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Dienstag, 05 Februar 2013 12:15

Ein Tag im Mai 2013 - Folge 2/21

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Ein Tag im Mai 2013 Folge 2 von 21

 

Zugegeben: Ich bin einer von denen, die faul auf dem Sofa sitzen, statt die Mannschaft im Stadion zu unterstützen – zumindest an diesem Montagabend. Montagsspiele sind grausam. Das Wochenende ist der heilige Rahmen des Fußballs. Der Montag das gefühlte Nachsitzen, weil man es letztes Jahr verbockt hat. Der FCK genießt immer noch hohes Ansehen in Fußballdeutschland, und so erwischt uns das Schicksal des Montagsspiels umso häufiger. Masochistisch angehaucht, wie man als FCK-Fan nun mal sein muss, ziehe ich mir den halbstündigen Vorbericht auf Sport1 rein. Schließlich ist ja heute „Fußballexperte“ Peter Neururer zu Gast. Ich überlege kurz, ob ich den Ton ausschalte, komme aber dann schnell zu einem Entschluss: Wenn schon leiden, dann die volle Dröhnung. Der Ton bleibt an.

Diese Montagsspiele haben ja auch ihr Gutes. Man sitzt am Samstagabend mit Kollegen zusammen, macht sich über Schalkes Niederlage gegen Fürth lustig, spottet über alle anderen Klubs und muss außer ein: „Guckt lieber auf Euch“ nicht mit viel Gegenwind rechnen. Unser Spiel ist ja erst am Montag. Es ist so, als wenn man auf eine Geburtstagsfeier kommt, alle Getränke leer sind, die ersten schon gehen und Rausschmeißer-Musik läuft  â€“ dieses elende Montagsspiel; mit Peter Neururer an den Turntables.

Der Wahrsagerguru

Sicher, ich könnte auch Sky gucken, doch macht es das wirklich besser? Pest oder Cholera. Sky oder Sport1? Ich beginne bei Sport1 (gibt es jemanden der das wirklich so nennt? Für mich bleibt es DSF). Der Vorbericht dreht sich um das Chaos bei 1860. Das Leid des Einen ist doch auch irgendwie die Freude des Anderen. Besser als jede Soap. Die folgende Szene hätte Potenzial für den Jahresrückblick 2013. Der Aufsichtsratschef von 1860 kommt zu Wort und erläutert: Man sei nicht der ruhigste Klub Deutschlands, aber das wolle man auch gar nicht werden. Es ginge nur darum, das „Chaos zu kultivieren“. Bravo. Ich versuche an seinem Gesichtsausdruck abzulesen, ob er das auch selber glaubt, was er da gerade von sich gibt – ja, offensichtlich. Es geht zurück zu Peter Neururer – in Fachkreisen auch der Wahrsagerguru genannt. Seine Vermutung: Es ist ein Endspiel für 1860. In jedem Fall bekämen wir ein torreiches Spiel zu sehen.

Fürs erste reicht es mit DSF – ich zappe auf Sky. Ein prüfender Blick auf die Zahl am Receiver. Nein, es muss tatsächlich Sky sein. Zuletzt hat man immer mehr die Vermutung, auf RTL Now gelandet zu sein. Moderatoren sind ja jetzt ja out – hübsche Moderatorinnen geben mehr her, auch wenn es von Sky offiziell als Emanzipation verkauft wird, nehme ich doch irgendwie genau das Gegenteil davon wahr. Na gut, immerhin ist es optisch ansprechender als das Moderatoren-Team auf DSF (Achtung, war das jetzt etwa schon Sexismus??), aber der tiefste Fußballsachverstand ist hier auch nicht zu Hause.

Batman â€“ bist du es?

Irgendwann fing tatsächlich noch das Spiel an. Lautern startete mit vier neuen in der Startelf, 1860 mit drei neuen. Offensichtlich unter anderem mit Batman als Kapitän bei der Seitenwahl – Irrtum, es ist doch nur Daniel Bierofka mit Doppel-Carbonmaske. Ich entschied mich ab Minute 6 wieder für DSF, der Masochismus hat sich durchgesetzt. Das Spiel plätschert so vor sich hin, der größte Aufreger bis zur 10. Minute? Der Kommentar behauptet, Markus Karl wäre vom FC Ingolstadt gekommen. Unterdessen erblicke ich ein 1860-Three Lions Banner hinter dem Tor der 60er. Sven-Göran du alter Fuchs.

