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Mittwoch, 03 April 2013 21:33

Dringend benötigt: Fans der klaren Worte

geschrieben von 

borussia moenchengladbachWas sie vom Auswärtsauftritt ihrer Mannschaft beim SC Freiburg halten sollten, wussten die meisten Borussia-Fans am Samstag nicht. Anscheinend lustlos und kampflos, jedenfalls aber ideenlos präsentierte sich die Elf vom Niederrhein. Am Ende stand ein verdientes 2-0 für die Breisgauer und ein erneuter (kleiner) Rückschlag für die Borussia im Europapokalrennen. Was man von der Spielweise der Gladbacher an diesem Tag halten soll, wissen die meisten Fans bis heute nicht so richtig. Viele finden jedoch, dass die Spielweise in der jüngeren Vergangenheit häufig unverständlich schwach war. Zurecht. Diese Stimmen sind aber bei einigen nicht gerne gesehen bzw. gehört. Dabei sind deutliche Worte auch im Erfolgsfall vonnöten.

Bereits zum wiederholten Mal in dieser Saison ließ die Borussia wichtige Punkte im Kampf um die Europapokalplätze liegen. Nicht ein einziges Mal gelang es der Mannschaft in der aktuellen Spielzeit, zwei Siege in Folge einzufahren. Und immer wieder sind seltsame Auftritte Grund dafür. Mal erspielt sich die Mannschaft eine Führung, um diese dann mit einer unverständlichen Rückzugs- und Einmauertaktik zu verspielen. Mal wacht die Mannschaft nur für ein paar Minuten auf und rettet irgendwie noch einen Punkt. Bisweilen liefert die Mannschaft aber auch krasse Nicht-Leistungen wie in Freiburg ab. 92 Minuten ohne Ideen. 92 Minuten mit zwei Torschüssen. Über 20 Minuten in Rückstand mit dem Ergebnis: KEINE EINZIGE gute Torchance. Verstehen muss man das nicht. Und kritisieren sollte man das sehr wohl. Auch von Fanseite. Und zwar sachlich, aber bestimmt. Ein nicht kleiner Anteil der Fans will jedoch von jeglicher Kritik und partieller Unzufriedenheit nichts hören und ist sehr schnell mit plumpen Totschlagargumenten zur Stelle: Dem Verweis auf die Entwicklung der letzten Jahre und der Tatsache, dass die aktuelle Saison trotz allem die zweitbeste der letzten 16 Jahre ist. Doch das kann einfach nicht alles sein! 

  • JA, natürlich ist jeder Fan froh darüber, dass eine weitere Saison ohne Abstiegssorgen absolviert werden kann.
  • JA, natürlich ist jeder froh darüber, dass man in dieser Saison als Fan Europapokalauftritte genießen konnte und trotz der zusätzlichen Belastung immer noch um einen Europapokalplatz spielt.
  • JA, natürlich hat die Mannschaft mit Reus, Dante und Neustädter drei maßgebliche Leistungsträger der letzten Jahre vor dieser Saison verloren.
  • JA, natürlich ist der Europapokal wegen des notwendigen teilweisen Neuaufbaus der Mannschaft kein Muss und JA, man sollte der jungen Mannschaft keine allzu hohen Ansprüche und Aufgaben vor die Füße schmeißen.
  • JA, natürlich ist die Mannschaft noch jung und noch nicht vollends eingespielt, sodass man auch mal Spiele verlieren kann.
  • JA, natürlich sind Mannschaften wie Freiburg und Augsburg auch schwer zu bespielen und auch da kann man verlieren.
  • JA, wir haben dem Trainer Favre viel zu verdanken und er ist mit Sicherheit einer der besten Trainer der Liga.

