Do23Mar2017

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Thomas Pundrich

Thomas Pundrich

Ein knappes Jahr des kompletten Wahnsinns liegt hinter uns Anhängern des HSV. Egal, ob man nun Fan, Mitglied oder nur ein wohlmeinender Fußballfreund ist, wir sind froh, dass wir dieses Jahr in dieser Form überstanden haben. Wenn man ehrlich ist und in der Nachbetrachtung, blickt man auf ein Jahr zurück, dass man nicht ein zweites Mal erleben möchte und ich als solch wohlmeinender Fußballfreund gegenüber anderen Clubs, wünsche so einen Irrsinn auch keinem anderen Verein und seinen Fans an den Hals. Anderseits war man auch irgendwie Teil dieser unglaublichen Geschichte, was meinem persönlichen Verhältnis zum HSV und den Anhängern zuträglich gewesen ist. Es hat mich und viele HSV-Freunde in unserem Selbstverständnis gefestigt. Man durfte im Verlauf auch gerade des vergangenen Sommers erkennen, wo Schleimer, Heuchler und Hyänen sitzen. Das ist eine sehr befreiende Erkenntnis.

Spiele gegen „die Werkself“ sind für mich immer besondere Spiele. Unabhängig davon, dass diese in der Regel so viel Adel ausstrahlt, wie eine Möbelhauseröffung im verregneten November, gibt es für mich persönlich schon fast eine historische Dimension. Am 08.12.1979 war ein Heimspiel gegen diese Truppe mein „erstes Heimspiel“. Damals waren auch schon fast 11 jährige Kinder noch irgendwie „Schoßkinder“, mein Vater schummelte uns selbstsicher mit einer geliehenen Haupttribünen-Dauerkarte an den eigentlich freundlichen Ordner vorbei und ich verstand damals nicht, warum mein Vater von diesen grauuniformierten Menschen als „Schnarcher“ sprach.

 

hondo0209An jenem verschissenen Sonntag erwachte ich um 8h00 morgens und strebte nicht schon stundenlang im Schweiße meines Angesichtes nach Kudos, wie so manch toller Privat-Blogger aus der HSV Blogsphäre. Ein Blick auf das Etikett auf der Weinflasche bestätigte mir, dass sich manch Dinge auszahlen. Beispielsweise keinen Wein aus Tetrapacks zu trinken. Den einen oder anderen €uro in die Hand zunehmen hilft dabei, Schädelreissen zu vermeiden.

Alles sollte anders sein, zumindest war das der Ansatz, mit dem wir an diesem Heimspielsamstag in diese neue Saison starten wollten. Unser Vornachbar begrüßte uns wie gewohnt mit „Frohes Neues“ und mein Rechtsnachbar hatte seinen dreijährigen Enkel auf dem Schoß, was er mit „rechtzeitiger Erziehung“ begründete, der Vater sei schließlich Schalker und da müsse man entschlossen handeln, ehe es zu spät sei. Nachvollziehbar für mich, zusätzlicher Benefit war, dass der Großvater einen nicht kettenrauchenderweise zunebelte.

Auch zehn Reihen über uns war es ein wenig anders. Die gehässigen Menschen sagen, dass es eine Wohltat ist, dass die Ultras der Chosen Few den Schweigefuchs darstellen. Es war schon ein wenig eigenartig, dass der „gewohnte“ Soundteppich fehlte, nur kam mir der während des Spiels dann der seltsame Gedanke, dass das Fehlen dieser Kulisse nichts anderes bedeutet, dass diese extrovertierte Form der Fankultur eben halt nur Kulisse ist. Der Rest der Leute machte das, was sie eigentlich immer machen: rumsitzen/stehen, biertrinken, bierwegbringen, wieder biertrinken und zwischendurch ein Fußballspiel verkonsumieren. Nun hatte uns aller Jojo über die „sozialen Medien“ und das „böse Internet“ fast alle wissen lassen, dass er in Neuseeland weilt, also wirklich bis zum anderen Ende der Welt gereist war, um wirklich echt allen zu vermitteln, dass er nicht da ist. Diese Neuigkeit schaffte es sogar in die Zeitung. Ich glaube aber nicht wirklich, dass das an diesem Samstag kriegsentscheidend gewesen ist. Herrjeh, gegen Paderborn kann man schon einmal verlieren, betrachten wir es als Wiedergutmachung anlässlich der 10. Jahresfeier der Hoyzer-Festspiele.

An jenem nun schon eingegroovten Sonntag, sollten zwei wegweisende Dinge geschehen: die Bundesverteidigungsursula sollte Milan (Raketen) in den Irak schicken und Dukaten-Didi sollte Milan (Badelj) zum AC Florenz schicken. Der AC Florenz, der uns wohl gefühlt immer noch ein Abschiedsspiel für Tomáš Ujfaluši schuldet. Nach 10 Jahren ein weiteres Deja vu und meine Erinnerung an meine einzige Weltexklusivmeldung als Blogger. Nur war im Jahre 2004 das Internet gerade mal so knapp und bei erfunden, Twitter war noch Quark im Schaufenster und Herr Zuckerberg war noch hart am überlegen, wie er seine Mitstudenten um die Idee Facebook beschuppst. Damals war das Rumlungern mit HSV Cappies an Trainingsplätzen noch nicht ehrenrührig, ok, ist es heute natürlich auch nicht, aber, wenn ein Fahrradhelm dazu kommt, muss man Fragen stellen dürfen!

Mein Vater lungerte in einem Südtiroler Dorf am Sportplatz rum, wo der italienische Proficlub Brecia Calcio sein Stahlbad von Trainingslager durchlebte. Ein Spieler dort war der ehemalige HSV Akteur Markus Schopp, mit dem mein Vater ins Gespräch kam. Er lobte nicht nur seine Zeit beim HSV als die bis dato schönste in seiner Profikarriere, man sprach auch über den damals aktuellen Kader und folglich auch über den wechselambitionierten Tomáš Ujfaluši. Und dort erfuhr man, dass der Wechsel zum AC Florenz doch schon eingetütet und fix ist. Ein aufgeregtes Telefonat nach Hamburg und eine SMS ins Zentrum der Macht brachten keine Erkenntnisse, bzw. nur Erstaunen. Einige Tage später dann, kam es wie es kommen sollte und Tomáš Ujfaluši wechselte zum AC Florenz. Und ich war um eine Exklusivmeldung ärmer, es war die Chance meines Lebens, der Elfmeter vor einem leeren Tor. Ich hätte so richtig bedeutend werden können.

Und wenn man bedenkt, dass Tomáš Ujfaluši heutzutage Sportdirektor bei Galatasaray ist, wäre es ja ein putziger 10 jähriger Kreisschluss gewesen, bei dem man van der Vaart mit Snejder hätte wiedervereinigen können, ebenso wie Paderborn und Hoyzer, Toppmöller und Mpenza, und , und, und…

Geschichten, die das Leben schrieb und für deren Drucklegung man gerne Unsummen auf den Tisch gelegt hätte. Aber, was bleibt und eint uns HSV Fans nun an diesem verdammten, zweiten Spieltag? Die Freude über die Länderspielpause.

Nun gut, wir weiden uns nur allzu gerne im Selbstmitleid, man muss aber auch anerkennen, dass wir uns HSV in einem Transferprozess befinden. Nicht nur der Verein restrukturiert seinen Lizenzspielerbetrieb, auch die Fans, bzw. die Mitglieder organisieren sich neu.

Wie bereits oben erwähnt, sind uns ein Teil der angestammten Ultras (zwischenzeitlich) abhandengekommen. Wie eigentlich immer bei Veränderungen im Leben, wird sich auch da etwas zurechtwachsen. Irgendwann wird irgendjemand irgendeine Initiative ergreifen, um irgendetwas proaktiv zu gestalten. Dauerhaft wird es eben auch für „ehemalige Fans und Mitglieder“ keine befriedigende Lösung sein, ihre Verstimmung beleidigt wie Kindergartenkinder zur Schau zu stellen.

Progressive Ansätze gibt es bereits bei den interessierten Fans und Mitgliedern, die eben nicht den Supportersclub pofallan wollen und bei den Leuten, die die Kommunikation zwischen den Fans und Mitgliedern wieder anschieben wollen.

So hat sich eine ehrenamtliche Gruppe gefunden, die die häufig inhaltlich unsägliche und finanziell waghalsige Abteilungsgazette „SC News“ erlösen wollte. Die alte Abteilungsleitung wollte aus Gründen keine weitere Ausgabe gestalten (hätten die Bewahrer und Traditionalisten im Mai bei der Abstimmung gewonnen und HSV+ wäre nicht auf den Weg gebracht worden, die Aktivisten hätten sich bestimmt, neben der WM und umzu, den Allerwertesten abgewerkelt, dass wir Mitglieder wieder tüchtig Nachschub an unlesenswertem Altpapier bekommen hätten…).

So musste eine alternative Publikation her:

HSVSchnack-Das alternative Supporters Magazin

Download: http://www.hsv-schnack.de/

Und sie heißt nicht “In diesem Sinne”….

 

hondo spielen verbotenWas ist nicht schon wieder alles gelabert worden, viel zu viel und umso mehr substanzloses Zeugs, widerwärtige Denunziation und zelebriertes Versagen, inklusive eigenwilligster Opferlammumdeutung und unfreiwilliger Komik.

