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Donnerstag, 21 November 2013 16:05

Saarbrücken: Frischer Wind im Aufsichtsrat

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fcs mitgliederversammlungDie Mitglieder des 1. FC Saarbrücken haben am Dienstag für eine faustdicke Überraschung gesorgt. Bei den Wahlen zum Aufsichtsrat, dem höchsten Kontrollgremium des Vereins, erhielten der bisherige Vorsitzende Reinhard Klimmt (früher Bundesverkehrsminister) und der Ex-Präsident Paul Borgard nicht die nötige Stimmmehrheit. Stattdessen gehören nun zwei Fans dem siebenköpfigen Gremium an: Der 23-jährige Student Florian Kern und der 32-jährige Versicherungsberater Claude Burgard.

Abgestraft für die Stadionfrage

Für Klimmt und Borgard schwand nach dem Scheitern eines Stadionneubaus die Unterstützung seitens der Vereinsmitglieder in den vergangenen Monaten drastisch. Vor allem Klimmt, der immer wieder sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender mit Zusagen der Politik zum Neubau verknüpft hatte, enttäuschte langjährige Unterstützer. Paul Borgard, bis vor kurzem Präsident des Vereins, konnte weder mit ausgeprägten Kontakten in die Wirtschaft sorgen, noch hatte er in der Debatte um das Stadion entscheidende Impulse setzten können. Stattdessen wurden ihm eine mangelnde Kommunikation zum Verhängnis. Im Gegensatz zur Abwahl des langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden Klimmt kam die Nichtwahl Borgards wenig überraschend.

Chance für den Verein

kern aufsichtsratFür die beiden Neulinge im Aufsichtsrat ändert sich nun einiges. Florian Kern und Claude Burgard sind nun Teil des Kontrollgremiums, das auch von den Neuen eine genaue Beschäftigung mit den Finanzen des Vereins und dem Vereinsrecht erfordert. Zudem hat der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende Reinhard Klimmt in der Aussprache betont, dass zu diesen satzungsmäßigen Aufgaben beim 1. FC Saarbrücken jeder noch etwas in den Aufsichtsrat mitbringt. Das sind Kontakte in die Wirtschaft und die Politik. Beides haben Burgard und Kern wohl nicht unbedingt im gleichen Maße wie ihre Kollegen. Ihr Vorteil ist der gute Draht in die Fanszene. Klimmt und Borgard konnten nur vom Podium die Fans immer wieder loben. Burgard und Kern haben jedoch genug Selbstvertrauen, um auch weiter den Austausch mit den Zuschauern zu suchen und Ideen von dort in die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins – hier wollen beide anpacken – einfließen zu lassen. Daran werden sich die beiden in den kommenden drei Jahren messen lassen werden.

In der Presse wird diese Mitgliederversammlung als „Fan-Revolution“ dargestellt, was sowohl gute, wie schlechte Erinnerungen hervorrufen wird. Aber ist sie das überhaupt gewesen? Abseits der durchaus überraschenden Wahlen mit nicht sehr überraschenden Hintergründen ist wenig passiert, was auf eine „Fan-Revolution“ schließen lässt. Die im Vorfeld viel diskutierten Satzungsänderungsanträge aus der Basis wurden abgelehnt. Die Aussprache befand sich auf einem hohen sachlichen Niveau, sowohl auf Frage-, wie auch auf Antwort-Seite. Selbst Hartmut Ostermann, der in der Vergangenheit öffentliche Auftritte meist vermied, konnte bei seinem Comeback als Präsident auch viele Kritiker überzeugen, da er eine ruhige, zwischen den Fronten moderierende Art an den Tag legte und auch das Votum – so sichtlich es ihn mitnahm – akzeptierte. Die ungewohnte Lage nach der Mitgliederversammlung 2013 ist keine Revolution. Sie ist eine Entwicklung, die dem Verein nun viele Chancen bietet.

Carsten Pilger

 

Mittwoch, 13 November 2013 20:50

Saarbrücken – Münster

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choreo dvtsVor der Saison hätten nicht wenige behauptet, dass dieses Duell ein Spitzenspiel in der dritten Liga wird. Doch die Realität sieht anders aus: Beide Mannschaften stecken im Abstiegskampf und haben beide bereits einen Trainer entlassen. Bei uns sitzt Ralf Loose auf der Bank, Pavel Dotchev musste gehen.