 Das alles steht als Grundaussage, das alles lässt den Borussia-Fan grundsätzlich zufrieden vor dem Fernseher sitzen oder in der Kurve stehen. Das alles ist aber ganz bestimmt kein Grund, sich zurückzulehnen. Und das alles ist erst recht kein Grund, die oben genannten Tatsachen den Fans als Totschlagargumenten entgegenzuschleudern, die weiter denken und die auch kritikwürdige Ansätze in dieser Saison sehen. Ich behaupte, kein wirklicher Fan kritisiert seinen Verein und "seine" Mannschaft aus Spaß an der Freude. Jeder will seine Elf erfolgreich sehen. Und deswegen müssen auch kritische Stimmen in der Fanszene Gehör finden und akzeptiert werden:

  • NEIN, man muss nicht verstehen, warum man von Trainer- und Mannschaftsseite anscheinend Skrupel hat, die angenehme Tabellensituation zu nutzen und einfach offensiv die Europapokalplätze anzugreifen. NEIN, man muss nicht gutheißen, dass man trotz der komfortablen Tabellensituation, in der man rein gar nichts mehr zu verlieren hat, fast immer nur auf defensive Stabilität setzt und nach vorne so gut wie gar nichts geht. Und NEIN, man muss bestimmt kein Verständnis dafür aufbringen, dass man den eigenen Rückstand (beispielsweise in Freiburg) bisweilen einfach nur bis zum Spielende verwaltet.
  • NEIN, man muss gerade wegen der Tatsache, dass man trotz einer schwierigen Saison immer noch Europapokalchancen hat, erwarten dürfen, dass Mannschaft und Trainer heiß darauf sind, diese Chance zu nutzen. Man muss erwarten dürfen, dass die Mannschaft in dieser Situation immer auf Sieg spielt und zumindest versucht, die drei Punkte einzufahren. Man muss dann auch mit Niederlage und Unentschieden leben können, aber das könnten die meisten Fans sicherlich, wenn die Mannschaft sichtbar alles gegeben hat. Dann ist es auch egal, wenn man am Ende Achter, Neunter oder Zehnter wird, denn man hat offensiv versucht, seine Chancen zu nutzen. Immer noch besser als mit einem biederen Unentschieden-Verwaltungs-Fußball am Ende Siebter zu werden.
  • NEIN, man muss nicht verstehen, warum mit de Jong und Xhaka kostenintensive Neuverpflichtungen getätigt werden, wenn diese dann vom Spielsystem vollkommen im Stich (de Jong) oder vom Trainer konsequent auf der Bank gelassen (Xhaka) werden. Im ersten Fall wirft man einen jungen Kerl dem Rudel der Besserwisser und Stammtisch-Meckerer mit ihrem "13-Millionen-Fehleinkauf"-Gelaber zum Fraß vor. Im zweiten Fall redet man pausenlos davon, dass der Spieler jung sei und Erfahrung und Spielpraxis in der Bundesliga brauche. Seltsam nur, dass genau diese Spielpraxis auf Gedeih und Verderb nicht zugestanden wird. Und dann wundert man sich wieder, dass der Spieler sich immer noch nicht an das Tempo der Bundesliga gewöhnt hat und einige Fehler begeht, wenn er denn mal auf dem Platz stehen darf.
  • Und NEIN, man muss den Trainer trotz seiner Verdienste nicht als unantastbare Gottheit anhimmeln. NEIN, auch der Trainer ist ein Mensch, der teilweise auf Dauer unverständliche Fehler begeht. Warum wochenlang an einem Cigerci festgehalten wird, der womöglich Talent hat, jedoch seiner Form offenbar meilenweit hinterher läuft, muss man nicht verstehen. Und auch nicht, warum der Trainer offenbar die bereits angesprochene eigenwillige Defensivtaktik, die am Ende meistens noch nicht einmal aufgeht, ausgibt.

Das alles muss der wohlwollend kritische Fan anmerken dürfen. Mit Scheuklappen versehene Zufriedenheit bedeutet Stillstand. Lange Zeit wurde den kritischen Fans irgendwas von "Modefans" und "keine richtigen Fans" erzählt, nur weil man eben nicht alles toll und super fand. Jetzt hat sich auch der Vizepräsident Bonhof mal zu Wort gemeldet und etwas von "auch mal das Herz in die Hand nehmen" gesagt. (Standpunkt von Vizepräsident Rainer Bonhof) Keiner weiß, ob diese Worte beim Trainer und/oder der Mannschaft ankommen werden. Bei vielen Fans wurden diese Worte aber dankbar aufgenommen. Mit konstruktiver Kritik scheint man vielleicht doch nicht nur ein illoyaler Maulheld und Nestbeschmutzer zu sein...