Eine Fußballweltmeisterschaft kann man als gewissenhafter Fußballfan nicht sonderlich ernstnehmen. So tat ich es auch nicht wirklich und schaute einen Großteil der WM entweder in den portugiesischen Abendhimmel, oder in mein korrespondierendes Weißweinglas.

Es wurde endlich wieder Zeit, dass man seine Nerven mit anständigem Fußballmüll aus heimischer Produktion malträtiert.

Support your local Versagerteam war an jenem Wochenende mal wieder die routinierte Devise. Stoisch schieben sich die 69PS, des friedfertig vor sich hin werkelnden Selbstzünderaggregates aus schwäbischer Produktion, über die Elbbrücken gen Süden. Die Bezugsgruppe schwitzt leise vor sich hin und die nicht vorhandene Klimaanlage vertikutiert die Brauchluft ohne weitere Überraschungen. Der Kapitän entscheidet sich dazu, den Kurs durch die Veddel zu legen und uns noch einige Höhepunkte der dortigen Sehenswürdigkeiten vorzuführen. Die Mission Pokalaus von Altona 93 begann an diesem Wochenende beim Landesligisten Türkiye in Wilhelmsburg. Wir parkten unser Kraftfahrzeug hinter einer freundlich schattenspendenden Baumreihe, ein glücklicher Umstand, der aber der einzige dieser Art an diesem Nachmittag bleiben sollte. Am Ausschank an der Vereinsgaststätte orderte ich zwei Holsten Edel bekam aber von einem Fragezeichengesicht zwei Astra Urtyp kredenzt. Wer sich ein wenig mit der Arithmetik der Hamburger Fußballvereine auskennt, weiß, wie sich das anfühlt. Und wenn man dann noch für den Kapitän ein alkoholfreies Bier bestellt und dann eine grüne Flasche mit einem Schlüssel in der Hand hält, ja, da möchte man am liebsten zum Stadionsprecher gehen und sich „Hells Bells“ von ACDC wünschen…

Die Ordner vertrieben die Schattensteher, auf Anweisung Schiedsrichters, in die Sonne, damit man ja nicht den Mannschaften in den Nacken fallen würde. Klebriges Bier und Bordershop Cola taten ihr übriges, das Unheil nahm seinen vorbestimmten Verlauf und nach langwieriger 1-0 Führung von Türkiye, glich der AFC unvermittelt aus und schleppte sich in die Verlängerung. Dank der taktischen Meisterleistung des AFC Trainers, der einen gelb-rot-gefährdeten Abwehrspieler so lange auf den Platz beließ, bis dieser in der Tat die gelb-rote Karte zu sehen bekam, ging das Spiel wie gerufen und gemalt in die Hose. Bezugsgruppe grummelte sich in den Mercedes hinein, schaute nicht zurück und fuhr nach Hause.

Dort angekommen schmierte ich mir einige Stullen und wurde von der fröhlichen Realität eingeholt. Das Sponsoren-Kurzturnier im heimischen Stadion. Das Stadion, das ich eigentlich immer nur „Stadion“ genannt habe, genauso, wie das damalige Freibad dort, das man auch nur „Stadion“ nannte. Wieder einmal muss ich anmerken, dass ich ein emotionsloser Traditionalist bin. Und da ich selten Spaß und sonstige emotionale Erfüllung beim Fußball erwarte und erleben möchte, sind mir solche Veranstaltungen zuwider. Auch die sportlichen Erkenntnisse sind zumeist nicht höherwertiger, als der IQ eines singenden Pornostarlets, in der Regel sind diese auch deutlich darunter angesiedelt.

Womit dankte es einem der lokale Oberligist in den Folgetagen? Mit einem Kantersieg gegen einen unbedeutenden Aufsteiger und einer historischen Niederlage gegen den Irgendwie-Rivalen HSV Barmbek-Uhlenhorst. Wieder eine imposante Geschichte, bei deren Staubwerdung man mittelbarer Zeuge sein durfte: die erste Niederlage von Altona 93 gegen BU seit fast 50 Jahren…

Bleibt Zeit, über diese wunderbar sinnlose Zeit nach der Ausgliederungs-Mitgliederversammlung zu sinnieren.

Ein Ehrenmitglied des HSV und ansonsten auch ehrenhaftes und wertvolles Mitglied der Gesellschaft, schickte sich an, sich komplett seiner letzten Restwürde und –achtung der ihn umgebenden Gesellschaft zu berauben und reichte eine obskure Klage oder sonst etwas ein, um die Wirksamwerdung der ausgegliederten Kapitalgesellschaft des Lizenzfußball-Abteilung des HSV zu verhindern. Ein schwachbrüstiger Befangenheitsantrag gegen den Richter, der die Eintragung der Kapitalgesellschaft in das Handelsregister vornimmt. Er scheiterte mit seinem Ansinnen fulminant.

Ein wunderbarer Repräsentant der notorischen Blender, Dummschwätzer, C-Promis und sonstigen Clownfische, die jahrzehntelang in der faden Bilge des HSV umhergeschippert sind und dort honoriger Hanseat gespielt haben. Und wenn es nur zur Ehrenkarte und Würstchen-VIP gelangt hat.

Scheißegal, ich möchte mich nicht mehr wirklich mit solch einem Müll beschäftigen müssen, ich wollte eigentlich für mich ein versöhnlicheres Verhältnis zum Club aufbauen, gerade auch nach dem gefühlt unverdienten Klassenerhalt und der Ausgliederung bzw. der damit verbundenen Diskussion. Ich wollte auch diese kleine und in der Tat unbedeutende Kolumne einstellen und mich einem selbstgefälligen und selbstbestimmten White Noise jenseits dieses regelmäßigen Seelenstriptease hingeben. Mal ein Buch lesen, oder, über belgisches Kontrovers-Kino bloggen. Nein, zum einen zwang mich notwendige Loyalität zurück auf den Ho-Chi-Minh-Pfad der Altonaer Hasspredigt und zum anderen ist die Zeit noch nicht reif, dass ich mir ein anderes Betätigungsfeld suchen mag.

Das geht anderen Leuten ganz anders. Diejenigen, die bei der Abstimmung um die Ausgliederung des HSV unterlegen sind, fühlen sich nicht nur als Verlierer, nein, sie inszenieren sich mittlerweile auch als Opfer. Der Supportersclub bzw. die Abteilung „Fördernde Mitglieder“ habe nun keine Aufgabe mehr und müsse sich auflösen, ruft die amtierende Abteilungsleitung mit definierter Restlaufzeit aus dem Abklingbecken der Mitgliedschaft zu. Weit vor Beendigung der Saison hat eben diese Abteilungsleitung das Internetforum des SC abgestellt, welches ja mal zu Beginn der Nuller mit dem guten Motto „Von Fans, für Fans“ an den Start gegangen ist. Nur wehte den Verantwortlichen nach den Ereignissen des Polizeieinsatzes beim Heimspiel gegen die Bayern, ein etwas garstiger (Meinungs-)Wind entgegen und unkontrollierter Meinungspluralismus war noch nie die Sache der Granden beim SC. Gerade so kurz, vor der alles entscheidenden Mitgliederversammlung, meinte man, mit der „Nord Korea Methode“ das Thema für sich in den Griff zu bekommen. Leider schwamm der SC und seine maßgeblichen Vertreter in den letzten Jahren sediert in der eigenen Kumpelsauce, ohne wirklich mitzubekommen, was um ihn herum geschah, bzw. nicht geschah. Und so kam es, dass nicht unbedingt jeder aufgrund nachvollziehbarer Sachargumente für das Konzept HSV+ gestimmt hat, sondern es rein subjektiv darstellte und unverhohlen sagte, dass „er diese Fresse schon lange nicht mehr sehen kann“…

Diese Menschen fühlen sich nun „aus Gründen“ nicht mehr willkommen und gründen sich einen alternativen Fußballverein, in dem sie sich nun zu betätigen versuchen. Ja, das kann und mag ich nicht weiter kommentieren, weil ich weder inhaltliche, noch sonstige Anknüpfungspunkte zu dieser Veranstaltung besitze.

Ich bin nun mal HSV-Fan in zweiter Generation und mir war ehrlich gesagt 1979 die Rechtsform des Clubs „piepegal“ und für Luft und Liebe hatte auch damals keiner der Spieler die Stiefel geschnürt, von daher, entbinde ich mich der treudoofen Pflicht zur Sozialromantik, denn die ist im Profisport noch nie vorhanden gewesen, also, muss man da auch nicht auf etwas rumonanieren, was man sich herbeiphantasiert hat.

Mit den verschrobenen Phantasien haben wir es ja sowieso in Hamburg. Alles ist irgendwie groß und wenn es nur der Haufen am Morgen ist. Unserm weltstädtischen Charme kann keiner was und den Längsten haben wir erst recht.

Das Geblöke der Arschmaden setzte schon frühzeitig wieder ein, wann es denn nun losgehe mit den Kühne Milliarden, wann denn Bar-Centrale-Didi endlich wieder Dukaten-Didi wird und wann denn endlich die Weltstars kommen und die Wichsgriffel der Pressepfeifen mit Zeilengeld befriedigen.