Zunächst schien es, als wenn sich das gelohnt hätte, Chemnitz und Dortmund wurden beide mit 4:0 geschlagen, doch danach wieder das alte Bild: In Darmstadt und gegen Rostock verloren wir 2 Mal und wieder war die Angst da, abzusteigen. Ähnlich muss es bei den Saarbrücker Fans sein und somit war dieses Spiel enorm wichtig, für beide Mannschaften.

Um 1 Uhr erreichten wir den Ludwigspark. Es war außergewöhnlich viel Polizei vor Ort, und als einige Saarbrücker Fans in die Nähe des Gästeblockes kamen, schien es kurz so, als wenn was passieren würde. Doch die Polizei war sofort da und konnte ein Aufeinandertreffen der beiden Fangruppen verhindern.

Der Kauf der Karte dauerte 20 Minuetn: Da nur eine Kasse geöffnet war und in dieser Kasse ein älterer Mann saß, der vergleichsweise sehr langsam arbeitete, bildete sich eine lange Schlange. Wenn man dann später dran war, bekam man auch keine richtige Eintrittskarte mehr, sondern nur noch ein Stück Papier, auf dem noch in D-Mark gerechnet wurde.

eintrittskarte fcs

Das Stadion von Saarbrücken ist ein sehr schönes. Alt, marode, nostalgisch, das kennen wir Preußenfans von unseren Heimspielen auch sehr gut.

stadion fcs

Die Fans von Saarbrücken zeigten ein Banner mit der Aufschrift: „Der Löwe rupft den Adler“

loewe rupft den adler

Auf unserer Seite zeigten die Deviants eine Choreographie zu ihrem Jubiläum, dazu schöner, grüner Rauch:

pyro dvts

Dann konnte das Spiel beginnen. Unsere Mannschaft war anfangs nicht wach und Saarbrücken hatte mehrere große Chancen, um in Führung zu gehen. Als der gut aufgelegte Siegert auf der rechten Seite durchgekommen ist und im Strafraum zu Fall gebracht wurde, entschied der Schiedsrichter auf Elfmeter für uns und Saarbrücken war nur noch zu zehnt. Kühne verwandelte den Elfmeter sicher und der Spielverlauf wurde auf den Kopf gestellt. Danach aber begannen auch die Adlerträger Fußball zu spielen und wir kamen besser ins Spiel. Zur Pause führten wir also mit 1:0 in Saarbrücken.

Kurz nach der Pause konnte der FCS durch einen schönen Distanzschuss ausgleichen, doch die Preußen waren in der Folge weiter spielbestimmend und konnte sich weitere, gute Chancen herausspielen. Eine davon nutzte Taylor nach Flanke von Siegert und wir gingen wieder in Führung. Den Sack hätten wir schon vor Spielende zu machen müssen, Bischoff und Krohne hatten große Chancen zum 3:1.

Und wer sie vorne nicht macht..... 90.Minute, oder Nachspielzeit: Ein Einwurf von Saarbrücken, eine Kopfballverlängerung, ein Kopfball und ein Tor. 2:2. Wieder wurde es nichts mit drei Punkten. Eine Unkonzentriertheit am Ende bringt die Mannschaft wieder um den Lohn. Saarbrücken war ein Mann weniger auf dem Feld und in der 2. Halbzeit eigentlich tot. Aber die eine Chance in Halbzeit 2 reicht für den FCS. Dieses Unentschieden bringt eigentlich keinen wirklich weiter, aber für Saarbrücken fühlt sich das natürlich wie ein Sieg an.

Nächste Woche ist Länderspielpause, dann kommen die Kickers aus Stuttgart. Die stehen Punktgleich mit uns auf einem Abstiegsplatz, also ein Platz unter uns. Das nächste Abstiegsduell für unsere Jungs, und auch da gilt: Verlieren verboten!

