Tamara, könntest du bitte für den Rest der Saison daheim bleiben? Solche SMS und Facebook Meldungen bekam ich heute zu genüge... Warum? Weil ich zum ersten Mal seit zwei Jahren ein Pflichtspiel vom Glubb verpasst habe und der Ruhmreiche tatsächlich 2:1 gegen Gladbach gewonnen hat. Wer mich kennt, weiß, dass ich mir unter keinen Umständen ein Spiel entgehen lasse. Außer, es geht mir absolut dreckig und mies. Und so war es dieses Mal. Der dubiose Virus, der momentan ziemlich übel durch Deutschland geistert, hat auch mich erwischt. Selbst wenn ich gewollt hätte, hätte ich nicht ins MAX MORLOCK STADION gehen können. Das hätte kein gutes Ende genommen.
Also hab ich in den sauren Apfel gebissen und mir das Spiel mit meiner Mama im Fernsehen angeschaut. Für jemanden, der seit 16 Jahren bei so gut wie jedem Heim- und Auswärtsspiel dabei ist, ist das eine absolute Qual. Irgendwie fühlt sich das einfach total falsch an. Man sieht und hört seine Freunde, die in der Nordkurve stehen und kann einfach nicht mit dabei sein. Für Außenstehende mag das lächerlich klingen aber mir hat das schon einen kleinen Stich ins Herz versetzt. Der Glubb ist nun mal mein Leben. Ich hab nur ganz wenige Freunde, die mit Fußball überhaupt nichts am Hut haben. Der Rest lebt und liebt den Glubb so wie ich. Wie schon erwähnt, Außenstehende können solche Aussagen nicht nachvollziehen, daher versuch ich auch gar nicht, ihnen das zu erklären. Es ist eben, wie es ist. Eine Liebe, die nie zu Ende geht. FCN ein Leben lang!
Nachdem wir letztes Wochenende in Dortmund so richtig abgekackt haben und zusätzlich ein Testspiel gegen Regensburg mehr als versaut haben, habe ich heute mit dem Schlimmsten gerechnet. Vor allem, weil alle Kellerkinder gegen uns gespielt hatten. Da wäre es ja nur typisch gewesen, wenn der Glubb sich mal wieder negativ hervor gehoben hätte. Doch ich sollte eines Besseren belehrt werden. Simons verwandelte zu Beginn der ersten Halbzeit einen Elfer und ich schrie das gesamte Haus zusammen :-) Gut, der Elfmeter war eigentlich keiner aber warum sollten wir nicht auch mal von Fehlentscheidungen profitieren? Schließlich hat man uns schon oft genug betrogen. Ergo habe ich natürlich kein Problem damit, wenn wir auch mal ein Geschenk vom Schiri bekommen.
Pekhart machte das 2:0 und so ging es dann mit einem relativ guten Gefühl in die Pause. Aber wir wären ja nicht der Glubb, wenn alles gut laufen würde. Nee, bei uns muss der Adrenalinpegel ins Extremste gesteigert werden. Sonst wäre es ja langweilig. An meinen Facebook-Kommentaren konnte man meine Stimmung eigentlich relativ gut verfolgen. Es kam, wie es beim FCN immer wieder kommen musste. Gladbach legte nach und es stand nur noch 2:1. Bei manchen Vereinen kein Grund, Angst zu haben. Beim Glubb hingegen schon. Wieder mal traf es auf uns zu, dass es für uns besser wäre, wenn ein Spiel nur 45 Minuten andauerte. Als dann auch noch Hanke eingewechselt wurde, wurde mir richtig mulmig zumute. Hanke hat in der Vergangenheit ja gerne mal das ein oder andere Tor gegen uns erzielt. Dementsprechend habe ich mich seelisch schon auf eine Niederlage oder zumindest auf ein Unentschieden eingestellt.
Doch auch dieses Mal trog mich mein schlechtes Bauchgefühl. Die letzte Viertelstunde hat mich allerdings schier wahnsinnig gemacht. Meine Mama wird sich auch ihren Teil gedacht haben, als ich während des Spiels immer wieder die Lieder meiner geliebten Nordkurve mitgeträllert habe. Und die Nachbarn waren über mein Geschrei sicherlich auch nicht sonderlich begeistert. Aber das war mir ehrlich gesagt, vollkommen wurscht. Fußball lebt nun mal von Emotionen und die muss man einfach raus lassen. Vor allem, wenn es mal wieder um alles geht. Klar, wir haben noch ein Polster auf die Abstiegsränge aber das kann so schnell aufgebraucht sein und dann dürfen wir wieder am Montag antreten... Und darauf kann ich gut und gerne verzichten. Also hieß es die letzten 15 Minuten Augen zu und durch. Zittern für den FCN...
Allerdings sollte meine kleine aber feine "Panikattacke" etwas länger andauern. Nachspielzeit: 3 Minuten. Warum? Hat niemand so wirklich verstanden. Die 3 Minuten wurden aber vom Schiri irgendwie nicht wirklich beachtet. Vielleicht hatte Herr Mayer eine andere Zeitrechnung als wir... Man weiß es nicht. Nichtsdestotrotz wurde schließlich irgendwann abgepfiffen und wir sollten mit einem Dreier belohnt werden. Diese Punkte waren immens wichtig. Ich hoffe, die Mannschaft verinnerlicht sich das auch und schenkt uns kommenden Samstag einen Sieg in Frankfurt.
Dort werde ich übrigens auf jeden Fall dabei sein. Egal, wie oft man mich bittet, zu Hause zu bleiben ;-) Wäre mein Fernbleiben ein Garant dafür, dass wir dann jedes Mal gewinnen würden, würde ich dieses Opfer sogar in Kauf nehmen. Aber gut, wir sind ja nicht abergläubisch und deshalb werde ich erst dann wieder ein Spiel vom FCN vor dem Fernseher verfolgen, wenn mich meine Gesundheit in die Knie zwingt.
Fazit des heutigen Tages: Fußball nicht live im Stadion miterleben zu können, ist für mich absolut keine Option. Ich bewundere die Stadionverbotler, dass sie das so tapfer durchstehen. Bei mir war es ja wirklich nur ein einziges Spiel. Wenn ich mir vorstellen müsste, ein Stadion für mehrere Monate oder gar Jahre nicht von innen sehen zu dürfen, wüsste ich nicht, was ich täte. In diesem Sinne: Gruß an die Sektion SV!