Und immer wieder deuchte im Hintergrund der Pleitegeier und alles war schrecklich. Überall klafften die Milliardenlöcher, der gestern noch tolle Ausrüstervertrag, war nun auf einmal schrecklich, weil die böse Hexe aus Gehässigkeit einen Passus der Leistungsbezogenheit in den Vertrag hat einarbeiten lassen und -Oh, Graus!- Milliardenlöcher taten sich auf, weil der HSV keine Business-Seats und Logen im gewohnten Maße verkaufen würde. Was ja nun nach der letzten Saison keine ausladende Überraschung sein dürfte, aber, den schlussendlich verantwortlichen Vermarkter offenkundig nicht übermäßig anspannt, lädt man doch potentielle Kunden erst gerade in dieser Augustwoche zum Verkaufstermin ins Nobelhotel. Aber, vielleicht war das ja auch das letzte Presse-Leckerli des alten Elferrates.

Die AG des HSV ist Stand heute gerade mal etwas mehr als einen Monat aktiv und jeder, der mal im entferntesten etwas von REFA gehört hat, weiß dass die Umstrukturierung eines mittelständischen Unternehmens im laufenden Betrieb (sic!), ein bis zwei Jahre dauert. Jeweils, ob man es gut, oder ein wenig besser machen möchte.

                            

Glücklicherweise gibt es auch robuste Initiativen, die nach vorne schauen wollen und der Fan-  und Supporters-Landschaft einen progressiven Charakter geben wollen. So trafen sich in der vergangenen Woche informell ca. 40 Mitglieder, die ein Interesse an traditioneller und beständiger Arbeit des HSV Supportersclub haben. Eine Arbeit am, mit und vom Fan (Supporter) am Wohlergehen des Universalsportvereines und der Unterstützung des „Fan-Seins“ vom Lizenzspielbetrieb des HSV e.V., der ab diesem Sommer irgendwie geartet als Kapitalgesellschaft funktioniert.

Jenseits jeglicher Emotionalität nach dem Verlust des Lizenzspielbetriebes im e.V.-Format, sollte sich auch nun der abwartend geneigte „Konsument“ ein, zwei, drei Realitäten hinwenden:
Der verbliebene Universalsportverein wäre bei einer Schließung und Auflösung des Supportersclub/Abteilung Fördernde Mitglieder schlichtweg finanziell nicht überlebensfähig, insbesondere dann, wenn man sich einen bezahlten Präsidenten gönnen würde (Hey! Ehrenamt!), da eine doch beachtliche Durchsubventionierung des Amateursports durch die Fußballfans erfolgt.

Des Weiteren ist eine Vertretung von Fanbelangen durchaus möglich und angezeigt, ohne, dass Klientel und Postenpolitk betrieben wird. Das erwartet auch die schweigende Mehrheit der Supporters, die sich über die letzten Jahre mehr und mehr aus der Beteiligung zurückgezogen hat, weil eben nur eine Vertretung bestimmter Interessen stattgefunden hat.

Die Mehrheit fand sich abgekoppelt von vielem, und eine echte Repräsentanz gemäß der realen Fanstruktur war kaum wiedergespiegelt.

Darum werde ich persönlich auch den Neustart des Supportersclub unterstützen, weil zwar extrem viel Porzellan zerschlagen worden ist, es aber genug Leute gibt, die positiv und proaktiv zu den traditionellen Werten und Ideen des Supportersclub stehen. Aus dem kleinen Protokoll der informellen Zusammenkunft habe ich folgende Aspekte übernommen:

  • Arbeit von Fans für Fans – Hilfe zur Selbsthilfe gebenVertreten von Fan- und Mitgliederrechten, nicht nur nach außen, sondern auch im e.V. und durch Vereinbarungen mit der AG
  • Unterstützen des e.V. und Erhalt eines Vereinslebens
  • Sicherung der Vorteile der Mitgliedschaft und umfangreicher Angebote für alle HSV-Fans
  • Unterstützung der Profiabteilung (ohne finanzielle Aspekte) und der Fanbetreuung
  • Offen für alle Fans und Mitglieder unabhängig von Alter, Geschlecht, Wohnort etc.
  • Förderung des Ansehens des HSV durch Vertreten von Werten wie Fair Play, Anti-Diskriminierungs-Arbeit etc.
  • Teilnahme in Arbeitsgruppen der AG zu Fanthemen
  • Wahrung und Entwicklung der Mitbestimmung im Verein
  • Eine klare Abgrenzung in Sachen Vereinspolitik, d.h. keine organisierte Einflussnahme, die nicht Abteilungsbelange betrifft..

Eine Auflistung, der man sich ausnahmslos anschließen kann.

Was ist nicht alles gelabert worden, um die missglückten Abstiegsbemühungen des HSV. Unverdient sei es gewesen und überhaupt seien die Fürther die bessere Mannschaft gewesen. Um mal mit dem grundlegenden Missverständnis aufzuräumen, nein, Fürth war nicht die bessere Mannschaft, denn sonst hätte es ihnen eigentlich mühelos gelingen müssen, die kopflose und desolate Horde aus Hamburg standes- und tabellenplatzgemäß zu vertrimmen. Die Fürther waren dazu nicht in der Lage, also, ist da nischt unverdient und das bessere Team waren sie folglich schon gar nicht. Das hat nun wirklich nichts mit der notorischen Hamburger Arroganz zu tun, es ist einfach Fakt, liegt auf der Hand und lässt sich auch nicht bemüht wegdiskutieren: Fürth war einfach zu blöde und diese eigentlich brillante und historische Chance zum Hole-in-one, wird nie wieder ein Zweitligist in der Auseinandersetzung mit dem Bundesligisten in der Relegation erhalten.

hondo schlange hsv

OK, Alles auf Anfang.

Wo lagen die Probleme, wer war schuld, was kann man weniger schlecht oder gar besser machen. Dieser bemühte Ansatz taugt ehrlich gesagt genau so viel, als wie man sich im Suff die Büchs eingenässt hat und sich nun das Malheur der pissfleckigen Hose schwankend im Spiegel betrachtet. Helfen tut es nicht wirklich, denn DAS Problem ist irgendwie klar ersichtlich. Die Tiefenanalyse überlassen wir nun lieber den Menschen, die dafür Geld bekommen und dennoch eher wenig vom Gesamtzusammenhang verstehen: der lokalen Journaille.

Wohl oder übel bemühte sich die Mitgliedschaft des HSV nun trotzdem, die vollgepisste Hose auszuziehen. Ob nun die Transferleistung erfolgen wird, dass man sich NICHT jedes Bier in den Hals schütten muss, tja, dass wird eventuell die Zukunft irgendwie zeigen, nur, wenn man ehrlich zu sich selbst ist, ist das Ding mit dem Alkohol auch nur bedingt von Lerneffekten gezeichnet.

Wir standen Schlange vor dem Stadion und es roch nicht nach Bier, aber, doch schon nach „Sensation“. Die Mitgliederversammlung des HSV am Sonntag dem 25-05-2014 sollte eine Entscheidung über die Zukunft des Spielbetriebes der Lizenzfußballabteilung des HSV bringen. Ein Strukturreform, besser gesagt eine Ausgliederung dieses Spielbetriebes in eine neue Gesellschaftsform.

HSV+ ist das Stichwort und bei den anwesenden 9.700 Mitgliedern war schon vor Beginn der Veranstaltung deutlich der Wille zu spüren, diesen Schritt zu gehen. Ich hatte mich bemüht, mich grundlegend und fundiert für diese Veranstaltung mit den notwendigen Informationen zu spicken. Es wird den geneigten Leser nun nicht überraschen, dass ich mich dabei nicht wirklich auf das bemühte und tendenziöse „Aufarbeiten“ der Informationen durch interessierte Kreise verlassen konnte. Ich habe mir die 300 Seiten starke Ausgliederungsdokumentation durchgelesen, ich habe die dazugehörigen „Anhänge“ gelesen, ich habe jede medial verbreitete Wahrheit und auch Unwahrheit zu diesem Thema gelesen und ganz ehrlich: ich hatte meine Zweifel, aber dennoch, schon frühzeitig die Schnauze voll.

Ich las auch noch weitere Quellen zum Meta-Thema, wie beispielsweise „Our Club Our Rules“ von Pete Crowter, eine „Insider-Dokumentation“, wie es zur Gründung des FC United of Manchester gekommen ist. Ein mitunter interessantes Buch, voll von Erkenntnissen von zum Teil volatiler Qualität, welches durch ein bemühteres Lektorat eventuell mehr auf den/die relevanten Punkt(e) hätte kommen können. Vielleicht ist es aber nur meinem mangelhaften Verständnis geschuldet, aber, die Tonalität des Buches kam bei mir etwas herablassend an, wenn es beispielsweise um die Akzeptanz des Mehrheitswillen geht, nämlich um die Leute, denen es schlichtweg wumpe ist, wer nun der Eigentümer des Clubs ist, die Leute, die sich nur für den dargebotenen Fußballsport interessieren.

Genau diesen blasierten und herablassenden Sermon musste sich die ach-so-stumpfe und ausschließlich von Vierbuchstaben-Zeitungen gebildete Mehrheit von knapp 87% beim HSV gefallen lassen.