Quelle Bild 1: deviants-ultras.org

Sonntag, 10 November 2013 15:52

Lewandowski und seine Kritiker - The NeverEnding Story

geschrieben von

224808 web R K by A. Holzknecht pixelio.deDas Thema Robert Lewandowski und seine Berater, ein Thema das sich selbst in der ausländischen Presse zum Dauerbrenner hochgearbeitet hat. Klar ist, das Lewandowski gemeinsam mit Ibrahimovic zu den besten Stürmern der Welt zählt und auch ist klar, dass Bayern sich diesen Spieler holen wird.

Die Kritiker in den eigenen Reihen beschimpfen Lewandowski für seine Charakterschwäche in diesem Transfertheater. Aber Lewandowski ist offen und ehrlich mit dieser Thematik umgegangen und das ohne Leistungseinbußen. Nach wie vor erzielt er pflichtbewusst seine Tore und spielt eine saubere Hinrunde. Im Prinzip fehlt Ihm die Leidenschaft, wie noch letztes Jahr. Aber er erfüllt seinen Job, erzielt Tore für den BVB und bringt somit Punkte auf unser Konto. Der Gedanke, Lewandowski auszupfeifen oder zu beleidigen wie einige wenige Fans das gerne tun dieser Tage, weil sie sich persönlich angegriffen fühlen oder sich eine heulende Schnutte angeeignet haben, kommt mir gar nicht.

Lewandowski gehört zu den ehrgeizigen Menschen und er wird es sich sicher nicht nehmen lassen, einen stilvollen und ruhmreichen Abgang zu erarbeiten. Ich prophezeie sogar, dass wir mit Lewandowski einen Spieler verlieren werden, der als Torschützenkönig zum FC Bayern wechseln wird.

Sonntag, 03 November 2013 09:15

Was Fußball-Fans im Saarland kosten

geschrieben von

polSR-online hat aktuelle Zahlen zu Polizeieinsätzen bei Fußballspielen im Saarland veröffentlicht. Die Hauptfrage: Was hat der Fußball im vergangenen Jahr den Steuerzahler gekostet? Gerade aus Sicht der Fans des 1. FC Saarbrücken ein spannendes, oft auch zu emotionales Thema. Überraschend sind die Zahlen nicht wirklich – sie sorgen aber an einigen Stellen leider für Unklarheit.

Die Statistik zum Aufwand liest sich wie folgt:

Saison Stunden Beamte Aufwand in Euro
2012/2013

35.519

5.552

2.092.069

2010/2011

20.872

3.328

1.229.361

2007/2008

28.998

3.627

1.707.982

Zahlen: Saarländisches Innenministerium

Auf den ersten Blick mag es überraschend sein, dass der Aufwand tendenziell zwischen 2008 und 2013 stark angestiegen ist. 2010/2011 scheint hingegen komplett aus dem Rahmen zu fallen. Für den Laien könnten jetzt Allgemeinplätze wie „Die Gewalt im Fußball ist halt gestiegen!“ oder „Überall Chaoten“ eine naheliegende Antwort geben. Solche Schlüsse gehen aber an der Realität vorbei. Tatsächlich erklärt der Blick auf die Situation in den Ligen schon viel Zahlenwerk. Das Jahr 2007/2008 sorgte gerade durch die außergewöhnliche Konstellation in der Oberliga Südwest für viele Polizeieinsätze: Fünf saarländische Vereine, darunter der 1. FC Saarbrücken, Borussia Neunkirchen und der FC 08 Homburg spielten in der Liga. Und das unter anderem gegen Wormatia Worms, die zweite Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern und Eintracht Trier. Einige Mannschaften trafen nach langer Pause wieder in regulären Ligaspielen aufeinander – viele sogenannte „Risikospiele“ waren das Ergebnis.

Der Rückgang der Zahlen zur Saison 2010/2011 verwundert ebenso wenig: Der 1. FC Saarbrücken war gerade in die 3. Liga aufgestiegen, in der aufgrund der hohen Entfernungen nicht immer viele Gästefans anreisten. Das einzige „Derby“ im weitesten Sinne gab es gegen die TuS Koblenz. Durch den Aufstieg von Homburg in die Regionalliga änderten sich auch unterhalb einige Konstellationen.