6 Kommentare

  • Kommentar-Link Elmi Donnerstag, 04 April 2013 07:47 gepostet von Elmi

    ....mit diesen Worten sprichst Du mir sowas von aus dem Herzen. Ich halte auch nix von überzogener Kritik, aber ich darf zumindest jederzeit erwarten, das zumindest alles versucht wird ein Spiel zu gewinnen bzw. bei Rückstand alles mobilisiert wird. Ob das dann auch klappt steht auf einem anderen Blatt!!

  • Kommentar-Link Münstereifler Donnerstag, 04 April 2013 08:25 gepostet von Münstereifler

    ... es ist einfach so, dass Theorie und Praxis zwei verschiedene Dinge sind. Da kann man heulen oder jubeln. Das ist eben so.

  • Kommentar-Link Schulli Donnerstag, 04 April 2013 09:38 gepostet von Schulli

    Na ist doch schön, dass man im Fußball so gegenseitige Meinungen hat. Wobei du deinen Artikel ja auch so aufbaust, dass deinen "NEIN" Argumente als Totschlagargumente daher kommen, aber dass sei dir natürlich auch freigestellt. Aber erlaube mir eine Antwort auf deine Argumente:

    Zu deinem ersten Nein: Woher nimmst du die Annahme, dass die Mannschaft Skrupel hätte? Ich erinnere mich gut und gerne an den Saisonstart und die vermeintlich offensive Ausrichtung der Mannschaft, die einfach nicht gefruchtet hat. Da haben wir viele Tore kassiert, weswegen ja auch ein Marx zurück in die Stammelf kam, um die Stabilität herzustellen. So spielt die Mannschaft auch aus meiner Sicht nicht schön, aber über weite Strecken doch erfolgreich.
    Ich glaube auch nicht, dass die Mannschaft in Freiburg nicht wollte und das Ergebnis verwaltet hat. Das ist aus meiner Sicht Unfug. Alleine anhand der gelaufenen Kilometer der Truppe sieht man, dass sich da keiner ausgeruht hat. Ich habe in dem Spiel einfach viele Abspielfehler gesehen. Einerseits mag das dem Freiburger Spiel geschuldet sein, andererseits begleiten uns diese unnötigen Ballverluste schon die gesamte Saison.
    Und als wir einmal Offensiv gespielt haben und die Chance durch Nordtveit hatten, waren wir hinten offen.

    Zu deinem 2. NEIN:

    Das ist nun wirklich Unfug, oder glaubst du Trainer und Mannschaft wollen nicht Erfolg haben? Hast du schon mal selber gespielt? Jeder Fußballer will Erfolg haben und nach Möglichkeit auch das Optimum - in diesem Fall die Euroleague - erreichen. Wie aber oben angeführt läuft unser Offensivspiel die ganze Saison schon schleppend bis gar nicht. Und da sollen wir unser einziges Faustpfand, die Defensive, vernachlässigen? Spekulativ: Hätte Hermann seine Chance genutzt, wären wir womöglich als Sieger vom Platz gegangen und alle wären zufrieden. Ja, auch du. Mag sein, dass du spielerisch mehr erwartest, aber am Ende zählt doch der Erfolg. ;o)

    Zu deinem 3. ud 4. Nein: Was de Jong angeht ist dieser in der Tat abhängig von Bällen. Nur krankt unser ganzes Spiel daran, zu wenig Bälle in die Offensive zu spielen. Es ist doch egal, wer nun vorne spielt, es bewegt sich relativ wenig. Wobei ich gerade bei De Jong mehr als positive Ansätze sehe. Ja, er war teuer, aber er ist eben jung. Zudem durften wir minimum 3 Mio zu viel für ihn bezahlt haben, weil Twente wusste, dass wir genug Geld haben. Aber er wird seinen Weg machen. Nicht umsonst wil man ja schnelle Leute wie einen Max Kruse verpflichten, der bestimmt eine gute Ergänzung zu De Jong darstellen würde.