Von einer absolut klugen und intellektuell gefestigten Minderheit von 13%.

Man durfte sich von den Rednern einiges gefallen lassen. Man sei schlichtweg zu blöde, das Thema auch nur ansatzweise zu verstehen. Man hätte ja die 300 Seiten gar nicht gelesen und überhaupt.

Lustigerweise hatte ausgerechnet unser allseits geliebter Supporters Club eine Prüfung dieser Ausgliederungsdokumentation durch einen Rechtsanwalt beauftragt.

Die gewonnen Erkenntnisse waren nichts als Allgemeinplätze, die sogar ich als durchschnittlicher Diplom-Ingenieur habe umreißen können. Das Fazit aus dieser Prüfung war nun aber komplett verblüffend: „Als Fazit ist festzustellen, dass ein Umsetzen des Antrags des Vorstands das Ende des Supporters Clubs bedeuten würde.“

Der Unfairness halber frage ich mal so in den Raum hinein, wer eigentlich das Geld für diese rechtsanwaltliche Prüfung (mit etwas oberflächlichem Ergebnis) aus welchem Grunde rausgetan hat. Ist es die ursächliche Aufgabe des Supporters Club Rechtsgutachten in Auftrag zu geben? Oder, wäre das nicht im Aufgabenbereich des Vorstandes für Mitgliederbelange anzusiedeln? Nein, wir, die Abteilungsleitung tun dies mal so…

Trotzdem, ich bin ja ein freundlicher Mensch und bei Fragen rund um meinen Fußballclub immer um Harmonie und Ausgleich mit den Sportskameraden bemüht, obwohl man häufig in „politischen“ Fragen kaum eine entgegenkommende Resonanz erfährt. Kritik ist in der Regel „Genörgel“, „Gemecker“ und Undankbarkeit. Kritik wird nur im Internet „anonym“ geäußert und fährt man wie ich eine komplette Klarnamenpolitik, ist man „Frontalkritiker“, im Prinzip ein Riesenarschloch, aber sonst auch nichts weiter.

Einer der ersten Redner, Herr Ferslev von der HSV Allianz, den bewahrenden Reformern, fing schon im zweiten Satz an zu schreien und ergoss einen Schwall von biederster Rhetorik auf die Mitgliedschaft. Der ewig Herr Hunke wurde unflätigst ausgebuht, langjährige Beobachter des Darstellenden Spiels rund um die Ehrenämter des HSV sagen dazu: zu recht. Gerade Herr Hunke verspricht in blumigen Worten immer gerne und viel, aber, wenn er in Fragen der Einlösung dieser Versprechen genauso akkurat und gesetzestreu ist, wie beispielsweise bei Überholvorgängen auf Autobahnstandstreifen, dann sollte man dankbar sein, dass uns dieser Herr eben nicht mit den x Millionen € aus seiner Hemisphäre (zwangs)beglückt hat.

Über die letzten Jahre war ja vielerorts zu verzeichnen, dass man gerade dort erleichtert in die Hände geklatscht hat, wo Herr Hunke sein Engagement beendet hatte. Ich glaube beim HSV wäre es nicht anders.

In loser Folge kam es nun zu einer Kaskade von ewiggleichen Rednern und Redebeiträgen, in denen vornehmlich, die sich abzeichnende stumpfe Mehrheit, mehr oder minder unverhohlen als Dummfinken bezeichnet wurde. Reagierte das Auditorium darauf nun mit mehr weniger freundlichen, als netten Unmutsbekundungen, wurde dem Auditorium selbstverständlich mangelndes Demokratieverständnis und sowie proto-faschistisches Gehabe unterstellt. Gerne wurde in der jüngsten Vergangenheit in den einschlägigen Foren und Pöbelpfaden in den sozialen Medien, der buchgewordene, erhobene Pädagogenzeigefinger „Die Welle“ von  Morton Rhue herangezogen, um den arg euphorischen HSV+ Enthusiasten zu zeigen, was für kritiklose Scheißnazis sie eigentlich sind. Auch ein toller Umgang unter Vereinskameraden, die Kritik am „Umgang“ und die Einforderung eines „besseren“ solchen, obliegt natürlich ausschließlich und exklusiv den 13%er.

Seltsam, oder?

Ich wundere mich beim HSV wegen nichts mehr. Die Mitglieder werden geschurigelt, dass die Stadionordnung gilt und das Mitbringen von Getränken nur bis zu einem Pappkarten max. 0,5l gestattet ist. Es gibt zwei Freigetränke und eine Bratwurst, gut völlig ausreichend und angemessen. Dafür darf man sich zusätzlich kostenfrei(!) Labberwasser aus Bubbleblasen ziehen. Toll, auch da steht man an, genauso, wie man stundenlang am Free-Catering ansteht, genauso wie dann später am Pay-Catering. Auf dem Podium wird natürlich Mineralwasser in Glasflaschen von dienstbaren Geistern serviert.

Das ist zwar eine Petitesse, aber, auch ein Beleg dafür, wie die Leute, die meinen, dass Ihnen der Verein irgendwie gehört, mit der nervigen, kritischen Masse umgehen.

Wie gesagt, ich wundere mich beim HSV wegen nichts mehr, man ist über die Jahre quasi abgestumpft und hat sich damit abgefunden, dass eine Minderheit durch geschickte Positionierung in den Gremien und Organen, freudig durchregiert (hat) und Gutes für sich und die Getreuen getan hat.

Von den Bewahrern gab es nur schlechte Argumente. Es ging ausschließlich und reich bebildert schlichtweg nur um Geld. Ein Lebensentwurf Namens e.V. war irgendwie in weiter Ferne, wenn der arme Sportler für die vom Verwaltungsapparat der zukünftigen AG ausgeführte Dienstleistung, eine Rechnung über ein Entgelt von 2,99€ erhalten soll. Für jedes Telefonat, oh, Schreck… Dass dies aber schon heute der Fall ist und jede Abteilung für das Gebimmel der Verwaltung eine Pauschale an die Mutti des Vereins zu entrichten hat, ja, da hat sich der Rollstuhlsportler ein wenig verplappert. Natürlich ist es im Jahre 2014 auch wenig überraschend (Compliance! Transparenz! Geldwäsche! Steuerhinterziehung!), dass einzelne Transaktionen bewertet und dokumentiert werden müssen. Man möchte ja belegen können, dass es bei den Geldflüssen immer und überall mit den richtigen Dingen zugeht.

Und wieder schimpfte jemand mit mir, alles voll Nord-Korea hier und sowieso hat man nicht den Durchblick und sei nicht so klug und unfehlbar, wie beispielsweise ein Spiegel-Redakteur.

Ein Argument, wie beispielsweise das, dass man mit dem e.V. ein Zeichen gegen die wachsende Closed-Shop-Mentalität der Bundesliga 1 und 2 setzen wollte und sich für eine bessere Durchlässigkeit der Ligen einsetzen wolle, fehlte gänzlich Und auch wieder muss man die inquisitorische Frage stellen, wo denn bei dieser Rekord-Mitgliederversammlung, die zündenden Ideen und die Anwesenheit der Universalsportler abgeblieben sind?

Kein Wunder, dass die anwesende Mitgliedschaft Willens war, den virtuellen Sprengstoffgürtel zu zünden, wenn zum einen glaubwürdige Konzepte und Argumente fehlen und diese nicht vorhandenen Argumente durch eitle Unsympathen, mit dem Charisma von Seifenspendern, vorgetragen werden.

Und leider war es auch keine wirkliche Alternative, das Thema zu vertagen und in den Munkelstuben des e.V. mit den entsprechenden Geldflüssen solange weichzuspülen, bis alles wieder selbstzufrieden in sich hineinlächelt und mal wieder nichts mit einem richtungsweisenden Ergebnis beschickt worden ist.

Ich bin wahrlich davon überzeugt, dass wir nicht für die beste aller Möglichkeiten votiert haben, aber, die Option, als Dino ein weiteres Jahr vor sich hin zu wesen und wieder nichts auf die Kette zu bekommen und ausschließlich auf die Dummheit anderer Teams bauen zu müssen, ist keine wirkliche Option.

Und es ist eigentlich immer positiv, wenn ein Ruck durch den Club geht, man muss nur darauf achten, dass es nicht die letzten Zuckungen im Todeskampf sind. Das haben einige Vereinskameraden in der Vergangenheit kräftig missdeutet. Auch sie haben für ihr Versagen die finale Rechnung erhalten. Es ist nur unfair von ihnen, dass sie sich ihrer Verantwortung nicht stellen wollen.

hondo urne hsv

Seltsam, oder?

In diesem Sinne

HONDO

Dienstag, 06 Mai 2014 19:30

Herr Hansen hat keine Zeit

„Spice up your life“ lautete die große Devise am vergangenen Samstag im Volkspark. Während sich die Mannschaft des eigentlich ruhmreichen Hamburger Sport-Verein e.V. mehr oder minder wacker gegen die Championsleague-Versager aus München mühte, sollten es halbwegs irrsinnige Ereignisse, weit abseits des Spielgeschehens sein, die uns HSVern diesen Nachmittag ins kollektive Gedächtnis nagelte.

