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Montag, 28 Oktober 2013 10:08

Mein Name ist Malte S.

geschrieben von

Prolog:

Die Chaoten im Fußballstadion: So werden sie genannt. Am Samstag haben sie wieder ihr hässlichstes Gesicht gezeigt. Gesichter, überzogen mit einer Sturmhaube. Eine Maske zur Tarnung. Niemand soll sie erkennen. Eigentlich sind sie jemand anders. Die Sturmhaube verdeckt ihr Gesicht - und in Wirklichkeit viel mehr als das.


Mein Name ist Malte S.


Ich bin Fußballfan, seit ich denken kann. Fußballverrückt sagen die einen. Nur verrückt die anderen. Ich begleite meinen Verein überall hin. 20 km, 200 km, 2000 km - die Entfernung spielt keine Rolle. Ich bin überall dabei. Ich unterstütze meinen Verein mit meiner Stimme in der Kurve. Ich und meine Jungs - wir sind eins. Im Block während der 90 Minuten und auch danach, wenn es sein muss. Ich präsentiere unsere Gruppe im Block. Mit allem was dazu gehört. Pyros? Klar, das gehört dazu. Früher legal, heute nicht mehr. Egal, ich bin stolz auf das alles. Mir kann keiner was.

SCHNITT

Liebes Tagebuch,

ich bin am Boden. In mir ist eine tiefe Leere. Niemand sieht sie, aber sie ist da. Eine Leere, die sich nur schwer kompensieren lässt. Mein Wecker klingelt - ich bleibe liegen, außer am Samstag. Da hat mein Leben einen Sinn. Den einzigen Sinn, um genau zu sein. Am Samstag füllt sich der Block, am Samstag füllt sich die Leere mit Inhalt. Es macht alles einen Sinn. Alle sind da, meine Freunde, meine Begleiter, meine Sinnesgenossen. Egal was kommt, wir sind unzertrennlich. Wir gegen alle. Die Polizei kann uns gar nichts. Wir sind stärker. Wir zeigen ganz Fußballdeutschland wer wir sind. Wir zeigen allen, was wir können. Wir sind stärker als alle. Ich setze die Haube auf. Ich zünde den Pyro. Ich stelle mich auf den Zaun. Das Gefühl von Erhabenheit, Stolz, Gemeinschaft steigt in mir auf. Wir sind anders. Wir beugen uns nicht. Aber auch dieser Moment wird enden. Ich liege im Bett. Ein letztes mal schaue ich mir die Bilder im Internet an. Ein letztes Mal klicke ich mich durch die dramatisch klingenden Schlagzeilen des Tages. Ich lege mich schlafen. Die Leere macht sich wieder breit. Ich fühle mich alleine. Ich will hier raus, aber ich kann nicht. Ich bin wütend, ich bin sauer, ich koche vor Wut. Ich kann für das alles nichts. Warum hilft mir niemand? Warum gibt mir niemand einen Sinn? Ich bin kein Täter, ich bin ein Opfer.

SCHNITT

Dem Beschuldigten Malte S. wird vorgeworfen, zu den beschriebenen Tatzeiten folgende Rechtswidrigkeiten begangen zu haben: Zerstörung von Eigentum der Deutschen Bahn auf der Strecke zwischen Hamm und Gelsenkirchen; Beamtenbeleidigung; Körperverletzung. Herr S., möchten Sie sich dazu äußern?

Meine Gedanken kreisen: Es war richtig. Mir kann keiner etwas. Ich bin wütend, ich bin sauer, ich koche vor Wut. Warum ich das tue? Ich weiß es nicht. Mein Mundwinkel zuckt. Alle starren mich an. Was wollen die von mir? Ich beuge mich nicht. Nicht vor euch. Lieber gehe ich in den Knast. Meine Jungs stehen hinter mir. Wenn auch nicht hier, dann zumindest im Geiste. Ihr könnt mir gar nichts.

Mein Mandant möchte sich zu den ihm vorgeworfenen Rechtswidrigkeiten nicht äußern und verweißt auf die noch ausstehenden Zeugenaussagen, die eine Gegendarstellung zu den beschriebenen Tathergängen darstellen werden.

SCHNITT

Liebes Tagebuch,

ich freue mich auf meine Familie. Meine Familie gibt mir Kraft, gibt mir Zuversicht. Sie geben mir all das, was ich sonst nicht habe. Es nimmt mir die Leere. Meine Familie füllt sie mit Inhalt. Sie geben mir das Gefühl, dass ich etwas besonderes bin. Sie geben mir das Gefühl, jemand zu sein, gebraucht zu werden. Ich freue mich auf meine Familie. Am Samstag ist es wieder so weit. Dort oben im Block. Achja, meine Eltern könnte ich auch mal wieder anrufen.