    Was Xhaka betrifft wurde dieser wohl allgemein überschätzt und war evtl. auch zu teuer. Aber er muss sich in der Tat erst einmal an die Liga gewöhnen. Ich denke, dass Lucien Favre im Moment da kein Risiko eingehen will, da ja noch die Chance besteht, in die EL zu kommen und das funktioniert aktuell, wie oben schon gesagt, nicht mit Hurrafußball.

    Ob der Trainer einen Cigerci oder wen auch immer spielen lässt.....ich muss ehrlich sagen, dafür ist nun mal der Trainer zuständig. Wir wissen doch gar nicht, wie ein Spieler im Training arbeitet, wie weit er dort ist (trifft auch auf Xhaka zu). Evtl. war Cigerci im Training eben herausragend, bringt es aber Samstags nicht auf die Strecke. Woher sollen wir das beurteilen? Wir beurteilen doch "nur" den Spieltag. In dem Punkt vertraue ich dem Trainer einfach, auch wenn ich deine Ansicht teile, dass es Cigerci nicht gepackt hat bis dato. Das war zu wenig.
    Das hat nichts mit Nibelungentreue zum Trainer. Auch ich habe mich durchaus einige Male gefragt, warum er diesen oder jenen Spieler wann ein- oder auswechselt. Aber grundsätzlich spricht der Erfolg für den Trainer, auch wenn wir dieses Jahr keinen tollen Fußball spielen. Ich habe schon einige Spiele durchlebt und bin damit auch nicht zufrieden, aber es gibt eben nun mal Gründe, warum die Mannschaft so agiert, wie sie es macht.

    Nichts für ungut....

  • Kommentar-Link Fohlen1900 Donnerstag, 04 April 2013 12:57 gepostet von Fohlen1900

    Guter Kommentar Schulli,

    so ungefähr sehe ich das Ganze auch.

    Ich glaube, manche Dinge kann man einfach besser beurteilen, wenn man jahrelang selbst Fussball (zumindest ab Kreisliga A-Niveau) gespielt hat.

    Die Mannschaft spielt wirklich keinen schönen Fussball. Jedoch haben wir unter Frontzeck einen Hurra-Stil gespielt und wo der beinahe hingeführt hätte, wissen wohl die meisten.
    Ich denke auch, dass wir mit dieser Defensiv-Tatik insgesamt auch besser fahren und mit einer offensiveren weniger Punkte hätten.
    Das alleine rechtfertigt für mich die Taktik/Aufstellung von Favre.

    Richtig enttäuscht haben mich in der Rückrunde nur die Spiele in Rom, gegen Bremen und der Auftritt gegen Leverkusen.

    Ich hoffe, jedoch auch darauf das Xhaka seine Chance bekommt und diese dann endlich nutzen kann.
    Marx geht leider auf Dauer gar nicht.

  • Kommentar-Link Schulli Donnerstag, 04 April 2013 14:16 gepostet von Schulli

    Danke Fohlen 1900,

    ja so ist es. Habe auch selbst gg. die Murmel getreten und versuche mich schon seit längerem als Coach. Daher weiß ich manchmal, dass es für den "Fan", der Sonntags zu den spielen kommt, nicht immer nachvollziehbar ist, warum xyz spielt und abc nicht. Aber die sind eben auch nicht immer dabei und haben das entsprechende Hintergrundwissen.

    Was Xhaka angeht bin ich ganz bei dir. Ich hoffe auch, dass er nächste Saison durchstartet. Marx ist solide, mehr nicht. Aber im Moment eben besser für die Mannschaft.

    Ich bin aber zuversichtlich, dass jetzt an den richtigen Stellschrauben gedreht wird und im Sommer die richtigen Ergänzungen geholt werden....

  • Kommentar-Link Stefan Rieck Freitag, 05 April 2013 18:56 gepostet von Stefan Rieck

    @ Schulli:
    Erst einmal vielen Dank für den ausführlichen Kommentar.

