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Mittwoch, 15 Januar 2014 12:36

Nützliche Feindbilder

geschrieben von

 

fcsbvb09Sherlock Holmes hat Professor Moriarty, der Batman hat den Joker, Dortmund hat Schalke und umgekehrt. Feindbilder scheinen, obwohl uns immer wieder als die Plage schlechthin erscheinen, doch von großem Nutzen zu sein. Wir definieren über sie, was wir absolut nicht mögen und damit folglich auch ein Stück weit, wer wir selbst sind. Doch gerade im Fußball ist das nützliche Feindbild oft nicht nur langweilig. Sondern auch schlicht die nützliche Ausrede für eigene Schwächen.

Donnerstag, 28 November 2013 11:51

Interview: Der rotebrauseblogger im Gespräch

geschrieben von

rbbloggerDas Spiel gegen RasenBallsport Leipzig steht an – und sorgt für Diskussionen um Tradition und Kommerz. Verschließen will sich das FCSBlog 2.0 diesem Thema nicht, aber es wär sicher öde, immer wieder die gleichen Argumente zu behandeln. Deshalb haben wir mit einem waschechten Fan der Leipziger gesprochen. Der rotebrauseblogger schreibt über die sportliche Entwicklung im Osten der Republik und vertritt seinen Verein würdig in der Liga der Fußballblogger.

FCSBlog: Hallo rotebrauseblogger,
stell Dich doch bitte einmal den Lesern vor!

Rotebrauseblogger: 40 Jahre. Seit 12 Jahren Leipziger. Seit dreieinhalb Jahren Blogger und alltäglicher Begleiter des Geschehens rund um RB Leipzig. Fußballerisch und darüber hinaus.

Du stellst Dich als „eine Einzelperson mit konsumorientierter Fußballbegeisterung“ in Deinem Blog vor. Was kann ich mir darunter vorstellen?

Das erinnert mich daran, dass ich meine Selbstbeschreibung im Blog vielleicht mal überarbeiten könnte. Inzwischen würde da wohl in Anlehnung an eine Fangruppe beim ZFC Meuselwitz eher so was wie „Sitzplatzultra“ stehen. Die obige Bezeichung stammt aus den Blogursprüngen und erklärt sich aus der Leipziger Fußballhistorie der letzten mehr als 10 Jahre, die mit ihren Polen Größenwahn und Scheitern immer für viele Geschichten und ‘tolle’ Unterhaltung abseits des Platzes sorgte. Pole, die ich – ohne ganz große Anteilnahme für die konkreten Vereine, aber mit gewisser Vorliebe für den FC Sachsen – immer gern beobachtete und dabei einen eher distanzierten Spaß an der Sache entwickelte. Mit RB Leipzig wurde die Geschichte quasi fortgeschrieben. Sofort standen Themen wie Bundesliga und Champions League im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Das versprach viel Spaß abseits des Platzes (Konsumorientierung) und ich hatte zudem ernsthafte Lust auf den fußballerischen Teil (Fußballbegeisterung), weil ich mich einfach auf einen Verein freute, der das dauerhafte Bespielen des örtlichen WM-Stadions versprach. So entstand der obige Begriff damals, der aber inzwischen eher eine historische Beschreibung ist, weil ich die dem Begriff innewohnende Distanz etwas verloren habe. Auch weil der Verein inzwischen weg von den ganz großen Themen ein Stückweit im Fußballalltag angekommen ist. Da haben drei Jahre Regionalliga auch viel gutes bewirkt.

Welche Rolle spielen für einen konsumorientierten Fan Fans in den Kurven und die Fankultur an sich?

Fankultur spielt für mein eigenes Dasein eine eher untergeordnete Rolle. Da bin ich dann doch zu sehr Einzelperson. Ich verfolge die Entwicklungen aber sehr gerne und finde, dass Fankultur zu einem Fußballvereinsleben natürlicherweise dazu gehört. Letztlich ist ja auch bei RB Leipzig die Fanszene über die entsprechenden Kommunikationskanäle und über offizielle Fanclubs jene Instanz, die am ehesten auf den Verein einwirkt und sich mit Themen rund um den Fußball auseinandersetzt. Das Banner „Fußballfans gegen Homophobie“, das vor zwei Jahren in Leipzig zu Gast war, zeugt beispielsweise davon. Insgesamt ist das Agieren in den Fan-Strukturen nicht unbedingt mein Tanzbereich, finde aber das Entstehen und die Entwicklung der Fanszene bei RB Leipzig spannend, ganz einfach weil es ein offener und noch nicht final bestimmter Prozess ist, der mit jedem Aufstieg neuen Schwung und neuen Input kriegt..