SCHNITT

Malte S.? Klar, den kenn ich. Wir gehen in dieselbe Klasse. Ich fahre jeden morgen mit ihm im Bus. Na gut, jeden morgen ist übertrieben. Wenn er halt kommt. Soll ich ehrlich sein? Ich bewundere ihn ein wenig. Wenn er da ist, ist er nie alleine. Jeder kennt ihn, jeder respektiert ihn. Oder ist es Furcht? Ich weiß es nicht. Er ist der typische Bad-Boy. Die Frauen fühlen sich zu ihm hingezogen, ohne dass er etwas dafür tut. Seine Geschichten kennt fast jeder hier. Letzte Woche war er sogar auf der Titelseite zu sehen. Mit einem Pyro in der Hand. Zwar vermummt, aber wir wissen ja, dass er es ist.

SCHNITT

Ich schlage die Zeitung auf und erblicke mich selbst. Vermummt, aber das bin ich. Ich lache erst innerlich, dann tritt es nach außen. Ihr könnt mir gar nichts. Ich = 1. Ihr = 0. Ich schneide das Bild aus und stecke es in die Tasche. Ich muss los, der Bus kommt. Heute habe ich keine Lust zu schwänzen.

SCHNITT

Liebes Tagebuch,

ich muss dem ganzen ein Ende machen. Ich muss hier raus. Die Leere wird immer größer. Sie saugt mich auf wie ein Strudel. Ich bin an einem Punkt, an dem es genug ist. Ich muss mich ändern, ich will mich ändern. Ich habe keine Kraft mich zu ändern. Warum hilft mir niemand? Warum gerade ich? Ich will kein Täter mehr sein, ich will kein Opfer mehr sein. Ich will raus hier. Es klingelt an der Tür. Es ist Samstag. Die Jungs holen mich ab. Ich will hier raus - aber ich kann nicht.  

Epilog:

Sind alle Fans, die ihren Verein überall hinbegleiten auch Verrückte? Nein.
Sind alle Ultras Schwerverbrecher? Nein.
Sind sie alle Schulschwänzer? Nein.
Haben sie alle ein schwerwiegendes familiäres Problem? Nein.
Passt diese ganze Beschreibung auf jeden einzelnen? Nein.

Jedes Problem ist anders. Jeder Hintergrund ist anders. Jede Lösung ist anders, so wie auch jeder Mensch anders ist. Ich habe keine Lösung parat. Nur eine andere Perspektive. 

https://www.facebook.com/3hundertsechzig 

Dienstag, 03 September 2013 15:33

Der perfekte Trainer

geschrieben von

Ist es nicht erstaunlich, dass in einem fußballbegeisterten Land mit 80 Millionen Einwohnern immer dieselben 30-40 Trainer hin- und hergereicht werden? Noch eben bei dem einen Verein aufgrund von Erfolgslosigkeit rausgeschmissen – wenige Tage später beim Konkurrenten als Heilsbringer vorgestellt. Dieser Vorgang ist ebenso verrückt wie gewöhnlich. Und dabei sucht doch jeder nach dem perfekten Trainer.

Aber wo ist er, der perfekte Trainer? Was braucht er? Was bringt er mit? Was ist die geheime Zauberformel? Welche Zutaten brauche ich als Verein, um mir den perfekten Trainer zu backen?

Schließlich gibt es da ja die ein oder andere Kombination, wo eine perfekte Mischung sofort sichtbar ist. Dortmund und Jürgen Klopp. Freiburg und Christian Streich. Passt wie Arsch auf Eimer.

Dort sind Trainer und Mannschaft eine Einheit. Nicht weil sie in das in jedem Interview beschwören. Eher im Gegenteil. Sie müssen es gar nicht beschwören – man sieht es.

Ich mache mich auf die Suche nach der Rezeptmischung für den perfekten Trainer – und stelle zunächst ein paar grundsätzliche Rahmenbedingungen fest:

1. Es gibt nicht den universell perfekten Trainer, sondern nur den perfekten Trainer am richtigen Ort.

Ein Jürgen Klopp ist perfekt für den BVB, wäre es vermutlich aber nicht für den VFL Wolfsburg. Ein Christian Streich passt perfekt zum SC Freiburg, aber nicht zum FC Augsburg. Felix Magath beim VFL Wolfsburg? Passte. Felix Magath beim BVB? Ginge gar nicht.

Jeder Verein hat seinen eigenen kulturellen Kosmos, der schwierig zu erklären ist – aber existiert. Werte, die ein Verein verkörpert und die ein Trainer eben mitbringen – bzw. auf irgendeine Art und Weise spiegeln und verkörpern muss. Das ist die grundsätzliche Rahmenbedingung und somit auch die erste Feststellung: Es gibt nicht den perfekten Trainer, sondern nur den perfekten Trainer am richtigen Ort. Dasselbe gilt aber auch für die Zeit, was uns zu Punkt 2 führt.

2. Es gibt nicht den universell perfekten Trainer, sondern nur den perfekten Trainer zur richtigen Zeit.

Der perfekte Trainer ist ein anderer als er es noch vor 20 Jahren war. Das Verhältnis zur Autorität hat sich gewandelt. Spieler wollen mitsprechen, wollen verstehen, hinterfragen: Entscheidungen und Inhalte. Es macht den Anschein, dass ein Trainer heute eine weitaus komplexere Aufgabe zu bewältigen hat. Er muss Motivator, Kumpel und Schleifer zugleich sein.

