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Dienstag, 01 Januar 2013 21:20

Paris - are you fucking kidding me?

geschrieben von 

kidding psgTradition? Ist was für Ewiggestrige. Werte? Brauchen wir nicht. Die gesamte Identität eines Vereins? Ab ins Archiv damit. Der Pariser Fußballklub möchte eine Sportmarke mit Weltruhm werden. Dafür hält Marketingdirektor Michael Mimran nichts weiter als die komplette Neusanierung aller existenziellen Symbole und Werte für angemessen - ein Schlag ins Gesicht aller langjährigen Begleiter und Unterstützer.

Geprägt von völliger Ahnungslosigkeit und jeder Menge Geld versucht man, den Pariser Klub auf Teufel komm raus aufzupolieren und glattzuschleifen - und merkt dabei nicht, dass der Rost vergangener Tage das eigentlich Wertvolle ist.

Der Rost vergangener Tage

Jaque steigt ins Auto und macht sich auf den Weg. Das Spitzenspiel steht an. Paris St. Germain gegen Olympique Marseille. Die innere Uhr eines langjährigen Fußballanhängers ist sehr feinfühlig. 1 Stunde noch bis zum Anpfiff. Normalerweise ist das der Zeitpunkt, an dem der Adrenalinspiegel ansteigen sollte. Wenigstens ein bisschen Nervösität, denkt sich Jaque, während er den Rückwärtsgang einlegt und seine Auffahrt verlässt. Aber da ist nichts.

Die 12 km bis zu seiner Stammkneipe könnte er auch mit verschlossenen Augen fahren, doch heute nimmt er einen anderen Weg. Vorbei an seinem Elternhaus, dass er vor zehn Jahren verkauft hat und in dem er seine gesamte Kindheit und Jugend verbracht hat.

Er drosselt das Tempo ein wenig. Seine Augen versuchen, jedes Detail zu erfassen. Jaque verliert sich in Gedanken. Da wo früher grüner Rasen, eine Schaukel und ein kleines Fußballtor standen, ist heute nur noch Pflasterstein. Die Gedanken kreisen weiter. Ist es mit meinem PSG nicht genauso, versucht er einen Vergleich mit seinem Verein herzustellen. Die Millionen aus Katar haben viele Pflastersteine in die Stadt an der Seine gebracht. Für ideelle Werte ist kein Platz mehr. Schaukel, grüner Rasen und das Fußballtor - stellvertretend für alle Symbole und Werte des Vereins - sind eingestampft.

Jaque wirkt melancholisch. Er richtet den Blick wieder auf die Straße. Acht Kilometer noch bis zum Ziel.

Für immer Paris

„Sach‘ mal. Wenn du ganz ehrlich bist, was zieht dich hier her?“ raunzt  Jaque seinem Bekannten Pierre zu. Pierre ist erst vor kurzem vom Fußball infiziert worden. Paris ist sein Verein geworden, seit die Kataris das Geld in Strömen fließen lassen. Ein Superstar nach dem anderen wechselt an die Seine. Das hat spektakulären und erfolgreichen Fußball zur Folge. „Ich bin Fan von erfolgreichem Fußball. Guck dir den Zlatan an, wie er ein nach dem anderen aussteigen lässt - einfach traumhaft“ rechtfertigt er sich gegenüber Jaque. „Und wenn Zlatan weg ist, lässt du unseren Verein wie eine heiße Kartoffel fallen, genauso wie die Scheichs es mit…“. Jaque’s frustriert klingende Zurechtweisung wird von einem Jubelschrei unterbrochen. Zlatan Ibrahimovic erzielt das 1:0 für Paris St. Germain in der 31. Minute im Topspiel gegen Tabellennachbarn Olympique Marseille. „War ja klar“ flüstert Jaque leise vor sich hin und nippt an seinem Bier. Sein Blick wandert aus dem Fenster und bleibt an dem leicht beschlagenen Fenster der Kneipe auf der gegenüberliegenden Straßenseite hängen.  Er verliert sich in Gedanken:

…Liebe zu seinem Verein vergeht nie. Tut sie das wirklich nicht? Ich bin mir nicht mehr sicher. Wir sind Tabellenerster, haben einen Weltstar in unseren Reihen, aber irgendwie ist es doch nicht mehr so wie früher. Wohl kein gutes Zeichen, wenn man sich nicht mehr für Tore des eigenen Vereins freuen kann. Bin ich einfach nur Kind geblieben und möchte Schaukel und grünen Rasen zurück oder kann ich einfach nur nichts mit Pflastersteinen anfangen? Ich weiß es nicht. Das ist nicht mehr mein PSG. Das ist nicht mehr mein Verein, dem ich meine Liebe vermacht habe…