Und ferner sollte Herr Hansen in mein Leben und das meines Vaters treten. Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt, ziert er sich noch ein wenig, ist schüchtern und zurückhaltend, aber, Herr Hansen, seien Sie unbesorgt, wir können über alles reden! Eigentlich ist mir das letzte Heimspiel in der Saison in der Vergangenheit immer ein Fest gewesen. Man konnte sich froi!en, dass man mal wieder eine Saison unspektakulär um die Ecke gebracht hatte, man war wieder an den heillosen Ansprüchen gescheitert, aber,dafür sind ja Ansprüche nun mal da, dass man sie formuliert und wenn nicht heute, dann eben nächstes Jahr. Wir sind Hamburg, wir sind das Urgestein, der Dino und sowieso, Hamburg läuft nicht!

Zu diesem Heimspiel traf man immer einen Haufen Gleichgesinnter, es gab Saisonabschlußfeiern, obwohl es für Außenstehende und rein objektiv nichts zu feiern gab. Das Bier floss in Strömen und sowieso haben wir die größten Genitalien. Dies Jahr ist alles anders. Auch der Dümmste sollte begriffen habe, dass wir dieses Jahr in die Tüte atmen und es ist nur die kleine Kotztüte aus dem Relegationsflieger. Ich bin sehr emotional im Stadion und reagiere unwirsch, wenn man dem Spielermaterial nur bedingt anmerkt, dass wir als Fans das Abstiegsdingens eigentlich nicht so dolle finden. In der Regel bin ich aber schnell versöhnt und es geht soweit, dass ich mein viertes Kind Harvey nennen würde. Echt! Emotionen lagen auch in der Luft, als sich die Fanschaar zum Stadion aufmachte, um im kollektiven Wahn der hysterischen Selbstüberschätzung, unsere Mannschaft beim Niederringen des überbewerteten Operetten-Ensembles aus den Österreichischen Vortälern zu bejubeln.

Schon im Vorfeld der Veranstaltung gerieten sich HAM und MUC in die Haare, was wohl auch hier dem geschulten Auge der Ordnungsmacht zu verdanken ist. So sollen laut Augenzeugen, die sportiven Kräfte des sportlichen Gegenübers per Handstreich und unbemerkt aus dem Mob am Eidelstedter quasi verdunstet sein. Das macht die Sache für Herrn Hansen leider nicht einfacher und ich bin keinesfalls derjenige, der ihn wegen seiner schweren Aufgabe und den zu treffenden Entscheidungen beneidet. Aber, wenn es irgendwie nicht stimmt, muss Kritik erlaubt sein. Es gab weiterhin noch einige Auseinandersetzungen im Vorwege, bei denen es auch dazu kam, dass einige HSVer -berechtigt, oder nicht, wer weiß das schon- weggeheftet worden sind und das erwartungsgemäß nicht auf das Verständnis der verbliebenen Sportsfroi!nde trifft. Es wird die erste folgenhafte Entscheidung dieses Nachmittages getroffen. Es werden flugs zwei Banner zusammengezimmert, die irgendetwas mit „ACAB“ und „Hass wie noch nie“ erzählen.

Ich sitze quasi unter 22c, unserem „Stimmungsblock“ und denke mir beim Lesen des Banners „ach, jottchen…“, der Ultrablock ist ja die Quengelzone des Kommerzscheißhaufen Fußballstadion. Herr Hansen besitzt aber nicht diese alterweise Gelassenheit, die ich mir mit nun 45 Jahren und trockenem Rotwein antrainiert habe.Er fühlt sich beleidigt und möchte Teil eines Exempels werden. Wie medial im ausreichenden Maße kolportiert worden ist, setzt nun die Polizeiführung die Trubben in Bewegung und sich selbst per Order Mufti über die anscheinend nur beratenden Instanzen „Hausherr“ und „Ordnungsdienst“ hinweg. Die beiden Banner mit dem anscheinend beleidigenden Inhalt sollen nun „sichergestellt“ werden.

Diesem dritten Versagen ist aber offenkundig ein zweites Versagen vorrausgegangen: weder der Abteilungsleitung des Supportersclub, noch der vielköpfigen Fanbetreuung ist es gelungen, die bockigen Kinder aus 22c dahingehend zu beeinflussen, dass es doch ein toffte Sache wäre, die zwei Banner abzuhängen.Es gab auch noch wieder unsäglichen Ärger unter den Fans auf der Nordtribüne. Das dort hängende Banner der „Not for Sale“ Aktivisten ist zerrissen worden. Ich persönlich halte absolut nichts von diesen traditionalistischen Möchtegern-Bewahrern, nur ist das alles Ausdruck einer Meinung und einer Haltung, die im vereinskameradschaftlich Miteinander auch von denen ausgehalten werden muss, die die Meinung und Haltung nicht teilen. Anstrengend wird es auch dann wieder, wenn ein übermäßig kindisches Aggressionspotential von allen Seiten als Nabelschau vor sich hin getragen wird. Mitten im Spiel musste das Banner dringend weiter geflickt werden, was den Umsitzenden wenig schmeckte, da wurde dann auch das eine oder andere Bier umgestoßen, herrjeh, Temper! Temper! Temper! Alles ist gnadenlos auf Abstiegskampf fokussiert…Das wird ganz toll von der Fanbetreuung geschlichtet. Fällt dann aber in der Tagesbilanz ein wenig raus. Egal. Hauptsache, man hatte mit seinem Käsehorizont wenigstens ein bisschen Recht.

Bauchgrimmen! Ein zwei Reihen vor uns Sitzender kommt aus der Pause und erzählt, Team Grün stimmt sich gerade ein, wie eine Horde Marines vor dem Angriff auf eine Taliban-Hochburg. Man wird noch öfter von HSVern hören, dass sich die Einsatztrubben schön heiß gemacht haben sollen. Es geht los, unten vor 25a marschieren Trubben auf, annähernd zeitgleich marschieren Trubben auf dem Innenumlauf zwischen 21b/c und 22b/c auf. Und von nun an scheiden sich die Wahrnehmungsgeister. Im Supportersforum zetern nun Gesellen herum, die Polizei sei mit Wurfgeschossen empfangen worden. Da ich von meinem Platz aus einen perfekten Blick habe, stellt sich die Situation in meiner Wahrnehmung deutlich anders dar: die Polizei bestreicht massiv die ersten Reihen von 22c mit Pfefferspray, anlasslos und präventiv, um relativ „easy“ an das Banner zu kommen. Genauso unbedrängt zu diesem Zeitpunkt, wird in die oberen Reihen von 22b mit Pfefferspray geschossen. Die Polizei kann diesen Überraschungsmoment nicht richtig nutzen und die gewaltbereite Fraktion kann sich sammeln, um zu einem wirklich massiven Gegenangriff überzugehen. Und nun bricht das Chaos komplett los, ich hatte schon relativ früh meinen Vater ans andere Ende des Blockes verwiesen, Väter mit kleinen Kindern und normale Fans suchten ebenfalls das Weite.

Nun stimmt alles wieder Pfeffer wird taktisch dezenter eingesetzt und nun hagelt es wirklich alles, was zu schmeißen ist.Die Polizei muss sich zurückziehen in den Außenrundlauf und wird nun von dem freidrehenden Mob bedrängt. Es gibt ein Handyvideo, das diese Situation festhält. Die Polizei ist eigentlich nicht dumm, setzt in dem relativ geschlossen Außenrundlauf kein Pfefferspray ein. Umkehrschluss: der massierte Pfeffersprayeinsatz im Stadion war gezielt geplant und folglich waren die Kollateralschäden an vornehmlich Unbeteiligten einkalkuliert und als verhältnismäßig für ein vermeintlich beleidigendes Banner eingestuft worden. Durch Herrn Hansen, dem Revierleiter des Polizeikommissariates 25 in Bahrenfeld. Herr Hansen war an diesem Samstag der Gesamteinsatzleiter und mein Vater war ein solcher Kollateralschaden.

Ein Anruf am Sonntag beim PK25 brachte zwei Erkenntnisse: Herr Hansen hat heute frei und es gibt ein Vielzahl von Beschwerden wegen des Polizeieinsatzes. Gestern wollte mein Vater gerne sich mit Herrn Hansen austauschen, aber, er fing erst um 10h00 mit seinem Dienst an und da hatte mein Vater keine Zeit. Später hatte er dann einen pampigen Staatsdiener am Telefon, der Ihm mitteilte, dass Herr Hansen nicht zu sprechen sei und er einen Termin mache müsse. Auf die Replik meines Vaters, ach, der Herr Hansen ist wohl nicht für jeden zu sprechen, blaffte der Staatsdiener zurück, wenn er (mein Vater) weiterhin so aufsässig sei, werde er (der Staatsdiener) das Gespräch beenden und auflegen!

Die Deutsche Polizei ist echt geil, die haben sogar verbales Pfefferspray am Telefon!

Die Bilanz des Polizeieinsatzes sind neben einer überschaubaren Anzahl verletzter Polizisten, eine deutlich erschreckendere Anzahl verletzter Fußballfans. Die von der Polizei durch taktisches Versagen in Kauf genommenen Kollateralschäden belaufen sich auf mehrere hundert Verletzte HSV-Fans. Wir sprechen hier von direkten Streuschlägen und massiv mit Pfefferspray bestrichenen Personen, jenseits des gewaltbereiten Mobs. Wir sprechen auch von HSV Fans, die durch das in der Luft verteilte Pfefferspray zu Teil gesundheitseinschränkende bzw. gesundheitsgefährdende Beeinträchtigungen erlitten haben.