Die Spieler dieser Ära entstammen einer anderen Generation. Sie folgen nicht mehr blind, sondern wollen wissen, warum sie folgen sollen. Junge Spieler sind weitaus selbstreflektierter als es den Anschein hat. Um sie zu begeistern, braucht es dementsprechend einen Trainer, der ein Gespür dafür hat. Empathie für die Bedürfnisse und Motive der einzelnen Spieler. Eine Form von emotionaler Intelligenz. Ein Jürgen Klopp scheint es zu haben, wenn man sich die Worte von Nuri Sahin zu Gemüte führt:

„Er ist wichtig für meine Karriere, aber auch für mein Leben. Jürgen Klopp hat ein Herz, er kann zuhören, weiß, wie er wen anpacken muss. Er hat eine unglaubliche Menschenkenntnis. Er sieht immer ein Licht am Ende des Tunnels, startet jeden Tag mit einem Lächeln im Gesicht. Ich bin glücklich, mit ihm zusammenarbeiten zu können.“

Begeistern und mitnehmen – das ist etwas, was ein Jürgen Klopp wie vielleicht kein anderer schafft. Und das – so lese ich es zumindest zwischen den Zeilen – war keine Kernkompetenz von Franco Foda.

Sagt er in einem Interview nach einer Entlassung doch folgendes:

Die einen können gut mit dem Trainer, die anderen weniger gut.“ 

Das ist eine Aussage, die ziemlich viel Einsicht gewährt. Wie kann ein Trainer – eine Führungsperson – so einen Zustand akzeptieren? Noch viel schlimmer: Er zieht das Verhältnis auf eine persönliche Ebene hinunter. Er versucht nicht einmal, Distanzen aus dem Weg zu räumen, sondern begründet es sich mit einer naturgegebenen Abneigung – und gibt zugleich darüber Aufschluss, dass der Nasenfaktor für ihn eine Rolle spielt. Kurioserweise ist genau das ein Punkt, den Fans und wohl auch Spieler häufig an ihm bemängelt haben: Er setzt auf seine Lieblinge. Mit dieser Aussage hat er sich entlarvt.

Der Trainer führt

Ein Trainer ist ja im Grunde nichts anderes als eine Führungsperson. Und da gibt es ebenso gute wie auch schlechte. Das gilt für den Fußball ebenso wie für Wirtschaft, Politik & Co.

Schleifer, Kumpeltyp, Stratege – es gibt nicht den richtigen Führungsstil. Sie müssen es nur schaffen, das übergeordnete Ziel zu erreichen: Die Menschen hinter einer Idee zu versammeln, sie heiß zu machen. Sie dazu zu bringen, zuzuhören und das Gesagte auch umzusetzen. Zu verstehen, zu folgen, mit Feuer bei der Sache zu sein.

Und sicher haben Angestellte in der Wirtschaft oder Spieler in einem Verein auch die Pflicht und die Eigenmotivation das beste aus ihren Möglichkeiten zu machen – doch ist es nicht anders wie in der Tierwelt:

Es braucht einen Rudelführer. Jemand, der die Richtung zeigt. Jemand, der vorgibt, wie der Kontrahent – sei es die Gazelle oder die gegnerische Mannschaft – zu erlegen ist. Schließlich durstet das Rudel nach Fleisch – bzw. 3 Punkten.

Und ein Trainer muss noch so viel mehr…

  • Ein guter Trainer muss verhaltensflexibel sein. Kurzfristig, wie auch langfristig. 90 Minuten und saisonübergreifend. Den Mut haben, einmal getroffene Entscheidungen durchzuziehen – oder den Mut, einmal getroffene Entscheidungen rückgängig zu machen, weil es die falsche war.

  • Ein guter Trainer muss ein Vigilant Leader sein: Ein Lenker, der intensiv wahrnimmt, aufmerksam reagiert und bereit ist, auf Basis weniger Informationen riskante Schritte zu wagen.

  • Ein guter Trainer muss eine Haltung haben – so wie es jede Führungsperson hat: Rückgrat – wie im Volksmund so schön gesagt wird. Nicht nur nach dem Mund reden, sondern Stellung beziehen – und dazu stehen.

  • Ein guter Trainer muss kritikfähig sein: Der Job bringt es mit sich, dass man kritisiert wird. Kritik anzunehmen, Handlungen zu überdenken, Fehler einzugestehen, aus ihnen zu lernen: Das macht eine Führungsperson und einen guten Trainer aus.

  • Einer Trainer muss authentisch sein: Man spürt es, aber es ist schwierig zu beschreiben. Ein Christian Streich ist es, ein Jürgen Klopp ist es, ein Thomas Müller ist. Das sind die Menschen, denen Fehler verziehen werden. Franco Foda, der oft den Beinamen „Schönfärber“ zugesprochen bekam, wirkte zumindest auf mich nie authentisch.

