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Montag, 10 Dezember 2012 08:54

Auswärts haben wir noch Steigerungspotential - Interview mit Kollektiv 71 Teil III

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Dem aufmerksamen Beobachter der Offenbacher Fanszene ist sie bestimmt schon aufgefallen, die Zaunfahne des „Kollektiv '71". Doch wofür steht sie, was ist das Kollektiv? Eine Ultragruppierung? Diese Frage wird derzeit in der Offenbacher Fanszene (zumindest in den Internetforen) heiß diskutiert. Mir ist dabei aufgefallen, dass alle ÜBER die Gruppe reden, aber kaum einer mit ihr. Das wollte ich ändern und habe mich deswegen mit Sebastian und Kai vom Kollektiv '71 zum Interview getroffen.

Letzter Teil des Interviews mit Kollektiv '71

Teil I - Teil II

Ihr habt ja vorhin schon mal die schlechte Akustik im neuen Stadion erwähnt. Wie ist denn insgesamt euer Eindruck vom neuen Stadion? Trauert ihr wie viele dem alten Berg hinterher, oder überwiegen für euch die Vorteile?

Kai: Ich muss sagen, dass ich dem alten noch viel mehr hinterher trauere, als ich gedacht habe. Klar gab es eine gewisse Notwendigkeit, das was passieren muss, das hat wohl jeder gesehen. Aber im Nachhinein muss ich sagen, das ist schon ein harter Einschnitt gewesen. Der Bieberer Berg war für mich, obwohl ich jetzt noch nicht Jahrzehnte hoch gehe, etwas, wo ich mich heimisch gefühlt habe. Man hat jede Ecke gekannt, und auch wenn sie nicht so schön waren, waren es unsere Ecken. Jetzt kommt man hin und denkt, man geht in ein Stahlbetonwerk.

Sebastian: Dazu noch die meterhohen Banden vor den Tribünen, die einfach nur scheiße aussehen. Ich kann gut nachvollziehen, dass Leute, die noch 20, 30 Jahre älter sind als wir sagen, dass sie damit nicht klarkommen. Wir können zwar froh sein, dass die Stehgegengerade erhalten geblieben ist. So wie es ist, ist das Stadion in Ordnung, aber auf jeden Fall nicht zufriedenstellend. Es hat auf keinen Fall den Charme des alten Bieberer Bergs.

Die IGS kämpft für den Wiederaufbau der Flutlichtmasten, wie steht ihr dazu?

Kai: Von mir aus könnten wir sofort anfangen, die Fundamente zu graben. Wenn man von außerhalb nach Offenbach gekommen ist, dann hat man schon von weitem die Flutlichtmasten gesehen. Erst wenn sie weg sind merkt man, wie symbolisch sie waren. Es fehlt was. Dazu das Alleinstellungsmerkmal mit nur zwei Flutlichtmasten. Wir sind definitiv Befürworter der Flutlichtmasten.

Frage: Während der zurückliegenden „Vorstandskrise" habt ihr nicht öffentlich Position bezogen. Lag das daran, dass ihr auf Grund eures basisdemokratischen Prinzips keine einheitliche Meinung hattet?

Sebastian: Für uns hatten beide Teams Vor- und Nachteile.

Kai: Ein Großteil hat zu einer Partei tendiert, wir haben uns bewusst gegen eine öffentliche Positionierung entschieden, um unabhängig vom Wahlausgang Gräben, die durch die Vereinspolitik entstanden sind zu überbrücken.

Der neue Vorstand ist noch nicht lange im Amt, traut ihr euch trotzdem zu, ein Urteil abzugeben?

Kai: Das Team, das gewonnen hat ist ja mit großen Ambitionen angetreten, inwieweit die jetzt in finanzieller Sicht und sponsorentechnisch umgesetzt wurden, können wir schlecht beurteilen. Es ist bisher kein großer Wurf passiert, das war aber bei den Altlasten auch nicht zu erwarten. Man sollte ihnen noch etwas Zeit lassen. Hoffen wir, das was Positives bei raus kommt. Wo wir uns ein Urteil erlauben können, ist die Frage, welchen Einblick das Präsidium in die Fanszene hat oder allgemein in Fanbelange. Und da muss man sagen sind starke Defizite da. Barbara Klein hat natürlich eine exponierte Stellung, aber, ohne ihr zu Nahe treten zu wollen, die Probleme und Anliegen, die vor allem wir aktiven Fans auf der Waldemar-Klein-Tribüne haben sind dem Präsidium nicht bewusst. Es besteht noch keine Sensibilität dafür. Ich streite nicht ab, dass sie das gerne wissen würden. Momentan fehlen aber die Kenntnisse, wie die Offenbacher Fanszene strukturiert ist. Da muss man mal sehen, wie man den Leuten den Einblick, den sie von außen gar nicht haben können, verschafft.

Frage: Glaubt ihr, man hat ein offenes Ohr für Fanbelange?

Kai: Ein offenes Ohr hat man da sicherlich, es fehlt einfach noch der persönliche, schnelle Draht, der mit der Zeit hoffentlich kommt.

Eine Möglichkeit des direkten Drahtes wäre die Wahl eines Fanvertreters in den Verwaltungsrat des Vereins.

Sebastian: Das würde ich sehr begrüßen, wenn jemand die Zeit dafür opfern kann und will. Wenn jemand da ist, der aktiv Fanbelange da einbringen kann und vielleicht auch mal ne andere Sichtweise auf die Dinge hat, kann das sicher nicht verkehrt sein.

Kommen wir zum Schluss noch zum sportlichen. Wie fällt euer Fazit der bisherigen Saison aus und was erwartet ihr für den Rest der Saison?

