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Mittwoch, 14 Dezember 2016 13:32

Beim ersten Mal tat’s noch weh...

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Ok. Danach auch noch. Aber egal. Die meisten Menschen kommen früher oder später in ihrem Leben mal an den Punkt, eine Fernbeziehung führen. Laut einer Statistik von 2014 führt sogar jeder 8. in Deutschland eine. Der eine hat nen neuen Job, will vielleicht zur Familie zurück, muss sich um jemanden kümmern oder geht studieren. Was auch immer es ist: ES NERVT. So isses einfach, es is kacke. Keiner will es, aber man versucht es halt und manchmal funktioniert es. Klar ist: die Liebe leidet.

landtag nrw

Die Ausschreitungen Dresdener Auswärtsfahrer in Bielefeld, der Dortmunder Pyrotechnik-Exzess in Gelsenkirchen und zuletzt die Massenschlägerei auf dem Kölner Rudolfplatz sorgten in letzter Zeit im Westen Deutschlands für erhebliche Unruhe im Umfeld des Bundesligafußballs. Trotz weithin sicherer Zustände innerhalb der Stadien war Nordrhein-Westfalen dadurch Schauplatz größerer Fußballkrawalle, die in Köln beinahe das Leben eines Beteiligten gekostet hätten. Die damit verbundenen Belastungen für eingesetzte Polizisten, die Kosten für den Steuerzahler und vor allem die verübten Körperverletzungen verursachten nicht nur eine intensive Presseberichterstattung, sondern setzen auch die Politik unter einen verstärkten Handlungsdruck.

Landespolitik und Innenausschuss

Die politischen Mechanismen führten im Düsseldorfer Landtag zu einer Initiative der sich in der Opposition befindenden FDP, die die Landesregierung zum Handeln drängte. Als Folge ihrer Initiative tagte am 6. Februar 2014 der Innenausschuss in öffentlicher Sitzung. Er trat unter der die Regierung herausfordernden Überschrift zusammen: „Prügeleien statt Fußball, fast ein Toter – wann greift der Innenminister endlich ein?“

Ermittlungsstand zum Rudolfplatz

Zur Information des Ausschusses legte der Inspekteur der Polizei NRW, Dieter Wehe, den vorläufigen Ermittlungsstand zu der am 6. Februar im Vorfeld des Testspiels 1. FC Köln gegen Schalke 04 eskalierten Hooliganschlägerei mit Ultra-Beteiligung dar. Er bewertete die schnelle Beendigung der Auseinandersetzung durch die Landespolizei sowie die Verhaftung von 55 Beteiligten als Erfolg der Einsatzkräfte. Von den Verhafteten rechnete er 19 dem 1. FC Köln, 17 Borussia Dortmund und 15 Schalke 04 zu, während er 4 Personen keiner Vereinsanhängerschaft zuordnete. Den Altersdurchschnitt aller Festgesetzten bezifferte er mit 27 Jahre. Darüber hinaus gab er an, dass deren Altersspanne zwischen 19 und 55 Jahren lag. Während Wehe auf das vergleichsweise gehobene Alter vieler Beteiligter hinwies, bekundete er, dass die Polizei keine Erkenntnisse über eine Absprache zu einer Auseinadersetzung in der Innenstadt gehabt und nur kurzfristig Hinweise auf eine Beteiligung von Dortmundern erhalten habe.

Hooliganismus und Rechtsextremismus

Im Verlauf der Sitzung ging NRW-Innenminister Ralf Jäger auf einen von den Medien mit Bezug zur Kölner Schlägerei aufgebrachten Aspekt hin - der Beteiligung rechtsextremistisch motivierter Gewalttäter. Während Inspekteur Wehe mit Blick auf die Schlägerei eine Einschätzung hinsichtlich einer rechtsextremistischen Motivation von Tatbeteiligten vermied, gab Jäger allgemein an, dass den Landesbehörden geringe Überlappungen zwischen Ultras und der rechtsextremistischen Szene bekannt seien. Andererseits sei ihnen ein Wiedererscheinen von Alt-Hooligans in mehreren Stadien aufgefallen, wobei es zu einer Vermengung mit Rechtsextremisten komme. In dieser Angelegenheit verwies er auf laufende behördliche Ermittlungen.