    Vielleicht Grundsätzliches vorab: Ich lasse gerne jedem seine Meinung. Ich finde, das muss so sein, auch wenn ich persönlich diese Meinung vielleicht gar nicht oder teilweise unterschreiben kann. Von daher vollkommen okay, dass du einiges anders siehst als ich.
    Für mich war Anlass des Blog-Beitrags, dass ich fand, dass die von mir geäußerten und offenbar von vielen anderen geteilten Gedanken auch mal offen ausgesprochen werden sollten. Und zwar in der Hoffnung, dass Andersdenkende wenigstens akzeptieren, dass es andere Vorstellungen gibt.

    Eine grundsätzliche Sache noch: Ja, ich spiele seit mehr als 18 Jahren selber aktiv Fußball und habe in hunderten von Pflichtspielen schon ziemlich viele Situation miterlebt. Es ging gegen den Abstieg, um den Aufstieg und um Pokale. Es waren Spiele dabei, in denen man hoffnungslos unterlegen, haushoch überlegen oder ziemlich gleichauf mit dem Gegner war. Kurz: Ich glaube schon, genügend Praxis- und Taktikerfahrung zu haben, um mir in Teilen ein Urteil erlauben zu können. Jedenfalls bin ich kein Fan, der selber nur auf der Tribüne hockt und mault und eigentlich keine Ahnung von dem Sport hat, der da untern gerade zelebriert wird. Das mal vorweg.

    Meine NEIN-Argumente waren keinesfalls als Totschlagargumente gemeint. Sie stellen meine Denkansätze dar. Vielleicht hätte ich noch was à la "aus meiner Sicht" oder sowas schreiben sollen... Ich finde auch nicht, dass es Totschlagargumente sind, denn dagegen zu argumentieren ist jedenfalls dir ziemlich einfach gefallen. Aber ist ja auch egal.

    Zu deinen Punkten im Einzelnen:

    Zum Thema "Skrupel":
    Ich schrieb, dass die Mannschaft "anscheinend" Skrupel hat, offensiver mit der Situation umzugehen. Das Wort "anscheinend" sagt schon viel aus, sprich: Es macht für mich diesen Anschein. Ob es so ist, kann ich nicht belegen. Und keiner außerhalb der Mannschaft kann das Gegenteil belegen. Es bleibt also ein Gefühl und eine These. Ich persönlich habe aber das Gefühl, dass sowohl Trainer als auch Mannschaft irgendwie kein konsequentes Konzept haben, wie sie die Gesamtsituation angehen sollen. Mal spielt man offensiv einigermaßen gefällig, vergräbt sich aber bei Halbzeitführung vollständig im eigenen Spieldrittel und bettelt mit angeblicher "defensiver Kompaktheit" um den Ausgleich, der dann dankenswerter Weise auch hin und wieder endlich mal fällt. Mal macht man wie in Freiburg ein Spiel lang quasi gar nichts offensiv, zieht sich nur kompakt zurück und verwaltet obendrein den trotzdem entstandenen Rückstand aus meiner Sicht einfach nur zuende. Offensive Drangphasen und ernsthaftes, sichtbares Bemühen, den Spielstand zu drehen, war in dieser Saison teilweise nicht zu erkennen. Und dann gibt's auch so richtig schöne Spiele wie in Hannover oder Fürth, wo die Mannschaft sich zu keiner Zeit hängen gelassen hat und immer sichtbat geil darauf war, das verdammte Ding zu gewinnen. Mir fehlt einfach eine grundsätzliche, durchgängige taktische Ausrichtung bzw. dass durchgängig eine bestimmte Grundmotivation, die Spiele zu bestreiten, festzustellen wäre. Man weiß vor dem Spiel nie, wie die Mannschaft heute so drauf ist und was man ungefähr an Einsatz und sichtbaren Willen erwarten kann. Gelaufene Kilometer bringen an dieser Stelle aus meiner Sicht auch keinen argumentativen Vorteil für deine Sichtweise. Mittlerweile sollte bekannt sein, dass Laufleistung alleine keine Siege einfährt. Die Laufleistung der Mannschaft mag dokumentieren, dass die Jungs konditionell topfit sind und es nicht am Laufwillen mangelt, ob die Laufwege richtig und sinnvoll sind, kann man jedoch nicht ablesen. Wer 90 Minuten lang andauernd konsequent defensiv richtig und bis zum Spielfeldende verschiebt, läuft auch zig Kilometer ohne irgendwas zu einem offensives Auf-Sieg-Spielen und einer Wir-wollen-das-verdammte-Ding-unbedingt-gewinnen-Mentalität beigetragen zu haben. Alles in allem ist das alles für mich undurchsichtig, inkonsequent und erweckt bei mir den Anschein, dass man (wer auch immer "man" ist) irgendwie Skrupel hat, sich in der jetzigen Situation für eine bestimmte grundsätzliche Herangehensweise zu entscheiden. Und so läuft man meiner Meinung nach Gefahr, diese Postion einfach zu verschenken.