 Das Desaster des Nachmittages komplettierten die letzten Versager in diesem Schaustück. Der gewaltbereite Mob verteidigte den Block gegen das unverhältnismäßige Ansinnen der Staatsmacht, da kann man wildromantisch noch hindenken, auch, wenn man das bei der Realität im Jahre 2014 nicht als übermäßig berauschend empfinden mag. Wenn 1986 die Südtribüne im leeren Stadion loszog, war das ein anderer Schnack. Normalen, aber dennoch szeneaffinen HSV Fans Schläge anzudrohen, weil man nach einiger Zeit der Rage, nun mal ein wenig Einhalt einfordert, ist natürlich ganz großes Kino, ebenso, richtig lad-style, sich unter die normalen HSV Fans zu covern, die Quarzsandhandschuhe auszuziehen und den Pfeffer auszuheulen. So wird das nichts mit dem Fleißbienchen im Fan-Treff. Ganz klar muss sich 22c in Zukunft die Frage stellen, wie man mit den umgebenden Blöcken auskommen möchte. Es mag zwar für das handelsübliche Ultraverständnis eine ungewöhnliche Forderung sein, die bestimmt als totale Anmaßung der Eventies verstanden wird: aber hier ist 22c und als exponierter Vertreter CFHH in der Bringschuld.

Niemand anders sonst.

Was bleibt?

Eine weiterhin noch tiefer zerstrittene HSV Fanschaar und Mitgliedschaft, die ihre Zerwürfnisse zukünftig auch mit deutlicher Gewalt austragen wird. Das Supportersforum strotzt nur so vor Menschen mit tadelloser Moral und reinstem Gewissen, die oftmals als lupenreine Demokraten durchgehen können. Eine total zerschossene Kommunikation auf Fanebene, ein Umstand, der dem selbstgefälligen Agieren der maßgebenden Kräfte im Supportersclub geschuldet ist.

Ebenfalls bleibt mehr als nur ein pfefferiger Nachgeschmack über die Qualität des Polizeieinsatzes bzw. über die Qualität der Einsatzleitung. Gestern flüsterte es aus der Hecke, dass es sich um die erste Einsatzleitung des Herrn Hansen gehandelt haben soll. Heute munkelte aus einem Busch, dass der erste Mai nicht feurig genug gewesen sein soll und dass man für die anstehenden Personalratswahlen bei der Hamburger Polizei mehr „Thema“ und Gewerkschaftsvertreter in den Medien brauchte.

Es gibt insgesamt 17 freigestellte Personalräte bei der Hamburger Polizei. Das sind dank der CDU-Regierung seit 2004 5 Personalräte mehr, als rechnerisch vorgegeben sind. 5 Fensterposten, die in einer Legislaturperiode mit 1.200.000 Millionen Euro den Etat der Innenbehörde sinnloserweise belasten.

Aber, man soll ja jedes Gespräch positiv abschließen, auch bei meinen Monolog hier werde ich das tun. Der Abschluss des Samstagabend fand in lauschiger Runde im Reitclub statt. Statt Blaulicht, Rotlicht.

hsv rotlicht 

Wie es dem HSV mal wieder gelingen konnte, die Panzersperre der Lächerlichkeit mühelos zu überwinden und uns Reich der Scripted Reality zu entführen.

Das erwartete ich vergangenen Sonntagabend zunächst nicht, als ich nach einer Portion Bildungsfernsehen bei Hamburg1 hängenblieb, einem lokalen Fernsehsender, der in der Regel nicht durch interessantes Regional-TV auffällt, sondern viel mehr das geneigte Publikum tagsüber mit bizarrem Homeshopping nervt und in unheiliger Allianz mit dem Hamburger Abendblatt, mitunter groteske Diskussionsrunden zu knalllangweiligen Hamburger Komödienstadl-Themen durch den Äther jagt.

Die Sportsendung „Rasant“ wird in der Regel von Ulrich Pingel aufgeführt, eigentlich eine sympathische und kompetente Gestalt im Hamburg Sportjournalismus.

An diesem Sonntag nun bot Hamburg1 eine absolut irrwitzige Liveübertragung rund um diese ominöse Krisensitzung des Aufsichtsrates. Mit dem Mob der notorischen Feierbiester des Hamburger Sportjournalismus, hatte man sein Heerlager im Hamburger Grand Elyssee aufgeschlagen, einem sehr gehobenen Hotel an der Rothenbaumchaussee gelegen, also durchaus mit einer echten Portion HSV-Heritage behaftet. Und der Besitzer Eugen Block besitzt nicht nur eine landesweitbekannt bekannte Steakhouse-Kette, er ist auch noch einer der Gönner und Freunde des HSV.

Und nun lümmelten die ganzen Sportjournos da rum, wie bei der zweiten Türkenbelagerung von Wien, keiner kam raus, keiner kam rein. Bewehrt mit spitzen Federn, mit Laptops, die parat und aufgeladen waren und geölten Kameras, wollte man der bebenden Nation zeitnah die kommenden Entscheidungen, warm wie frisches Brot aus der Backstube heraus präsentieren.

Das Unterfangen erwies sich leider als ähnlich erfolglos, wie die oben angeführte zweite Türkenbelagerung von Wien. Es kam nicht einmal ein Entsatzheer, es gab nicht einmal eine Entscheidungsschlacht. Der Vorstand verpisste sich irgendwann durch den Lieferanteneingang und der Aufsichtsrat kegelte unterdings auf der Bundeskegelbahn im Keller des Grand Elyssee.

Ulli Pingel zeigt uns mehrfach die Treppe, auf der man „in Kürze“ wen-auch-immer mit was-auch-immer begrüßen wollte, man interviewte sich gegenseitig und manch gesprochenes Wort stellte sich als gruseliger heraus, als das zu erwartende geschriebene Wort. Irgendwann hatte Ulli Pingel einen trockenen Mund, der durchaus delikate Kartoffelsalat aus der Küche des Elyssee (mit frischer Gurke!), warf schon langsam Blasen, der Papagei neben der Rezeption wollte nun auch nur noch Interviews gegen Geld führen, kam man bei Hamburg1 auf die tolle Idee für etwas Zerstreuung zu sorgen: man öffnete die Konserve der Pandora und griff ins Regal von „Carport“, einem lustigen Business-TV-Format, bei dem Autohäuser von sich behaupten dürfen, dass  sie es sind, die die zahlungskräftige Kundschaft in Hamburg mit ihren essentiellen Grundbedürfnissen versorgen. Der lokale Autoverkäufer einer chinesischen Automarke aus Schweden durfte ungestraft behaupten, dass seine Blankeneser Traktoren einzigartig sind, weil sie von schwedischen Meerjungfrauen und Elfen ausgeschwitzt werden und nach diesem Akt, mittels putzigen Elchschlitten nach Bahrenfeld gebracht werden. Ich war kurz versucht, zum Autohaus ums Eck zu eilen, um willenlos eines dieser Fahrzeuge zu zeichnen, schon in Hut und Mantel musste ich mich aber besinnen, hatte ich doch gerade vor Jahresfrist im Schwesterautohaus ein bedeutungsloses Kraftfahrzeug aus Kölner Produktion erworben.

Nun war auch Ulli Pingel zurück, ein Shitstorm sei losgebrochen bei Hamburg1, weil man, so quasi zur Auflockerung, mal kurz eine Dauerwerbesendung eingeflochten hatte. Kam offenkundig nicht gut an beim Mob…Das Redaktionstelefon hat wohl 2, 3 mal geklingelt.

Dieter Matz vom „Hamburger Abendblatt“ verkündete nun, was ihm sein Adept Marcus „Scholle“ Scholz aus vertraulicher Quelle einblasen konnte: Jürgen Hunke hatte mehrere Pudel geworfen, die Stimmung war nun somit im Arsch und Eugen Block wollte keinen neuen Kartoffelsalat nachlegen. Den obligatorischen Eierlikör wollte man eh‘ nicht mehr raustun, folglich beschlossen die Journalisten, ihre Belagerung abzubrechen und sich bis zu nach dem Braunschweigspiel zum Wäschewechseln hinter die Harburger Berge zurückzuziehen.

In Hamburg einigt man sich momentan, in Verkennung von Brehms Tierleben, auf eine sehr eigene Definition von „Maulwurf“. So soll es der Isegrim sein, und ja, man kann den Spaß noch bis ins Unendliche treiben. Bastian Reinhardt ist nicht nur das Amt HSV des Vorstandes im Ressort „Sport“ vor die Füße gefallen, er war vorher auch medialer Lehrling im Presseressort von Jörn Wolf, ehemals „Hamburger Morgenpost“. Und im Jahre 2014 ist Bastian Reinhardt Trainer beim Hamburger Oberligisten Niendorfer TSV, bei dem -die Fabel erreicht nun endgültig ihren Höhepunkt!- Marcus Scholz ehrenamtlicher Herrscher aller Reusen ist.