Verfolgungsdruck, Meldeauflagen und Sonderzüge

Als Konsequenz der Gesamtlage kündigte Jäger mit dem Hinweis darauf, dass fußballbezogene Einsätze etwa 30% der Kapazitäten der Einsatzhundertschaften binden, ein verstärktes Vorgehen gegen gewalttätige Personen an. Dies soll eine schwerpunktmäßig gegen Rädelsführer gerichtete Aufklärung sowie eine konsequente Strafverfolgung einschließen.

Als weiteren Handlungsansatz diskutierte der Ausschuss die Anwendung von durch Meldeauflagen kontrollierten Aufenthaltsbeschränkungen. Während diesbezüglich ein SPD-Abgeordneter auf juristische Hindernisse hinwies, die in der Wahrung der gerichtlich einklagbaren Rechte der Betroffenen bestehen, sah Polizeiinspekteur Wehe eine wirkungsvolle Maßnahme.

Einen Kontrast zur Diskussion repressiver Mittel bildete der Hinweis des Innenministers auf das eingeführte Projekt, Auswärtsfahrer auch über Bundesländergrenzen hinweg mit Sonderzügen zu befördern, die keine Zwischenhalte einlegen. Zudem bekundete er eine generelle Bereitschaft zum Dialog mit der Ultraszene.

Parteien und Fanszene

Die Sitzung des Innenausschusses machte die sich aus der Sicherheitslage ergebenden, von vielen Fans kaum beachteten Herausforderungen für die politischen Entscheidungsträger deutlich. Sie zeigte aber auch, dass die Verbindung der Themen Innere Sicherheit und Fußball nicht nur eine viele (Wahl-)Bürger emotional berührende Angelegenheit, sondern auch eine Einladung für parteitaktische Manöver ist. So verwunderte ein wenig, dass mit der FDP ausgerechnet eine Partei ein härteres polizeiliches Durchgreifen forderte, die während ihrer Regierungsbeteiligungen in Land und Bund weniger durch eine zupackende Innenpolitik als durch eine die Befugnisse der Sicherheitsbehörden begrenzende Grundhaltung auffiel. Ihre nun aus der politischen Opposition getragene Initiative scheint demnach nicht nur von der Sorge um die Sicherheitslage, sondern der Absicht getragen zu sein, den regierenden Innenminister unter Druck zu setzen.

Andererseits fiel während der Debatte positiv auf, dass Landtagsabgeordnete mehrerer Parteien ein differenziertes Bild der Fanszene haben. Dazu gehörte der Hinweis eines Vertreters der Priatenpartei, nach dem Ultras von gewalttätigen Hooligans strikt zu unterscheiden sind. Ob diese Einschätzung allerdings angesichts der Entwicklung von Gruppen wie den Dortmunder „Desperados“ oder der Kölner „Boys“ mittelfristig haltbar ist, bleibt abzuwarten.

Auf eine durchaus wohlwollende Sicht auf die Fanszene deuteten auch Aussagen von Abgeordneten der SPD, der CDU und der FDP, nach denen Gewaltausbrüche wie die Schlägerei vom Rudolfplatz überhaupt nichts mit Fußball zu tun haben. Das Problem dabei ist jedoch, dass diese Erklärung unzutreffend ist, denn Hooligans sind keine Form von Extremkampfsportlern die den Fußball als Bühne für eine Form des Ultimate Fighting im öffentlichen Raum missbrauchen, sondern durchaus Fußballfans, die sich nach eigener Auffassung für ihren Verein „lang machen“. Unter dem Eindruck des Verlaufs der Ausschusssitzung war dann zumindest die Anmerkung des CDU-Abgeordneten und bekennenden Schalke 04-Fans Lothar Hegemann erheiternd:

„Wenn die Hooligans hier anwesend wären und hören würden, wie wir über sie reden, dann würden sie sich kaputtlachen.“

Mittwoch, 05 Februar 2014 20:48

Klassenbewusstsein – MSV Duisburg vs. RB Leipzig

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Als Besucher muss man die Stadt am Zusammenfluss von Rhein und Ruhr schon wirklich mögen, damit sich während des Winters kein Gefühl der Trostlosigkeit einstellt. Ihre Bewohner hingegen hegen eine starke Identifikation mit der Ruhrgebietsmetropole, die sich unter anderem in einer nachhaltigen Unterstützung des MSV Duisburg ausdrückt. Dieser traf am 1. Februar 2014 in der 3. Liga auf den Aufstiegskandidaten RB Leipzig.