In der 15. Minute rettet uns Sippel vor dem sicheren Gegentor. In der 24. tut es die Latte und in der 31. Minute ist es ein überirrdisches Wunder, dass uns davor beschützt mit nur noch 10 Mann auf dem Platz zu stehen. In der Wiederholung des Ellbogenchecks von Idrissou meine ich den fliegenden Zahn erkennen zu können. Die Zweikampfstatistik weist 65% gewonnene Zweikämpfe für 1860 München aus. Ich wünsche mir zwischenzeitlich die Winterpause zurück. Neues Leben vermag mir nur Peter Neururer mit seinem scharfsinnigen Kommentar in der 42. Minute einzuhauchen: „Die Spieler machen sich nun bereit, um sich neue Instruktionen einzuholen.“ Und wie sie das machen…

Schneider vs. Sedlaczek

Die Halbzeitpause ist wieder Sky gewidmet. 1860-Präsident Schneider wolle sich nun vermehrt auf das sportliche Geschehen konzentrieren, so sagt er im Interview. Er beginnt damit, sich 10 Minuten von Esther Sedlaczek nach dem Hik-Hak um Ismaik ausquetschen zu lassen. 1:0 für Esther. Einen kleinen Punktsieg erzielt Schneider dann doch noch, als er drauf hinweist, dass Dubai nicht mit Abu Dhabi zu verwechseln ist. Er wirkt so zufrieden, wie lange nicht mehr.

Das Spiel geht weiter. Die lautstarke Unterstützung der Lauterer Anhänger wird unterbrochen von einem weiteren scharfsinnigen Kommentar des „Fußballexperten“ Peter Neururer. Idrissou’s Stärke sei vor allem, dass er sich keine Gedanken mache, egal ob er trifft oder nicht trifft – ähnliches vermutet man auch bei Peter Neururer selbst.

Das Spiel wird fahrig. Vier neue in der Startelf wirken sich merklich auf die Eingespielheit aus: Markus Karl, der inzwischen auch vom Moderator korrigiert, von Union Berlin kam, ist unser bester Mann. Robust, passsicher, präsent. Benny Köhler merkt man die fehlende Spielpraxis an, Löwe macht seine Sache hinten links souverän und Mitchell Weiser versucht sich zu oft als Robben-Double. Leben kommt auf einmal in die Bude, als Jimmy „die Dampflok“ Hoffer eingewechselt wird. Die langgezogenen Jimmyyy-Rufe bringen ein wenig Feuer in die abgeflachte Partie.

Wir schreiben die 68. Minute. Der Moderator erinnert noch einmal wortwörtlich an den „Wahrsagerguru Peter Neururer“, dessen Prognose eines torreichen Spiels sich bislang ins Gegenteil umkehrte. Das ist für Peter aber kein Grund, seine These noch einmal auszubauen: „Es bleibt auf keinen Fall 0:0.“ Und als ob es nicht genug wäre, betont er den Satz ein zweites Mal: „auf keinen Fall 0:0.“ Der Moderator huldigt seinen Worten: „Wir wissen das es kein Unentschieden gibt, weil Peter das Gegenteil behauptet“. Sei gepriesen, du heiliger Peter.

Das Tor steht in der Mitte.

In der 84. Minuten entdeckt Neururer nun endlich den Grund für das torlose Spiel: Er stellt fest, dass das Tor in der Mitte steht und man deswegen auch durch die Mitte spielen muss. Hätten die Spieler das doch nur vorher gewusst. Der FCK bereitet seinen letzten Wechsel vor. Franco Foda scheint einen emotionalen Wutausbruch zu erleiden, als dies nicht auf Anhieb klappt. Ohnehin wirkt unser Trainer heute mit Baumwollstrickschal statt Seidenumhängsel deutlich mehr FCK-like.

Und das Wunder sollte geschehen. Idrissou stand noch auf dem Platz und folgende Szenerie ereignete sich in Minute 87: Flanke Drazan, verunglückte Abwehr von Kiraly, erster Ballkontakt Florian Riedel und drin ist das Ding. Umarmungen, wilder Jubel, frenetisches Gehüpfe – bei Peter Neururer, der endlich sein prognostiziertes Tor bekommt. Florian Riedel freut sich auch.

Abpfiff.

Die Erleichterung ist bis ins Wohnzimmer zu spüren – vor allem bei Franco Foda, auch wenn seine Aussagen etwas vom Siegtreffer überstrahlt klingen. Florian Riedel spricht danach aus, was alle gesehen haben: „80 Minuten Grottenkick, aber trotzdem gewonnen“. Sein Geheimrezept gibt er auch noch preis: „Pfälzer Saumagen.“ Peter Neururer ist zwar nicht mehr zu hören, aber diesen Geheimtipp hat er sich notiert. Pfälzer Saumagen – hätten wir das doch nur vorher gewusst.

Fortsetzung wie immer hier: Dreihundertsechzig

Patrick Potthoff

27.
Sportmanagementstudent.
Gefühlte Heimat: Kaiserslautern.
Tatsächliche Heimat: Gütersloh, Ostwestfalen.

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1 Kommentar

  • Kommentar-Link Stefan Mittwoch, 06 Februar 2013 09:37 gepostet von Stefan

    Sehr gut geschrieben! :)

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