  • Ein guter Trainer muss kompetent sein: Fachkompetent, Selbstkompetent und Unterrichtskompetent. Zu begeistern ist wichtig, doch muss die Energie auch in die richtigen Bahnen gelenkt werden: Taktik, Aufstellung, Spielformen, der gute alte Matchplan und alles was vor und nach den 90 Minuten die Spieler dazu befähigt, 100% Leistung auch körperlich und geistig abrufen zu können.

  • Ein guter Trainer muss die richtigen Werte verkörpern: Oft wird von Stallgeruch gesprochen: Kenntnis über das Umfeld, den Verein und Eigenarten der Region. Was Stallgeruch aber eigentlich implizit meint, ist die Übereinstimmung der Werte der Person mit den Werten des Vereins. Dafür muss man nicht zwingend 100 Meter vom Stadion entfernt geboren worden sein und auch nicht für den FCK gespielt haben. Es ist dieses gewisse etwas, das Verbindung schafft. Eine Grundvoraussetzung, um eine Einheit zwischen Trainer, Spielern und Fans zu schaffen.
Mittwoch, 10 Juli 2013 20:30

Erfolgsfaktor im Sponsoring: Empathie

geschrieben von

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Sponsoring: Ein Begriff, der sich vom lateinischen „sponsus“ ableitet - was im eigentlichen Sinne so viel wie „Verlobter“ bedeutet. Und sind Sponsoren formal gesehen  tatsächlich so etwas wie Verlobte, agieren sie doch in den seltensten Fällen wie ein solcher. Gemessen an der Kommunikationsleistung und der Aktivierung ihrer Aktivitäten fühlt man sich oft – um im Bildnis zu bleiben – an eine Jungfrau, männlich, Mitte 40 erinnert....

Es gibt gutes und schlechtes Sponsoring. Die interessanten Fragen sind: Was macht gutes Sponsoring aus? Welche gesellschaftlichen Faktoren beeinflussen Sponsoring heute und morgen? Was macht Kommunikation überhaupt erfolgreich? Was ganz speziell im Sport? Und was in aller Welt hat Empathie damit zu tun?

Lieber Herr Kühne,

ein Gerücht, das aktuell die Runde in den deutschen Gazetten macht, ist der Beweggrund für mein Schreiben an Sie. Sie erklären sich bereit, die Namensrechte an der (jetzigen) Imtech-Arena in Hamburg zu erwerben. Mit einem entscheidenden Unterschied zu allen anderen Namingright-Investments: Sie wollen den traditionellen Namen des Stadions zurückerwerben. Volksparkstadion, ein Name der trotz aller vorangegangenen Namensrechte ohnehin noch tief verwurzelt in den Köpfen der Menschen ist. Glückwunsch, dass Sie das erkannt haben.

Dienstag, 28 Mai 2013 22:23

Von Tränen der Enttäuschung und des Stolzes

geschrieben von

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Es gibt im Leben eine Menge großartiger Augenblicke. Das Problem dabei ist, dass diese Augenblicke vergehen und die Realität einkehrt. Hinter der nächsten Ecke lauert schon dieser grausame, unrasierte Kerl namens Alltag. In unserem Fall getarnt als personifizierte Zweitligazugehörigkeit. Zuhause in Aue, Karlsruhe und Bielefeld.

Aber heute ist noch nicht die Zeit für die Realität, denn gestern war ein Augenblick, der Bestand haben wird. Nicht nur morgen, sondern auch in ein paar Jahren. Das mag befremdlich wirken bei der Betrachtung des Endergebnisses. Nur wer vor Ort war, versteht, was gemeint ist. Worte können das nur begrenzt wiedergeben, aber ich versuche es trotzdem.

Der alte Mann auf dem Klo

Oft sind es die kleinen Wortfetzen, die einem in Erinnerung bleiben. So wie zur Halbzeitpause auf dem Klo. Voller Resignation trottete ich wie ferngesteuert hinunter. Auf dem Weg enttäuschte Gesichter, murmelnde Gespräche. Viele Wortfetzen hätte in Erinnerung bleiben können, doch am Ende war es nur der Satz eines alten Mannes: „Der alte Betze hätte schon längst 3:0 geführt“.

Auf dem Rückweg zum Platz kreisten mir die Worte im Kopf. Der alte Betze also. Ja, vielleicht hätte der „alte Betze“ 3:0 geführt, aber was auch immer für ihn der „alte Betze“ war: An diesem Abend stand der „Betze der Neuzeit“ dem Alten in Nichts nach. In wirklich nichts – bis auf das Geschehen auf dem Rasen.

Die zweite Halbzeit begann und wieder mal fackelte kurz das Feuer der Hoffnung:
Tor zum 1:1 – ein einziges wildes Geschrei wie im Rausch. Wenig später: Idrissou köpft das Tor zum 2:1 – grenzenloser Jubel. Blackout. Dann die Realität wenige Sekunden später: Das Tor wird nicht gegeben. Wut, Frust, Unverständnis.