Wenige Tage zuvor in der Marketingabteilung von Paris St. Germain

„Ihr habt doch gehört, was zu tun ist“ schallt es von Marketingchef Mimran in die Runde. „Die populärste Sportmarke der Welt zu werden ist das Ziel.“ Mimran erklärt ausschweifend, dass man mit der Stadt Paris als Weltmetropole zu höherem berufen ist. „Wir müssen weg von diesen ganzen Altlasten, die uns nur wie ein Klotz am Bein hängen“. „Von welchen Klötzen sprechen sie, Monsieur?“ wirft ein etwas irritiert dreinblickender langjähriger Mitarbeiter in die Runde. „Saint-Germain. Wer braucht denn diesen Zusatz noch? Paris FC - klingt doch viel schlanker, graziler und moderner. So stellen wir die Stadt Paris in den Vordergrund und schaffen auch über die Grenzen hinaus einen Wiedererkennungswert. Das alte Logo ist auch hinfällig. Diese Wiege und die Lilie im Wappen sind Relikte vergangener Tage. Das ist altmodisch. Das braucht kein Mensch. Monsieur, bitte setzen sie ein Briefing für die Agentur auf - wir brauchen bis Ende nächster Woche 3-4 Vorschläge für ein neues und modernes Logo, dass das neue Paris besser repräsentiert“.

Zurück in der Kneipe

Pierre freut sich immer noch über das 1-0 von Zlatan Ibrahimovic, während Jaques wieder aus seinem Tagtraum erwacht ist und erneut an seinem Bier nippt. „Was macht du da genau, Pierre?“. Pierre tippt mit einem sanften Lächeln in die Tasten seines Smartphones. Schon bald ist auf seiner Facebook-Pinnwand in Großbuchstaben zu lesen: „WIR SIND DIE BESTEN - FÜR IMMER PARIS“. Sein freudiger Gemütszustand wird unterbrochen von einem schallenden Raunen, das die ganze Kneipe durchdringt. Marseille hat wie aus dem nichts zum 1:1 getroffen. Jaque ist hin und hergerissen zwischen Genugtuung und Enttäuschung. Hektisch fummelt Pierre erneut an seinem Smartphone herum. „Hattest du nicht grad etwas mit Für-immer-Paris gepostet, Pierre?“ Der Beitrag auf Pierre’s Pinnwand ist verschwunden. Für immer Paris - das war aber ganz schön kurz, denkt sich Jaque, der den Ausgleich beinah apathisch zur Kenntnis genommen hat. Schaukel oder Pflastersteine? Er nippt an seinem Bier und verschwindet erneut in seiner Gedankenwelt:

Was ist nur aus diesem Verein und den Menschen drum herum geworden? Irgendwelche Scheichs meinen die Patentlösung für den großen Erfolg gefunden zu haben, dabei verstehen sie rein gar nichts davon, was eine Sportmarke - einen Fußballverein erfolgreich macht. Alles wird abgerissen und soll erneuert werden? Wenn ich mir Pierre angucke, sehe ich die Zukunft unseres Vereins leibhaftig vor meinen Augen stehen. Gewinnen wir, sind wir die tollsten. Verlieren wir, verliert das Spielzeug und Statussymbol an Anziehungskraft und wir liegen auf dem Rücken. Wie eine Schildkröte, die sich nicht mehr wenden kann und dahinvegetiert. Ohne Seele. All das, was unsere Seele ausmacht, verscherbeln wir. Logo, Fans, den Namen - alle Symbole und Werte, für die wir als PSG standen, werden ausradiert und gegen irgendwelchen austauschbaren und modernen Bullshit getauscht.

Jaque nippt an seinem Bier und schüttelt den Kopf leicht vor sich hin, bis ihm ein passender Vergleich einfällt, der ihn gedanklich nicht mehr loslässt:

Die Eröffnungsfeiern der olympischen Spiele in London 2012,  und die der olympischen Spiele in Peking 2008 auf der anderen Seite. Zwei Parallelwelten, die für zwei verschiedene Denkweisen stehen. London, die Schaukel. Peking, die Pflastersteine. In Peking sah man hochperfektionierte, glattgeschliffene Choreografien, die keinen Hauch von Leidenschaft, Feuer oder Spirit hatten. Eine Show ohne Seele - genauso wie unser Pariser Fußballverein von morgen. London 2012 hatte Charme. Seele. Alte Werte, Traditionen  - Ecken und Kanten wurden originell und einfallsreich inszeniert. Jeder, der die Show gesehen hat, erkennt den Spirit Großbritanniens - es ließ niemanden kalt. Die ganze Identität ist so viel wert. Ideelle Werte und Kommerzialisierung können vereint werden. Wenn es jemals ein Exempel dafür gab, dass das möglich ist, dann die Eröffnungsfeier der olympischen Spiele in London 2012. Würden die Kataris und unser Marketing-Manager nur so weit denken können…