Für 2012/2013 ist der Aufwand nun auf einem Höchststand. Das Innenministerium begründet das mit drei Spielen mit besonders hohen Einsatzzahlen – natürlich ist auch hier der FCS nicht weit:

Spiel Aufwand

1. FC Saarbrücken : 1. FC Kaiserslautern

(Freundschaftsspiel)

2.094 Stunden / 394 Beamte

1. FC Saarbrücken : FC 08 Homburg

(Saarlandpokal)

3.810 Stunden / 508 Beamte

1. FC Saarbrücken / Schalke 04

DFB-Pokal

3.950 Stunden / 516 Beamte

Zahlen: Saarländisches Innenministerium

Beachtet man, dass in der laufenden Spielzeit mit bislang drei DFB-Pokalrunden für den 1. FC Saarbrücken größere Spiele anstand, sowie die SV Elversberg einige Spiele im Ludwigspark austragen musste, ist wohl damit zu rechnen, dass sich die Zahlen für 2013/2014 auf einem ähnlichen Niveau wie die Zahlen der Vorgängersaison befinden werden. Doch wie sind die Zahlen zu bewerten? Kostet der Fußball die Steuerzahler wirklich zu viel? Natürlich ist die nachfolgende Sichtweise befangen (da ich selbst ein Fan bin) und außenstehend (da ich eben kein Polizist bin). Lediglich warne ich davor, zu große und zu schnelle politische Schlüsse zu ziehen, da:

1. Der Vergleichszeitraum relativ klein ist.

Erst mit der Einrichtung der „Zentralstelle Szenekundige Beamte“ 2007 wurden Jahresstatistiken über Polizeieinsätze bei Fußballspielen im Saarland überhaupt erst erhoben. Ein Zeitraum von fünf Jahren gibt nur einen kleinen Anhaltspunkt über die Entwicklung von Gewalt im Fußball – in den Fokus der Medien rückte der Hooliganismus im Deutschen Fußball in den 1970er Jahren. Zahlen über längerfristige Entwicklungen innerhalb des Fußballs sind somit bislang nicht vorhanden – wenn sie nicht mit erheblichem Verwaltungsaufwand rekonstruiert werden.

2. Die Methodik an einzelnen Stellen eher für Unklarheit sorgt.

Zwei Punkte der Statistik sind im Besonderen dafür geeignet, eher für Missverständnisse, denn Klarheit zu sorgen. Zum einen ist es die Anzahl der Verletzten bei Fußballspielen:

Saison Zuschauer Störer Beamte
2012/2013 7 22 5
2010/2011 8 18 6
2007/2008 2 8 2

Zahlen: Saarländisches Innenministerium

Diese Statistik wirft mehr Fragen auf, denn Antworten zu liefern: Welche Verletzungsarten liegen vor? Wodurch wurden die Verletzungen verursacht? Waren es Verletzungen in Folge von Schlägereien oder gab es weitere Ursachen (Autounfälle im Stadionumfeld? Baufällige Stadien, wie in Neunkirchen oder Saarbrücken)? Ebenso wäre es wichtig, die Definition der „Störer“ der Statistik mitzuliefern. Natürlich werden hier einige Leute einwenden: „Ist doch klar, wer gemeint ist!“ Tatsächlich ist es das nicht. Sind es gewaltsuchende oder gewaltbereite Fans? Auch das sind zunächst einmal Zuschauer. Auch hier wäre die Frage eher: Wie viele Verletzungen wurden durch „Störer“ verursacht?

Saison Eingeleitete Strafverfahren
2012/2013 191
2010/2011 142
2007/2008 60

Zahlen: Saarländisches Innenministerium

Auch bei der Statistik der eingeleiteten Strafverfahren, bleiben Fragen offen: Wie viele Verfahren wurden wieder eingestellt? Welche Delikte waren Gegenstand der Verfahren?

Diese Statistiken werden meiner Meinung nach erst dann richtig gelesen werden können, wenn obige Fragen endlich beantwortet werden. Erst dann lassen sich auch solche Zahlen mit den Einsatzkosten verknüpfen.

