherten und spielerisch limitierten Mannschaft die Tugend raubt, mit der sie solche Spiele umbiegt, nämlich den Kampf, macht das Ganze noch drastischer, und man kann schneller als man es denkt Richtung Tabellenkeller taumeln und letztendlich gegen den Abstieg kämpfen - und das ist auch das Stichwort, wieso sollte die Mannschaft noch kämpfen, wenn sie und der Trainer, zu dem das interne Verhältnis offensichtlich intakt ist, gnadenlos beleidigt werden?

Ich hoffe inständig, dass wir nach dieser Saison nicht vor einem größeren Scherbenhaufen als 2010 stehen, denn die Zeichen stehen auf Sturm, und die nächsten Wochen bringen Gegner, gegen die es die ohnehin schon stark verunsicherte Mannschaft sehr schwer haben wird.

Damit der Herbst nicht noch ungemütlicher wird, als er meistens eh schon ist, verabschiede ich mich mit einer Passage aus dem alten Fanlied „Dir RWE“ von Another Tale:

„Schluss mit Gelaber und Vereinsmeierei,
wenn ihr heut' gewinnt, ist das Einerlei,
jubeln, jammern, spielen oder steh'n,
Wir sind der Verein, wir sind RWE

Freitag, 20 September 2013 12:05

Mario Götze - Danksagung

geschrieben von

Borussia-Dortmund2.-old-logoDie neue Saison läuft bereits und es wird Zeit DANKE zu sagen, Danke an Mario Götze. 

In 116 Bundesligaspielen erzielte Mario Götze 31 Tore und bereitete 45 Tore vor, ein toller Wert der die Wichtigkeit im Team noch mal untermauerte. Auch in der Champions League machte Götze in 17 Spielen 2 Tore und lieferte 10 Vorlagen.

Dafür muss man Götze über alles Dankbar sein...

Freitag, 20 September 2013 11:05

RWE Blog

geschrieben von

rw-essenHallo und herzlich Willkommen zum Blog rund um den Regionalligisten (West) Rot-Weiss Essen. Hier werdet ihr in einigermaßen regelmäßigen Abständen eine Mischung aus Spielbericht, Stimmungsbericht und diversen kleinen Anekdoten über den RWE finden.

Da die korrekte Schreibweise des Vereinsnamens immer noch häufig zu Verwirrung führt, allen voran bei der (mittlerweile sogar als Sponsor aktiven) Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, kurz WAZ, oder, um die Dimension der illustren Namensgebung mal zu verdeutlichen, Weßtdeutsche-Allgemeinezeitung, oder West-Deutscheallgemeine-Zeitung, werde ich fortan nur die Abkürzung RWE benutzen.
Ich erkläre das hier nur so groß und breit, damit sich kein Anhänger von Rot-Weiß Erfurt versehentlich in einem vereinsfremden Blog wiederfindet. Das auch diverse Anhänger Probleme mit dem eigenen Vereinsnamen haben (die Vorsilbe „SC“ ist seit geraumer Zeit zu vernehmen), ich hier nicht als allwissender
Erzähler rüberkommen möchte und ich somit auch noch teure Buchstaben sparen kann, hab ich mich für diesen Schritt entschieden.

Ich komme aber nicht umhin, den Gründervätern um Georg Melches meinen Lob hinsichtlich deren Weitsichtigkeit auszusprechen, dass man das „ß“ später im Internet nicht darstellen kann und man sich direkt für das „ss“ entschieden hat. Hut ab!

Jetzt aber mal direkt mittenrein in die Saison, die am Wochenende schon ihren 8. Spieltag erlebt hat.

Freitagabend, Flutlichtspiel, traditionsreicher Gegner, der auch ein paar Fans mitbringen wird – kurzum, es war alles angerichtet für einen Abend, an dem man eigentlich wieder mal positiv spüren sollte, warum man sich seit Jahren durch diverse Sportanlagen, unter anderem in Liga 5, gequält und seinem Verein die Treue gehalten hat, anstatt es sich einfach zu machen und zu beschließen, jetzt Dortmund-Fan zu werden.