Die Hürden für eine Vereinsmitgliedschaft (Kosten im Jahr: 800 Euro) sind bei RB Leipzig hoch. Geschäftsführer Wolter verweist auf die Situation bei anderen Vereinen, in denen Ultras Strukturen geschaffen hätten, die nicht im Sinne des Fußballs seien. Wie stehst Du zu dieser Haltung?

Ich halte das in einem gewissen Sinne für eine rhetorische Schutzbehauptung, quasi als Form der nachträglichen Legitimation. Die Vereinskonstruktion wurde ja schließlich nicht wegen möglicher Ultragruppierungen gewählt, sondern weil man generell eine Organisationsform wollte, bei der man die Kernentscheidungen in Bezug auf Personal und Strukturen unabhängig vom Mitgliedertagesgeschäft treffen wollte. Generell störe ich mich nicht wirklich an der Konstruktion, weil Entscheidungen im Profifußball sowieso in engen Zirkeln und nicht in Mitgliederversammlungen getroffen werden (was bei den zur Debatte stehenden Jahresetats auch ok ist). Und für alle Fan-, Umfeld- und Zuschauerbelange gibt es auch andere Einflussmöglichkeiten als die Mitgliedschaft, die bei den meisten großen Vereinen oft sowieso nur noch zum Mittel verkommen ist, besser an Eintrittskarten zu kommen.

Du verweist auf Einflussmöglichkeiten abseits der Vereinsmitgliedschaft. In Salzburg ließ sich Red Bull zur Übernahme nicht in die Umgestaltung des Vereins hereinreden. Wie viel zählt das Wort der Fans bei RB Leipzig?

Zumindest weiß ich, dass der Draht zwischen Anhängern und Verein relativ kurz ist und typische Fanbelange (Capopodium, Auswärtsreisen, Sicherheitsfragen) auf direkten Wegen an die richtigen Stellen kommen. Nach dem Regionalligaaufstieg wurde vereinsseitig auch eine ordentliche Preiserhöhung für alle Plätze im Stadion und vor allem eine Abschaffung der Ermäßigungen beschlossen. Der Einspruch aus den Fanclubs führte dann dazu, dass man wieder Ermäßigungen für bestimmte soziale Gruppen einführte und – ohne ins Detail zu gehen – noch mal die Platzkategorien überarbeitete. Vielleicht ein banales Beispiel, aber es zeigt eben, dass es möglich ist, auf Entscheidungen einzuwirken, die das nicht direkt sportliche Umfeld des Vereins betreffen. Und es zeigt auch, dass die Fans ihre Belange gegenüber dem Verein vertreten, wenn es notwendig ist.

Hat Dich bisher eine Kritik am Konzept RB Leipzig überzeugen können?

Überzeugen nicht, sonst würde ich dem Verein wohl nicht (mehr) anhängen. Grundsätzlich verstehe ich die bei vielen ausgeprägte, ganz grundsätzliche, kulturell begründete Abneigung, die sich gar nicht erst rational gibt, sondern einfach so etwas wie die Ästhetik (das was man vielleicht als Retorte bezeichnen kann) nicht mag. Andererseits weiß ich aus meinem eigenen Erleben, das viel von der Abneigung auch Vorurteil ist.

Rational kann ich zumindest nachvollziehen, dass es Leute gibt, die kritisieren, dass mit dem RasenBallsport Leipzig e.V. das demokratische Vereinsprinzip ausgehebelt wird. Ich verweise in dem Zusammenhang aber auf die obige Anmerkung, dass in den größeren Vereinen das demokratische Grundprinzip letztlich auch nicht mehr im Vordergrund steht und sich letztlich auch oft abseits der Mitgliedschaft über Fanclubs oder Ultragruppen auslebt. Sprich, Kommunikation und Gestaltung auch jenseits der Mitgliedschaft stattfindet.