Freitag, 03 Januar 2014 12:21

Tiefpunkt zum Saisonabschluss

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vfl bochumJa, es mag schon einige Momente in dieser Saison gegeben haben in denen man als VfL Fan den Tiefpunkt der Saison vermutet hatte. Bislang jedoch rappelte sich die Neururer-Elf jedes Mal wieder auf und man wagte wieder von besseren Zeiten zu träumen. Auch nach diesem 18.Spieltag, dem letzten Heimspiel eines Jahres welches man,sportlich gesehen, lieber schnellstmöglich vergessen möchte bleibt die Hoffnung auf eine erneute Trotzreaktion der Mannschaft. Spielerisch jedoch geben die letzten Wochen keinen Anlass zur Hoffnung.

Nach dem todlangweiligen Kick gegen Karlsruhe in der letzten Woche hoffte ich dieses Wochenende auf einen versöhnlichen Abschied im heimischen Ruhrstadion. Da kam der Gegner Union Berlin gerade Recht da der VfL zum einen gegen keine Spitzenmannschaft der 2.Liga in dieser Saison verloren hatte, zum anderen die Saison im Sommer mit einem euphorisierenden Sieg in Berlin beginnen konnte.

Anlässlich dieser Vorzeichen spürte man vor dem Spiel trotz des anhaltenden Dauerregens eine durchaus nicht geringe Portion Vorfreude.

Der gut gefüllten Ostkurve standen teilweise mal wieder  leere Ränge auf den anderen Tribünen entgegen, was zu einer Zuschauerzahl von ca. 13.000 führte. Stimmungstechnisch macht es aber ohnehin keinen Unterschied, ob das Stadion ausverkauft oder halb leer ist. Traurig, dass es leider viel zu wenig Eigeninitiative in der Kurve gibt, abgesehen von den beiden Ultra-Gruppen und ein paar anderen wackeren Fans.

Zu Beginn des Spiels konnte wiedereinmal die gleiche, große Menge an Fahnen und Doppelhaltern präsentiert werden, was aber ebenfalls zu 99% den Ultras Bochum und MLPT zu verdanken ist.

Auch hier wäre es schön, wenn noch mehr Fans ihre Fahnen raus kramen und mitbringen würden, damit ein noch eindrucksvolleres Bild entsteht.

Der Support war zu Beginn des Spiels und dank der Anfangseuphorie gut, flachte aber schnell wieder ab, was nicht zuletzt der desaströsen Leistung der Mannschaft geschuldet war.

Der Gästeblock der Unioner präsentierte sich gewohnt lautstark, obgleich man in der zweiten Halbzeit deutlich weniger aus dem gegnerischen Block zu hören bekam.

Nach 13 Minuten gingen die Hauptstädter durch Quiring in Führung.

Die Stimmung war danach bereits komplett verflacht, als hätten die „Schweigsamen“ schon geahnt was noch folgen würde.

Die Versuche der Vorsänger den lahmen Haufen nochmal zum Singen zu bewegen scheiterten genauso wie der Versuch des VfL's ins Spiel zu finden. Klägliche Versuche die Offensive zu beleben wurden von den Unionern im Keim erstickt. Dem VfL fehlt es besonders im Mittelfeld an Kreativität und Zug zum Tor. Das dieses Problem in dieser Spielzeit auftreten musste war eigentlich zu erwarten, da sich der VfL im Sommer mit Christoph Kramer, Leon Goretzka und Marc Rzatkowski von seinen besten Kreativspielern im Mittelfeld trennen musste.

Quiring erhöhte in der 36. Minute auf 0:2, es hätte aber auch schon 0:3 stehen können, da die Unioner einen Schuss an den Querbalken platzierten.

Zur Pause stand es also 0:2 und niemand glaubte ernsthaft an eine Wende, wie sie gegen Paderborn schon einmal geglückt war.

Die Zweifel wurden direkt nach der Pause bestätigt, als Terrode zum 0:3 köpfte.

Danach gaben auch die, von den Medien gerne als „harter Kern“ der Fans Bezeichneten auf und man schwieg bis auf einige Ausnahmen.

Nach dem 0:4 wurde es wieder lauter in der Ostkurve, da man die Partie nur noch als eine Lachnummer ansehen konnte. Bis zum Schlusspfiff feierte man sich noch ein wenig selbst bis die Katastrophe endlich vorbei war und der Heimweg angetreten wurde.

