Mo27Mar2017

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europaWer als Außenstehender in den vergangenen Monaten und Jahren die Berichterstattung und die dazugehörige öffentliche Debatte um die Sicherheit in deutschen Fußballstadien sporadisch mitbekommen hat, der wird in Zukunft Fankurven wohl tunlichst meiden. Denn das öffentliche Bild von Fußballfans und besonders der dominanten Fankultur der Ultras ist von Stigmatisierung geprägt. Da spricht ein Polizeigewerkschaftler von lebensgefährlichen Stadionbesuchen, eine Talkshow-Moderatorin diskutiert über die „Taliban der Fußballfans“, ein ehemaliger Fußballer fabuliert im Fernsehen vor Millionenpublikum über Hooligan-Verschwörungstheorien, ein Vereinspräsident bezeichnet eigene Fans schlichtweg als 'Arschlöcher'. Doch Rainer Wendt, Sandra Maischberger, Mehmet Scholl und Martin Kind liegen mit ihren undifferenzierten Äußerungen voll im Trend. Aktive Fußballfans gelten hierzulande in der Regel wahlweise als 'Unbelehrbare', 'Randalierer' oder einfach 'Chaoten'. Sie werden wie kaum eine andere gesellschaftliche Gruppe öffentlich verunglimpft. Dementsprechend leicht fällt es den Verantwortlichen des Sports und der Politik ihre zivilgesellschaftliche Interessenvertretung zu ignorieren. Während die Chefs der Deutschen Fußball Liga (DFL) und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) dann mit den Vereinen und dem Bundesinnenminister über die Sicherheit in und um deutsche Stadien beraten, bleiben Fanvertreter außen vor. Es wird über statt mit den Betroffenen gesprochen – mit absehbaren Folgen. Statt auf Dialog setzen die Beteiligten auf Konfrontation – die einen mit immer stärkeren Drohungen und Repressionen, die anderen mit vermehrten Provokationen und Regelverstößen.

Donnerstag, 27 September 2012 18:14

Ungesunde Anstoßzeiten

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Ich weiß, über das leidige Thema der Anstoßzeiten wurde schon ausreichend geschrieben und geklagt. Muss man sich in der ersten Liga über viel zu entzerrte Spieltage ärgern so ist diese Problematik gerade in der zweiten Liga noch wesentlich größer. Das in der Regel nie mehr wie drei Spiele gleichzeitig stattfinden ist schlimm genug, die Uhrzeiten zu denen angepfiffen wird sind allerdings schlicht und ergreifend ungesund.

Sonntag, 09 September 2012 00:00

Easy Credit und der Fußballspruch des Jahres

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fc kaiserslauternIn den vergangenen Tagen tauchte selbst auf den Websites deutscher Leitmedien eine Randmeldung zur Wahl des Fußballspruchs des Jahres auf. Anlass war die Bekanntgabe der Kandidaten zu ebenjener Wahl der so genannten ‚Deutsche Akademie für Fußballkultur‘ (DAF), die Anfang Oktober stattfindet. Unter den auserwählten Sprüchen befindet sich auch einer, welcher den Fans des FCK zugeschrieben wird („Liebe kennt keine Liga!“). Zwar sollte die Aussicht auf diesen offenbar bundesweit bekannten Preis die Lauternfans zunächst erfreuen, doch schnell wird die Freude etwas getrübt. Fanpreis von der DAF, war da nicht was?

Tatsächlich hatten die Lauterer Fans in der Vergangenheit bereits die Ehre von dieser ‚Akademie‘ ausgezeichnet zu werden. Im letzten Jahr sollten die Ultras der ‚Generation Luzifer 98‘ (GL) für ihre Fritz-Walter-Choreographie mit dem 'Easy-Credit-Fanpreis' des Jahres ausgezeichnet werden. Die bewegte Choreo aus dem November 2011 war in jedem Fall auszeichnungswürdig, dennoch kam es nie zu der Preisverleihung. Denn die Ultras der GL blieben in ihrer Ablehnung gegen die Kommerzialisierung des Fußballs konsequent und lehnten die mit 3000 Euro dotierte Auszeichnung ab. In einer öffentlichen Stellungnahme erklärte die Gruppe damals ihre Entscheidung. Das Credo lautete: DAF – ja, Easy Credit – nein.

Donnerstag, 09 August 2012 00:15

Kaiserslauterns Blog legt los

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fc kaiserslauternAuch dieses Jahr war die Sommerpause wieder lang und quälend. Hinzu kam ein Spannungsbogen, der für mich ganz besonders fies wirkte.