Kurz darauf: Hoffenheim macht das Tor zum 1:2. Die folgenden Sekunden kamen mir vor wie eine Ewigkeit. Irgendwas in mir hofft, dass es nicht wahr ist. Ich will es nicht realisieren. Die Sekunden nach dem Einschlag vergehen: 1,2,3,4,5. Ich gucke immer noch wie gebannt auf den Schiedsrichter, auf die Spielertraube, auf die Fankurve. Lass das Tor aus irgendeinem Grund nicht gelten. Lass irgendwas passieren... 6,7,8,9,10. Ich schau mich um. Es passiert nichts. Der Spielstand auf der Videowand wandelt sich zum 1:2. Ich rechne den Gesamtstand aus: Wir müssten 5:2 gewinnen. Ich schaue erneut auf die Videowand: 74. Minute.

Das war’s. Moment der Leere. Einige Sekunden vergehen: Die ganzen letzten Tage passieren Revue. Die Vorfreude, die unglaubliche Euphorie schon Tage vor dem Spiel. Alles zerplatzt wie eine Seifenblase. Ich sehe mich vor dem geistigen Auge im Gästeblock der Alm stehen, in Paderborn, vielleicht in Dresden, vielleicht in Düsseldorf. Wie ein Film zieht alles an mir vorbei, während der leere Blick immer noch über die Ränge wandert.

Ich schaue in die Gesichter der Leute. Bei ihnen passiert genau dasselbe. Noch ca. 20 Minuten bis zum Abpfiff. Es ist vorbei. Doch irgendwie wird mir und vielen anderen in diesem Moment wieder klar, was eigentlich jeder weiß: Das was den FCK besonders macht, ist unabhängig von der Ligazugehörigkeit. Niemand denkt auch nur im entferntesten daran, das Stadion zu verlassen.

Die ersten Schals gehen hoch. Ich schließe mich an. Olé Rot Weiss erklingt und sollte nicht mehr enden. Nicht nach Spielende und auch weit darüber hinaus nicht. Ich halte den Schal immer noch hoch, obwohl meine Arme schon längst eingeschlafen sind und nur noch weh tun. Wie bescheuert muss man für so etwas eigentlich sein? Es ist mir egal. Ich schaue mich um: Menschen weinen, halten sich in den Armen, sind innerlich auf ihrer eigenen Gedankenreise nach Aue, nach Bielefeld, nach Karlsruhe.

Das Lied erklingt immer lauter und die Tränen der Enttäuschung und Trauer werden auf einmal zu Tränen des Stolzes und der Rührung. Momente, die für mich ein Leben lang in Erinnerung bleiben. Die magischsten Momente, die ich je in einem Stadion erlebt habe. Dieses spontane und ergreifende Gefühl des Trotzes. Wie ein Bataillon von Soldaten, die einen gefallenen Kameraden salutierend ein letztes Lied am Grabe singen. Der FCK wurde gestern nicht begraben – im Gegenteil: Gestern ist er wieder auferstanden. Gestorben und begraben wurden höchstens die Hoffnungen der Erstklassigkeit für die kommende Saison. Nicht mehr und nicht weniger.

Zurück in der Gegenwart:

24 Stunden sind vergangen. Der gestrige Tag wirkt noch nach. Der Stolz ist immer noch stärker als die Enttäuschung. Aber auch dieses warme, wohlige Gefühl wird verschwinden. Und es muss auch verschwinden, um Platz zu machen für eine knallharte Aufarbeitung. Noch nicht heute, auch noch nicht morgen, aber schon bald muss genauer hingesehen werden, denn das was annähernd 50.000 Menschen erhobenen Hauptes gefeiert haben, war kein Freibrief für die geleistete Arbeit in dieser Saison. Es war kein Loblied auf den Trainer, auf die Mannschaft oder auf irgendetwas. Es war eine Geste, die in dem Moment einfach richtig, wichtig und gut war, aber nicht falsch verstanden werden darf.

In einigen Tagen müssen Sachen angesprochen werden. Dann muss aufgeräumt werden. Es müssen Konsequenzen gezogen werden – welcher Art auch immer.

Das was der alte Mann auf dem Klo mit „Der alte Betze hätte schon 3:0 geführt“ zwischen den Zeilen zum Ausdruck bringen wollte, trägt nämlich viel Wahrheit in sich: Dieser Verein, dieses ganze drum herum hat viel mehr verdient. Es muss nicht die deutsche Meisterschaft sein, nicht die Championsleague und auch nicht der Europacup. Es muss aber möglich sein, einen konzeptionellen Fußball spielen zu lassen, der es uns ermöglicht noch mehr solcher Abende zu erleben.

Denn so unbezahlbar diese Momente in Zeiten der Niederlage sind und so sehr ich mich freue über jede SMS von vereinsfremden Anhängern, die voller Begeisterung, Anerkennung und Rührung die Unterstützung der Fans würdigen, ist der sportliche Erfolg doch am Ende des Tages die notwendige Bedingung. Vom sportlichen Erfolg waren wir in diesen Relegationsspielen aber meilenweit entfernt. Wir waren nicht auf Augenhöhe mit Hoffenheim. Wir waren bei weitem nicht konkurrenzfähig. Nicht ansatzweise, um ehrlich zu sein.