Die ersten 7 Spiele zusammenzufassen würde den Rahmen hier sprengen, deshalb mal kurz:
Vor der Saison auf dem Papier deutlich verstärkt, von vielen zum Aufstiegsfavoriten gemacht, Stadion ist endlich fertig und man hat nach guten 20 Jahren wieder 4 Tribünen, dazu eine Westtribüne, die im Osten steht. Man merkt, Essen ist und bleibt ein sehr spezielles Pflaster.
Leider wurde in meinen Augen verpasst, den Kader an den richtigen Stellen zu verstärken – die qualitativ beschränkte und verletzungsanfällige Innenverteidigung ist neben der vakanten Position des Spielmachers (mit Kerim Avci hat man den Spielgestalter der letzten Saison verkauft, in einem der nächsten Blogs mal mehr zur Transferpolitik) die größte Baustelle, dazu kommt, das immer noch kein Spielsystem zu erkennen ist.

Lange Rede, kurzer Sinn, man liegt nach grausamen 45 Minuten gegen einen Aufsteiger zu Hause mit 0:2 hinten. Wenigstens scheint der Trainer seinen Aufstellungs – und Spielsystemsfehler in der Halbzeit eingesehen zu haben - beides korrigiert, und so könnte man durch den späten Ausgleich zum 2:2 durch Laletin (der an beiden Gegentoren die
Hauptschuld trägt, C. Knappmann hatte vorher per Foulelfmeter verkürzt) fast mit einem guten Gefühl nach Hause gehen - wären da nicht nur 8 Zähler aus 7 Spielen, aktuell Tabellenrang 12 und ein Rückstand von 9 Zählern auf den Vorjahresmeister und aktuellen Tabellenführer Sportfreunde Lotte.

So langsam beschleicht einen das blöde Gefühl, dass sich die Saison, was das Ziel angeht, oben mitzuspielen, schon so gut wie erledigt haben könnte, bevor es eigentlich richtig losging. Sollte man am kommenden Wochenende in Velbert keinen Sieg einfahren, dürfte es auch für den Trainer eng werden, denn so langsam ist der Kredit, den sich alle Beteiligten nach der Insolvenzsaison erspielt haben, aufgebraucht, auch weil einige Entscheidungen einfach nicht nachvollziehbar sind. Warum ich immer wieder in einem 4-3-3 beginne, obwohl ich bis jetzt alle Punkte im 4-4-2 geholt habe, ist schwierig zu erklären – ebenso, weshalb man Spieler wie Koep und Lemke höchstens als Einwechselspieler bringt, obwohl beide die Qualität bislang deutlich angehoben haben und auch am Freitag wieder einen Löwenanteil daran hatten, dass man noch einen Zähler mitnehmen konnte.

Fazit ist, dass sowohl für die Mannschaft hinsichtlich einer erfolgreichen Saison (als Ziel wurde eine Verbesserung der letztjährigen Position ausgegeben, das wäre Platz 3) als auch für den Trainer die Wochen der Wahrheit beginnen – holt man aus den nächsten beiden Spielen 6 (überzeugende) Punkte, kehrt im Umfeld etwas Ruhe ein – wenn nicht, dürfte die Zahl derer, die den Kopf des Trainers fordern, exponentiell wachsen. Das diese kaum noch erkennbar in der Unterzahl sind, hat man während des gellenden Pfeifkonzerts, mit welchem die Mannschaft in die Kabine geschickt wurde, durchaus raushören können.

Auf eine Einzelkritik verzichte ich dieses Mal, mitunter weil mein Erinnerungsvermögen durch Wut und eventuell auch durch das ein oder andere Stauder (Produzent des Stadionbieres) getrübt ist.

Dass man moralisch als Gewinner vom Platz gegangen ist, zeigt auch die Reaktion des Ex-Esseners und jetzigen Uerdingers Meik Kuta, der dem Rot-Weissen Torwarttrainer Gregor Pogorzelczyk nicht nur den Handschlag nach dem Spiel verwehrte, sondern auch noch körperlich aktiv wurde – er hatte ja auch nur 22 Minuten gespielt und offensichtlich Energie übrig. 

Der gute Gregor P. war danach aber dermaßen durch den Wind, dass er einige Minuten und Worte der Haupttribünenbesucher brauchte, um diese unverständliche Aktion zu verarbeiten.
Allerdings kann man auch hier nur mutmaßen, ob der Weggang Kutas damals nicht ganz sauber ablief oder er einfach noch emotional zu sehr „gepusht“ war, um einem netten älteren Herren die Hand zu schütteln.

Ich hoffe ich kann nächste Woche aus Essener Sicht etwas erfreulicheres berichten.

So long, Jan D.