Mi22May2013

Back Aktuelle Seite: Blog argifutbol

Aus der Sicht von CA Independiente ist der gestrige 2:0 Sieg im Clásico de Avellaneda gegen den Erzrivalen Racing Club eigentlich in zwei Worten greifbar: Partido perfecto - perfektes Spiel. Intensiver sind allerdings Eindrücke, von jemandem der live dabei war. Ein ausführlicher Erlebnisbericht von dem in Buenos Aires lebenden argifutbol-Autor Viktor Coco.

Eine meine Mitbewohnerinnen, Wakio, stammt aus Guyana, ist in Kenia aufgewachsen und hat in Washington DC Internationales Recht studiert. No entiendo - ("Ich verstehe es nicht") raunte sie mir gestern Abend frei von jeglichen Ressentiments immer wieder zu. Klar, schwer zu verstehen, wenn ein erwachsener Mensch den ganzen Abend total heiser singend durch die Bude hüpft. Aber vielleicht doch nicht so schwer, für jemanden, der Fußball fühlt. Aber wie kam es dazu?

Im Nordwesten der Hauptstadt Buenos Aires kam es am Wochenende beim Ligaspiel von San Miguel gegen Excursionistas zu schwerer Randale. Nachdem die Gäste den Führungstreffer erzielten, stürmte San Miguels Barra Brava den Gästeblock, wo sich Familienangehörige, Klubverantwortliche und nicht nominierte Spieler aufhielten. Die Akteure auf dem Rasen mussten mitansehen, wie der Schlägertrupp ihre Angehörigen massiv attackierte. Dabei wurde der vor kurzem am Knöchel operierte Spieler, Gerardo Castro (23), seiner Krücken beraubt und mit selbigen verprügelt. Schwer zugerichtet musste Castro ins nächstgelegene Krankenhaus gebracht werden. Als der Schiedsrichter aufgrund der chaotischen Lage das Spiel nach 35 Spielminuten abbrach, wurden Spieler beider Mannschaften beim anschließenden Platzsturm des 50-60 Mann starken Mobs bis auf die Unterhosen entkleidet und teilweise verletzt. Die Gästekabine wurde komplett leergeräumt: Brieftaschen, Dokumente, Handys, Kleider - alles weg.

Dienstag, 06 November 2012 12:31

Im Kampf gegen das Schienbein: El "Tano" Nasuti

geschrieben von in argifutbol

barcelona-vs-emelecEs gibt Tage, an denen will es einfach nicht laufen. Blöd nur, wenn der Moment ungünstig ist, beispielsweise beim Derby gegen seinen größten Rivalen. Oder bei einem entscheidenden Meisterschaftsspiel. Und wenn beides zusammenfällt, hat man ein Spiel für die Geschichtsbücher gesehen. Am vergangenen Sonntag geschehen beim Clásico del Astillero - Ecuadors größtes Derby.

532 Tage lang mussten die Fans auf diesen Moment warten. Das Spiel der Spiele, nicht Clásico, nein Superclásico. Wir schreiben die 189. Auflage und die Hauptstadt befindet sich endlich wieder im absoluten Ausnahmezustand. Straßenkarawanen, Fahnenmeere, Schlachtgesänge vom Hafenviertel Boca bis in das feinere Viertel Nuñez im Norden der Stadt. Das Monumental, Spielstätte von Rekordmeister River Plate, ist fast komplett in den Farben Rot und Weiß gehüllt, explodiert beim Einlauf der Mannschaften förmlich. Man of the match: die Fans von River Plate, die kurz vor Schluss ganz hart auf den Boden der Tatsachen aufschlugen.

Beim gestrigen Ligaspiel des Quilmes Atlético Club gegen River Plate erlaubten sich die heimischen Fans des Cervecero einen bizarren Streich. Noch bevor die Partie angepfiffen wurde, flogen zwei in Gästetrikots bekleidete Hühner vom Fanblock auf das Spielfeld. Ein besonderer Willkommensgruß für die Riverfans, die landesweit abschätzig als Gallinas, Hühner, bezeichnet werden. Die Hühner konnten nach einer kurzen Verfolgungsjagd eingefangen werden und die Partie wurde erst eine Viertelstunde später als geplant freigegeben, argentinische Lässigkeit eben.

Ungewohnte Traueraktion in Quilmes: Die Barra-Gruppierung Los Alamos des Fußballklubs Quilmes AC hielt am vergangenen Dienstag eine Totenwache im Estadio Centenario ab. Während des Spiels der Reserveteams von Quilmes und Unión betraten rund 200 Barras die Stehplatzgerade mit dem Sarg des nach einer Verfolgungsjagd mit der Polizei tödlich verunglückten José María Fernández, fünfzehnjähriger Sohn des gleichnamigen Chefs der Los Alamos. Nicht die erste Totenwache im Centenario in 2012. Wir blicken zurück.