Dieser Verein, diese Gemeinschaft hat mehr verdient als die zweite Liga. Um da rauszukommen, braucht es mehr als momentan da ist. So reicht es ganz offensichtlich nicht. Das hat man in Hoffenheim gesehen, das hat man gestern auf dem Platz gesehen und das hat man vor allem in vielen Spielen der regulären Saison gesehen.

Wie unschlagbar wäre es, wenn der sportliche Erfolg nur ansatzweise an dem Potential des Vereins anknüpfen könnte? Das sind fromme Wünsche und Ziele, aber sie sind zu erreichen. Allerdings nur dann, wenn man sich nicht mit dem Status Quo zufrieden gibt.

Die Aussagen des Trainers zeichnen ein anderes Bild als ich und viele andere es wahrnehmen. Das ist für mich erschreckend. Aber Wahrnehmung ist Realität. Doch wer das tatsächlich so wahrnimmt und sich mit dem Gegner auf Augenhöhe sah, wird niemals in der ersten Bundesliga ankommen. Wenn wir uns damit zufrieden geben, dann werden wir auch die nächsten Jahre nicht aufsteigen. Zufriedenheit ist Stagnation.

Doch intensiver will ich daran noch nicht denken. Noch nicht heute. Ich summe innerlich immer noch „Olé Rot Weiss“. Morgens unter der Dusche, auf der Fahrt zur Arbeit und in jeder ruhigen Minute des Tages. Ich habe noch keine Lust aufzuwachen und die Realität zu sehen. Bald wird uns der grausame, unrasierte Kerl namens Alltag heimsuchen, aber noch nicht heute.

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Bildquelle: der-betze-brennt.de

Sonntag, 26 Mai 2013 08:37

Relegation 2013: Unser Championsleague-Finale

geschrieben von

Sonntagmorgen und ganz Deutschland ist noch elektrisiert vom CL-Finale im Wembley Stadion. Wie soll ich an dieser Stelle erklären, dass ich es nur mit halbem Auge und mit Tagträumen verbracht habe? Ich versuche es erst gar nicht. Das war nicht mein CL-Finale. Mein CL-Finale ist morgen. Nicht im Wembley-Stadion, sondern auf dem Betzenberg. Für dieses letzte Spiel bringt uns keine Sachlichkeit weiter, keine Objektivität und auch keine Rationalität. Drama, Pathos und Romantik sind angesagt:

Die Sonnenfinsternis

Morgen ist unser CL-Finale und es fühlt sich tatsächlich wie eines an. Vergleichbar mit der Sonnenfinsternis, die Anfang diesen Jahrtausends die Menschen für ein paar Tage in ihren Bann riss. So eine Sonnenfinsternis ist – ebenso wie ein Fußballspiel – ein Ereignis, bei dem viele verschiedene Faktoren zusammenpassen müssen. Es braucht diese seltene und besondere Konstellation.

Manchmal kann man auf dem Betzenberg schon im vorhinein erahnen, dass so ein Tag bevorstehen könnte. Diese besondere Konstellation, die große Momente und Spiele erzeugt. Die letzte Sonnenfinsternis – im übertragenen Sinne ­– fand in Kaiserslautern am 18.05.2008 statt. Das Datum bedarf keiner weiteren Erklärung.

Am 27.05.2013 wird wieder so eine Sonnenfinsternis in Kaiserslautern stattfinden. Dafür muss man kein Prophet sein, nur ein Gefühl für die Geschichte und Intimitäten des FCK haben: Flutlicht; ausverkauftes Haus;  ein mehr als verhasster Gegner;  ein Rückstand, der aufgeholt werden muss; Fritz-Walter Wetter; eine Einheit, die für das entscheidende Spiel alles vergangene vergisst und viele kleine weitere Faktoren, die für optimale Voraussetzungen sorgen.

Das Hinspiel hat schon einen kleinen Vorgeschmack darauf gegeben. Die Spieler haben  Feuer gefangen. In den Augen der Spieler bei den üblichen Interviews nach Spielende war keine Resignation, Enttäuschung oder Frust zu erkennen, sondern Optimismus, Siegesgewissheit und Glaube. Alle glauben noch dran. Dieser Glaube schießt zwar keine Tore, aber er ist die Grundvoraussetzung für Erfolg. Und zwar Immer.

Mein CL-Finale am Montag wird kein europäisches Highlight sein, sogleich es aufgrund des Gegners zumindest von nationaler Bedeutung ist. Die Schlagzeilen werden wohl ein paar Stunden die Gazetten bestimmen und für die meisten Nicht-Infizierten wird es gleich wieder vergessen sein. Nicht wenige werden es als komplett bedeutungslos erachten.  Doch für mich ist es wie Weihnachten, Ostern und Sylvester zusammen. Rational sowieso nicht zu erklären, aber am Montag werden da 50.000 andere sein, denen es genauso geht. Wie der Ring auf Frodo wirkt diese Eintrittskarte, die schon sehnsüchtig darauf wartet, zum Betzenberg gefahren zu werden.