Ohne die Mannschaft eines Blickes oder Pfiffes zu würdigen wurde dem Ruhrstadion für dieses Jahr zum letzten mal der Rücken gekehrt. Allerdings konnte ich ein nicht geringes Pfeifkonzert vernehmen, was sicherlich nicht unberechtigt war nach so einem Auftritt der Mannschaft.

Meine persönliche Meinung zu Pfiffen gegen die eigene Mannschaft bleibt dennoch, dass man sich das Recht verdienen muss zu pfeifen.

Wenn man sich 90 Minuten nur „berieseln“ lässt und die Mannschaft selbst nicht anfeuert und damit seinen Beitrag zum Spiel nicht leistet, dann kann man sich, wie ich finde, auch nicht das Recht herausnehmen nach dem Spiel zu pfeifen.

Bleibt zu hoffen, dass die Mannschaft sich in der Rückrunde stabilisiert und eine solidere Saison abliefert, als im letzten Jahr.

Glück Auf!

Montag, 16 Dezember 2013 10:27

Preußen Münster – Rinderbrühe Leipzig

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Am Samstag war es so weit. Ein historischer Tag. Die Dosen aus Leipzig durften das erste mal in unserem schönen Preußenstadion spielen. Münster gegen Leipzig, das könnte ein schönes Traditionsduell sein. Leider kommt aber nicht Lok oder Chemie, sondern der Österreichische Getränkehersteller mit seiner Betriebsmannschaft.

Mittwoch, 13 November 2013 20:50

Saarbrücken – Münster

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choreo dvtsVor der Saison hätten nicht wenige behauptet, dass dieses Duell ein Spitzenspiel in der dritten Liga wird. Doch die Realität sieht anders aus: Beide Mannschaften stecken im Abstiegskampf und haben beide bereits einen Trainer entlassen. Bei uns sitzt Ralf Loose auf der Bank, Pavel Dotchev musste gehen.

Zunächst schien es, als wenn sich das gelohnt hätte, Chemnitz und Dortmund wurden beide mit 4:0 geschlagen, doch danach wieder das alte Bild: In Darmstadt und gegen Rostock verloren wir 2 Mal und wieder war die Angst da, abzusteigen. Ähnlich muss es bei den Saarbrücker Fans sein und somit war dieses Spiel enorm wichtig, für beide Mannschaften.

Um 1 Uhr erreichten wir den Ludwigspark. Es war außergewöhnlich viel Polizei vor Ort, und als einige Saarbrücker Fans in die Nähe des Gästeblockes kamen, schien es kurz so, als wenn was passieren würde. Doch die Polizei war sofort da und konnte ein Aufeinandertreffen der beiden Fangruppen verhindern.

Der Kauf der Karte dauerte 20 Minuetn: Da nur eine Kasse geöffnet war und in dieser Kasse ein älterer Mann saß, der vergleichsweise sehr langsam arbeitete, bildete sich eine lange Schlange. Wenn man dann später dran war, bekam man auch keine richtige Eintrittskarte mehr, sondern nur noch ein Stück Papier, auf dem noch in D-Mark gerechnet wurde.

eintrittskarte fcs

Das Stadion von Saarbrücken ist ein sehr schönes. Alt, marode, nostalgisch, das kennen wir Preußenfans von unseren Heimspielen auch sehr gut.

stadion fcs

Die Fans von Saarbrücken zeigten ein Banner mit der Aufschrift: „Der Löwe rupft den Adler“

loewe rupft den adler

Auf unserer Seite zeigten die Deviants eine Choreographie zu ihrem Jubiläum, dazu schöner, grüner Rauch:

pyro dvts

Dann konnte das Spiel beginnen. Unsere Mannschaft war anfangs nicht wach und Saarbrücken hatte mehrere große Chancen, um in Führung zu gehen. Als der gut aufgelegte Siegert auf der rechten Seite durchgekommen ist und im Strafraum zu Fall gebracht wurde, entschied der Schiedsrichter auf Elfmeter für uns und Saarbrücken war nur noch zu zehnt. Kühne verwandelte den Elfmeter sicher und der Spielverlauf wurde auf den Kopf gestellt. Danach aber begannen auch die Adlerträger Fußball zu spielen und wir kamen besser ins Spiel. Zur Pause führten wir also mit 1:0 in Saarbrücken.