Nachvollziehbar finde ich auch die Kritik, dass RB Leipzig quasi ein Geldcheat ist. Denn letztlich gibt es für viele Vereine nicht die Möglichkeit, sich Fehler bei der Kaderzusammenstellung oder Personalauswahl zu leisten, wie es RB Leipzig in den letzten Jahren getan hat. Denn dann wären sie schnell pleite. RB ist das nicht und gerade in den unteren Ligen ist das ein enormer Wettbewerbsvorteil. Andererseits ist Fußball eben auch ein Wirtschaftszweig mit sehr unterschiedlich potenten Vereinen und mit dem Finger auf den Einen zu zeigen, ist mir zu einfach, weil es ein Grundsystem Profifußball gibt. Witzig finde ich es zum Beispiel dann, wenn im Umfeld eines Bundesligisten wie dem FC Augsburg vor dem DFB-Pokal-Spiel auf die finanzielle Übermacht von RB hingewiesen wird, denn im Vergleich ist Leipzig dann doch (noch) ein kleiner Fisch.

Hast Du Angst vor einem Ausstieg von Red Bull in Salzburg? Etwa wenn es im Europapokal zum Duell mit Salzburg kommen könnte?

Die Europapokal-Geschichte ist noch enorm weit weg, wenn man die abgeschottete Spitze im deutschen Fußball sieht und formal könnte man auch aus der Nummer rauskommen, da Red Bull ja nur in Salzburg der Besitzer ist und in Leipzig ein e.V. dran hängt. Letztlich ist es mir aber egal, was in Salzburg vor sich geht, weil ich durch Leipzig nicht zum Anhänger des Salzburger Fußballs geworden bin. Ich verfolge die Entwicklungen dort natürlich, weil es in den letzten Jahren immer mal wieder Domino-Effekte gab (Entlassungen dort mit Auswirkungen auf Leipzig), aber ohne emotionale Nähe. Und dass man bei Red Bull auf die Idee kommt, den einheimischen Verein fallen zu lassen, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Der Fokus Richtung internationalem Fußball liegt aber ganz klar bei Leipzig, falls RB irgendwann mal in der Bundesliga spielt, denn nur von Deutschland aus besteht die Chance, sportlich-wirtschaftlich nachhaltig die Fühler nach Europa auszustrecken. Das ist für Salzburg in der österreichischen Liga dauerhaft nicht zu stemmen. Das hat man ja auch bei den bisher gescheiterten Versuchen, in die Champions League zu kommen gut gesehen.

In den Neunzigern waren Bundesligamannschaften aus dem Osten schon selten, hielten sich aber wacker. Wieso scheint diese Entwicklung vorbei zu sein?

Aus meiner Sicht wurde in der entscheidenden Phase Ende der 90er, Anfang 2000 der Anschluss verpasst. Als sich der Fußball enorm professionalisierte, was Strukturen und Nachwuchsarbeit anging, hatte man im Osten meist nicht die finanziellen Mittel, um den Weg mitzubestreiten, weil man von den Fleischtöpfen der Profiligen zu weit weg war. Cottbus war in jenen Tagen zur richtigen Zeit am richtigen Ort und hat davon lange gezehrt. Rostock hat es dagegen auch mit vielen eigenen Fehlern trotz guter Bedingungen (neues Stadion, guter Nachwuchs) verbockt. Und ansonsten gab es Ende der 90er niemanden, der auf den Zug professioneller Fußball hätte aufspringen können. Den Anschluss wiederherzustellen, daran knabbern einige Vereine wie auch Dresden trotz riesiger Fanunterstützung, weil die Abstände rein wirtschaftlich doch enorm geworden sind.

Zur 3. Liga: Kann die Liga den Ansprüchen eines konsumorientierten Fußballfans genügen?

Die 3.Liga ist aus der Sicht eines ehemaligen Regionalliga-Guckers, wie ich es einer bin, großartig. Eine interessante Liga mit einigen interessanten Vereinen, interessanten Talenten auf dem Platz und auf den Trainerbänken und einigen Routiniers, die aus oberen Ligen dazukommen. Insgesamt eine spannende, ausgeglichene Liga mit unterschiedlichen Taktikkonzepten und vielen spannenden Spielen und Reisezielen. Ich habe mich sehr auf diese neue Welt gefreut und diese Freude begleitet mich weiterhin durch die Saison.

Die Vereine in der 3. Liga haben vermehrt Probleme, ihre Wirtschaftlichkeit nachzuweisen. Was müsste sich in der Liga ändern?

