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Sonntag, 23 Dezember 2012 22:28

Entwicklung zu den Fanprotesten 12:12

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1212In den letzten Tagen ist viel über die Fanproteste gegen das DFL-Papier "Sicheres Stadion" geschrieben worden. Hier soll es weniger um den Inhalt des Papier gehen als um den Umgang, den die Fans der Vereine untereinder pflegen. Es ist zunehmend eine Spaltung der Fanszenen zu beobachten, da Teile davon - zumeist die "aktiven Fans" oder "Ultras" - die Fortsetzung der Proteste für notwendig halten und andere Teile - die sich in der Regel als "normale Fans" betrachten diesen Protest nicht länger unterstützen.

 

Was ist beschlossen worden?

Zwar soll es hier nicht hauptsächlich um den Inhalt des Papiers gehen, aber es muß zumindest angerissen werden, welches die kritischen Punkte des verabschiedeten Konzeptes sind. Es geht besonders um zwei Punkte, zum einen die Durchführung gesonderter, verstärkter Kontrollen am Stadioneingang bei Risikospielen und zweitens die Reduzierung des Gästekontingents. Beim erstgenannten Punkt monieren die Fans, daß Ganzkörperkontrollen nicht generell ausgeschlossen werden, während die Vereine anführen, daß die Polizei solche ohnehin anordnen kann, man sie also gar nicht seitens der DFL ausschließen könne. Dennoch bleibt zu bemerken, daß das Konzept auch nicht ausschließt, daß Vereine derartige Kontrollen anordnen oder die Polizei um ihre Durchführung bitten, was die DFL für sich sicherlich hätte beschließen können. Die Reduzierung des Gästekontingents ist auch zwischen den Vereinen umstritten, da zum Teil befürchtet wird, daß sich Gästefans mit Karten in anderen Bereichen des Stadions eindecken könnten und zum anderen, daß sie sich während der Partie außerhalb des Stadions, was die Sicherheit eher negativ beeinflussen würde. Aus Fansicht ist es hier natürlich mehr der Erhalt von traditioneller Stadionatmosphäre, der auf dem Spiel steht.

Protest? 90 Minuten, 12:12 Minuten? Gar nicht?

Zum Teil haben Fangruppen mit 90 Minuten Protest auf die Verabschiedung des Konzepts reagiert, wie zum Beispiel im DFB-Pokal die Fortuna-Anhänger bei der Partie Kickers Offenbach v Fortuna Düsseldorf, zum Teil mit 12 Minuten und 12 Sekunden Schweigen wie beim Spiel Borussia Dortmund v Hannover 96 und zum Teil mit einer Aufhebung sämtlicher Einschränkungen wie die Offenbacher Kontrahenten der Fortuna. Bei den weitergeführten Protesten ist jedoch wahrzunehmen, daß es eine Spaltung in den Fanszenen gibt, denn bei den genannten Spielen haben andere Fans der jeweiligen Clubs versucht, den fehlenden Support der organisierten Anhänger zu kompensieren, beim Bundesligaspiel der Düsseldorfer gegen Hannover sind die Ultras, die hier das Stadion verlassen haben, gar mit Gegenständen beworfen worden und man trifft vor allem im Internet aufeinander. Was hier auffällt, ist der unflätige Umgang miteinander. Jeder meint die Wahrheit gepachtet zu haben und es werden kaum Sachargumente ausgetauscht, stattdessen wirft man den Ultras vor, sich für die "besseren" Fans zu halten – natürlich nicht, ohne selbst drauf hinzuweisen, daß man die "wahren Fans" stelle und daß die Ultras doch gefälligst daheimbleiben sollten, wenn sie nicht supporten wollten. Es ist offensichtlich, daß die Fronten zunehmend verhärten und man immer rauer miteinander umgeht. Tatsächlich haben die letzten Spiele aber gezeigt, daß man ohne einander nicht klarkommen wird - der Support ohne die Ultras hat sich als zwar teilweise recht laut, meist aber nicht langlebig erwiesen.

Welche weiteren Einflüsse gibt es?

Von innen und außen wirken weitere Einflüsse auf die Anhänger. So haben sich gerade im Fall von Borussia Dortmund und Fortuna Düsseldorf die Vereine bzw. deren Vertreter in offenen Briefen an die Fanszenen gewendet. Interessanterweise wird jeweils versucht, gegen eine Spaltung derselben zu argumentieren, doch die Schreiben scheinen eher die Gräben vertieft zu haben. Dazu trägt sicherlich auch die Berichterstattung in der Presse bei, so wurde zum Beispiel der Brief von Fortunas Finanzvorstand Paul Jäger als "Brandbrief" bezeichnet. Tatsächlich äußert Jäger harte Kritik und findet zum Beispiel Gesänge "Wir sind die Fans, die Ihr nicht wollt!" zum Kotzen, reicht aber gleichzeitig die Hand und ausdrücklich beteuert "Sorry, aber wir wollen Euch und dies haben wir Euch immer wieder spüren lassen", was in der Presseberichterstattung so gut wie keine Rolle spielt. Im offenen Brief von Borussia Dortmund an seiner Anhänger wird unter anderem ausdrücklich vor einer Spaltung der Fanszene gewarnt, danach einigt man sich mit der Initiative 12:12 auf einen verkürzten Stimmungsboykott und der wird von den sogenannten "Normalfans" unterlaufen, die sich selbst als auf Vereinslinie begreifen. Ein weiterer Einfluß der Presse dürfte sein, daß das Konzept immer stärker als ein Anti-Pyroartikel-Maßnahmenpaket begriffen wird und somit als etwas, was nur die "Ultras" beträfe, die es sich mit dem Abbrennen von Feuerwerkskörpern selbst eingebrockt hätten. Als letztes ist schließlich noch zu erwähnen, daß die Polizei bei der Pokalpartie VfB Stuttgart v 1. FC Köln Ganzkörperkontrollen durchführt, was nichts mit dem Sicherheitskonzept zu tun hat, aber in der aktuellen Situation zur Frustration der Ultra-Szenen beiträgt. Muß man Verschwörungstheoretiker sein, um dahinter einen Anflug von Kalkül zu vermuten?

Auslick: Wie kann es weitergehen?

Elementar ist es sicherlich, wieder einen sachlichen Umgang miteinander zu pflegen und nicht innerhalb der Fanszenen gegeneinander zu arbeiten und vor allem, sich mit Respekt zu behandeln und nicht mit brachialer Ausdrucksweise aufeinander loszugehen. Wie gesagt hat sich schon jetzt gezeigt, daß man aufeinander angewiesen ist und dies ist eine Tatsache, die alle Seiten im Auge behalten sollten, wenn man schon nicht aus prinzipiellen Erwägungen ein Mindestmaß an Umgangsformen miteinander pflegt. Ein inhaltlicher Ansatz könnte das sein, was Jäger in seinem Brief schreibt: "Hat sich eigentlich rund um unser Heimspiel gegen Hannover irgendetwas geändert? Für Euch oder für die Gästefans?", denn das ist bis jetzt eindeutig mit "nein" zu beantworten. Von daher böte sich an, weitere Proteste auf "Bewährung" auszusetzen. Immerhin hat man seine Macht und seinen Einfluß bewiesen und könnte weitere Maßnahmen als Drohung für den Fall bestehen lassen, daß der jeweilige Verein eine der genannten kritischen Maßnahmen - insbesondere eine Reduzierung der Zahl der Gästekarten - für sich nutzen will. 

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