Kurz nach der Pause konnte der FCS durch einen schönen Distanzschuss ausgleichen, doch die Preußen waren in der Folge weiter spielbestimmend und konnte sich weitere, gute Chancen herausspielen. Eine davon nutzte Taylor nach Flanke von Siegert und wir gingen wieder in Führung. Den Sack hätten wir schon vor Spielende zu machen müssen, Bischoff und Krohne hatten große Chancen zum 3:1.

Und wer sie vorne nicht macht..... 90.Minute, oder Nachspielzeit: Ein Einwurf von Saarbrücken, eine Kopfballverlängerung, ein Kopfball und ein Tor. 2:2. Wieder wurde es nichts mit drei Punkten. Eine Unkonzentriertheit am Ende bringt die Mannschaft wieder um den Lohn. Saarbrücken war ein Mann weniger auf dem Feld und in der 2. Halbzeit eigentlich tot. Aber die eine Chance in Halbzeit 2 reicht für den FCS. Dieses Unentschieden bringt eigentlich keinen wirklich weiter, aber für Saarbrücken fühlt sich das natürlich wie ein Sieg an.

Nächste Woche ist Länderspielpause, dann kommen die Kickers aus Stuttgart. Die stehen Punktgleich mit uns auf einem Abstiegsplatz, also ein Platz unter uns. Das nächste Abstiegsduell für unsere Jungs, und auch da gilt: Verlieren verboten!

Quelle Bild 1: deviants-ultras.org

Montag, 30 September 2013 21:33

Die Rückkehr des Kevin-Prince Boateng

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Eine Karriere zwischen Ghetto-Image, Rassismus und Boulevardjournalismus

Als der FC Schalke 04 zum Ende der Transferperiode einen so genannten Königstransfer präsentierte, war dies eine doppelte Sensation. Einerseits hatte der durch sein „lebhaftes“ Umfeld bekannte Verein den Neuzugang bis zuletzt geheim halten können, andererseits handelte es sich bei diesem um Kevin-Prince Boateng. Dieser zeigte bereits in seinen ersten Pflichtspielen, dass der Klub eine viel versprechende Verstärkung verpflichtet hat. Die Rückkehr des aus mehrfacher Sicht außergewöhnlichen Spielers in die Bundesliga lohnt einen Blick zurück … und einen Griff ins Bücherregal.

Boateng wurde bereits am Beginn seiner Laufbahn aufgrund eines fragwürdigen Verhaltens, aber auch aufgrund einer teilweise aufgeheizten Presseberichterstattung zu einer Reizfigur des deutschen Fußballs. Der aus dem Berliner Problemkiez Wedding stammende Spieler zeigte schon früh ein großes fußballerisches Potenzial, tat aber auch viel, um dem Bild des kriminellen Ghettokids mit Migrationshintergrund gerecht zu werden. Den an diesen Aspekten näher interessierten Personen kommt entgegen, dass der Sportjournalist Michael Horeni erst 2012 ein Buch über Kevin-Prince Boateng und seine Brüder Jérome und George veröffentlicht hat. Es ist ein unter Mitwirkung der drei Geschwister entstandenes Dreifachportrait, das unter anderem die Entwicklung des Neu-Schalkers auf eine persönliche Weise beschreibt.