3. Zahlen alleine zu oft der Kontext fehlt.

Was in den beiden vorherigen Punkten bereits beschrieben habe, soll in diesem Kritikpunkt noch einmal allgemein auf den Punkt gebracht werden. Es fehlt oft der Zusammenhang, die Statistiken überhaupt erst zu wirklichen Aussagen machen. Wie stark war der Einfluss vom Wechsel an der Spitze der Polizei von Peter Becker zu Udo Schneider? Becker etablierte einen Dialog mit Fans und Fanprojekt, um Einsätze bei Spielen besser einschätzen zu können. Sein Nachfolger Schneider gilt als Hardliner und zeigte sich nach seinem Antritt oft selbst mit einfacheren Situationen, etwa einer spontanen Feier von Fans aus Saarbrücken und Nancy in der Innenstadt, überfordert. Wie sehr hat sich die Arbeit der Fanprojekte verändert? Es sind Informationen, die eine reine quantitative Aufzählung definitiv aufwerten würden. Zahlen können nur Ergebnisse sein, aber eines darf kein Leser einfacher Zahlen glauben: Dass er alle Variablen kennen würde. Selbst der alten Polemik, dass Fußballvereine bitte selbst für die von ihnen verursachten Einsätze aufkommen sollten, fehlt oftmals die logische Entgegnung, dass sich eben diese Vereine auch mit Steuergeldern an der Finanzierung der Polizei beteiligen.

Zahlen können je nach Lust und Laune und mit relativ einfachen Mitteln zu diesem oder jenem Zwecke benutzt werden. Wozu ich die Zahlen und meinen Artikel also nutzen möchte? Zur Aufforderung, gelassen zu bleiben. Wer nach Statistikveröffentlichungen meint, irgendwelche schnellen Schlüsse hinsichtlich der Finanzierung von Polizeieinsätzen treffen zu können, ist nicht wirklich ernst zu nehmen. Dahinter steckt meist Populismus, über den jeder mündige Fußball-Fan drüber stehen sollte. Meine zweite Aufforderung: Es muss mehr Aufwand in die qualitative Forschung zur Gewalt im Fußball gesteckt werden. Sonst müssen andere Diskussionen gar nicht erst geführt werden, da man die Probleme nie bei der Wurzel packen wird.

Dieser Artikel erschien ebenfalls im FCSBlog 2.0.

Weitere Links zum Thema:

- SR-online: Teure Saison für den Steuerzahler
- Deutschlandfunk: Tiefe Gräben

Montag, 28 Oktober 2013 10:08

Mein Name ist Malte S.

geschrieben von

Prolog:

Die Chaoten im Fußballstadion: So werden sie genannt. Am Samstag haben sie wieder ihr hässlichstes Gesicht gezeigt. Gesichter, überzogen mit einer Sturmhaube. Eine Maske zur Tarnung. Niemand soll sie erkennen. Eigentlich sind sie jemand anders. Die Sturmhaube verdeckt ihr Gesicht - und in Wirklichkeit viel mehr als das.


Mein Name ist Malte S.


Ich bin Fußballfan, seit ich denken kann. Fußballverrückt sagen die einen. Nur verrückt die anderen. Ich begleite meinen Verein überall hin. 20 km, 200 km, 2000 km - die Entfernung spielt keine Rolle. Ich bin überall dabei. Ich unterstütze meinen Verein mit meiner Stimme in der Kurve. Ich und meine Jungs - wir sind eins. Im Block während der 90 Minuten und auch danach, wenn es sein muss. Ich präsentiere unsere Gruppe im Block. Mit allem was dazu gehört. Pyros? Klar, das gehört dazu. Früher legal, heute nicht mehr. Egal, ich bin stolz auf das alles. Mir kann keiner was.