Unterdessen in der Marketing-Abteilung von Paris St. Germain

„Wenn wir unsere Ziele erreichen wollen, müssen wir andere Kundengruppen ansprechen. Neue Unterhaltungsinstrumente schaffen. Das wollen unsere Kunden. Das sportliche Ereignis reicht nicht mehr aus. Seien wir ehrlich. Wir sind auf die wahren Fans - wie sie so schön genannt werden - nicht mehr angewiesen“ fährt Marketing-Manager Mimran fort. „Wie verkaufen wir das den Fans, Monsieur?“  fragt der langjährige Mitarbeiter und unterbricht die ausschweifende Rede des Marketing-Manager Mimran. „Die übliche Verfahrensweise. Wir loben die Fans für ihre Unterstützung, stellen sie als unverzichtbaren Teil unseres Vereins dar und beschwichtigen die ganze Sache etwas. Das kaufen die uns schon ab. Ich muss jetzt los. Telefonkonferenz mit Katar.“

In der Kneipe…

…ist mittlerweile die 69. Spielminute angebrochen. Ibrahimovic hat nicht seinen besten Tag erwischt - so wie die ganze Mannschaft auch. Pierre wird unruhig und verabschiedet sich schon bald vorzeitig. „Ich muss noch dringend ein Telefonat führen und morgen auch früh raus“ führt er als Gründe für den frühzeitigen Abscheid an. Für immer Paris, denkt sich Jaque, „aber nur wenns grad mal gut läuft“ flüstert er seinen Gedanken leise vor sich weiter. „Was meinst du?“ entgegnet Pierre. „Nichts weiter, Pierre. Ich trinke noch mein Bier auf und bin dann auch gleich weg“ antwortet Jaque. Sein Bier ist längst leer, bevor das Spiel endet. Einem nach dem anderen sieht er die Kneipe verlassen:

Da gehen Sie. Die getreuen Anhänger des modernen Paris FC von morgen. Sehen so Fans einer der blühendsten Sportmarke von morgen aus? Gute Arbeit, Herr Mimran. Unser Verein hängt am Tropf. Wie ein Drogenabhängiger. Abhängig vom Geld aus Katar und dem sportlichen Erfolg.

Jaque bleibt bis zum Schluss - auch wenn er nicht mehr benötigt wird. Warum er das tut? Bindung zu seinem Verein. Das, was eine erfolgreiche Sportmarke - ein Fußballverein - zu einem besonders erfolgreichen macht. Bis diese Erkenntnis bei Mimran, dem Marketingdirektor von Paris St. Germain angekommen ist, wird noch sehr viel fließen - also Wasser der Seine runter. Und Geld aus Katar sowieso.

Patrick Potthoff

27.
Sportmanagementstudent.
Gefühlte Heimat: Kaiserslautern.
Tatsächliche Heimat: Gütersloh, Ostwestfalen.

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6 Kommentare

  • Kommentar-Link Ansgar Mittwoch, 02 Januar 2013 10:27 gepostet von Ansgar

    Erstmal weiß ich nicht, wie das überhaupt gehen soll, schließlich gibt es schon einen Paris FC! Zweitens weiß ich nicht, warum gerade PSG ein Musterbeispiel für Tradition sein soll, ein Club, der 1970 aus dem Boden gestampft wurde, weil die Traditionsclub wie Racing oder Red Star die Hauptstadt nicht oder nicht mehr angemessen repräsentieren konnten. So bedenklich diese grundsätzliche Entwicklung ist, kommt es mir in diesem konkreten Fall vor, als würde jemand in 20 Jahren die Übernahme des Traditionsclub Hoffenheim beweinen....

  • Kommentar-Link Patrick Potthoff Mittwoch, 02 Januar 2013 22:06 gepostet von Patrick Potthoff

    PSG das Hoffenheim Frankreich's? Das sind sie aus meiner Sichtweise nicht. Aber wir unterhalten uns hier über Fußball. Subjektive Ansichten sind da ja an der Tagesordnung.

    Speziell das Thema Investoren hat es ja in sich. In Frankreich sind sie deutlich akzeptierter und gehören quasi zum Inventar. Anders in Deutschland - 50+1 sei Dank.