Wenn ich das wüsste, dann wüsste ich wahrscheinlich mehr als alle, die sich in den letzten Jahren mit der dritten Liga beschäftigt hätten. Letztlich würde ich behaupten, dass die dritte Liga als vor allem regional relevante Liga eigentlich ganz gut da steht. Man muss immer sehen, dass fernsehgeldtechnisch nicht extrem viel aus diesem Teil des Fußballs herauszuholen ist. Dass die Liga in vielen Facetten live im Netz übertragen wird und auf vielen Kanälen Berichte zu finden sind, ist für die Vereine sicherlich bereits Gold wert. Letztlich bliebt es das Problem, dass die Lücke zur zweiten Liga sehr groß ist, aber dann könnten sich die Regionalligisten erst recht beschweren.

Problematisch wird es natürlich, wenn du mit viel zu teuren, mindestens für die zweite Liga gebauten Stadien in der dritten Liga agierst. Das drückt dich irgendwann an die Wand. Aber dafür ist letztlich nicht die wirtschaftliche Lage der Liga verantwortlich. Deprimierend ist dagegen schon, dass seitens des DFB zwar immer das Loblied der Liga gesungen wird, aber man letztlich noch nicht mal den immer wieder versprochenen Sponsor für die Liga gefunden hat (mal abgesehen davon, ob es schön ist, dass die dritte Liga dann ‘Hotelkette XY Liga’ heißen würde).

Letztlich – auch wenn das aus RB-Sicht sicher einfach gesagt ist – muss man mit dem auskommen, was einem aufgrund der Erlöse zur Verfügung steht. Und es gibt ja auch viele Vereine, die das tun und können und dann (Braunschweig und Union zum Beispiel) trotzdem erfolgreich sind. Was aber nichts daran ändert, dass man ab der dritten Liga abwärts, auch aufgrund der geringen Rücklagen bei kleineren Vereine, immer ein wenig auf Kante genäht ist und am Rande des Machbaren arbeitet. Und das lässt sich wohl auch nicht ändern, wenn man nicht unrealistischerweise daran glaubt, dass die oberen Ligen in plötzlich ausbrechender Solidarität die dritte Liga unterstützen. Letztlich sind die Verein in der dritten Liga ja die Konkurrenz der 36 Vereine, die jeweils aktuell die DFL bilden..

Heidenheim und Leipzig auf dem Weg in die 2. Bundesliga – überrascht Dich das?

Naja, bis jetzt sehe ich nur Heidenheim auf dem Weg in die zweite Liga. Und die waren vor der Saison (auch bei mir) sowieso der absolute Topfavorit. Dass RB schon in der Hinrunde konstant um die Aufstiegsplätze herum steht, überrascht mich tatsächlich ein bisschen. Da hätte ich mit mehr Anpassungsproblemen gerechnet. Und auch mit mehr Müdigkeit nach der nicht vorhandenen Sommerpause. Letztlich resultiert der aktuell zweite Platz aber auch daraus, dass einige mehr oder minder große Liga-Favoriten (Münster, Chemnitz und auch Saarbrücken) in diesem Jahr die Seuche gebucht haben. Von den restlichen Teams musste man nicht unbedingt annehmen, dass sie große Favoriten auf den Aufstieg sind bzw. so konstant spielen, dass sie die Liga dominieren können. Aufgrund der Schwäche der Mitfavoriten ist dann Tabellenplatz 2 gar nicht mehr so überraschend. Und genau das ist dann letztlich auch der Punkt, wo ich denke, dass man Chancen (auf den Aufstieg) dann wahrnehmen sollte, wenn sie sich ergeben. Und in diesem Jahr ist es wohl im Vergleich mit den letzten Jahren und dem, was in der nächsten Saison zu erwarten ist, eher einfach Platz 2 oder 3 zu erreichen. Aber aktuell ist das Feld hinter Heidenheim sehr dicht und zwischen Platz 2 und 10 sind es nur 5 Punkte (und selbst bis runter zu Münster ist der Zug noch nicht abgefahren), von daher werden die Entscheidungen im Aufstiegskampf wohl erst sehr spät in der Saison fallen.

In Deinen Spieltagstipps kommt der 1. FC Saarbrücken meist gut weg, in dieser Saison oft zu gut…

Das ist vermutlich der Fluch meiner Saisonprognose. Da hatte ich Saarbrücken ganz oben mit auf der Liste und vor jedem Spieltag gibt es so eine Form von ‚aber die müssten doch jetzt endlich mal’. Letztlich hat Saarbrücken ja in den letzten Wochen auch sehr ordentlich agiert, auch wenn dabei zu wenige Punkte und zu viele Unentschieden heraussprangen. Von daher lag ich mit einigen Tipps nicht ganz falsch.