Durch den vollkommen verdienten Abstieg unseres geliebten Vereins wirkte die sonst so schrecklich erscheinende Sommerpause wie ein Segen, was einen aber unbedingt misstrauisch machen sollte. Und tatsächlich hatte ich anfangs das Gefühl, diese Pause meine es gut mit mir, sie gab mir Zeit mich von allem was ich Schlimmes in den letzten Monaten erlebt hatte etwas zu erholen. Als ich gerade wieder so weit war mich für ungefähr eine Stunde am Tag wieder langsam mit Fußball zu beschäftigen, gab man mir die Möglichkeit über vollkommen unbedeutende Länderspiele wieder Stück für Stück in das Gefühl „Fußball“ zu kommen. Es gab Sieger und Verlierer und ich bekam langsam wieder ein Gespür dafür, dass vor dem Spiel tatsächlich theoretisch jeder gewinnen kann, ganz so wie es im Fußball immer war und ganz anders als es mir die letzten traumatischen Monate immer und immer wieder gezeigt haben.

Ich gab mir also große Mühe die Europameisterschaft mit Begeisterung zu verfolgen, ärgerte mich mit unglücklichen Verlierern und freute mich mit verdienten Gewinnern. Ich hatte das Gefühl auf einem sehr guten Weg zu sein, Fußball schauen ohne Angst ging wieder, die Zweite Liga schien noch ganz weit weg und am nächsten Tag kommt wieder ein Spiel, in dem es einen Gewinner geben würde für den ich mich dann freuen könnte. Genau an diesem Punkt war ich dem ganzen Schwindel verfallen und merkte es erst, als das Turnier vorbei war.

An den Tagen nach dem Finale wurde mir bewusst, dass der Fußball in dieser Form für mich leider nur ein Spiel war, er konnte mir nichts geben. Ich konnte meine Favoriten nach jeder K.O.-Runde aktualisieren, jedes Ausscheiden hatte ich bis ungefähr zehn Minuten nach Spielende verarbeitet und auch ein Sieg hatte keinen echten Wert.

Nach dieser Erkenntnis war ich wieder bereit mich gründlich mit allen unnötigen Meldungen, Spekulationen und Zahlen rund um den FCK zu beschäftigen. Und jetzt sollte alles sehr schnell gehen, die ersten Testspiele kamen und als endlich die neue Dauerkarte im Briefkasten lag, wusste ich, dass es fast geschafft war. Die Vorfreude wurde immer größer und endlich stand der erste Spieltag der Zweiten Liga an. Leider hatte unser FCK das undankbare Montagsspiel und aufgrund des exklusiven „Alleinstellungsmerkmales“ der Zweiten Liga wurde der erste Spieltag auf gefühlt eine Woche gezogen, was dieses Wochenende zu einem der längsten der letzten Jahre werden ließ. Und trotzdem kam der Montag irgendwann...

Ausgeschlafen war ich an diesem Morgen bereits um Sieben und begann nun damit allen Menschen in meinem Umfeld und mir selbst natürlich kräftig auf die Nerven zu gehen. Als sich gegen Mittag dann auch endlich ein paar exquisite Mitglieder unserer gewohnten Reisegruppe bei mir versammelten, begannen wir in großer Hektik alles zu packen und schnell los zu kommen. In Lautern waren wir dann um Vier. Über vier Stunden Zeit also um sich mental und körperlich aufzuwärmen, was bei warmen Temperaturen und kaltem Bier schnell Erfolg zeigte.

Zum Spiel selbst möchte ich jetzt eigentlich gar nicht mehr so viel sagen. Wir brauchten eine ganze Halbzeit um in dieser Liga anzukommen. In der zweiten Halbzeit schien es, als wolle der FCK nun der Liga einige seiner Tugenden vorstellen. Nach der Pause lag man schnell 0:2 hinten und damit war die Einleitung für ein schönes Betzeerlebnis geschrieben. Der Anschlusstreffer wurde erzielt und jetzt konnte das Stadion seine ganze Wucht entfalten. Spätestens zum Ausgleich hatten wir eine Lautstärke erreicht, von der wir bereits aus vielen Erfahrungen wussten, dass sie fast zwangsläufig zu einem nächsten Tor führt. Wie es sich für eine wirklich gute Geschichte gehört, war das Finale einem jungen Debütanten vorbehalten, der uns schon das ganze Spiel über viel Freude machte. Er erledigte seine Aufgabe mit Bestnoten, gute Annahme und direkt vor der Kurve mit einem trockenen Schuss die Führung erzielt. Klasse! Der Jubel war fantastisch, gefühlte zehn Sekunden regnete es Bier und wir flogen die Tribüne rauf und runter. Dummerweise sollten diese Treffer laut Drehbuch frühestens in der 89. Minute fallen, aber irgendwer musste unseren jungen Mann fünf Minuten zu früh zu seinem Auftritt gescheucht haben. So kam es, dass wir noch den Ausgleich kassierten und leider immer noch nicht über den ersten Heimsieg seit Oktober 2011 jubeln durften.

Dennoch fuhren wir an diesem Abend glücklich nach Hause. Wir hatten endlich wieder unsere roten Teufel spielen sehen, wir hatten echten Fußball erlebt und wir dürfen uns direkt auf das nächste Spiel freuen.