    Mir bzw. Jaque ging es aber weniger um die Tradition (der Begriff an sich ist ja schon so breit, dass man sich darin verliert), sondern um die Identität.

    Wenn Investoren Logo, Name und alle ideellen Werte einschreddern, erreicht das neue Dimensionen.

    Vielleicht liege ich mit der Gefühlseinschätzung von Jaque komplett daneben, vielleicht genau richtig - es ist im Fußball halt vieles subjektiv.

  • Kommentar-Link Kjartan Donnerstag, 03 Januar 2013 13:00 gepostet von Kjartan

    Hallo Patrick,

    insgesamt halte ich die Hintergrundidee, eine fiktive Geschichte die Kommerzialisierung von PSG erklären zu lassen, für recht interessant. Allerdings hast du es mit deinem letzten Kommentar recht gut auf den Kopf getroffen: Es ist im Fußball vieles subjektiv. Wahrscheinlich hast du vergangene Ausführungen zum Thema, zB in der 11Freunde oder anderen Medien mitverfolgt, wo man lesen konnte, dass auch langjährige Fans von PSG recht unschlüssig sind, wie sie mit der neuen Situation umgehen sollen. Auch eingesessene Fans freuen sich über Spieler wie Zlatan, Thiago Silva oder, seit einigen Tagen, den fantastischen Lucas Moura.

    Dementsprechend ist es etwas schade, dass dein Artikel so klingt, als würden die Veränderungen die Seele von PSG,auch die Fankultur des Vereins, völlig zerstören, obwohl du völlig richtig diesen fiktiven Vorgang in deinem Kommentar revidierst und eben richtig bemerkst, dass Investoren in FRA recht akzeptiert sind, wie auch in anderen Ländern.

    So schlägt dein Artikel in eine Kerbe, die sich populistische Kreuzritter der (deutschen) Fankultur gerne zum Beispiel nehmen, um anscheinend fürchterliche Vorgänge im Ausland zur schauerlichen Zukunftsvision für den deutschen Fußball hochzustilisieren. Dabei sehe ich persönlich die Vorgänge bei PSG, wenn es im Logo und Namen geht, durchaus kritisch wie du, denke aber, dass der Verein, wie jeder, es verdient hat, einen anderen ideellen Weg einzuschlagen. PSG ist seit jeher fanstrukturell von rechtsaffinen Fans geprägt, eine gewisse "Freundschaft" zur Hoolszene des FCK ist dir vielleicht bekannt. Hier stelle ich mir eine ideelle Veränderung von PSG durchaus auch förderlich für die Fanstruktur vor.

  • Kommentar-Link Patrick Potthoff Donnerstag, 03 Januar 2013 14:42 gepostet von Patrick Potthoff

    Um die andere Seite der Medaille - also sozusagen das PRO-Veränderung - darzustellen, hatte ich eigentlich die Figur "Pierre" vorgesehen.

    In der Nachbetrachtung kommt er im Text vielleicht etwas zu schlecht weg und hätte durchaus mehr zu sagen haben können. Mir liegt insgesamt auch viel daran, die Dinge immer aus beiden (oder mehreren) Sichtweisen zu betrachten.

    Um noch ein bisschen subjektive Meinung einzustreuen: Ja, ich glaube, kurzfristig gesehen finden auch viele langjährige PSG Anhänger Gefallen an der aktuellen Situation. Wenn am Ende die Identität (womit nicht die rechtsradikalen Tendenzen in der Fanszene gemeint sind) aber komplett auf links gedreht wurde und auch der sportliche Erfolg ausbleibt, wirds vermutlich kritisch.

    Ich bin gespannt, wie diese Vorgehensweise sich langfristig auswirkt und bin überzeugt davon, dass es nicht richtig ist und sich nicht auszahlen wird. Vielleicht nicht morgen. Vielleicht auch nicht Übermorgen. Doch wenn der Geldstrom aufgrund konsequenter FFP-Regelungen versiegt, steht PSG mit blank gezogener Hose da.

  • Kommentar-Link Giuseppe Sonntag, 10 Februar 2013 15:56 gepostet von Giuseppe

    Hey Patrick,

    lese grad erst deinen Paris-Artikel. Der war mir wohl als du ihn geschrieben hattest entgangen. Ein Artikel, der aber auch wirklich gut zum Diskutieren anregt. Naja, du weiß ja, dass ich deine Artikel immer interessant und auch gut fand, aber hier denke ich, dass du mit Paris einen falschen Ansatz gewählt hast, was schon in Kommentaren zuvor erwähnt wurde und von dir teils auch schon revidiert wurde.