SCHNITT

Liebes Tagebuch,

ich bin am Boden. In mir ist eine tiefe Leere. Niemand sieht sie, aber sie ist da. Eine Leere, die sich nur schwer kompensieren lässt. Mein Wecker klingelt - ich bleibe liegen, außer am Samstag. Da hat mein Leben einen Sinn. Den einzigen Sinn, um genau zu sein. Am Samstag füllt sich der Block, am Samstag füllt sich die Leere mit Inhalt. Es macht alles einen Sinn. Alle sind da, meine Freunde, meine Begleiter, meine Sinnesgenossen. Egal was kommt, wir sind unzertrennlich. Wir gegen alle. Die Polizei kann uns gar nichts. Wir sind stärker. Wir zeigen ganz Fußballdeutschland wer wir sind. Wir zeigen allen, was wir können. Wir sind stärker als alle. Ich setze die Haube auf. Ich zünde den Pyro. Ich stelle mich auf den Zaun. Das Gefühl von Erhabenheit, Stolz, Gemeinschaft steigt in mir auf. Wir sind anders. Wir beugen uns nicht. Aber auch dieser Moment wird enden. Ich liege im Bett. Ein letztes mal schaue ich mir die Bilder im Internet an. Ein letztes Mal klicke ich mich durch die dramatisch klingenden Schlagzeilen des Tages. Ich lege mich schlafen. Die Leere macht sich wieder breit. Ich fühle mich alleine. Ich will hier raus, aber ich kann nicht. Ich bin wütend, ich bin sauer, ich koche vor Wut. Ich kann für das alles nichts. Warum hilft mir niemand? Warum gibt mir niemand einen Sinn? Ich bin kein Täter, ich bin ein Opfer.

SCHNITT

Dem Beschuldigten Malte S. wird vorgeworfen, zu den beschriebenen Tatzeiten folgende Rechtswidrigkeiten begangen zu haben: Zerstörung von Eigentum der Deutschen Bahn auf der Strecke zwischen Hamm und Gelsenkirchen; Beamtenbeleidigung; Körperverletzung. Herr S., möchten Sie sich dazu äußern?

Meine Gedanken kreisen: Es war richtig. Mir kann keiner etwas. Ich bin wütend, ich bin sauer, ich koche vor Wut. Warum ich das tue? Ich weiß es nicht. Mein Mundwinkel zuckt. Alle starren mich an. Was wollen die von mir? Ich beuge mich nicht. Nicht vor euch. Lieber gehe ich in den Knast. Meine Jungs stehen hinter mir. Wenn auch nicht hier, dann zumindest im Geiste. Ihr könnt mir gar nichts.

Mein Mandant möchte sich zu den ihm vorgeworfenen Rechtswidrigkeiten nicht äußern und verweißt auf die noch ausstehenden Zeugenaussagen, die eine Gegendarstellung zu den beschriebenen Tathergängen darstellen werden.

SCHNITT

Liebes Tagebuch,

ich freue mich auf meine Familie. Meine Familie gibt mir Kraft, gibt mir Zuversicht. Sie geben mir all das, was ich sonst nicht habe. Es nimmt mir die Leere. Meine Familie füllt sie mit Inhalt. Sie geben mir das Gefühl, dass ich etwas besonderes bin. Sie geben mir das Gefühl, jemand zu sein, gebraucht zu werden. Ich freue mich auf meine Familie. Am Samstag ist es wieder so weit. Dort oben im Block. Achja, meine Eltern könnte ich auch mal wieder anrufen.

SCHNITT

Malte S.? Klar, den kenn ich. Wir gehen in dieselbe Klasse. Ich fahre jeden morgen mit ihm im Bus. Na gut, jeden morgen ist übertrieben. Wenn er halt kommt. Soll ich ehrlich sein? Ich bewundere ihn ein wenig. Wenn er da ist, ist er nie alleine. Jeder kennt ihn, jeder respektiert ihn. Oder ist es Furcht? Ich weiß es nicht. Er ist der typische Bad-Boy. Die Frauen fühlen sich zu ihm hingezogen, ohne dass er etwas dafür tut. Seine Geschichten kennt fast jeder hier. Letzte Woche war er sogar auf der Titelseite zu sehen. Mit einem Pyro in der Hand. Zwar vermummt, aber wir wissen ja, dass er es ist.

SCHNITT

Ich schlage die Zeitung auf und erblicke mich selbst. Vermummt, aber das bin ich. Ich lache erst innerlich, dann tritt es nach außen. Ihr könnt mir gar nichts. Ich = 1. Ihr = 0. Ich schneide das Bild aus und stecke es in die Tasche. Ich muss los, der Bus kommt. Heute habe ich keine Lust zu schwänzen.