Kai: Man wurde von den ersten vier Spielen schon überrascht. Dass wir nicht durchmarschieren, war mir klar, aber mit vier Niederlagen am Stück habe ich auch nicht gerechnet. Dementsprechend war natürlich die Angst groß, da unten nicht mehr herauszukommen. Dann kam die positive Wendung mit den 12 Spielen ohne Niederlage, meiner Meinung nach mit ein paar Unentschieden zu viel, sonst würden wir noch weiter oben stehen. Aber nach dem Start muss man zufrieden damit sein, mit dem Abstieg erstmal nichts mehr zu tun zu haben. Die Mannschaft scheint das Potential zu besitzen, ob oben noch mal ranzukommen. Die Liga ist leider nicht OFC-dominiert, aber es war ja die letzten Jahre absehbar, dass das ein ausgeglichenes Rennen ist. Ich hoffe, dass wir bis zum Schluss die Fühler nach oben strecken, so wie letztes Jahr, nur mit dem besseren Ausgang. Der Aufstieg würde uns allen ganz gut zu Gesicht stehen. Aber scheint momentan in weiter Ferne.

Gibt es noch etwas, was ihr loswerden wollt?

Kai: Ich würde gerne noch mal sagen, dass wenn jemand Redebedarf hat, kann er sich gerne an uns wenden, wir haben da immer ein offenes Ohr.

Sebastian: Die Leute sollen nicht über uns reden sondern zu uns kommen und mit uns reden. Es bringt natürlich nichts, in der 25. Spielminute zu uns zu kommen und mit uns zu diskutieren, warum wir jetzt ausgerechnet das Lied angestimmt haben. Aber vor und nach dem Spiel sind wir anzutreffen und da kann man dann gerne über alles reden. Es ist uns außerdem wichtig, dass differenziert wird und nicht alle jungen Leute in einen Sack gesteckt werden. Nicht alle jungen Leute gehören automatisch dem Kollektiv '71 an, auch wenn manche Leute das vielleicht denken.

Kai: Einen Wunsch habe ich noch. Vielleicht kann sich ja der eine oder andere aufraffen, mal öfter auswärts zu fahren, denn auswärts haben wir auf jeden Fall noch Steigerungspotential.

Diesem Schlusssatz kann ich mich nur anschließen!

Danke, für das offene Interview!

NUR DER OFC!

Teil I - Teil II

Oliver Gottwald

Jahrgang 1976, Oldschool-Supporter, kickersverrückt

Vereinsmitglied

Dauerkarteninhaber (Block 2)

stellv. Vorsitzender der Fanabteilung

Vorstandsmitglied des Offenbach Supporters Club (http://www.derosc.de)

 

4 Kommentare

  • Kommentar-Link ZycLon Montag, 10 Dezember 2012 13:17 gepostet von ZycLon

    Tut mir leid, die Idee hinter dem Kollektiv 71 finde ich ja nicht verkehrt - etliches feiere ich auch was hier im Interview gesagt wird. Aber solange man Gruppen wie Diversity supported, die sich im Block benehmen wie die Axt im Wald und Herrschaftsansprüche stellen und man nicht von einem Vorsinger loskommen will (der im übrigen durchaus immer eigene Lalala-Liedchen anstimmt) solange bleibt für mich (und etliche andere) auch das Kollektiv ein novum!

    Man versucht weiterhin nicht die Kräfte zu bündeln, sondern zieht gnadenlos sein eigenes Ding durch - versucht das dann noch etwas zu verhübschen mit "Ja aber wir brüllen ja dann auch OFC OFC!"

    Sorry jungs, aber führt die jungen Fans lieber auf den richtigen Weg! Den Weg der Kickers! Und der ist Oldschool!

    PS: Von Choreos habe ich lange lange nichtsmehr gesehen.

  • Kommentar-Link timofc Montag, 10 Dezember 2012 21:28 gepostet von timofc

    Gutes Interview!
    Da ich in der Mitte stehe, weiß ich gut genug was mit Konsumenten gemeint ist. Alle kriegen se ihr Maul net auf.

    Andere Frage, die gruppe diversity ist mir noch nicht bekannt, aber der user zyclon schrieb, dass sie sich im block aufführen wie die axt im walde?was machen die denn?

    rot weiße grüße

  • Kommentar-Link Oliver Gottwald Dienstag, 11 Dezember 2012 09:53 gepostet von Oliver Gottwald

    @zyclon: Die letzte Choregrafie ist noch nicht so lange her, wenn sie auch etwas klein war:

    http://www.super-kickers-offenbach.de/OFC_-_Karlsruher_SC_15.09.2012_1-1/target9.html

    @timofc: Bei Diversity handelt es sich um eine kleine ultraorientierte Fangruppierung. Von einem Verhalten "wie die Axt im Wald" und "Herrschaftsansprüchen" ist mir nichts bekannt...

  • Kommentar-Link ZycLon Mittwoch, 12 Dezember 2012 10:50 gepostet von ZycLon

    @Gottwald & timofc

    Ich habe beobachtet wie einige der benannten Gruppe es Leuten verbieten wollte, das ein Kerl Fotos vom Auswärtsblock schießt (Rostock). Mit dem Hinweis: Wir wollen das nicht das jemand im Block filmt oder fotos macht. Ebenso hat man einige Leute den Platz verwehrt, weil dieser ja schon für die "Gruppe" reserviert sei, man solle sich doch woanders platzieren!

    Vorallem das "wir" ist mir hierbei ziemlich übel aufgestoßen. Denn -ICH- habe nichts dagegen wenn jemand über meinen Kopf hinweg mal ein Bildchen vom anderen Ende schießt. Und -ICH- habe auch nichts dagegen wenn sich ein fremder Kickersfan zu mir am Brecher gesellt. Soetwas spaltet den Block als das es ihn vereint.

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