Zum Abschluss die Frage: Was passiert am Samstag?

Gute Frage. Hierzulande – und ich schließe mich da an – hofft man ein wenig, dass eure Spieler mit dem Kopf schon beim BVB-Spiel sind. Unabhängig davon dürfte letztlich RB leichter Favorit sein. Angesichts dessen, dass Saarbrücken aber individuell gut besetzt ist und mit dem neuem Trainer Milan Sasic auch taktisch gut organisiert scheint, wird es ein Spiel, das auf dem Platz eher nach Augenhöhe aussehen wird. So ähnlich wie das beim Auswärtsspiel von RB in Chemnitz schon war.

Ich persönlich hoffe, dass der Ausflug in den Ludwigspark nicht so deprimierend wie zum Elversberg-Spiel wird. Das war ziemlich grausames Gekicke mit bösem Ende (0:1-Niederlage in der Nachspielzeit). Würde ich gerne beides vermeiden. Wenn man eure Ergebnisse der letzten Wochen heranzieht, wird es wohl aber auf ein Unentschieden hinauslaufen. Angesichts der Dichte an der Spitze hinter Heidenheim aus meiner Sicht etwas wenig, aber sicherlich auch etwas mit dem ich bei entsprechendem Spielverlauf gut leben könnte. Da ihr aber auch eher drei als einen Punkt gebrauchen könnt, wird es wohl ein ziemlicher Kampf mit völlig offenem Ausgang. Ein über sich hinaus wachsender Gastgeber ist genauso denkbar wie ein Gast, der mit Geschwindigkeit die Heimabwehr überrollt. Eigentlich wie immer in dieser Liga (außer bei Heidenheim-Spielen), man weiß vorher nicht wirklich, was man kriegt. Bei Beteiligung von RB Leipzig kriegt man aber im Normalfall zumindest enge Spiele.

Vielen Dank für das Interview!

Interview geführt von Carsten Pilger für DasFCSBlog 2.0

Donnerstag, 21 November 2013 16:05

Saarbrücken: Frischer Wind im Aufsichtsrat

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fcs mitgliederversammlungDie Mitglieder des 1. FC Saarbrücken haben am Dienstag für eine faustdicke Überraschung gesorgt. Bei den Wahlen zum Aufsichtsrat, dem höchsten Kontrollgremium des Vereins, erhielten der bisherige Vorsitzende Reinhard Klimmt (früher Bundesverkehrsminister) und der Ex-Präsident Paul Borgard nicht die nötige Stimmmehrheit. Stattdessen gehören nun zwei Fans dem siebenköpfigen Gremium an: Der 23-jährige Student Florian Kern und der 32-jährige Versicherungsberater Claude Burgard.

Abgestraft für die Stadionfrage

Für Klimmt und Borgard schwand nach dem Scheitern eines Stadionneubaus die Unterstützung seitens der Vereinsmitglieder in den vergangenen Monaten drastisch. Vor allem Klimmt, der immer wieder sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender mit Zusagen der Politik zum Neubau verknüpft hatte, enttäuschte langjährige Unterstützer. Paul Borgard, bis vor kurzem Präsident des Vereins, konnte weder mit ausgeprägten Kontakten in die Wirtschaft sorgen, noch hatte er in der Debatte um das Stadion entscheidende Impulse setzten können. Stattdessen wurden ihm eine mangelnde Kommunikation zum Verhängnis. Im Gegensatz zur Abwahl des langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden Klimmt kam die Nichtwahl Borgards wenig überraschend.

Chance für den Verein

kern aufsichtsratFür die beiden Neulinge im Aufsichtsrat ändert sich nun einiges. Florian Kern und Claude Burgard sind nun Teil des Kontrollgremiums, das auch von den Neuen eine genaue Beschäftigung mit den Finanzen des Vereins und dem Vereinsrecht erfordert. Zudem hat der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende Reinhard Klimmt in der Aussprache betont, dass zu diesen satzungsmäßigen Aufgaben beim 1. FC Saarbrücken jeder noch etwas in den Aufsichtsrat mitbringt. Das sind Kontakte in die Wirtschaft und die Politik. Beides haben Burgard und Kern wohl nicht unbedingt im gleichen Maße wie ihre Kollegen. Ihr Vorteil ist der gute Draht in die Fanszene. Klimmt und Borgard konnten nur vom Podium die Fans immer wieder loben. Burgard und Kern haben jedoch genug Selbstvertrauen, um auch weiter den Austausch mit den Zuschauern zu suchen und Ideen von dort in die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins – hier wollen beide anpacken – einfließen zu lassen. Daran werden sich die beiden in den kommenden drei Jahren messen lassen werden.