    Ein Vergleich mit Hoffenheim in 30 Jahren, wie es in einem Kommentar zuvor erwähnt wurde, hinkt natürlich total, da sich auch die Städte, die Reputation der Städte sowie die Bedeutung beider Städte für die jeweiligen Länder vollkommen voneinander unterscheiden.

    Allerdings finde ich nicht, dass man bei PSG vom Rost vergangener Tage reden sollte, da die traditionellen Pariser Vereine andere sind. PSG wurde ja erst 1970 aus dem Boden gestampft und 1982 wurde man das erste Mal richtig auffällig auf dem Papier, als der französische Pokal gewonnen wurde. Es hätte durchaus ein Verein mit Tradition - ich weiß, es ist ein sehr dehnbarer Begriff - entstehen können, aber in Frankreich ist Investorentum schon seit jeher kein Fremdwort und auch unter dem Großteil der Fans recht akzeptiert. Man tritt somit eher nur einer Minderheit von Fans in er Allerwertesten, da es Investorentum in Frankreich lange zur Tagesordnung zählt.

    So wollte man auch in den 90er Jahren auf Teufel komm raus den Erfolg kaufen. Canal+, was hätte den Parisern besseres passieren können, hat PSG übernommen und fortan mit sehr viel Geld versorgt. Für die richtigen Stars war man trotzdem noch nicht attraktiv genug, da man damals auch noch über andere Geldbeträge als heute diskutiert hatte und die Diskrepanz zwischen Top- und Normalverdiener im Fußball immer weiter auseinander klafft. Den Europapokal der Pokalsieger konnte man trotzdem gewesen und auch in der Champions League war man mal zu Besuch.

    Als der Verein wieder etwas mehr auf eigenen Beinen stehen sollte, lief es sportlich wieder deutlich schlechter...

    Ich will nun nicht die PSG-Geschichte aufzählen, sondern lediglich verdeutlichen, dass für diese Geschichte etwas anderes sinnvoller gewesen wäre, aber auch schon oft erzählt wurde.

    Manchester City zum Beispiel. Wirklich ein Verein mit Tradition und viel Rost vergangener Tage. Hier gibt es auch eine größere Diskussionsgrundlage unter den Fangruppierungen. Klar ist es in England mittlerweile auch üblich, aber es wird immer noch von viele Realisten sehr kritisch beäugt, da der schnelle Erfolg gekauft und nicht seriös erarbeitet wurde. Und dieser Entwicklung wird jeder Verein irgendwann Tribut zollen müssen, wenn die Investoren das Interesse an ihren Spielzeugen verlieren.

    Insgesamt erfüllt der Text aber seinen Zweck, denn er regt kontroverse Kommentare an und hat mir aus diesem Grund also trotzdem gefallen. Nur auf eine etwas andere Art und Weise ;)

    Gruß

    Giuseppe

  • Kommentar-Link Patrick Potthoff Montag, 18 Februar 2013 08:54 gepostet von Patrick Potthoff

    Hey Giuseppe,

    danke für deine ausführliche Meinung dazu. Du hast Recht, wenn du sagst, Paris ist nicht das Paradebeispiel für einen Verein, dessen Rost vergangener Tage einzigartig ist.

    Im Einleitungssatz des Artikels spreche ich von Tradition - da setze ich vermutlich schon die falsche Fährte. Worum es geht, ist die Identität, die Paris zweifelsohne besitzt und die aktuell umgekrempelt wird.

    Diese Identität wird ohne Rücksicht auf Verluste ausgemerzt und darüber kann keiner glücklich sein. Identität ist das, was einen Fußballverein, aber auch jedes Unternehmen, jede Person einzigartig macht. Kurzfristig mag sich das jetzt alles scheinbar auszuzahlen, aber langfristig wird es scheitern.

    Von daher habe ich in meinem Text zu sehr auf eine Schiene geführt, die dieses "Ein-Traditionsverein-muss-gerettet-werden" impliziert. Letztendlich geht es aber um die Wahrung des Fundaments. Das ist keine rein romatisch-ideologische Liebhaberei, sondern auch rationale Ansicht.

    Denn nachhaltige Anziehungskraft für einen Verein wird niemals künstlich herzustellen sein. Das funktioniert anders. Das werden die Kataris niemals verstehen und daher auch langfristig nicht erfolgreich sein. Allein aus dem Grund muss man sich nicht allzu viel Sorgen machen.
    Das Gute wird siegen ;)

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