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Mittwoch, 14 Dezember 2016 13:32

Beim ersten Mal tat’s noch weh...

geschrieben von 

Ok. Danach auch noch. Aber egal. Die meisten Menschen kommen früher oder später in ihrem Leben mal an den Punkt, eine Fernbeziehung führen. Laut einer Statistik von 2014 führt sogar jeder 8. in Deutschland eine. Der eine hat nen neuen Job, will vielleicht zur Familie zurück, muss sich um jemanden kümmern oder geht studieren. Was auch immer es ist: ES NERVT. So isses einfach, es is kacke. Keiner will es, aber man versucht es halt und manchmal funktioniert es. Klar ist: die Liebe leidet.

 Ich rede übrigens nicht von Menschen. Zumindest nicht auf beiden Seiten der Fernbeziehung. Ich rede von der wahren Romantik, der echten Liebe, der Beziehung, die alle Höhen und Tiefen mitnimmt und länger bleibt, als jeder Partner. Die Liebe zum Verein.

Zum zweiten Mal innerhalb von 4 Jahren ziehe ich noch weiter weg. Erst waren es vom Stadiontor bis zu meiner neuen Haustür 35km. Eine witzige, kurze, angenehme Fahrt durch den Pott mit vielen Gleichgesinnten. Ein Bier aus der Dose und ab auf den Steher. Jedes Heimspiel.

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Hat man irgendwas mit Medien studiert kann man sich aber darauf einstellen, dass nach dem Studium mit Sicherheit ein Umzug her muss. Gerade bei Zeitung, Radio, Fernsehen kann man da mit der Stadt nicht allzu wählerisch sein. Die nächste Station war daher schon 125km vom Stadion entfernt. Eine lange Zugfahrt, zumindest ab der Hälfte ganz witzig, mit anderen Gleichgesinnten. Abgehetzt zur Einlasskontrolle, Bier auf der Tribüne, aber Fußball. Mindestens einmal im Monat.

Jetzt sind es 285km bis zum Stadion. Das ist nicht mehr okay, eigentlich ist es sogar kaum machbar, vor allem zwischen Arbeit und den ganzen anderen komischen Sachen, die man so im Leben zu tun hat. Es ist eine grauenhafte Fernbeziehung. Es fehlt was. Der Besuch im Stadion macht ein Stück weit das eigene Fan-Sein aus. Wenn mir jemand sagt „ich bin Fan von XY“ und dann aber, das er noch nie dort im Stadion war, finde ich das komisch. Ich zweifle an seinem ernsthaften Fansein. Das ist irgendwo  Quatsch, ich weiß. Man kann trotzdem Fan sein, natürlich. Aber weil ich selbst so oft zwischen allen anderen stand, die Vereinshymne mitgegröhlt hab und auf die Leute schimpfte, die sich drei Minuten vor Abpfiff an mir vorbeidrängeln, weil sie schnell vom Parkplatz runter wollen, gehört für mich der Stadionbesuch zum Fan dazu.  Die Entfernung diktiert mir, dass ich ein Stück meines Fanseins aufgeben muss. Mir fehlt das.

Aber ich weiß, es geht nicht nur mir so. Wir opfern freie Tage, splitten unseren Urlaub, machen Überstunden, um sie passend abbauen zu können und hoffen, dass der Chef und auch die Kollegen Verständnis haben. Verständnis für unsere dumme Verliebtheit. Für unsere rosarote Brille in Vereinsfarben. Für die Beziehungsprobleme, die wir nach schlechten Spieltagen haben und unser Rumgeschwärme nach Auswärtsfahrten und Siegen.

Jetzt, in der neuen Stadt kann man zumindest ins Stadion gehen und damit einen Teil der Sehnsucht stillen. Der führende Zweitligaklub hat auch ein nettes Stadion und ja, es tut gut, wieder an einem Sonntag ein Bier auf dem Steher zu trinken. Aber es tut auch weh. Beim ersten Mal sehr. Beim zweiten Mal immernoch, aber man weiß wenigstens, dass man ein wenig Fußballromantik im Alltag hat. Und sollte man es von der Arbeit aus machen könne, bekommt man dafür ja vielleicht einen Ausgleichstag...der kööööönnte ja an einem Spiel der Herzensmannschaft sein......und so schiebt man wieder rum.

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Auf die Liebe schlägt es trotzdem, denn man kann nicht mehr dabei sein. Das ist hart. Anders als bei Fernbeziehungen zwischen Menschen wird allerdings keine Entfernung die Liebe zum Verein beenden können. Immerhin weiß ich aber, dass es vielen so geht wie mir. Laut der gleichen Statistik von 2014 ist die angegebene Höchstlänge für akzeptable Fernbeziehungen übrigens auch nur zwei Jahre. Tzt, Menschen.... ;)

Eure Nadine

Nadine Hampel

Fußball verrückte,Bier trinkende Kaffee- und Schokoladenliebhaberin mit einem Hang zu Video, Radio, Volunteering und Extremsituationen

1 Kommentar

  • Kommentar-Link Südtiroler Mittwoch, 14 Dezember 2016 23:57 gepostet von Südtiroler

    Hey,

    Cooler text. Hab gerade ein ähnliches Problem.
    Hab auch 300 km zu jedem Heimspiel und dann ist erst das Heimspiel da und noch nix auswärts.

    Drück dir die Damen.


    Grüße aus Südtirol.

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