In der Presse wird diese Mitgliederversammlung als „Fan-Revolution“ dargestellt, was sowohl gute, wie schlechte Erinnerungen hervorrufen wird. Aber ist sie das überhaupt gewesen? Abseits der durchaus überraschenden Wahlen mit nicht sehr überraschenden Hintergründen ist wenig passiert, was auf eine „Fan-Revolution“ schließen lässt. Die im Vorfeld viel diskutierten Satzungsänderungsanträge aus der Basis wurden abgelehnt. Die Aussprache befand sich auf einem hohen sachlichen Niveau, sowohl auf Frage-, wie auch auf Antwort-Seite. Selbst Hartmut Ostermann, der in der Vergangenheit öffentliche Auftritte meist vermied, konnte bei seinem Comeback als Präsident auch viele Kritiker überzeugen, da er eine ruhige, zwischen den Fronten moderierende Art an den Tag legte und auch das Votum – so sichtlich es ihn mitnahm – akzeptierte. Die ungewohnte Lage nach der Mitgliederversammlung 2013 ist keine Revolution. Sie ist eine Entwicklung, die dem Verein nun viele Chancen bietet.

Carsten Pilger

 

Sonntag, 03 November 2013 09:15

Was Fußball-Fans im Saarland kosten

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polSR-online hat aktuelle Zahlen zu Polizeieinsätzen bei Fußballspielen im Saarland veröffentlicht. Die Hauptfrage: Was hat der Fußball im vergangenen Jahr den Steuerzahler gekostet? Gerade aus Sicht der Fans des 1. FC Saarbrücken ein spannendes, oft auch zu emotionales Thema. Überraschend sind die Zahlen nicht wirklich – sie sorgen aber an einigen Stellen leider für Unklarheit.

Die Statistik zum Aufwand liest sich wie folgt:

Saison Stunden Beamte Aufwand in Euro
2012/2013

35.519

5.552

2.092.069

2010/2011

20.872

3.328

1.229.361

2007/2008

28.998

3.627

1.707.982

Zahlen: Saarländisches Innenministerium

Auf den ersten Blick mag es überraschend sein, dass der Aufwand tendenziell zwischen 2008 und 2013 stark angestiegen ist. 2010/2011 scheint hingegen komplett aus dem Rahmen zu fallen. Für den Laien könnten jetzt Allgemeinplätze wie „Die Gewalt im Fußball ist halt gestiegen!“ oder „Überall Chaoten“ eine naheliegende Antwort geben. Solche Schlüsse gehen aber an der Realität vorbei. Tatsächlich erklärt der Blick auf die Situation in den Ligen schon viel Zahlenwerk. Das Jahr 2007/2008 sorgte gerade durch die außergewöhnliche Konstellation in der Oberliga Südwest für viele Polizeieinsätze: Fünf saarländische Vereine, darunter der 1. FC Saarbrücken, Borussia Neunkirchen und der FC 08 Homburg spielten in der Liga. Und das unter anderem gegen Wormatia Worms, die zweite Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern und Eintracht Trier. Einige Mannschaften trafen nach langer Pause wieder in regulären Ligaspielen aufeinander – viele sogenannte „Risikospiele“ waren das Ergebnis.

Der Rückgang der Zahlen zur Saison 2010/2011 verwundert ebenso wenig: Der 1. FC Saarbrücken war gerade in die 3. Liga aufgestiegen, in der aufgrund der hohen Entfernungen nicht immer viele Gästefans anreisten. Das einzige „Derby“ im weitesten Sinne gab es gegen die TuS Koblenz. Durch den Aufstieg von Homburg in die Regionalliga änderten sich auch unterhalb einige Konstellationen.