    Zum Thema "Erfolg haben wollen":
    Natürlich glaube ich nicht, dass Trainer und Mannschaft keinen Erfolg haben wollen. Aber ich finde, man sieht es häufig nicht (siehe die Skrupel-Duskussion). Und irgendwie habe ich den Anspruch, dass man an Spielweise, Aufstellung, Körpersprache, Einwechslungen, etc. sehen können muss, dass man diesen Siegeswillen und den Willen, diese Chance verdammt noch mal und auf Teufel komm raus nutzen zu wollen, sehen muss. Natürlich wäre mir die Spielweise im Endeffekt auch wumpe, wenn wir dafür jedes Spiel gewinnen würden. Tun wir aber leider nicht. ;-) Von daher will ich am Ende eines nicht siegreichen Spiels wenigstens (fast) immer das Gefühl haben, dass die Jungs alles gegeben haben und man ihnen einfach keinen weiteren Vorwurf mehr machen kann. Nach so spielen wie gegen Freiburg oder Bremen könnte ich aber in der ersten Emotionen viel eher jemandem den Hals umdrehen... ;-)

    Zum Thema "de Jong":
    Ich denke hier liegen wir ziemlich nah beieinander. Wie geschrieben ist er für mich einfach vom System bzw. Offensivspiel im Stich gelassen. Der Junge kann was und wird sich noch gut entwickeln. An der Millionen-Diskussion will ich mich eigentlich nur in der Form beteiligen, dass ich bezweifele, dass er fix tatsächlich so viel gekostet hat, wie immer behauptet und geschrieben wird.

    Zum Thema "Xhaka":
    Ich denke nicht, dass er grundsätzlich überschätzt ist. Ich denke jedoch, dass er persönlich die Bundesliga und auch die Borussia ein wenig unterschätzt hat. Das Tempo und die Qualität dürfte schon DEUTLICH höher sein als in der Schweiz. Und daran hat er sich bislang nicht ganz gewöhnen können, woraus viele vermeidbare Fehler resultierten. Da Marx für mich für die von mir favorisierte Spiel- und Auftretensweise bei allem Dank und Repekt für bzw. vor seinen bisherigen Leistungen für Borussia ein No-go ist, würde ich viel lieber einen Xhaka an der Seite von Nordtveit sehen.

    Zum Thema "Cigerci":
    Mir ist wichtig festzuhalten, dass ich dem Jungen persönlich nichts will und ihn auch nicht zum Sündenbock machen will. Es ist für mich aber ein Beispiel dafür, dass unser Trainer auch manchmal ein wenig komisch anmutende Eigenarten hat, seine eigene Position darzustellen. Cigerci hat leider in den Spielen nichts gebracht und das reihenweise. Klar ist der Trainer näher dran und für die Aufstellung verantwortlich. Das wird sich bis zu einem möglichen Rauswurf oder bis zum Vertragsende zurecht nicht ändern. Aber auch ich war Jugendtrainer und muss ehrlich sagen: Manchmal nutzen einem auch die besten Trainingsleistungen von Spielern nichts, wenn man einfach zu 90% sicher sein kann, dass der Spieler nicht abliefert, wenn es drauf ankommt. Ich finde, das sollte man erkennen und dann ggf. trotz toller Trainingsleistungen dementsprechend reagieren. Ich finde, in diesem Punkt ist Kritik durchaus angebracht.

    So long.
    Viele Grüße.

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