Die Spieler hatten tags zuvor weniger Spaß. OK, wir Zuschauer im Stadion auch nicht wirklich, aber, als HSVer ist man per se mit einer gesunden Portion Leidensfähigkeit ausgestattet. Was haben wir nicht alles versucht: es wurde ein stümperhafter Brief an die Mannschaft geschrieben und von einigen Leuten virtuell unterschrieben. Entweder, wurde dieser Brief nicht zugestellt, oder, die Annahme wurde schlichtweg verweigert. Der geneigte Leser mag sich nun fragen, woher meine relativ geringe Wertschätzung des aktuellen Spielermateriales herkommen mag. Eigentlich halte ich grundsätzlich wenig von Fußballern, ich respektiere sie dennoch, wenn sie sich dafür entschieden haben, sich in den Dienst der Raute zu stellen und dabei das abzuliefern, was man als realistischer und reifer HSVer von ihnen erwartet: nämlich nicht viel und eine lockere Portion „geht so“.

Ansonsten sind mir diese Herrschaft in Form, Farbe und Herkunft schlichtweg egal. Warum denke ich so? Ich hatte mal eine kurze, aber interessante Unterhaltung mit einem Spieler, bei Wodka und Zigaretten, in einem eigentlich geschützten Refugium der Fußballprofis, dem „VIP-Bereich“ eines damals angesagten Clubs.

„Was wollt Ihr Asis eigentlich?!?“ war die etwas erregte Replik. Es war ein Samstagabend, irgendwann in den Nullern. Wir beschäftigten u.a. Spieler, die „eigentlich den Stadtteileverein viel geiler finden“, aber wegen dem Geld und der Karriere ihr trauriges Dasein beim HSV fristen müssen. Es war eigentlich alles wie immer, die Leistungen der Mannschaft entwickelten sich mal wieder völlig diametral zu den Ansprüchen „der Fans“, wir dümpelten mal wieder vor uns im Tabellennirgendwo umher und das Spiel am Nachmittag war ein notorisches Kackergebnis gegen eine Nichtgesichtertruppe aus der Wallachei. Mit den Altonaer Sandkastenbuddys ging es in da Club, wir schummelten uns an den Bouncern vorbei in die VIP Bar und in einer großen Sofaecke direkt vor der Bar, da hockte sie nun, die dereinst aktuelle Zierde unter der Sonne der heiligen Raute. Auf dem Weg zum Getränk, kam ich nicht umhin, die muntere Runde zu fragen, was es denn zu feiern gäbe, die sportliche Leistung der letzten Wochen und auch am heutigen Tage kann es wohl nicht gewesen sein. Es entwickelte sich ein kleines Gespräch, in dessen Verlauf der damalige Leitwolf mir die weiter oben angeführte Frage stellte, worauf ich ihm die gängige Erwartungshaltung eines durchschnittlichen HSV Fans darlegte („ 7 mal Deutscher Meister….“). Daraufhin belehrte mich der Spieler: „Weißt du was, uns Spielern ist es echt scheißegal, was ihr wollt…“. Nicht, dass ich von Hause aus sonderlich verträumt und fan-romantisch veranlagt bin, diese persönlich vermittelte Erkenntnis prägte mich bis heute. Gerade über die Winterpause musste ich an diese Begegnung denken, als man den besagten Spieler mit einer veritablen Plauze bei einem Fußballrentner-Hallenturnier im Sportfernsehen umherirren sah.

Heute las ich eine interessante Passage, in der wie gewohnt sehr gut zu lesenden Kolumne von Jovanov bei goal.com. Sie drehte sich um den Druck, den Spieler aushalten müssen und um die Tatsache, dass weder Spieler etwas mit dem Alltagsdruck der arbeitnehmenden Fans anfangen können, noch die Fans wirklich etwas von dem Druck verstehen, dem Profifußballer ausgesetzt sind.

Grundsätzlich stimmt dieser Gedanke natürlich und all zu ungerechtfertigt emotionale Abweichung im normalen Sozialverhalten gegenüber den Fußballprofis ist natürlich unzulässig. Dies gilt natürlich ebenso für Funktionäre.

Es muss aber immer in die Betrachtung einbezogen werden, dass gerade die Fußballprofis, wenn sie dicke im Geschäft sind, komplett narzisstisch und extrovertiert Leben. Die Autos, die Frisuren, die Tätowierungen, die WAGs.

Fußballprofis halten sich für Bankhäuser, die nach dem bekannten Prinzip den Erfolg komplett individualisieren, sollte aber am Ende Misserfolg bei den Bemühungen herauskommen, wird dieser nach dem ebenso bekannten Muster vergesellschaftet.

Ebenso schwindet den Fußballprofis der Sinn für die realistische Einschätzung der eigenen Leistung im Gesamtkontext, ähnlich so, wie man es bei den Nieten in Nadelstreifen kennt. Seltsamerweise finden sich aber auch hier willige Claqueure, die nicht nur willenlosen Applaus spenden. Oder, wie ist es zu erklären, dass *hsvklatsch* es total niedlich findet, dass sich Denis Aogo einen Ast über eine Café del Mar CD freut, die er im Wurstpaket ans Krankenbett geliefert bekommen hat, wohingegen man partout nicht verstehen will, dass der HSV unwirsch auf die Mallorcatour von DA reagiert hat. Demut und Loyalität gehen nun mal anders, sind aber auch im Geschäft „Profifußball“ nicht zu erwarten.

Ach ja, Geschäft „Profifußball“: das Pokalspiel gegen die Bayern ist das erste Pflichtheimspiel seit 30 Jahren, dass ich nicht aus mehr oder minder guten Gründen aus dem echten Leben sausen lasse. Ich war sogar einen Tag nach der Beerdigung meiner Mutter zum Heimspiel, weil es mir etwas bedeutet hat und mir somit auch Trost gespendet hat.

Stand heute, fühle ich mich aber im Volkspark nicht so zwingend gut aufgehoben, wie vor 9 Jahren. Und es liegt bestimmt nicht an den Bekloppten, die da im Stadion rumlaufen. Wohl eher an dem Kartenpreis von 48,00€.

hondo adac hsv

hondo hsv mitgliederversammlung

Eine ausschließlich persönliche Reflektion über die mehr oder minder spannenden Ereignisse auf der ordentlichen Mitgliederversammlung des Hamburger Sport-Verein e.V. und den damit verbundenen bzw. gewonnenen Erkenntnissen.

Wenn ich oller Metro am Montagmorgen mein teures Hautcremeprodukt im Gesicht auftrage und die normal Dosis sich mit einem leisen Schlürfen in die Haut verabschiedet, stand am Wochenende entweder ein Zug durch die Gemeinde auf dem Programm, oder, es war einer dieser verdammten Sonntage, die man meinte mit stimmungsvollem Dienst am ausgesuchten Fußballverein verbringen zu müssen.

Ich muss gestehen, dass ich kein lustvoller Vereinsmeier bin, wenn ich ganz ehrlich bin, frustriert mich alleine der schiere Gedanke an das Gewese der „alten, weißen Männer“. Es wurde aber allgemein suggeriert, dass es diesmal so richtig wichtig sei, diese Veranstaltung mit der eigenen Anwesenheit zu adeln. So scheint jedenfalls die Sichtweise der notorischen Vereinshonoration gewesen zu sein, ebenso vermittelte dies der Duktus der Arrivierten und Gerndabeis.

Eitelkeit und Produktion des eigenen Egos sind mir von Hause aus fremd und grundsätzlich möchte ich diesen Blog schreiben, um den einen oder anderen geneigten Leser hier und da zum Kichern zu bringen. Ich habe aber keine Lust, mich eifrig wie die vielen anderen, an der kleinkarierten Vereinsseele abzuarbeiten, um entweder sein politisches Süppchen zu kochen, sich für weiterführende Aufgaben zu empfehlen, oder, um schlichtweg für die eigene Beschäftigung zu sorgen und sich somit Möglichkeiten des Broterwerbes zu eröffnen.

Gestern gurkte ich mit meinem Kraftfahrzeug zweimal über die Köhlbrandbrücke und die Magie des Augenblickes bescherte mir durch das Radio jeweils einen interessanten Gedanken. Muss man festhalten und verbreiten.

Morgens arbeitete sich NDRInfo am ADAC Skandal ab. Der Automobilexperte der Universität Duisburg, Herr Duttenhoefer, beschrieb den ADAC als einen Club „alter, weißer Männer“, der da im Tempel des Olymps mit 19 Millionen Mitgliedern vor sich hinkrautert und seine Umfragen interessieren im Prinzip keine Sau, weil da nur ein paar 1000 Mitglieder mitmachen und der Rest sowieso nur wegen Karten dem Pannendienst da ist.

Warum erheitert mich diese Analogie? Das HSV Aufsichtsratsmitglied Björn Floberg kolportierte in einem Interview, als es um die sog. Rechtsnormverfehlung ging, also um die mehr oder weniger vorhandene Gefahr, dass ein e.V. „Probleme“ bekommt, wenn er Gewinne erwirtschaftet, dass der ADAC als e.V. ja ein profundes und gesundes Beispiel sei, dass ja wohl keiner antasten wollen würde.

Am Nachmittag hörte ich dann im Deutschlandradio einen Beitrag über einen österreichischen Comiczeichner, der ein Stück von Thomas Bernhard als Graphic Novel verarbeitet hat und in diesem Zusammenhang wurde auch der (verkürzte) Bonmots Thomas Bernhards kolportiert, „Wer alles liest, hat nichts begriffen“.