Für 2012/2013 ist der Aufwand nun auf einem Höchststand. Das Innenministerium begründet das mit drei Spielen mit besonders hohen Einsatzzahlen – natürlich ist auch hier der FCS nicht weit:

Spiel Aufwand

1. FC Saarbrücken : 1. FC Kaiserslautern

(Freundschaftsspiel)

2.094 Stunden / 394 Beamte

1. FC Saarbrücken : FC 08 Homburg

(Saarlandpokal)

3.810 Stunden / 508 Beamte

1. FC Saarbrücken / Schalke 04

DFB-Pokal

3.950 Stunden / 516 Beamte

Zahlen: Saarländisches Innenministerium

Beachtet man, dass in der laufenden Spielzeit mit bislang drei DFB-Pokalrunden für den 1. FC Saarbrücken größere Spiele anstand, sowie die SV Elversberg einige Spiele im Ludwigspark austragen musste, ist wohl damit zu rechnen, dass sich die Zahlen für 2013/2014 auf einem ähnlichen Niveau wie die Zahlen der Vorgängersaison befinden werden. Doch wie sind die Zahlen zu bewerten? Kostet der Fußball die Steuerzahler wirklich zu viel? Natürlich ist die nachfolgende Sichtweise befangen (da ich selbst ein Fan bin) und außenstehend (da ich eben kein Polizist bin). Lediglich warne ich davor, zu große und zu schnelle politische Schlüsse zu ziehen, da:

1. Der Vergleichszeitraum relativ klein ist.

Erst mit der Einrichtung der „Zentralstelle Szenekundige Beamte“ 2007 wurden Jahresstatistiken über Polizeieinsätze bei Fußballspielen im Saarland überhaupt erst erhoben. Ein Zeitraum von fünf Jahren gibt nur einen kleinen Anhaltspunkt über die Entwicklung von Gewalt im Fußball – in den Fokus der Medien rückte der Hooliganismus im Deutschen Fußball in den 1970er Jahren. Zahlen über längerfristige Entwicklungen innerhalb des Fußballs sind somit bislang nicht vorhanden – wenn sie nicht mit erheblichem Verwaltungsaufwand rekonstruiert werden.

2. Die Methodik an einzelnen Stellen eher für Unklarheit sorgt.

Zwei Punkte der Statistik sind im Besonderen dafür geeignet, eher für Missverständnisse, denn Klarheit zu sorgen. Zum einen ist es die Anzahl der Verletzten bei Fußballspielen:

Saison Zuschauer Störer Beamte
2012/2013 7 22 5
2010/2011 8 18 6
2007/2008 2 8 2

Zahlen: Saarländisches Innenministerium

Diese Statistik wirft mehr Fragen auf, denn Antworten zu liefern: Welche Verletzungsarten liegen vor? Wodurch wurden die Verletzungen verursacht? Waren es Verletzungen in Folge von Schlägereien oder gab es weitere Ursachen (Autounfälle im Stadionumfeld? Baufällige Stadien, wie in Neunkirchen oder Saarbrücken)? Ebenso wäre es wichtig, die Definition der „Störer“ der Statistik mitzuliefern. Natürlich werden hier einige Leute einwenden: „Ist doch klar, wer gemeint ist!“ Tatsächlich ist es das nicht. Sind es gewaltsuchende oder gewaltbereite Fans? Auch das sind zunächst einmal Zuschauer. Auch hier wäre die Frage eher: Wie viele Verletzungen wurden durch „Störer“ verursacht?

Saison Eingeleitete Strafverfahren
2012/2013 191
2010/2011 142
2007/2008 60

Zahlen: Saarländisches Innenministerium

Auch bei der Statistik der eingeleiteten Strafverfahren, bleiben Fragen offen: Wie viele Verfahren wurden wieder eingestellt? Welche Delikte waren Gegenstand der Verfahren?

Diese Statistiken werden meiner Meinung nach erst dann richtig gelesen werden können, wenn obige Fragen endlich beantwortet werden. Erst dann lassen sich auch solche Zahlen mit den Einsatzkosten verknüpfen.