SCHNITT

Liebes Tagebuch,

ich muss dem ganzen ein Ende machen. Ich muss hier raus. Die Leere wird immer größer. Sie saugt mich auf wie ein Strudel. Ich bin an einem Punkt, an dem es genug ist. Ich muss mich ändern, ich will mich ändern. Ich habe keine Kraft mich zu ändern. Warum hilft mir niemand? Warum gerade ich? Ich will kein Täter mehr sein, ich will kein Opfer mehr sein. Ich will raus hier. Es klingelt an der Tür. Es ist Samstag. Die Jungs holen mich ab. Ich will hier raus - aber ich kann nicht.  

Epilog:

Sind alle Fans, die ihren Verein überall hinbegleiten auch Verrückte? Nein.
Sind alle Ultras Schwerverbrecher? Nein.
Sind sie alle Schulschwänzer? Nein.
Haben sie alle ein schwerwiegendes familiäres Problem? Nein.
Passt diese ganze Beschreibung auf jeden einzelnen? Nein.

Jedes Problem ist anders. Jeder Hintergrund ist anders. Jede Lösung ist anders, so wie auch jeder Mensch anders ist. Ich habe keine Lösung parat. Nur eine andere Perspektive. 

https://www.facebook.com/3hundertsechzig 

Juuuhuu wir sind Derbysieger, trotzdem fühlt sich dieser Sieg nur schmeichelhaft an. Schuld daran sind Chaoten, die vor dem Spiel angefangen haben Pyrotechnik dafür zu nutzen diese auf eigene Spieler und in Familienblöcke der Gäste zu feuern. Man sollte jedem dieser Chaoten mal links und rechts eine ballern, damit sich das Gehirn wieder in die Waagerechte schiebt. Nun sind wir also an einen Punkt angelangt, eigene Spieler zu beschießen? Familien zu verletzen und Ramba Zamba im Stadion zu spielen?

71823 web R K B by Alipictures pixelio.deSind das Fans die so etwas machen? In meinen Augen nicht, denn hier werden schlichtweg eigene Interessen vertreten. Als Fan steht man zu seinem Verein und das tun diese Menschen nicht, im Gegenteil, sie fügen dem Verein schaden zu und tun dies bewusst und mit voller Absicht. In meinen Augen sind das kriminelle Nichtskönner, die in Ihrem Leben privat nichts zu melden haben, Komplettversager sind oder einfach nur auf der Suche nach Anerkennung sind, die Sie nur noch Scheiße bauen erlangen können. Ja das sind harte Worte, aber es ist die Wahrheit. Denn mit normalem Menschenverstand sind solche Aktionen nicht erklärbar.

Donnerstag, 17 Oktober 2013 16:30

Das zarte Pflänzchen Fandialog

geschrieben von

NRW Landtag 20131016 800x600Am 16. Oktober 2013 um 16 Uhr fand im Landtag von Nordrhein-Westfalen unter dem Titel “Dialog zwischen Politik und Fanvertretern” die zweite Gesprächsrunde zu diesem Thema statt. Initiiert wurde der Termin durch Rainer Vollmer, Mitglied im Aufsichtsrat des Schalker Fanclub Verbands und Mitglied der Interessengemeinschaft “Unsere Kurve” und der SPD-Fraktion im Nordrhein-Westfälischen Landtag. Seitens der “Politik” erschienen ca. 10 Vertreter der SPD-Fraktion aus dem Innen- und auch dem Sportausschuss. Von Fanseite erschienen acht Vertreter. Je zwei Vertreter von Schalke 04, Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach. Je einer von Alemannia Aachen und dem 1. FC Kaiserslautern. Ja, ich war als “Ausländer” nach Düsseldorf gefahren, um mir einen Eindruck von solchen Gesprächen zu machen. Insbesondere unter dem Aspekt, dass gerade in NRW in den letzten Wochen und Monaten einige Vorkommnisse waren, die man als “Paradigmenwechsel” in der Vorgehensweise gegenüber Fußballfans ansehen kann.

Zunächst war ich von der Anzahl der anwesenden Politiker überrascht. Zeigt es doch, dass hier offenbar tatsächlich Redebedarf besteht und man sich mit den Themen wie “Gewalt im Fußball” oder “Polizeieinsätze bei Fußballspielen” ernsthaft beschäftigt.