Dazu diese Tagträume, die einen schon Tage vorher seine Umwelt vergessen lassen. Alles spielt sich vor dem inneren Auge ab. Innerlich bin ich schon jede einzelne Treppe hoch zum Fritz Walter Stadion aufgestiegen, habe jedes Lied innerlich geträllert, bin jede noch so mögliche Ergebniskonstellation und ihre Auswirkung durchgegangen. Vor meinem inneren Auge habe ich das Spiel schon mindestens 4x90 Minuten durchgespielt. Auf den Rängen, als Spieler selbst und aus allen möglichen anderen Perspektiven.

Zwei Versionen

Was den Spielverlauf betrifft, gibt es für mich genau zwei Versionen, wie das Spiel ablaufen kann: Entweder kommt es so, wie es rein rational zu erwarten ist: Hoffenheim setzt sich mit seiner vermeintlich stärkeren Spielanlage durch und wir bleiben Zweitligist.

Die zweite Version ist etwas weniger rational, aber durchaus realistisch, wenn man die Vergangenheit des FCK kennt. Es wäre bei weitem nicht das erste Mal, dass so ein Spiel im Fritz-Walter Stadion die Verhältnisse komplett umkehrt. Spiele werden zu 50% im Kopf entschieden. 50.000 Menschen auf den Rängen und elf Lauterer auf dem Platz werden Hoffenheim keine Luft zum Atmen lassen, keine Verschnaufpause gönnen, keinen cm Raum lassen.

Romantisches Gelaber mit übermäßigem Pathos? Vielleicht, aber die Realität zeigt, dass diese zweite Version möglich ist. Die folgenden Stimmen sind nur einige von vielen. Nicht nur um zu zeigen was in der Vergangenheit des Betzenbergs schon alles möglich WAR, sondern vor allem um daraus abzuleiten, was möglich IST:

"Wenn Deutsche so gedemütigt wurden, hält sie nichts mehr auf - die sind glatt in der Lage, uns zu überrennen. Ich weiß das. Ich war in Kaiserslautern. Damit bin ich genug bedient."  (Josep Guardiola als Trainer des FC Barcelona)

Nirgends spürt man die Massen so massiv wie in Kaiserslautern.
(Joachim Weyland, ehemaliger FIFA-Schiedsrichter aus Oberhausen)

"Auf dem Betzenberg gab es ja schon lange keinen Bundesliga-Fußball mehr. Einige wussten wohl nicht, dass es hier andere Spiele gibt. Jetzt wissen sie es."
(Fredi Bobic)

"Man müsste verbieten, dass der FCK auf seine Fan-Kurve spielen darf, besonders in der zweiten Hälfte, da geschieht immer irgendwas Besonderes - mit beiden Mannschaften..."
(Christian Eichner)

Das ist eben der Betzenberg. Du spielst gut, du führst und du denkst, du hast alles im Griff und plötzlich wirst du überrannt und verlierst. [Freddi Bobic)

"Die starken Schlussphasen auf dem Betzenberg sind sowieso programmatisch und in der Vereinssatzung verankert" (Sky-Kommentator Marcus Lindemann)

Wenn die Mannschaften der Bundesliga über Spiele gegen Kaiserslautern am Betzenberg berichten, klingt das immer so, als hätten sie gerade ein Sibirisches Straflager überstanden. (Sport-Bild)

"Auf dem Betzenberg erwartet uns die Hölle, ich fürchte um das Leben von Bodo Illgner!" (Erich Rutemöller 1990)

Es ist völlig realistisch, dass der Betze das Ding noch dreht. Fällt tatsächlich das 1:0 … sollte es wirklich so sein, dass Kaiserslautern mit 1:0 in Führung geht … dann könnte Hoffenheim einbrechen. Dann werden sie dem Druck nicht standhalten können. Das ist die Version, die nicht weniger wahrscheinlich ist als die Erste.

Aber auch dafür braucht es ein paar Faktoren, die stimmen müssen. Jeder Spieler muss die Leistung seines Lebens abrufen. Der ein oder andere Sonntagsschuss des Gegners muss gegen die Latte statt in den Winkel gehen, Sippel einige unhaltbare rausholen, Idrissou den entscheidenden cm nicht im Abseits stehen und netzen.

Und zu guter Letzt muss und wird sich der FCK an diesem 27. Mai auf das besinnen, was ihn ausmacht und was die Zeitschrift „Der Spiegel“ vor einigen Jahren mal treffend auf den Punkt gebracht hat:

Kaum ein deutscher Verein ist derart identitätsstiftend für eine Region wie der 1. FC Kaiserslautern. Dessen Stadion haben die Einwohner auf dem Betzenberg erbaut, es erinnert an eine Burg, die die Stadt beschützt und in die die Bürger flüchten können. 
Ein bisschen ähnelt ein normaler Bundesligaspieltag tatsächlich einer Flucht. Dann steigen die Menschen aus der pfälzischen Provinz hinauf auf diese Burg, rücken zu einer regionalen Einheit zusammen, sie brüllen und toben – für diese 90 Minuten haben die Gäste aus den Metropolen Deutschlands wenig Grund zur Freude.
(Der Spiegel)

Die Konstellation stimmt. Die Sonnenfinsternis kann kommen.