3. Zahlen alleine zu oft der Kontext fehlt.

Was in den beiden vorherigen Punkten bereits beschrieben habe, soll in diesem Kritikpunkt noch einmal allgemein auf den Punkt gebracht werden. Es fehlt oft der Zusammenhang, die Statistiken überhaupt erst zu wirklichen Aussagen machen. Wie stark war der Einfluss vom Wechsel an der Spitze der Polizei von Peter Becker zu Udo Schneider? Becker etablierte einen Dialog mit Fans und Fanprojekt, um Einsätze bei Spielen besser einschätzen zu können. Sein Nachfolger Schneider gilt als Hardliner und zeigte sich nach seinem Antritt oft selbst mit einfacheren Situationen, etwa einer spontanen Feier von Fans aus Saarbrücken und Nancy in der Innenstadt, überfordert. Wie sehr hat sich die Arbeit der Fanprojekte verändert? Es sind Informationen, die eine reine quantitative Aufzählung definitiv aufwerten würden. Zahlen können nur Ergebnisse sein, aber eines darf kein Leser einfacher Zahlen glauben: Dass er alle Variablen kennen würde. Selbst der alten Polemik, dass Fußballvereine bitte selbst für die von ihnen verursachten Einsätze aufkommen sollten, fehlt oftmals die logische Entgegnung, dass sich eben diese Vereine auch mit Steuergeldern an der Finanzierung der Polizei beteiligen.

Zahlen können je nach Lust und Laune und mit relativ einfachen Mitteln zu diesem oder jenem Zwecke benutzt werden. Wozu ich die Zahlen und meinen Artikel also nutzen möchte? Zur Aufforderung, gelassen zu bleiben. Wer nach Statistikveröffentlichungen meint, irgendwelche schnellen Schlüsse hinsichtlich der Finanzierung von Polizeieinsätzen treffen zu können, ist nicht wirklich ernst zu nehmen. Dahinter steckt meist Populismus, über den jeder mündige Fußball-Fan drüber stehen sollte. Meine zweite Aufforderung: Es muss mehr Aufwand in die qualitative Forschung zur Gewalt im Fußball gesteckt werden. Sonst müssen andere Diskussionen gar nicht erst geführt werden, da man die Probleme nie bei der Wurzel packen wird.

Dieser Artikel erschien ebenfalls im FCSBlog 2.0.

Weitere Links zum Thema:

- SR-online: Teure Saison für den Steuerzahler
- Deutschlandfunk: Tiefe Gräben

Mittwoch, 22 Mai 2013 12:13

FCS-Fazit 2012/2013

geschrieben von

ksc3Seit der Saison 2006 ziehe ich zum Saisonende ein ausführliches Fazit in meinem Blog, seit 2010 auch – mit Unterbrechungen – für Ludwigspark.de. Das war anfangs relativ einfach, standen am Ende dieser Jahre meist Auf- oder Abstiege, die eine Saison in ihrer Bewertung ziemlich deutlich ausfallen ließen. Doch was ist mit dem dritten Klassenerhalt in Folge? Je nachdem wessen Urteil gehört wird, pendelt die Saison zwischen einem wahren Seuchenjahr mit knappen Happyend bis hin zu einer ganz ordentlichen Runde. Im Folgenden werden Einzelaspekte der Spielzeit 2012/2013 noch mal in die Kritik genommen.

Freitag, 11 Januar 2013 13:32

Rezension: 100 Jahre Ellenfeld-Stadion

geschrieben von

pictureEine Rezension über ein Buch, das von Borussia Neunkirchen handelt, an dieser Stelle, einem Blog eines Saarbrückers? Hätte es in den 60er Jahren schon Weblogs gegeben, wäre es nun wohl zu grundsätzlichen Auseinandersetzungen mit religiösem Anklang gekommen. Aber im Urlaub ist es ein bekanntes Unterfangen, dass wir die örtlichen Kathedralen und Kirchen besichtigen und uns vielleicht sogar mit ihrer Bedeutung beschäftigen. Warum also nicht die Kirchen des Fußballs, die unsereins “Stadion” nennt? Und selbst der erbittertste Neunkirchen-Gegner wird zugeben müssen, dass dieses Ellenfeld-Stadion etwas besonderes ist.

Freitag, 21 Dezember 2012 10:43

Guter Fußball, schlechte Filme

geschrieben von

Eigentlich ist jede Disziplin für sich genommen ein Erfolg: Auf der einen Seite der Fußball, auf der anderen Seite das Kino. Beide ziehen ein Millionenpublikum Tag für Tag in den Bann und auch wenn im Kino doch eher selten Fangesänge herrschen – beide haben viel gemeinsam. Hapern tut es oft nur dann, wenn sich ihre Wege kreuzen. Aber nicht zwangsläufig. Eine subjektive Liste sehenswerter und nicht sehenswerter Fußballfilme von Carsten Pilger.

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