Das Kind eines aus Ghana stammenden Flüchtlings wuchs mit seinem Bruder George in Berlin-Wedding als Scheidungskind bei seiner deutschen Mutter auf. In dem von Arbeitslosigkeit, Straßenkriminalität und massiver Einwanderung geprägten Stadtteil lernte er den Umgang mit dem Ball vor allem in einem öffentlichen Fußballkäfig. Mit den Brüdern kickte auch der im bürgerlichen Stadtteil Wilmersdorf bei einer anderen Frau des Vaters aufgewachsene Halbbruder Jérome Boateng. Der mit einer Kombination aus technischen Fertigkeiten und körperlicher Durchsetzungsfähigkeit ausgestattete Kevin-Prince erhielt seine fußballerische Ausbildung bei den Reinickendorfer Füchsen und bei Hertha BSC Berlin. Dabei wurde er, insbesondere bei Auswärtsbegegnungen im Berliner Umland, wiederholt Ziel rassistischer Beleidigungen von Gegenspielern und Zuschauern. Während sein Halbbruder Jérome eine ebenso gerade wie erfolgreiche Karriere machte, die ihn in die Verteidigung des FC Bayern München und in die Abwehr der deutschen Nationalmannschaft führte, vergab sein Bruder George sein Talent durch eine straßenkriminelle Entwicklung. Kevin-Prince hingegen schaffte den Weg in die Bundesliga in Diensten der Hertha, wurde jedoch auffällig, als er während eines nächtlichen Spaziergangs zusammen mit seinem Mitspieler Patrick Ebert Sachbeschädigungen an mehreren geparkten Fahrzeugen verübte. Diese Straftaten, ein von Tätowierungen geprägtes Erscheinungsbild und ein nicht gerade diplomatisches Auftreten gegenüber Journalisten führten dazu, dass Kevin-Prince Boateng in der Presse als Beispiel eines aggressiven Ghettokids mit krimineller Prägung erschien. Dazu kam, dass er sich nachhaltig zu bemühen schien, diesem Bild zu entsprechen. So wechselte er verfrüht zu Tottenham Hotspurs, wo er nur wenige Einsätze bestritt, jedoch durch einen großspurigen Konsum von Luxusgütern sowie eine verstärkte Beteiligung am Nachtleben negative Aufmerksamkeit erregte. In der Folge wurde er in der Saison 2008/09 an Borussia Dortmund ausgeliehen, wo er zwar durch gute spielerische Leistungen, jedoch auch durch mehrere überharte Fouls auffiel. Zu dieser Zeit überwarf sich auch mit dem DFB und verzichtete auf eine Perspektive in der Nationalmannschaft. An diesem Tiefpunkt seiner Karriere wechselte er zum FC Portsmouth, um einen neuen Anlauf zu nehmen. Dieser gelang ihm beim neuen Klub tatsächlich, doch als er 2010 im englischen Pokalfinale Michael Ballacks Laufbahn als Kapitän der Nationalmannschaft durch ein schweres Foul beendete, präsentierten ihn die Medien als den „Bad Boy“ des Fußballs. Sportlich gestaltete sich sein Weg seitdem allerdings erfolgreich. Einem überzeugenden Auftreten für die Nationalmannschaft Ghanas bei der WM 2010 folgte ein Vereinswechsel zum AC Mailand, wo er sich als internationaler Spitzenspieler durchsetzte. In Italien geriet er im Frühjahr 2013 erneut in den Focus. Diesmal geschah es jedoch positiv durch ein beherztes Verhalten, denn er verließ, von seinen Mannschaftskameraden begleitet, das Spielfeld, nachdem er während eines Auswärtsspiels wiederholt rassistisch beleidigt worden war.

Kevin-Prince Boateng steht mittlerweile mit 26 Jahren in einem guten Spieleralter. Als Person konnte er seinen Horizont durch internationale Erfahrungen in England und Italien sowie mit der ghanaischen Nationalmannschaft weiten. Sein Lebens- und Karriereweg ist nicht nur aus sportlicher Sicht beachtenswert, sondern auch, weil er auf einige gesellschaftliche Aspekte hinweist. Er hat eine Jugend in einem vernachlässigten großstädtischen Problemviertel, rassistische Ausgrenzung und soziale Benachteiligung erlebt. Damit hat er Erfahrungen gemacht, die vergleichbare Jugendliche mit Migrationshintergrund nachvollziehen können. Da sich ihm aber auch die Möglichkeit der Teilhabe und ein beruflicher Aufstieg eröffneten, kann er auch als ein glaubwürdiges Vorbild wirken.

Der FC Schalke 04 hat demnach nicht nur einen leistungsstarken Mittelfeldspieler, sondern auch eine ungewöhnliche Persönlichkeit verpflichtet. Für den Verein besteht einerseits das Risiko, dass seine Neuerwerbung ein Funke in einer leicht entzündbaren Umgebung werden kann. Andererseits könnte der über einen „krummen“ Karriereweg verfügende Spieler gerade in Gelsenkirchen ein passendes Umfeld finden, in dem man vergangene Fehler verzeihen kann und harte Arbeit sowie loyalen Einsatz zu würdigen weiß. Der Klub muss hoffen, dass der Profifußballer Boateng der Mannschaft einen längerfristigen Schub nach vorne geben wird, während der Mensch Boateng mehr als das von einigen Medien gezeichnete Bild ist. Fest steht dabei schon jetzt, dass die Bundesliga eines ihrer ungewöhnlichsten Kinder zurückbekommen hat.

Leseempfehlung:

cover die-brueder-boatengMichael Horeni

Die Brüder Boateng. Eine deutsche Familiengeschichte

Klett-Verlag 2012

6,99 Euro

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