Lautern allez!

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Montag, 20 Mai 2013 21:42

Relegation 2013: Alte gegen neue Welt

geschrieben von

Genau das ist es, was es gebraucht hat. Das Drehbuch des Fußballgotts ist wieder einmal Hollywoodreif. Wir haben den Gegner für die Relegation bekommen, den sich zwar nur die wenigsten gewünscht haben, der aber genau das richtige Puzzlestück für eine Konstellation ist, die den berühmten Betze-Geist für das alles entscheidende Spiel beleben wird.

Alte Welt vs. Neue Welt

Und es ist kein bloßes Duell zweier Fußballmannschaften. Hier tritt Kaiserslautern als Stellvertreter der alten Welt gegen die TSG 1899 Hoffenheim als Vertreter der neuen Welt an. Ein Klub mit Seele gegen den Virus des deutschen Profifußballs. 80 km Luftlinie voneinander entfernt und doch wie zwei Paralleluniversen mit Unterschieden, die nicht größer sein könnten. Das klassische Duell der Gegensätze: Gut gegen Böse, Tradition gegen Kunstprodukt, Pferdewurst gegen Lachsschnittchen.

Alles ist vorbereitet für diesen prägenden Meilenstein, der in die Geschichte des 1. FC Kaiserslautern eingehen wird – im Falle des Erfolges ebenso wie im Falle des Scheiterns. Sportlich der wohl schwierigste von allen möglichen Gegnern, emotional allerdings das absolute Highlight. Eine Niederlage gegen Düsseldorf hätte weh getan, aber es wäre verkraftbar gewesen. Bei diesem Gegner ist das anders. Wir sind verpflichtet, zu gewinnen.

Angst vs. Vorfreude

Darum kann es auch niemand leugnen: Die Vorfreude auf dieses Spiel paart sich aktuell mit der Angst, dass es schief gehen könnte. Doch alle Enttäuschung, alle unerfüllten Erwartungen, alle überzogenen Ansprüchen, all die Unzufriedenheit und all der Frust der vergangenen Monate sind vergessen. Alles ist auf Null gestellt. Es zählen nur diese beiden Spiele. Wir haben die Konstellation, die es benötigt hat, um die eingeschlafene FCK-Seele wieder aufzuwecken. Und es steht weit mehr als die Ligazugehörigkeit für die nächste Saison auf dem Spiel. Müssen wir uns die nächsten zwei Wochen im Keller verstecken oder können wir mit dem FCK-Trikot durch ganz Deutschland stolzieren?

Der Ausgang dieser Relegation wird die Vereinsgeschichte der kommenden 5 Jahre entscheidend prägen und beeinflussen. Es steht unheimlich viel auf dem Spiel. Wir sind All-In. Entweder knacken wir den ganz großen Jackpot oder wir liegen bettelarm und ausgeraubt auf der Straße. Epischer Sieg oder epische Demütigung. Kein zweiter Boden, kein Sicherheitsnetz. Wir haben das schlechtere Blatt im Kampf gegen einen Gegner mit Assen auf den Händen. Hochbezahlte, hochtalentierte Einzelspieler auf Seiten der Sinsheimer. Ausgestattet mit Mitteln, die unseren weit überlegen sind.

David vs. Goliath

David gegen Goliath im besten Sinne. Mit dem Unterschied, dass die Muskeln des Goliaths nicht echt sind. Nur aufgepumpt mit heißer Luft. Ein Kunstprodukt, dass sich die Zugehörigkeit in der Bundesliga über den einfachsten Weg gesucht hat und dem wir jetzt mit einem gezielten Tritt in den Allerwertesten wieder aus dem Oberhaus verbannen können.

Wir haben die  große Chance, diesen Virus des deutschen Fußballs in die Zweitklassigkeit zu versenken. Nicht weniger als ganz Fußballdeutschland steht dafür auf unserer Seite. Und diese Unterstützung brauchen wir auch, um es möglich zu machen.

Und in einem sind wir der Goliath und die TSG der David: Es sind die Menschen, die den Verein seit Jahrzehnten begleiten und genau in diesen Momenten da sind, um den alten Mythos des Betzenbergs wieder aufleben zu lassen. Der Mythos,  der sich immer dann aktiviert, wenn der FCK mit dem Rücken zur Wand steht. Wenn keiner einen Pfifferling auf uns setzen würde. Dann ist sie plötzlich wieder da, diese uneinnehmbare Festung namens Fritz-Walter Stadion.  Und genau deswegen wird eine ganze Fußballnation hinter dem FCK stehen. Auf der Seite des Guten, der alten Welt, der Pferdewurst.

Sieg vs. Niederlage

Und wenn wir auch untergehen sollten, so tun wir es mit wehenden Fahnen und der Gewissheit, dass ohnehin das, was einen Fußballverein besonders macht, mit keinem Geld der Welt erkauft werden kann. Am Ende werden wir Sieger sein – unabhängig vom Ergebnis.

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