Ich muss jetzt vermutlich, auch um mich vor den wissentlichen Falschverstehern zu schützen, sagen, dass ich die Kritik an den Plänen der DFL und des DFB teile. Es ist eine bodenlose Sauerei, dass medial weiter von Vertretern beider Unternehmen (denn nichts anderes sind sie) die Mär verbreitet wird, die Fans seien in den Dialog eingebunden gewesen. Wenn Dialog bedeutet, dass man nach weiten Protesten der eigenen Fans ein paar halbherzige Gespräche unternimmt (wenn überhaupt) und dann mit leiser Stimme ein paar Veränderungen am Papier fordert, die einem im Endeffekt doch schnurzegal sind - ja, dann gab es wohl in den meisten Fällen Dialog. Auch wenn ich damit die geistige Zurechnungsfähigkeit einiger Vereinsvorsitzender in Zweifel ziehen muss.
Aber was soll bitte diese Reaktionsflut à la "die Fankultur ist nun tot"? Ist sie das, weil in Frankfurt 36 Vereine über ein Papier abgestimmt haben? Herzlichen Glückwunsch, mit solchen Fans haben die Scharfmacher aus der Politik und in einzelnen Vereinen nämlich alles richtig gemacht.
Und das darf richtig verstanden werden: Wer gestern das Ende der Fankultur ausgerufen hat, scheint von dieser eben so viel zu verstehen wie die Innenminister oder Karl-Heinz Rummenigge - nichts. Die DFL hat gestern in den ersten beiden Ligen die Grundlagen dafür geschaffen, dass es vor allem den Auswärtsfahrern und Fankurvengängern an die Wäsche (im wahrsten Sinne des Wortes geht). Außerdem dürfen Vereine nun zwar nicht willkürlich, aber doch relativ einfach an der Schraube der Kartenkontingente drehen. Das alles schmerzt und wird dem Fußball sicher nicht gut tun. Doch war das wirklich das Ende der Fankultur?
Hören Fanklubs auf zu existieren? Erscheint kein Fanmagazin wie der Leuchtturm mehr, weil da ein paar fankurvenfremde Gesichter ihren Arm in Frankfurt gehoben haben? Sind wir als Fans jetzt mundtot, inexistent, irrelevant?
Nein, das sind wir Fans nur dann, wenn wir jetzt den Fußball für uns begraben. Dann berauben wir uns selbst unserer Fähigkeit, auch in Zukunft jede kritische Entwicklung im Fußball auf die Probe zu stellen, dagegen zu protestieren und uns öffentlich Gehör zu verschaffen. Wenn wir jetzt die Fankultur (ohne dass wir je darüber nachgedacht hätten, was für uns dazu gehört) zu Grabe tragen, machen wir uns selbst zu den größten Helfern von DFL und DFB. Denn wer glaubt, dass die einfache Abwesenheit von Supportern im Stadion zu einem Umdenken führen könnte, der versteht die Logik von Vereinen nicht. Die können sich ab einer gewissen Liga Stimmung auch einfach kaufen oder per Lautsprecher einspielen - das wird niemanden interessieren, weil diejenigen, die es interessieren könnte, ja die Fankultur schon 2012 beerdigt haben.
Welchen Sinn hat es bitte, wenn eine ohnehin schwache Lobbygruppe wie die Fußballfans diese Entscheidung zum Anlass für Auflösungserscheinungen nehmen? Allein dafür, dass es irgendwann wieder besser werden könnte, muss man doch jetzt erst recht weitermachen - mit Information, Protest und Kreativität.
Dieser Kommentar ist erschien auch im FCSBlog 2.0.