 

So kamen mir auch die letzten Wochen vor und man mochte dieses Zitat nicht nur auf das „Lesen“ reduzieren, sondern auch auf das „Schreiben“, „Labern“ und „Selbstdarstellen“.

Das große Rhabarbern, von allen Seiten und auf allen Kanälen, bündelte sich nun in Richtung der MV und fand dort seinen krönenden Ausfluss.

125 Jahre und ein paar Monate hatte man Zeit gehabt, seine Argument formvollendet auszutauschen. Ich bin mir auch sicher, dass das in den honorigen Hinterzimmerchen dieser Stadt bis zum mehrmaligen Einnicken exerziert worden ist. Nur als dann der ungeduldige Mob der Mitgliederversammlung auf den Trichter kam, die Redezeit bei der Aussprache zum Tagesordnungspunkt der abstimmungsfähigen Reformvorschläge, von schwafelgedehnten 5 Minuten, auf nicht minder schwafelige 2 Minuten zu reduzierten, ja, da ging die Burg hoch und es wurde bei aller zur Verfügung stehenden Theatralik das kleine Biest „Empörung“ auf das Schild gehoben.

„Demokratieverständnis“ war nun das Wort des Tages. In Verbindung mit dem Possessivpronomen „mein“ wurde „mein Demokrativerständnis“ schnell zum Unwort des Tages. Es hatte natürlich keine wirkliche Bedeutung, dass bei mindestens 40 schon angemeldeten Wortbeiträgen, mindestens 200 Minuten in Land gehen sollten und es natürlich nicht beabsichtigt gewesen ist, dass Sitzfleisch am Ende doch irgendeinen Sieg davon trägt. Vernehmlich stand klein im Hintergrund die Verhinderung von HSV+ und schlussendlich auch, die Bestrebungen die Einführung einer Fernwahl zu unterbinden.

Natürlich haben sich nicht wenige Teilnehmer so benommen, als würden sie ihre Tage vorzugsweise in Ganzkörperbehaarung auf einem Baum hockend verbringen. Aber, das beruhte, in dieser Veranstaltung und auch quasi historisch, auf Gegenseitigkeit. Für ein HSV Mitglied sollte es absolut unschicklich sein, jeglichen ernsthaft gemeinten und ebenso vorgetragenen Beitrag unflätig zu kommentieren. Das sollte für einen vortragenden Dr. Peter Krohn gelten, so wohl auch für ein „einfaches Mitglied“ jenseits der ersten 10-20 Reihen. Genauso sollte dieser gewisse Erhalt von Würde auch Mitgliedern gelten, die sich für Ämter im Verein bewerben. Wenn sich dann aber ein relativ exponiertes Mitglied des Supporters Club (SC) mit tränenerstickter Stimme hinstellt und beklagt wie die Mitglieder mit Dr. Peter Krohn umgegangen sind, das selbe Mitglied des SC es aber vor einigen Jahren offensichtlich völlig OK fand, die sog. „Abnicker von Bernd Hoffmann“ bei der Vorstellungsrunde zur Aufsichtsratswahl, mit einstudierten Fragen zur „persönlichen und geschäftlichen Verbindung zu Bernd Hoffmann“ in ähnlicher Situation herabzuwürdigen und in der Mitgliederversammlung vorzuführen, ja, da fragt man sich ernsthaft, in was für ein schlechtes Schauspiel man hineingeraten ist.

Und das ist auch der Punkt, der das vereinspolitische Desaster, welches hinter der Veranstaltung vom vergangenen Sonntag steht, versinnbildlicht.

Die Sportsfroinde im SC wundern sich bestimmt noch heute, warum die an sich guten und patenten Änderungsanträge der hsv-reform.de komplett gescheitert sind. Der SC wird gerne als mächtig beschrieben, weil er im „Regelfall“ über relativ geschlossene Kader verfügt, die den Kleingarten auch im Sinne des Erfinders bestellen können. Mehr aber auch nicht. So wundert man sich in der Abteilung, dass dort elementare Veranstaltungen nahezu unter komplettem Fernbleiben der Mitgliedschaft abgehalten werden. Nun, es ist ja bequem und wenn die „Anderen“ nicht wollen, dient es halt „meinem Verein“.

So wurde aber auf der aktuellen MV mal wieder eindrucksvoll belegt, dass, wenn es um etwas geht, und die Anzahl der anwesenden Mitglieder schnell die kritische Masse überschreitet, die Veranstaltung für den SC nicht steuerbar ist und somit auch gute und konstruktive Ansätze gnadenlos scheitern. Und wenn dann der allgemein kolportierte Tenor aus der Gedankenwelt des SC kommt, dass die anwesenden Mitglieder a. Totengräber des Vereines sind, b. sonst nie dabei sind, oder, c. von der Bild-Zeitung manipulierte Eventies sind, darf man sich in der Abteilungsleitung des SC nicht wundern, dass eine große Anzahl von Mitgliedern gibt, die „dem SC“ oder einzelnen Protagonisten, mit Freude und großer Erregung vor den Koffer scheißen.

Wenn man dann noch kurz vor der MV das aktuelle Blättchen der SC News an die Mitglieder verschwendet, welches dann in weiten Teilen der Mitgliedschaft als ungelesener Propaganda-Sondermüll in den Altpapiercontainer wandert, muss man den handelnden Vereinskameraden nur dazu gratulieren, wie man mit solcher Geduld und Akribie, ein formidables Kommunikations-Desaster generieren konnte.

Ich habe natürlich für die Satzungsanträge gestimmt, ich habe mich auch von der Sinnhaftigkeit durch den Vortrag von Christian Reichert überzeugen lassen. Die anwesende Mitgliedschaft wollte dem aber nicht folgen, das Versagen in diesem Falle liegt aber ausschließlich bei der Ignoranz und der Selbstüberschätzung der Handelnden im SC. Bei niemand anderem sonst.

Desweiterem habe ich natürlich auch für HSV+ gestimmt. Warum? Wie kann denn das sein? Man darf doch nicht seine Mitbestimmung aufgeben?

Mitbestimmung wobei? An einem „Scheiß(Fußball)verein“? Ich glaube einfach, dass die Mitgliedschaft dahingehend emanzipiert genug ist, die Wertigkeit eines Bundesligafußballclubs im gesellschaftlichen Kontext, korrekt einschätzen zu können. Ich kann wieder nur fragen, wo am Sonntag die sporttreibenden 5000 Mitglieder des HSV e.V. gewesen sind? OK, es gibt natürlich Überschneidungen zwischen Sportlern und HSV Fans, aber, ich denke mal, dass diese sich im sehr kleinen, einstelligen Prozentbereich bewegen.

Wir leben im Jahre 2014, jedem Menschen und Bürger sind Engagement und Beteiligung im eigenen Lebensumfeld deutlich wichtiger geworden, als das komplett abstrakte Tun und Wirken rund um einen Sportverein. Um es mit anderen Worten zu sagen: Es ist den Leuten wichtiger, sich beispielsweise für den Erhalt eines Grüngebietes in der Nachbarschaft zu engagieren, als 12 Stunden Lebenszeit mit dem darstellenden Spiel anderer Menschen zu vergeuden, die festen Glaubens sind, sich mit 50 Euro Eintritt die Berechtigung erworben zu haben, Parkett und Bühne gleichzeitig bespielen zu dürfen. Das hat einfach nicht mehr viel mit der Lebensrealität einer großen Anzahl von Mitgliedern zu tun, folglich tut man sich auch nicht schwer, gewisse Verantwortung proaktiv delegieren zu wollen. Auch ein Trend, der mit nachhaltiger Konsequenz verschlafen worden ist.

Folglich ist die „Aufgabe HSV+“ für den Verein nun eine Chance, sich ernsthaft und vor allen Dingen gezwungenermaßen, mit einer Strukturreform zu beschäftigen. Es wird auf jeden Fall nichts so bleiben wie es ist, es haben viel zu lange Leute geglaubt, dass wenn sie nur die Hände in den Schoß legen, sie automatisch Pilot seien.

Um das Bild des komplett autonomen und klar denken Mitgliedes zu vervollständigen, muss ich auch sagen, dass ich im Jahre 2014 natürlich gegen eine „Fernwahl“ bin. Vor 3-5 Jahren war ich absolut dafür, man hätte es einführen sollen und es verantwortungsbewusst erproben und optimieren können. Heute ist nur die Motivation da, es als Killertool zu nutzen und das empfinde ich als HSV Mitglied als nicht zustimmungswürdig.

Ansonsten bin ich nur wegen Fußball da.

 

Eine Informationsveranstaltung der Abteilung „Fördernde Mitglieder“/Supporters Club des Hamburger Sport-Verein e.V., Thema „Mein Verein - der perfekte Verein?!“ – In Anbetracht der Reformbewegung im HSV eine reine „Propagandaveranstaltung“ des SC?!

Freitag, 01 November 2013 18:21

Das Reformhaus an der Sylvesterallee 7

Ein Schnellschuss. Dirk von Lowtzow. Viel zu teurer Whiskey. Eine Stunde zwischen der Zeit.

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